Folgendes: Ihr kauft euch einen neuen TV und wollt mehr aus dem Gerät kitzeln? Oder aber euer aktueller Fernseher könnte ein Bild-Upgrade vertragen? Ihr habt zwei Möglichkeiten
Entweder probiert ihr selbst an den Bildeinstellungen des Fernsehers herum (und nutzt bestenfalls meine Tipps als Handreichung), bis euch das Ergebnis passt.
Oder ihr bucht einen Service zum Beispiel von Media Markt für 99 Euro respektive 199 Euro und lasst das Gerät professionell einstellen.
Doch lohnt sich das überhaupt? Die Frage werde ich zu beantworten versuchen.
Zwei Dinge, die ihr vorher bedenken solltet
In erster Linie hängt das Ergebnis vom TV-Gerät ab, das ihr gekauft habt oder besitzt. Allerdings spielen zwei Faktoren eine Rolle, die womöglich nicht so offensichtlich sind, da sie nicht mit Technik in Verbindung stehen.
Das Zimmer, in dem der TV steht
Ein Fernseher kann in sich selbst perfekt kalibriert sein – und trotzdem kein gutes Bild liefern. Das liegt daran, dass die Umgebung eine tragende Rolle spielt.
- Umgebungsbeleuchtung: Habt ihr viele Fenster im Wohnzimmer, muss der TV heller eingestellt sein, nicht nur, um den Spiegelungen entgegenzuwirken. Auch die Farbsättigung leidet unter zu starkem Umgebungslicht.
- TV-Größe in Relation zum Raum: Dank der UHD-Auflösung können wir viel näher vor dem Schirm sitzen, als wir denken. Je näher wir sitzen, desto weniger Licht braucht der TV aufzuwenden.
Das Angebot für 99 Euro fliegt somit sofort raus, denn das zahlt ihr, wenn ihr den TV im Markt kalibrieren lasst – und da herrschen ganz andere Bedingungen. Das lässt außerdem eure Wohnzimmerumgebung außer Acht, die maßgeblichen Einfluss auf das Bild nimmt.
Somit berappt ihr mindestens 199 Euro, um den Techniker zu euch zu holen.
Keine Frage: Ein eingemessener Fernseher ist etwas Feines. Aber wenn ich gefragt werde, ob ich eine Kalibrierung empfehle, schlagen zwei Herzen in meiner Brust.
Das spricht für eine Kalibrierung
Nachfolgend nenne ich euch drei gute Gründe, was für eine Kalibrierung spricht und warum sich das Geld für euch lohnen könnte.
Eine perfekte Einmessung
Logisch, wenn der Fernseher kalibriert wird, dann ist er am Ende perfekt eingemessen, sowohl in sich als auch für eure Umgebung. Das bedeutet, dass das Beste aus dem Gerät herausgeholt wurde. Am Ende spiegelt sich das wider in:
- Satteren Farben
- Höhere Helligkeit
- Stärkere Kontraste
Eben das, was ein gutes Bild ausmacht.
Eine professionelle Einmessung bietet noch mehr. Der Profi checkt nämlich, ob der Bildschirm richtig funktioniert.
- Gibt es tote Pixel?
- Ist das Panel uniform ausgeleuchtet?
- Gibt es Banding oder andere Bildfehler?
Ihr und eure Umgebung entscheidet, wie eingemessen wird
Eine perfekte Einmessung geht von zwei Konstanten aus:
- Der TV wird stets in einem dunklen Raum bespielt.
- Die Referenz sind professionelle Monitore, wie sie beim Film verwendet werden.
Die berücksichtigen natürlich weder das Umgebungslicht noch den Geschmack des Besitzers.
Das 99-Euro-Angebot haben wir eben ausgeschlossen. Der Vorteil einer professionellen Kalibrierung Zuhause ist, dass eure Umgebung und euer Geschmack mit einbezogen wird.
Sprich: Wenn ihr findet, dass die Farben nach der Einmessung nicht genug knallen, kann der Profi nacharbeiten. Ihr könnt euer Gusto also direkt in das Ergebnis einfließen lassen.
Wie ihr ganz simpel die Bildqualität erhöht
Das Gefühl, einen ordentlich eingemessenen TV zu besitzen
Diese psychische Komponente sollte man nicht aus den Augen verlieren. Zahlt ihr dafür, dass der Experte euer Bild einmisst, dann habt ihr, nun, ein optimal eingemessenes Bild. In diesem Zusammenhang kommt auch das Gefühl, das Bestmögliche aus eurem TV herausgeholt zu haben.
Filmfans und Heimkino-Enthusiasten drehen jeden Stein um, um daheim das perfekte Kinoerlebnis zu kreieren. Ein kalibrierter TV ist ein großer Schritt in die richtige Richtung und wird euch ganz sicher ein zufriedenes Gefühl geben.
Das spricht gegen eine Kalibrierung
Ein perfektes Bild allein ist schon ein verdammt guter Grund, sich für eine Kalibrierung zu entscheiden. Dennoch gibt es meiner Meinung nach auch Gründe, die dagegensprechen.
