Ich verrate euch was: Wenn ich könnte, würde ich mir zu Hause einen 100-Zoll-OLED-TV an die Wand pflastern. Das funktioniert aus verschiedenen Gründen nicht, liegt aber hauptsächlich daran, dass meine Portokasse gerade leer ist.
Wenn ich in die Wohnzimmer von Freunden und Familie schaue, dann sehe ich überall viel zu kleine TVs – und damit meine ich alles unter 55 Zoll. Das ist der heute gängige Standard.
Wieso kaufen Menschen immer noch kleine TVs, obwohl sie spielend große Fernseher haben könnten, die oft nicht mal signifikant teurer sind?
Größer ist besser
»Zu große TVs gibt es nicht« ist eines meiner Mottos. Technisch betrachtet stimmt das auch. Das liegt in erster Linie an der Auflösung.
So gut wie jeder Fernseher besitzt heute eine 4K-Auflösung. Die erlaubt Größen bis 100 Zoll, ohne großen Qualitätsverlust, vorausgesetzt, ihr schaut Filme und Serien in 4K. Das liegt daran, dass das menschliche Auge bei 4K-Auflösung einzelne Pixel nicht erkennen kann, vor allem nicht bei bewegten Bildern.
Viele sitzen dabei dem Irrtum auf, dass man weiter weg sitzen muss, je größer der TV ist. Gerade durch die hohe Auflösung können wir verhältnismäßig nah am Bildschirm sitzen. Das ergibt für mich auch Sinn, ich gehe ja ins Kino, gerade weil die Leinwand so groß ist.
Laut Sony beträgt der empfohlene Abstand bei 4K-TVs das 1,5-fache der Bildschirmhöhe des Fernsehers (nicht die Diagonale). Das entspricht:
| Größe in Zoll | Abstand in Zentimeter |
|---|---|
| 43 | 88,9 |
| 49 | 99 |
| 55 | 99 |
| 65 | 119,4 |
| 75 | 139,7 |
| 85 | 160 |
Große Displays sind immersiver (wenn man keine 10 Meter davon entfernt sitzt) und sogar besser für die Augen.
Durch die annähernd gleichmäßige Helligkeit des Displays wird ein größerer Teil des Sichtfelds eingenommen, so CNET. Kurzum: Die Pupillen werden kleiner und sind auf die richtige Lichtmenge eingestellt.
Kleinere TVs machen die Augen schneller müde. Die Pupillen sind weiter geöffnet, um in der Dunkelheit besser zu sehen, und ein lästiger, heller Bildpunkt (der TV) scheint euch in die Augen, weil ihr direkt reinschaut.
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Was ist 4K und braucht ihr 8K?
Größer ist oft sogar günstiger
Wenn man die Preisschilder eines beliebigen 55-Zöllers mit dem eines 65-Zöllers vergleicht, dann fällt auf: der größere Fernseher ist immer teurer. Klar, er ist ja auch größer.
Das heißt aber nicht, dass ihr für den 65-Zoll-TV auch automatisch mehr bezahlt.
Oftmals ist es nämlich so, dass der Preis pro Quadratzentimeter für größere Fernseher niedriger ist.
Als Beispiel nehme ich den QLED-TV Q60D von Samsung her. Das ist ein Mittelklassemodell aus dem Jahr 2024. (Hinweis: Bedenkt, dass diese Preise schon älter sind. Für das Beispiel und die Rechnung erfüllen sie aber ihren Zweck.)
Auf Idealo wird er in 55 Zoll von drei Anbietern für knapp 620 Euro angeboten. Rechne ich die Diagonale in Zoll um in die Fläche in Quadratzentimeter, dann komme ich auf 7,4 Cent pro Quadratzentimeter
Derselbe TV wird in deiner 65-Zoll-Variante auf Idealo von drei Händlern für 760 Euro angeboten. Hier komme ich mit meiner Rechnung nur auf 6,5 Cent pro Quadratmeter.
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So rechnet ihr den Preis pro Quadratmeter eines TVs am Beispiel eines 65-Zöllers für 600 Euro aus
Zuerst berechnet ihr die Bildschirmdiagonale in Zentimeter: 65 Zoll x 2,54 cm/Zoll = 165,1 cm
Danach berechnet ihr die Bildschirmbreite und -höhe. Beachtet dabei das Seitenverhältnis von 16:9. Im Falle eine 65-Zoll-Geräts sieht die Formel so aus:
- 165,1² = (16x)² + (9x)²
- 27258,01 = 256x² + 81x²
- 27258,01 = 337x²
- x² = 27258,01 / 337
- x = √(27258,01 / 337) ≈ 8,9281
Daraus folgt:
- Breite = 16 × 8,9281 ≈ 142,85 cm
- Höhe = 9 × 8,9281 ≈ 80,35 cm
Berechnet nun die Bildschirmfläche. Diese ergibt sich aus: Fläche = Breite x Höhe
- 142,85 cm × 80,35 cm = 11.478,07 cm²
Den Preis pro Quadratzentimeter erhaltet ihr, wenn ihr den Gesamtpreis durch die Fläche teilt: Preis pro cm² = Gesamtpreis / Fläche
- 600 Euro / 11.478,07 cm² ≈ 0,0523 €/cm²
Das Ergebnis entspricht gerundet 5,2 Cent pro Quadratzentimeter.
