Vor einigen Tagen war ich für einen kurzen Geschäftsausflug in London. Dabei liebe ich es, mich kreativ herauszufordern – wie etwa, als ich für meinen Vietnam-Urlaub eine mechanische SLR ohne Elektronik verwendet habe.
Eben darum habe ich für diesen Trip nur ein einziges Objektiv mitgenommen, das sogar eine technische Einschränkung besitzt, die andere nicht haben. Trotzdem hat es mir nicht nur unglaublich viel Spaß gemacht, damit zu fotografieren und ich war durchgängig beeindruckt.
Viltrox 28mm F4.5: Was ist das für ein Objektiv?
Mein Objektiv der Wahl war das Viltrox 28mm F/4.5. Das Objektiv fällt in die Kategorie der sogenannten Pancake-Objektive: das sind Linsen, die besonders kompakt sind und kaum vom Gehäuse abstehen. Es ist für Sony E, Nikon Z, Fujifilm X und L-Mount verfügbar.
In Kombination mit meiner Sigma BF wurde aus meiner Vollformat-Systemkamera ein Setup, das nicht weitaus größer ist als ein Smartphone.
Neben seiner kompakten Bauform besitzt es noch weitere Eigenschaften, die das Viltrox 28mm F/4.5 besonders machen oder gar einschränken:
- Feste Blende: Dieses Objektiv hat eine Blendenöffnung von F/4.5 – nicht mehr, nicht weniger. Das ist natürlich eine große Einschränkung, weil ein kreatives Werkzeug für Bildgestaltung entfällt. Kurioserweise ist die Blende nicht kreisrund, sondern achteckig. Das hat einen schönen Nebeneffekt, zu dem ich später komme.
- Kein manueller Fokus: Das Viltrox 28mm F/4.5 kann ausschließlich mit automatischen Fokus betrieben werden – ein Ring für manuellen Fokus fehlt. Das wundert mich bei der Größe allerdings auch nicht.
- Integrierter Objektivdeckel: An der Vorderseite gibt es einen kleinen Hebel für den integrierten Deckel. Es gibt also kein Risiko einen Objektivdeckel zu verlieren – nicht, dass mir das jemals passiert wäre!
- Kein Filtergewinde: Bei den meisten Objektiven könnt ihr Filter vorn anschrauben; das geht hier nicht und somit entfällt ein weiteres kreatives Stilmittel. Außerdem müsst ihr bei strahlend hellem Licht mit schnellen Verschlusszeiten fotografieren, da ND-Filter nicht unterstützt werden.
- USB-C-Anschluss für Firmware-Updates: Trotz des günstigen Preises hat Viltrox beim 28mm F/4.5 einen USB-C-Anschluss an der Unterseite integriert, mit dem Updates installiert werden.
Ein Kurztrip mit dem Viltrox 28mm F4.5: Was für eine Überraschung!
Ich halte mich kurz: das Viltrox 28mm F4.5 ist meine Fotografie-Überraschung des Jahres. Es ist bei weitem nicht das beste Objektiv, das ich 2026 auf meiner Kamera habe – diese Auszeichnung verdient das Sigma 50mm F2.0 DG DN –, aber das, das meine Erwartungen am meisten übertroffen hat.
Vollformat im Hosentaschenformat: Erst mit diesem Objektiv werden kleine Vollformatkameras, wie etwa die Panasonic Lumix G9 oder meine Sigma BF, tauglich für Hosentaschen. Die Kamera ist mit dem Objektiv außerdem extrem leicht und deswegen war es gar kein Problem mit ihr den ganzen Tag durch London zu laufen.
Sonnensterne und Lens Flares: Weil die Blendenöffnung nicht rund ist, sondern achteckig (als wären Blendenlamellen verbaut, die sich aber nicht bewegen lassen), stellt das Viltrox 28mm F4.5 Lichtquellen mit schönen Sonnensternen dar. Die habe ich sehr gern für meine Bildgestaltung genutzt. Auch die Lens Flares gefielen mir optisch sehr gut.
Weitere Beispielfotos mit dem Viltrox 28mm F/4.5 an der Sigma BF. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)
Der eingebaute Deckel ist ein Gamechanger: Für ein Foto muss ich häufig zuerst meine Kamera aus der Tasche nehmen, den Objektivdeckel abnehmen, in der Hosentasche verstauen und kann erst dann fotografieren. Das klingt nach einer absoluten Kleinigkeit, kann aber darüber entscheiden, ob ich einen flüchtigen Moment verpasse oder doch noch ablichten kann. Beim Viltrox muss ich nur den Schalter zur Seite schieben – extrem praktisch!
Beeindruckende Bildqualität: Trotz seines günstigen Preises hat mich die Bildqualität von diesem Objektiv überrascht – oder eben genau deswegen. Objektive in dieser Preisklasse sind selten bei Offenblende scharf und das Viltrox 28mm F4.5 hat nicht einmal die Option zum Erhöhen der Schärfe durch Schließen der Blende.
- Die Ränder sind zwar nicht ganz so scharf wie die Bildmitte, aber dennoch sehr detailreich. Ich habe in puncto Bildschärfe gar keine Beschwerden, vor allem nicht bei diesem Preis.
- Der gesamte Kontrast ist etwas niedrig, insbesondere mit hellen Lichtquellen im Bild, aber das lässt sich schon im JPEG-Profil in der Kamera anpassen, oder nachträglich in der RAW-Datei.
- Die Ränder sind etwa 2 bis 3 Blendenstufen dunkler als die Bildmitte (Vignettierung). Auch das lässt sich nachträglich korrigieren. Ich habe sogar noch eine Stufe hinzugefügt, weil ich den Effekt ganz gern habe.
Passend zum Thema: Mein Erfahrungsbericht zur Sigma BF
Kreativität durch Einschränkungen
Alles in allem habe ich mein teures Objektiv keine Sekunde vermisst und jede Menge Spaß mit der kleinen Scherbe gehabt. Es gab zwar ganz klar Einschränkungen, die ich mit meinem Sigma 50er nicht gehabt hätte, aber genau das war es, was mir so viel Spaß bereitet hat.
Aufgrund der fixen Blende gab es für mich zum Beispiel keine Möglichkeit, die Tiefenschärfe anzupassen. Um meine Schärfeebene zu vergrößern, musste ich also einige Schritte zurück machen, meine Kompositionen ändern oder bewusst aussuchen, welchen Teil des Bildes ich fokussieren möchte.
Wegen der schönen Lens Flares und Sonnensterne habe ich außerdem speziell nach Kompositionen mit Lichtquellen Ausschau gehalten.
Das Viltrox 28mm F4.5 hat zwar viele Einschränkungen, aber die sind für diesen Preis nachvollziehbar und obendrein haben sie meine Kreativität angekurbelt. Ich kann es deswegen bedenkenlos jedem und jeder mit einer kompatiblen Kamera empfehlen, die auf der Suche nach einem neuen Fotografie-Spielzeug sind.
Ich für meinen Teil bereue den Kauf keine Sekunde und freue mich auf weitere Ausflüge damit.

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