Es gibt so Momente im Leben eines Heimkino-Enthusiasten, in denen Vernunft keine Rolle spielt. Wenn man vor dem Jetzt kaufen
-Button sitzt und genau weiß: Das ist komplett drüber – man es aber trotzdem tut.
So geschehen vor etwas über einem Jahr.
Ein neuer Projektor musste eigentlich gar nicht her. Mein Sony VPL-VW590ES war richtig gut. Und dennoch tauschte ich ihn aus. Nicht gegen irgendeinen, sondern gegen das Flaggschiff aus der mittlerweile vorletzten Generation – den Sony VPL-XW7000ES.
Ein Laserbeamer, der Bilder an die Leinwand malt, so scharf, brillant und kontrastreich, dass ich manchmal denke, ich hätte gar nicht den Projektor angeworfen, sondern den OLED-Fernseher, der hinter der Leinwand prangt.
Dazu ein neuer AV-Receiver, ein Denon AVC-X4800H, und ein frisches Lautsprecher-Setup, bestehend aus der Dali Opticon MK2-Reihe, flankiert von zwei K-14 F-Subwoofern und vorerst zwei Alteco C-1 derselben Marke für die Atmoskanäle an der Decke. Zwei weitere folgen demnächst.
Die beiden Frontlautsprecher (Opticon 8 MK2) sowie die Bassboxen werden für Stereomusik parallel von einem NAD M33 befeuert, der darauf spezialisiert ist und noch einmal besser klingt als der X4800H.
Kurz gesagt: Ich bin völlig eskaliert. Und dabei habe ich noch nicht einmal alle Neuheiten aufgezählt, die letztes Jahr in mein Heimkino eingezogen sind.
Filme schauen? Mittlerweile ein Traum. Konzerte? Gänsehaut vorprogrammiert. Gaming? An einem Bossgegner zu scheitern, war selten so schön.
Und trotz alldem ist mein bester Kauf 2025 etwas ganz anderes.
Das unscheinbare Highlight
Es ist der Optikinetics Aura. Ein kleiner Effektprojektor für rund 180 Euro mit sogenannten Effect-Wheels, von denen eines dabei ist und jedes weitere nochmal etwa 64 Euro kostet:
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Optikinetics Aura - Liquid Wheel »Cosmic Flare«
Im Grunde projiziert der Aura lediglich Muster oder langsam fließende, organische Farbverläufe an meine ohnehin vorhandene Leinwand. Mehr nicht.
Kein 4K, kein HDR, nichts.
Und dennoch schafft er etwas, das weder Laserbeamer noch Atmos-Anlage vermögen: Er verändert die Atmosphäre, macht aus meinem Heimkino eine Wohlfühloase.
Zurück in die Lava-Lampen-Jugend
Ich war schon immer empfänglich für angenehme Lichtstimmung. Während andere in ihrer Jugend Poster von Autos oder Bands an die Wand hingen, fand sich bei mir eine Lavalampe und etliche andere Spielereien mit Beleuchtungseffekt. Das hatte etwas Meditatives.
Der Aura ist im Grunde die erwachsende Version dieser Faszination.
Wenn ich heute Musik höre – ganz egal, ob Jazz, Fusion, Klassik oder Prog Rock -, dann drehen sich verschiedene mit Ölen gefüllte Liquid Wheels. Langsam. Hypnotisch.
Warum Technik zur Nebensache wird
Versteht mich bitte nicht falsch: Der XW7000 ist spektakulär, X4800H und M33 sind zwei Kraftpakete, und die Dalis spielen großartig auf.
Aber sie wollen etwas von mir. Aufmerksamkeit. Fokus. Der Aura hingegen fordert nichts. Er ist einfach nur da. Fast wie ein Kaminfeuer.
Ich habe fünfstellige Beträge ausgegeben, um das perfekte Bild und möglichst guten Klang zu bekommen. Und dann kommt dieses kleine Gerät, das nicht mehr tut, als Öle in Bewegung zu versetzen und das an die Leinwand zu projizieren – und trifft mich damit emotional tiefer als alles andere.
Früher war mein Heimkino klar definiert, es war auf Kontrast und Performance getrimmt.
Heute ist es flexibler. Es kann Blockbuster, es kann Musik, es kann Spiele. Aber es kann jetzt eben auch Lounge.
Mit dem Aura wird aus Technik plötzlich Atmosphäre.
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Der beste Kauf ist nicht immer der teuerste
Das klingt fast wie ein Klischee, aber es trifft in diesem Fall voll und ganz zu. Der teuerste Kauf war der XW7000, der technische beeindruckendste vermutlich auch. Der rational sinnvollste wohl der X4800H und die Dali Opticon MK2.
Aber der emotional wertvollste ist ganz klar der Aura.
Er erinnert mich daran, warum ich überhaupt so viel Geld in mein Heimkino stecke. Nicht für Spezifikationen, nicht zum Angeben, sondern damit ich mich wohlfühle.
Und manchmal braucht es kein Flaggschiff im Wert eines Fahrzeugs, sondern nur ein simples Gerät, das Farben ineinander fließen lässt.

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