Wer einmal den Komfort eines Smart Locks erlebt hat, möchte den klassischen Haustürschlüssel nicht mehr aus der Tasche kramen. Ich habe in den letzten Jahren einige Modelle von SwitchBot, Nuki und Yale getestet – seit rund zwei Jahren nutze ich das Aqara U200, das ich mir vor allem wegen der HomeKey-Unterstützung zugelegt habe.
iPhone oder Apple Watch kurz an das Schloss halten, schon geht die Tür auf. Das kann das neue
Lock Ultra Max Vision Pro Combo (geht der Name nicht geschmeidig über die Lippen?) von SwitchBot nicht.
Nach einigen Wochen im Dauereinsatz steht jedoch fest: Ich vermisse Apples Schlüssel-Feature keine einzige Sekunde. Die Kombination aus rasend schnellem Motor und berührungsloser Personenerkennung macht das Schließen so mühelos, wie ich es bislang noch nicht erlebt habe.
Perfekt ist das System dennoch nicht – denn neben einem ärgerlichen Hardware-Versäumnis bei der Montage hakt es noch beim Zusammenspiel mit externen Smart-Home-Plattformen.
Lieferumfang: Alles drin, was man braucht
Im Karton der SwitchBot Lock Ultra Max Vision Pro Combo findet sich alles, was man für die Montage und den Betrieb braucht:
- das Schloss selbst samt Akku und Zierblende
- das Keypad Vision Pro samt passenden Montage- und Abdeckplatten
- der SwitchBot Hub Mini Matter Enabled für die Smart-Home-Anbindung in bestehende Systeme
- diverse Adapter für Schließzylinder
- zwei Montageplatten für das Schloss (eine zum Kleben, eine zum Verschrauben)
- das nötige Werkzeug (Inbusschlüssel, Schrauben, Dübel)
- ein kleiner Magnet zur Türstatuserkennung
- eine NFC-Karte zum Entsperren
- Ladekabel für alle Komponenten sowie passgenaue Klebepads
Wie bei Smart Locks üblich, braucht ihr nicht alles an Zubehör, das beiliegt. Ich brauchte beispielsweise keine Adapter für meinen Schließzylinder – aber es ist natürlich schön, dass der Hersteller an alles denkt und man nichts nachbestellen muss.
So kann es also direkt losgehen mit der Montage.
Design und Montage: Ein ärgerlicher Stolperstein
Optisch sieht das Smart Lock ganz gut aus, wobei ich zugebe: Ich finde solche aufgesetzten Schlösser nie wirklich schön. Sie sind zweckdienlich und solange sie nicht furchtbar hässlich aussehen, ist mir die Optik egal.
Wertig wirkt das Smart Lock in jedem Fall, denn der Hersteller arbeitet mit viel Aluminium. Das gefällt mir gut.
Da ich in der Vergangenheit schon einige Smart Locks montiert habe, war das Anbringen des SwitchBot Lock Ultra Max Vision Pro Combo ein Kinderspiel. Aber auch für Neulinge ist die Montage schnell erledigt, denn der Hersteller stellt in der App auch Videoanleitungen bereit.
Zunächst wird die Montageplatte über den Zylinder gesetzt und festgeschraubt. Danach wird das Schloss aufgesetzt und über zwei kleine Metallklammern an der Seite festgezogen. Akku rein, Abdeckplatte darüber – fertig.
Kleine Schwierigkeiten habe ich mit dem beigelegten Magneten:
- Das Problem: Bei meiner Tür liegt das Türblatt auf dem Rahmen auf, anstatt vollkommen plan abzuschließen.
- Die Folge: Der Abstand zwischen Schlosssensor und Rahmenmagnet ist dadurch zu groß. Das System erkennt nicht immer zuverlässig, ob die Tür tatsächlich offen oder zugezogen ist.
- Die Bastellösung: Ich habe mir mit einem Stück Holz selbst eine Erhöhung für den Test gebastelt, um den Magneten auf dieselbe Höhe wie die Schlosseinheit zu bringen.
Das ist allerdings nicht gerade ideal, vor allem optisch. Schön wären beiliegende Abstandhalter, mit denen man dieses Problem lösen könnte. Alternativ würde es vielleicht auch ein stärkerer Magnet tun.
Das Keypad ist ebenfalls schnell montiert. Ich habe mich für die Klebevariante entschieden, alternativ lässt es sich auch mit Dübeln und Schrauben befestigen.
Nun wird nur noch der Hub Mini in die Steckdose gesteckt.
Im Anschluss erfolgt die gesamte Einrichtung mithilfe der SwitchBot-App. Der Hersteller löst das aus meiner Sicht wirklich gut und so einfach, dass auch Smart-Lock-Neulinge das problemlos bewerkstelligen können sollten.
