Es ist mehr als 15 Jahre her, dass Block 0
des digitalen Coins generiert wurde. Seither musste er sich schon so einiges an Kritik gefallen lassen, denn Gegner und Befürworter bieten sich nach wie vor die Stirn.
2021, ein schwerer Seitenhieb: In aller Öffentlichkeit gab ausgerechnet Innovator und Tesla-CEO Elon Musk auf Twitter das Aus für Krypto bekannt.
Nach nunmehr vier Jahren sorgt eine frische Cambridge-Studie für Aufsehen und heizt die Gemüter auf wie ein Mining-Rig unter Volllast. X-User Cryptoklepto
fordert Elon Musk auf, seine Entscheidung erneut zu überdenken.
Der Stromfresser mutiert zum Saubermann
Gelehrte in Cambridge beschäftigen sich schon seit längerem mit der Krypto-Währung. Das Institut rechnet dem Mining in einer neuen Studie 0,5 Prozent des weltweit produzierten Stroms zu. Konkret bedeutet das 138 Terrawattstunden und damit mehr als die gesamten Niederlande.
Man knöpfte sich also die Daten fast der Hälfte aller professioneller Miner vor und gelangte zu einem interessanten Ergebnis: Die 50-Prozent-Marke scheint endlich geknackt. Der Strom-Mix, mit dem Bitcoins geschürft werden, besteht hochgerechnet zu 52,4 Prozent aus nachhaltiger Energie. Auch wenn Kernkraft knapp zehn Prozent ausmacht, sind es immerhin noch 42,6 Prozent aus erneuerbaren Quellen.
Kritiker meinen, es sei noch zu früh, dies als Triumph zu feiern, denn eine saubere Bilanz sieht anders aus. 40 Prozent des Strombedarfs stammen schließlich nach wie vor aus fossilem Erdgas.
Heuschrecke oder Mistkäfer
Doch das Bitcoin Policy Institute (BPI) hat eine Erklärung dafür: In einem direkten Vergleich mit KI-Rechenzentren und traditionellen Finanzinstituten zeichnet es ein bildhaftes Szenario – und rückt die Zahlen in ein besseres Licht.
Wie die Heuschrecken würden diese über die wertvollen Stromreserven herfallen – und das ausgerechnet zu Stoßzeiten, in denen das Netz ohnehin an seine Grenzen kommt. Bewusste Krypto-Miner hingegen lebten wie Mistkäfer von energetischem Abfall, würden also auch nicht genutzt Energiereste, die sonst ungenutzt blieben.
Drei Argumente, die laut Institut daher für den grünen Bitcoin sprechen:
- Flexibler Verbrauch: Mining-Datenzentren in den USA schalten während der Peaks einfach ab und entlasten somit das Stromnetz - im Gegensatz zu Serverfarmen von Streaming-Anbietern, die unter Volllast weiter laufen.
- Aasfresser: Miner können sich in abgelegene Regionen zurückziehen. Sie sind nicht auf niedrige Pings angewiesen und können sich vom ohnehin anfallenden Überschuss ernähren.
Beispiel: Williston, North Dakota – Flare-Gas, das beim Fördern von Erdöl entsteht und sonst abgefackelt würde, treibt seit 2019 Mining-Container vor Ort an. - Offgrid-Katalysator: Egal ob Kleinwasserkraftwerk oder Solarpark: Der Miner nimmt, was ihm unter die Finger kommt. Der Standort spielt dabei keine Rolle, wodurch viele neu entstandene Offgrid-Lösungen von Beginn an einen lukrativen Abnehmer finden.
Imagewechsel – alles nur ein Blick durch die rosarote Brille?
Kritiker gehen mit den Ergebnissen der Studie nicht konform, denn je nach angewendeter Methodik komme man am Ende auf ganz unterschiedliche Zahlen.
Cambridge setzt zudem einzig auf freiwillige Angaben aus Selbstauskünften, was Greenwashing durch Klimazertifikate möglich macht. Die befragten 49 Mining-Firmen machen außerdem nur etwa die Hälfte des Bitcoin-Mining aus – unter welchen Voraussetzungen wird die andere Hälfte der Bitcoins geschürft? Und dann wäre da noch das Gas, das gegenüber Kohle zwar klimafreundlicher, bei weitem jedoch nicht klimaneutral ist.
Einen Schlussstrich zu ziehen, dürfte schwierig werden. Der Bitcoin hat auf jeden Fall sichtbar nachgebessert. Verfechter der unabhängigen Währung möchten sich nicht den schwarzen Peter in die Schuhe schieben lassen und halten stattdessen der Konsumgesellschaft den Spiegel vor.
Datenzentren – egal welcher Art – sind alles andere als ressourcenschonend. Energiehungrig befriedigen sie unseren Datenkonsum im Sekundentakt. Wie sich die Strombilanz von ChatGPT, Netflix und Co. gegenüber Mining rechtfertigen lässt, liegt wohl einzig im Auge des Betrachters.
Und was sagt Herr Musk nun dazu?
Da die 50-Prozent-Schwelle erreicht und der Trend positiv zu sein scheint, stellt sich noch die Frage, ob Tesla den Coin wieder an die Kasse lässt. Das dürfte wohl davon abhängen, wie glaubwürdig die Mining-Industrie ihre Mistkäfer-Rolle spielt – die Frage um das Gas steht hier wie ein Elefant im Raum. Trotz gelegentlicher Gerüchte gab es bisher noch kein offizielles Statement seitens Tesla.
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