Wer sein Notebook für ein Upgrade öffnet, stößt oft auf schwarze Folien, metallische Aufkleber oder gelbliches Klebeband, die RAM, SSDs und elektronische Bauteile abdecken. Was auf den ersten Blick wie eine billige Bastellösung wirkt, ist in Wahrheit ein wichtiges Element bei modernen Hardware-Designs.
Das unsichtbare Rauschen: Elektromagnetische Verträglichkeit (EMV)
Der Hauptgrund für metallisierte Folien ist die sogenannte elektromagnetische Interferenz (EMI). Moderne NVMe-SSDs und DDR5-Arbeitsspeicher kommunizieren mit extrem hohen Frequenzen. Diese wirken wie eine Art kleiner Radiosender
, die unerwünschte Signale aussenden.
Ohne die abschirmenden Folien könnten diese Interferenzen das WLAN-Signal stören oder die Bluetooth-Verbindung instabil machen, denn die Antennenkabel verlaufen häufig nur Millimeter an den Speicherbänken vorbei.
Die Folie fungiert hier als kompakter Faradayscher Käfig, der die Strahlung dort hält, wo sie hingehört. Auf dem Bild oben seht ihr ein Asus ROG Strix bei dem der Hersteller solche Folien auf RAM und SSD angebracht hat.
Mechanische Sicherheit im Millimeterbereich
Laptops sind mobil und damit mechanischen Belastungen ausgesetzt. Wenn ihr ein Gerät im Rucksack transportiert oder es vielleicht an nur einer Ecke anhebt, kann es zu mehr oder weniger starken Verwindungen des Gehäuses kommen.
Auch die Bodenplatte besteht aus Gewichtsgründen in der Regel aus relativ dünnem Material, das sich meist recht leicht eindrücken lässt. Da es im Inneren eines Laptops ziemlich eng zugeht, kann daher ein Kurzschlussschutz erforderlich sein.
Viele Gehäuse bestehen heute aus Magnesiumlegierungen oder Aluminium. Die isolierenden Kunststofffolien (oft aus Polyimid oder als Kapton bekannt) verhindern, dass stromführende Bauteile bei leichtem Druck das elektrisch leitende Gehäuse berühren.
Zudem kann das Band auch als Schutz gegen Fremdkörper dienen. Es stellt eine wirksame Barriere gegen Staub oder Partikel dar, die durch die Lüftungsschlitze eindringen und im Extremfall Kurzschlüsse verursachen könnten.
Mehr als nur Klebeband
Ein oft unterschätzter Aspekt ist das Wärmemanagement. In High-End-Laptops finden sich oft schwarze oder gräuliche Aufkleber auf RAM und SSD, die sich metallisch anfühlen. Hierbei handelt es sich häufig um Graphit-Heatspreader.
Graphit besitzt eine exzellente Wärmeleitfähigkeit. Anstatt dass ein einzelner Chip auf dem RAM-Riegel einen Hotspot
bildet, verteilt die Folie die Abwärme über die gesamte Fläche. Dies schützt nicht nur das Bauteil selbst, sondern verhindert auch, dass punktuelle Hitze zum Beispiel den Akku einer unnötigen thermischen Belastung aussetzt.
In diesem Zusammenhang wird häufig auch von sogenannten Graphen-Kühlern gesprochen. Diese Graphen bestehen ebenfalls aus Graphit, sie besitzen allerdings nur eine einzige zweidimensionale Schicht, die aktuell als das dünnste Material der Welt gilt. Der große Vorteil ist die extrem gute Wärmeleitfähigkeit.
Allerdings sind Graphen nicht dicker als ein Atom. Damit ihr es auch ohne Mikroskop verwenden könnt, bestehen entsprechende Kühler oder Pads aus deutlich mehr als nur einer Lage von Graphen. Zusätzlich werden weitere Materialien hinzugefügt, die ein Handling außerhalb eines Labors erst möglich machen, sich allerdings auch negativ auf die Wärmeleitfähigkeit auswirken.
Vorsicht beim Upgrade
Für euch stellt sich beim Aufrüsten jetzt vielleicht die Frage: Muss das Zeug wieder drauf? Die klare Antwort lautet: Besser ist das! Zwar wird euer Laptop nicht sofort in Rauch aufgehen, wenn eine Folie fehlt. Allerdings steigt das Risiko für instabile Funkverbindungen beziehungsweise auf längere Sicht Hardwareschäden durch statische Aufladung oder Überhitzung.
Wenn ihr eine SSD oder den RAM tauscht, solltet ihr daher die Folien vorsichtig abziehen und wieder auf die neuen Komponenten kleben. Sollten Speichermodule und SSD bereits ab Werk über einen flachen Kühler verfügen, könnt ihr aber natürlich auf ein erneutes Anbringen verzichten.

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