Trennung vom globalen Internet - Russland verabschiedet ISP-Gesetz

Russland hat ein Gesetz verabschiedet, dass von ISPs im Land verlangt, sich auf Anweisung komplett vom Internet außerhalb Russlands abzuklemmen.

von Sara Petzold,
03.05.2019 06:55 Uhr

Russische ISPs müssen Internet-Traffic künftig nur noch über in Russland befindliche Server routen können.Russische ISPs müssen Internet-Traffic künftig nur noch über in Russland befindliche Server routen können.

Update, 03.05.2019: Russland hat mittlerweile ein Gesetz verabschiedet, das von Internet-Service-Providern verlangt, sich auf Anweisung komplett vom äußeren Internet abzukapseln.

Wie Techspot berichtet, dürfen ISPs in Russland Internet-Traffic künftig nur noch über in Russland befindliche Server lenken. Die Aufsicht darüber, dass kein Internet-Traffic in Russland über Server außerhalb Russlands läuft, obliegt der Behörde Roskomnazor.

Befürworter des Gesetzes behaupten, es handele sich bei dieser Maßnahme ausschließlich um eine Verteidigungsstruktur für den Fall, dass andere Länder - etwa die USA - Russland den Zugriff auf ihre Server verschließen. Kritiker befürchten demgegenüber eine Zunahme an Zensur.

Das Darknet - Mehr als nur illegaler Schwarzmarkt

Originalmeldung: Diese Webseite steht Ihnen derzeit nicht zur Verfügung - so oder so ähnlich könnte die Nachricht lauten, die russische Internetnutzer im Rahmen eines Tests zur Verteidigung gegen Cyber-Angriffe über ihre PC-Bildschirme flimmern sehen. Einem Bericht der BBC zufolge plant Russland nämlich noch vor dem 1. April 2019, die Anbindung der eigenen Bevölkerung an das globale Internet für kurze Zeit zu kappen.

Der Test bewegt sich im Rahmen eines neuen Gesetzesentwurfs, der innerhalb Russlands ein vom Rest der Welt unabhängig operierendes Internet vorsieht. Dabei sollen die dortigen ISP garantieren, dass sie auch im Fall eines Cyber-Angriffs ausländischer Mächte das russische Internet (Runet) funktionsfähig halten können. Für einen ersten Probelauf sollen russische Internetnutzer deshalb während des besagten Tests ausschließlich Zugriff auf Inhalte haben, die innerhalb Russlands geroutet werden (können).

Internetzensur im chinesischen Stil?

Die russischen ISP befürworten den Test, weil sie sich dadurch Daten darüber erhoffen, wie ihre Netzwerke im Fall eines entsprechenden Cyber-Angriffs reagieren würden. Einige Provider befürchten laut ZDnet umfassende Störungen des russischen Internet-Traffics. Um die Abkoppelung des Runet vom globalen Internet aufzufangen, hat die russische Regierung ein lokales Backup des Domain Name Systems (DNS) erstellt.

Als langfristiges Ziel haben sich die russischen Behörden eine Art Filtersystem gesetzt, das den Web-Traffic ähnlich wie Chinas nationale Firewall überwacht und gleichzeitig ein funktionierendes Intranet garantiert, sollte Russland das Opfer eines Cyber-Angriffs werden. Zugleich öffnet ein derartiger Filter der Zensur des Internets auch in Russland Tür und Tor, indem es bestimmte Schlüsselbegriffe blockt und russischen Nutzern den Zugriff auf bestimmte Webseiten verweigert.

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