Persönlicher Geschmack
Eben sagte ich, dass der Profi auf Wunsch das Bild nachjustieren kann, wenn euch ein gewisser Aspekt nicht zusagt. Gut und schön, aber wer sagt euch, dass euch das Bild in ein, zwei oder fünf Jahren noch genauso gut gefällt?
Es kann sein, dass das Bild auf einmal nicht mehr so knackig aussieht, wie ihr es in Erinnerung habt. Oder ihr schaut einen knalligen Animationsfilm, der mit der möglichst realistischen Einstellung stumpf wirkt.
Perfekt bedeutet in diesem Fall perfekt auf das Gerät abgestimmt
, aber eure persönliche Meinung zu perfekt kann sich ändern.
Die »eine« Kalibrierung gibt es nicht
Ich habe es eben bereits angesprochen: Ein Animationsfilm sieht mit dem eigentlich perfekten Bild auf einmal gar nicht mehr so knackig aus. Wo man wahlweise einfach das Preset ändert, überschreibt man damit womöglich die Einstellung des Profis.
Darüber hinaus gibt es viele Fallbeispiele, wofür diese eine perfekte Voreinstellung nicht gilt.
- Unterschiedliche Inhalte
- Spielen via Konsole oder PC
- SDR-Material vs. HDR-Material
Ja, der TV ist immer noch gemäß seiner eigenen Technik perfekt eingemessen, aber unterschiedliche Inhalte sehen mit anderen Presets womöglich besser aus., dafür existieren sie schließlich.
Gute Presets kommen nah ans Optimum heran
Fernseher besitzen mittlerweile allerhand Presets, die für bestimmte Inhalte voreingestellt wurden.
Ein Kino-Preset ist also ab Werk bereits auf Kinofilme angepasst. Dynamisch
sättigt die Farben, Standard
sorgt für ein gutes Mittel.
Wenn euch ein perfektes Bild also egal ist, und ihr euch mit einem Ergebnis zufrieden gebt, das »nur« nah ans Optimum kommt, dann reichen die Voreinstellungen vollkommen aus. Je nach Hersteller und Modell habt ihr immerhin bis zu zehn Presets und mehr zur Auswahl.
Wie läuft so eine Kalibrierung ab?
Im Grunde ist das recht simpel. Entscheidet ihr euch für eine Einmessung, rückt ein Profi an und bringt eine Handvoll Hard- und Software mit. Oftmals stammen die von dedizierten Firmen, die auch mit Produktionsfirmen zusammenarbeiten wie Portrait Displays.
Der durch die Firma geschulte Mitarbeiter schließt dann sein Colorimeter via HDMI an euren TV an und schickt Testbilder mittels Software an das Gerät. Diese erfasst die Werte und schickt sie dann via USB zurück.
Etwaige Abweichungen von den Ist- zu den Sollwerten gleicht der Techniker dann so aus, dass die Unterschiede möglichst niedrig ausfallen. Dazu gehören unter anderem:
- Helligkeit
- Kontrast
- Farbbalance
- Farbsättigung
- Farbton
- Gamma
- Farbtemperatur
Fazit der Redaktion
Maxe Schwind
Es gibt einige Argumente, die für eine Kalibrierung durch einen Techniker sprechen, und einige dagegen. Während Techies und Heimkino-Enthusiasten sicher so gut wie immer zur Einmessung raten, steht am Ende die Frage, ob es sich lohnt – und die kann ich nur mit einem klaren Jein beantworten.
Dafür spricht:
- Ein optimal eingemessenes Bild
- Ein fehlerfreies Gerät
- Das Gefühl, das Beste aus seinem TV herauszuholen
Dagegen spricht:
- Der persönliche Geschmack
- Die eine Kalibrierung muss mit allen Inhalten zurechtkommen
- Presets kommen nah ans Optimum und sind flexibler
Am Ende bleibt die Wahl euch überlassen und ihr entscheidet, welcher Bildmodus für euch der beste ist. Solltet ihr euch für eine Kalibrierung entscheiden, dann achtet auf folgende Dinge:
- Lasst sie immer bei euch zu Hause durchführen und zwar da, wo der TV steht.
- Lasst euch die Parameter geben, sodass ihr sie händisch wieder einstellen könnt, solltet ihr das Preset wechseln oder den TV auf Werkseinstellung zurücksetzen.
Wenn ihr noch auf der Suche nach dem richtigen Fernseher für euch seid, lege ich euch unsere TV-Kaufberatung ans Herz.
Ich habe meinen Fernseher übrigens nicht einmessen lassen. Hauptsächlich liegt das daran, dass ich mit den Presets des Geräts wunderbar zurande komme und keine Notwendigkeit sehe. Außerdem kenne ich ein paar Tricks und Kniffe, wie ich mir das Bild zu eigen machen kann – und dazu habe ich bereits einen Artikel im Visier.
Habt ihr euren TV einmessen lassen? Schreibt es in die Kommentare.







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