Der Antrieb: Schneller und leiser
Sitzt das Schloss erst einmal, zeigt der neue »UltraDrive«-Motor, was er kann. Mit bis zu 160 Umdrehungen pro Minute erreicht das Modell die 3,2-fache Motordrehzahl seines Vorgängers. Zudem liefert der Motor eine Drehkraft von mehr als 9 Kilogramm, was auch für schwergängigere Türen genügend Leistung liefern sollte.
In der Praxis entriegelt das Schloss im »Max-Modus« in knapp über einer Sekunde. Das ist wirklich beeindruckend schnell. Wer abends oder nachts niemanden aufwecken möchte, kann die Drehgeschwindigkeit senken, um die Lautstärke zu verringen. Laut Hersteller sinkt sie dann auf 53,4 Dezibel.
Ich muss allerdings für mich feststellen, dass das Schloss selbst im Max-Modus im Vergleich zu älteren Modellen recht leise arbeitet.
Das Triple-Power-System: Keine Angst vor leerem Akku
Eine Sorge beim Smart Lock ist immer, dass es irgendwann keinen Saft mehr hat und man vor verschlossener Tür steht. Hier setzt SwitchBot auf ein dreistufiges Sicherheitskonzept:
- Hauptakku: Ein 4.200-mAh-Akku soll bei normaler Nutzung bis zu neun Monate durchhalten.
- Notfall-Batterie: Nimmt man den Hauptakku zum Nachladen heraus oder ist dieser leer, übernimmt eine unabhängige CR123A-Batterie. Diese reicht für rund 500 Schließvorgänge.
- Notfall-Kondensator: Sollte selbst diese Pufferbatterie entladen sein, sammelt das System etwa 30 Sekunden lang kleinste Restenergien und lädt einen Kondensator auf. Er ermöglicht anschließend bis zu fünf Notentriegelungen.
Trotz Sicherheitssystem erhaltet ihr natürlich trotzdem eine Warnung, wenn der Akku unter 20 Prozent fällt.
Keypad Vision Pro: Tausendsassa mit Infrarot
Das Highlight der SwitchBot Lock Ultra Max Vision Pro Combo sitzt jedoch draußen. Das smarte Tastenfeld bietet neben klassischen Tasten, NFC und Fingerabdruckscanner eine 3D-Gesichtserkennung sowie einen Handvenenscan.
Insgesamt unterstützt das System bis zu 19 verschiedene Zugangswege – vom Zahlencode über NFC, Sprach- und Smartwatch-Zugriff bis hin zu Auto-Unlock per Geofencing.
Im Alltag reduzieren sich diese Optionen bei mir auf wenige Favoriten:
- 3D-Gesichtserkennung: Das Schloss nutzt Tiefeninformationen und projiziert mehr als 30.000 Infrarotpunkte, um eine 3D-Gesichtskarte zu erstellen. Die Erkennung ist auf Täuschungssicherheit gegen Fotos oder Videos ausgelegt, reagiert schnell und selbst, wenn ich eine Kappe trage. Dank der integrierten Infrarotbeleuchtung funktioniert das selbst bei Dunkelheit.
- Handvenen und Fingerabdruck: Der kontaktlose Scan erfasst per Nahinfrarotsensorik das Venenmuster in der Handfläche. Auch das funktioniert im Alltag wirklich gut, ebenso der verbaute Fingerabdruckscanner.
Gesichts- und Handvenenerkennung haben allerdings einen Schwachpunkt: Sonnenlicht.
Ich hatte mein Keypad zunächst an der Tür befestigt und die Sonne knallte zu einer bestimmten Zeit auf den Infrarot-Scanner. In dem Fall hat er nicht mehr zuverlässig gearbeitet, sondern hatte Probleme. Das solltet ihr bei der Montage unbedingt beachten.
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Ich nutze in 99 Prozent aller Fälle die Gesichtserkennung. Ich brauche keine Hände, sondern kann mit Einkaufstaschen einfach die Tür entriegeln und öffnen. Das ist super und übertrifft für mich auch den Komfort der Handvenenerkennung.
Die Sensibilität der verbauten Annäherungserkennung kann übrigens verändert werden: Das Keypad weckt die Infrarot-Sensoren erst auf, wenn sich eine Person nähert. Die Empfindlichkeit dieses Radars lässt sich über die App in drei Stufen anpassen – von niedriger Sensibilität auf kurze Distanz bis hin zu hoher Sensibilität bei größerer Entfernung.
Das spart Strom und ermöglicht dem 5.000-mAh-Akku im Keypad eine Laufzeit von bis zu 12 Monaten.
Kein HomeKey: Da SwitchBot Apples HomeKey nicht nativ unterstützt, bleiben iPhone und Apple Watch als reine Berührungs-Schlüssel außen vor.
