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Von Forschern belegt: Ein Videospiel von 1984 kann als effektive Trauma-Therapie genutzt werden

Ein über 40 Jahre altes Puzzle-Spiel funktioniert als Trauma-Therapie, doch Beeilung ist angesagt.

Das wissenschaftliche Potenzial hinter Videospielen überrascht immer wieder. Das wissenschaftliche Potenzial hinter Videospielen überrascht immer wieder.

Eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) kann jeden treffen. Auslöser sind Autounfälle, sexuelle Übergriffe, Gewalt, Krieg, Folter und andere Situationen, in denen Menschen außerordentlichem Leid und/oder Todesangst ausgesetzt wurden.

Kernsymptome sind wiederkehrende und aufdringliche oder auch beängstigende Erinnerungen an das Trauma. Betroffene sind einem enormen Leidensdruck ausgesetzt, der den Alltag einschränkt und dem sie ohne Hilfe nur schwer entfliehen können.

Um den psychischen Folgen traumatischer Erlebnisse den Kampf anzusagen und PTSD vorzubeugen, entwickeln Forscherinnen und Forscher ständig neue Behandlungsansätze. In einem davon ist jetzt auch das legendäre Puzzle-Spiel Tetris involviert, das erstmals 1984 für den Elektronika-60-Computer entwickelt wurde.

Tetris als Trauma-Therapie

Die Psychologie-Professorin Emily Holmes untersucht seit vielen Jahren die Möglichkeiten, innerhalb des Verarbeitungszeitraums von Traumata zu intervenieren und die Folgen in Form von aufdringlichen Flashbacks vorbeugend zu reduzieren. Eine Schlüsselrolle spielt dabei Tetris.

Video starten 3:27 Tetris: Apple TV beleuchtet im neuen Trailer die wahre Geschichte hinter dem Kultspiel

An Holmes Studie nahmen 71 Opfer von Verkehrsunfällen teil. Die eine Hälfte spielte innerhalb von sechs Stunden Tetris (und erhielt damit die Intervention), während die andere Hälfte andere Tätigkeiten ausführte.

Holmes Hypothese war , dass Patienten nach einem Trauma weniger aufdringliche Erinnerungen haben würden, wenn sie im Rahmen einer kurzen verhaltensbezogenen Intervention während der Wartezeit in der Notaufnahme Tetris spielen. Da das Spiel visuell sehr anspruchsvoll ist, wollten wir herausfinden, ob es verhindern kann, dass sich die aufdringlichen Aspekte der traumatischen Erinnerungen festsetzen – also indem ein Prozess gestört wird, der als Gedächtniskonsolidierung bekannt ist.

Vereinfacht ausgedrückt: Wenn die Patienten innerhalb von sechs Stunden nach dem Erlebnis Tetris spielen, sollten die Erinnerungen an das Trauma anders ausgebildet werden und so weniger hartnäckig auftreten. Das Zeitfenster von sechs Stunden spielt eine essenzielle Rolle, da innerhalb dieses Zeitraums die Erinnerungen an traumatische Ereignisse vollständig ausgebildet werden.

Das Ergebnis: Die Probanden, die Tetris spielten, hatten in der Woche nach dem Unfall insgesamt weniger aufdringliche Erinnerungen an das Trauma als die Kontrollgruppe. Die Hypothese wurde bestätigt. Überdies wurde festgestellt, dass die belastenden Erinnerungen insgesamt schneller abnahmen.

Aber: Die empirischen Testergebnisse sind aufgrund der geringen Teilnehmerzahl noch nicht repräsentativ. Es ist durchaus möglich, dass bei einer größer angelegten Forschung weniger eindeutige Ergebnisse herauskommen.

Für Opfer von traumatischen Erlebnissen ist es also durchaus sinnvoll, innerhalb der ersten sechs Stunden Tetris zu spielen. Da das Videospiel jedoch die Ausbildung der Erinnerungen beeinflusst, kann das Ergebnis keinesfalls auf den Zeitraum nach sechs Stunden übertragen werden, in dem dieser Prozess bereits abgeschlossen wurde.

Inwieweit Tetris oder andere Videospiele auch dann noch helfen können, muss noch erforscht werden. In jedem Fall ist es ein spannender Ansatz, den wohl die wenigsten Menschen so erwartet hätten.


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