Wir kennen sie als Urlaubsziel: Teneriffa entwickelt sich gerade zu einer Insel der Supercomputer

Teneriffa baut seinen dritten Supercomputer – eine hybride Anlage mit 32 Nvidia H200-GPUs und über 3.700 CPU-Kernen. Das Projekt hat hehre Ambitionen.

Teneriffe wird mit dem »Centro de Supercomputación del Atlántico« zum fünftschnellsten Supercomputer-Standort Spaniens. Wie kam es dazu? (© Wikimedia Commons) Teneriffe wird mit dem »Centro de Supercomputación del Atlántico« zum fünftschnellsten Supercomputer-Standort Spaniens. Wie kam es dazu? (© Wikimedia Commons)

Teneriffa dürfte vor allem als ein Inbegriff von Sonne und Strand bekannt sein – daneben entwickelt sich die Urlaubsinsel aber still und leise zu einem der ernstzunehmendsten Supercomputer-Standorte Spaniens.

Mit dem »Centro de Supercomputación del Atlántico« entsteht dort ein dritter Großrechner, der die bereits vorhandenen Systeme »Teide« und »Anaga« ergänzt und gemeinsam mit ihnen auf Platz fünf der leistungsstärksten Supercomputer des gesamten Landes zielen soll.

Hinter dem Projekt stehen das für Teneriffa zuständige »Cabildo« (Regierungs-, Verwaltungs- und Repräsentationsorgan), das Institut für Technologie und erneuerbare Energien ITER sowie der deutsche IT-Konzern Bechtle.

  • Die Anfangsinvestition beläuft sich laut den Projektverantwortlichen (via Xataka) auf 5,5 Millionen Euro und kann bedarfsabhängig auf bis zu 10 Millionen Euro wachsen.
  • Dafür sollen vier Phasen schrittweise ausgerollt werden, die sich in je zwei für Speicher und Rechenleistung aufteilen
  • Jede Ausbaustufe wird mit der zum jeweiligen Zeitpunkt verfügbaren Hardware bestückt – veraltete Komponenten sollen so von vornherein ausgeschlossen werden.

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Das »Centro de Supercomputación del Atlántico« im Überblick

Der neue Supercomputer setzt auf eine hybride Architektur, die sowohl klassische wissenschaftliche Berechnungen als auch KI-Workloads abdecken soll.

Auf der CPU-Seite werden 13 Knoten mit jeweils 288 Kernen verbaut – macht folglich als 3.744 Prozessorkerne für wissenschaftliche Aufgaben wie Simulationen oder Klimamodelle.

Hinzu kommen vier GPU-Knoten mit insgesamt 32 Nvidia H200, also die aktuelle Flaggschiff-GPU des Herstellers für KI-Training und Inferenz.

Die kombinierte Rechenleistung soll zwischen 1,3 und 1,4 PFLOPS liegen, die sich in rund 300 TFLOPS CPU-seitig und knapp ein PFLOP auf der GPU-Seite aufteilen.

Mit diesen Werten rechnen die Verantwortlichen fest damit, in der TOP500-Liste der weltweit leistungsstärksten Supercomputer zu erscheinen.

Von Monaten zu Stunden

Für Cabildo-Präsidentin Rosa Dávila liegt der eigentliche Wert des Supercomputers im Forschungsalltag: Einrichtungen wie die beiden kanarischen Universitäten Las Palmas de Gran Canaria und La Laguna sollen Berechnungen, die heute monatelange Wartezeiten bedeuten, künftig innerhalb weniger Stunden abschließen können.

Falls ihr des Spanischen mächtig seid, findet ihr im unten eingebetteten YouTube-Video die offizielle Pressekonferenz zum Thema:

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Dass solche Kapazitäten weit mehr als Grundlagenforschung ermöglichen, zeigte sich bereits während der Corona-Pandemie: Dem ITER-Vertreter Juan José Martínez zufolge gehörte der Teide-HPC damals zur Handvoll spanischer Einrichtungen, die aktiv an der Sequenzierung und Überwachung von COVID-19-Varianten beteiligt waren.

  • Die neue Infrastruktur soll am Rande auch der Filmindustrie zugutekommen, was für die Teneriffa-Supercomputer aber nichts Neues ist: Der Teide-HPC wurde bereits für Renderingarbeiten am Animationsfilm »Tad Stones und das Geheimnis von König Midas« genutzt.
  • Hinzu kommt die Verwaltung der geplanten kanarischen Satellitenkonstellation, die das Cabildo gemeinsam mit dem kanarischen Astrophysik-Institut IAC entwickelt.

Ein Viertel des Platzes – CO₂-Fußabdruck gleich Null

Trotz der deutlich gesteigerten Leistung im Vergleich zu den Vorgängern soll der neue Supercomputer im Centro de Supercomputación del Atlántico nur ein Viertel der physischen Stellfläche des Vorgänger-Systems beanspruchen.

Hinzu kommt: Der gesamte Strombedarf wird aus erneuerbaren Quellen gedeckt, die das ITER über eigene Windparks und Photovoltaikanlagen betreibt. Der CO₂-Fußabdruck soll damit bei null liegen.


Der schnellste Supercomputer Europas steht übrigens in Deutschand – mit einer Trillion Rechenoperationen pro Sekunde.


Von Teide nach ganz Europa

Der erste Großrechner der Insel »Teide« – nach dem mit 3.715 Metern über Normalnull höchsten Berg Spaniens benannt, der zufällig auf Teneriffa ist – ging als Gemeinschaftsprojekt des Cabildo und des ITER an den Start.

Im Laufe der Jahre bewies der Supercomputer wie erwähnt in verschiedenen Disziplinen seine Praxistauglichkeit; »Anaga« folgte daraufhin als spezialisiertes KI-System.

Das neue Centro de Supercomputación del Atlántico ist der bislang ambitionierteste Schritt: Mit der Integration aller drei Systeme und dem Einstieg in die TOP500-Liga will Teneriffa nicht länger nur ein regionaler Rechenstandort sein, sondern als technologischer Hub für Unternehmen und Talente aus ganz Europa wahrgenommen werden.

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