Großer lokaler Speicher und anpassbares Radar: Die Speicherkapazität des Keypads ist für private Haushalte üppig dimensioniert.
Die biometrischen Daten werden lokal via AES-128-Verschlüsselung auf dem Gerät verarbeitet. Hinterlegt werden können bis zu:
- 100 Gesichtsprofile
- 100 Handvenen-Profile
- 100 NFC-Karten
- 90 reguläre Passcodes + 10 Notfall-Codes (die beispielsweise bei Zwang einen stillen Alarm auslösen können)
- 90 reguläre Fingerabdrücke + 10 Notfall-Abdrücke
App und Rechteverwaltung: Zahlreiche Optionen, kleine Funktionslöcher
Die SwitchBot-App dient als Schaltzentrale. Hier kann man den Ereignisverlauf einsehen, Akkustände prüfen und Dinge wie die Auto-Lock-Funktion justieren, die die Tür nach dem Betreten oder Verlassen automatisch verriegelt. Die App bietet diverse Funktionen, um Keypad und Smart Lock an die eigenen Wünsche anzupassen.
Das Schloss hat auf dem Entriegelungsring eine belegbare Schnelltaste. Bei mir ver- oder entriegelt das Schloss beim Einmaldruck. Drücke ich zweimal hintereinander, verriegelt die Tür nach 20 Sekunden – praktisch wenn man das Haus verlässt.
Neben Warnungen vor einer offen gebliebenen Tür gibt das System auf Wunsch auch Wetterwarnungen aus 13 Kategorien (Regen, Schnee, Gewitter, Nebel) direkt beim Verlassen des Hauses aus. Für mich ist das ein Gimmick – aber vielleicht findet ihr das praktisch.
Trotz der zahlreichen Einstellungsmöglichkeiten gibt es noch etwas Luft nach oben. So lassen sich Zugangsberechtigungen nicht gebündelt für eine Person verwalten. Zudem gibt es bei zeitlich befristeten Codes keine wiederkehrenden Wochentags-Zeitpläne (etwa jeden Samstag von 10 bis 14 Uhr).
Smart Home und Matter: Fallen-Problem
Damit das Bluetooth-Schloss ins WLAN kommt, liegt der SwitchBot Hub Mini Matter Enabled bei. Er ermöglicht die Fernsteuerung über die App und bindet das System via »Matter over Bridge« in Smart-Home-Systeme wie Apple Home ein.
Allerdings zeigt sich hier die aktuelle Begrenzung des Standards: Apple Home beherrscht zwar das Auf- und Abschließen des Riegels, das Ziehen der Türfalle wird über Matter jedoch nicht nativ unterstützt. Wer die Tür komplett entriegeln lassen will, muss auf die SwitchBot-App oder Siri-Kurzbefehle zurückgreifen.
Solltet ihr euch das SwitchBot Lock Ultra Max Vision Pro Combo kaufen?
Die SwitchBot Lock Ultra Max Vision Pro Combo ist für euch interessant, wenn:
- Ihr in einer Mietwohnung wohnt und das Schloss komplett ohne Bohren oder einen Zylindertausch nachrüsten wollt.
- Ihr oft mit Einkäufen oder Kindern auf dem Arm nach Hause kommt und die Tür freihändig per Gesichtserkennung öffnen möchtet.
- Ihr eine hohe Ausfallsicherheit sucht und dank des dreistufigen Sicherheits-Konzepts (inklusive Kondensator-Notöffnung) keine Angst vor einer verschlossenen Tür haben wollt.
- Ihr Wert auf Privatsphäre legt und eure biometrischen Daten rein lokal und verschlüsselt auf dem Gerät gespeichert wissen möchtet.
Mögliche Alternativen zum SwitchBot Lock Ultra Max Vision Pro Combo
- Aqara U200: Interessante Option mit Apple HomeKey-Support.
- Netatmo Smart Lock: Wenn ihr Wert auf Sicherheit legt und ein
Offline-Schloss
bevorzugt. - Nuki Smart Lock Pro 5.0: Etabliertes Smart Lock mit integriertem WLAN.
Fazit, Preis und Verfügbarkeit
Die SwitchBot Lock Ultra Max Vision Pro Combo gehört für mich zu einem der besten Nachrüstschlösser. Der Motor öffnet Türen blitzschnell und die Gesichtserkennung ist im Alltag so komfortabel, dass sie mich Apple HomeKey vergessen lässt.
Getrübt wird der Eindruck nur durch das fehlende Montagezubehör für den Magneten bei aufliegenden Türblättern und die Infrarot-Empfindlichkeit bei direktem Sonneneinfall.
Erhältlich ist das Komplettpaket seit dem 3. September 2026 zu einer UVP von 320 Euro. Im freien Handel bekommt ihr das Set aktuell ab rund 250 Euro.


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