Nachstehend alle Preise pro Quadratzentimeter für alle 6 verfügbaren Größen auf Basis des am meisten angebotenen Preises auf Idealo.
- 43 Zoll (500 Euro): 9,8 Cent pro cm²
- 50 Zoll (620 Euro): 9,0 Cent pro cm²
- 55 Zoll (620 Euro): 7,4 Cent pro cm²
- 65 Zoll (760 Euro): 6,5 Cent pro cm²
- 75 Zoll (1.170 Euro): 7,55 Cent pro cm²
- 85 Zoll (1.510 Euro): 7,58 Cent pro cm²
Zum Ergebnis: Relativ gesehen bietet die 65-Zoll-Version des Q60D das meiste Bild fürs Geld. 75 und 85 Zoll sind unwesentlich teurer als die 55-Zoll-Variante. Die kleinen Zollgrößen sind mit Abstand am teuersten.
Wie sieht es bei teuren OLED-TVs aus? Hier steigen die Preise schließlich relativ zur Größe stärker an. Ich habe dieselben Rechnungen mit Samsungs OLED S95D gemacht und das Ergebnis hat sogar mich überrascht.
- 55 Zoll (1.600 Euro): 19,19 Cent pro cm²
- 65 Zoll (2.250 Euro): 19,32 Cent pro cm²
- 77 Zoll (3.200 Euro): 19,63 Cent pro cm²
Obwohl die Preissprünge zwischen den Zolldiagonalen viel höher sind als bei LCD, steigt der Preis pro Quadratzentimeter nur leicht.
Unterm Strich lässt sich sagen, dass gängige Zollgrößen im Schnitt pro Quadratzentimeter am günstigsten sind. Die Ränder – also sehr groß oder sehr klein – sind teurer, auch wenn der Verkaufspreis das nicht reflektiert.
Wichtig zu wissen: Die reine Größe sagt nichts über die Bildqualität oder die Features aus.
Bei OLED kommt auch noch der Faktor des Mutterglases hinzu. Was das ist, habe ich in einem Artikel zusammengefasst.
Die Grenzen von großen TVs
Ich bleibe dabei: größer ist besser, doch es gibt drei individuelle Faktoren, die dem einen Strich durch die Rechnung machen könnten.
1. Inhalte mit niedriger Auflösung
Mein imaginärer 100-Zöller sähe bombig aus, solange ich ihn nicht mit SD-Material bespielen würde. TVs besitzen Upscaler, die schlechtes Bildmaterial hochrechnen, aber der stößt auch an seine Grenzen.
Würde ich auf dem 100-Zöller Free-TV schauen, könnte ich mir die Zeit beim Pixelzählen vertreiben, wenn ich nicht 10 Meter weg säße.
Immerhin: Gigantische TVs überspielen ihre Schwächen. 100 Zoll entsprechen über zweieinhalb Metern Bilddiagonale. Der Eindruck allein würde für offene Münder sorgen. Ob da nun das Bild perfekt ist, wird zur Nebensache.
2. Hintergrundbeleuchtung
Es gibt mittlerweile relativ große und günstige TVs, doch die haben ein Problem: Sie sparen an der Hintergrundbeleuchtung und setzen auf Edge-LED. Mehr LEDs hinter dem Panel kosten schließlich mehr Geld.
Eine magere Hintergrundbeleuchtung bedeutet:
- Kontraste sind schlecht
- Schwarzwerte sind hundsmiserabel und damit mehr Grau als Schwarz
- Bildfehler wie Screen Clouding tauchen vermehrt auf
OLED hat damit keine Probleme, da jeder Pixel einzeln leuchtet. Auch QLED oder Mini-LED-TVs bewerkstelligen das besser.
3. Platz
Neben der leeren Portokasse ist das der Grund, warum bei mir kein 100-Zoll-TV im Wohnzimmer hängt: Mir fehlt schlicht der Platz. Dieses Problem lässt sich nur dann lösen, wenn man seine Einrichtung um den Riesen-TV herumbaut oder sich von Schränken verabschiedet.
Jeder ohne dezidierten Heimkinoraum wird da also an seine Grenzen stoßen.
3:12
Habe ich die Zukunft gesehen? So sehr wie dieser TV hat mich noch nie ein neuer Fernseher begeistert
Wenn ihr nach einem bestimmten TV für eure Bedürfnisse sucht, lege ich euch unsere Kaufberatung ans Herz.
Am Ende hat jeder andere Bedürfnisse. Ich träume weiter von meinem 100-Zoll-OLED und einem Gewinn im Lotto, andere sind mit ihrem 32-Zoll-Fernseher auch glücklich. Wenn mich allerdings jemand nach der richtigen Größe fürs Wohnzimmer fragt, bleibe ich auch weiterhin bei meiner Aussage: zu groß gibt es nicht.
Und der erste, der seinen TV wieder umtauscht, weil er ihm zu groß ist, muss mir erst noch begegnen.







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