Erinnert ihr euch noch an die zahlreichen Nächte, die ihr mit Taschenlampe über dem Game Boy verbracht habt? Wie ihr Stunden über Stunden eure ersten Spiele auf dem PC gespielt habt?
Damals, als wir noch nicht so leicht an Nachschub kamen, verbrachten wir häufig viel mehr Zeit mit denselben Titeln, als es heute der Fall ist. Und irgendwie schienen diese Titel auch makellos zu sein. Welches Spiel kann das heute schon von sich behaupten?
Nehmen wir die Nostalgie-Brille jedoch einmal ab, könnten wir schnell feststellen, dass gar nicht so viel Substanz in unseren Lieblingsspielen von früher steckt – zumindest in einigen. Wir verraten euch, welche Spiele uns vor Jahren mal beeindruckt, den Test der Zeit aber nicht bestanden haben und heute eher eine Enttäuschung sind. Kennt ihr auch solche Titel? Dann ab damit in die Kommentare!
Star Wars: Episode 1 – Die dunkle Bedrohung
PLUS
6:03
Star Wars: Episode 1 - Die dunkle Bedrohung - Die schlechtesten Spiele aller Zeiten
- Release: Mai 1999
- Genre: Action-Adventure
Dimitry Halley: Star Wars: Episode 1 war Ende der 90er eines der ersten Kino-Ereignisse, die von Gaming-Seite so richtig ausgeschlachtet wurden. Und ich meine »so richtig.« Wir bekamen ein Podracing-Rennspiel, ein Gungan-Strategiespiel, zwei Rogue-Squadron-Ableger (Battle for Naboo und Starfighter), ein eigenes Obi-Wan-Spiel und gleich zwei offizielle Umsetzungen der Filmhandlung: Jedi Power Battles sowie Die Dunkle Bedrohung. Beide waren … eher uff.
Die Dunkle Bedrohung hatte eine schrecklich unübersichtliche Top-Down-Perspektive, stumpfe Kämpfe, verwirrende Level, viel zu wenig Abwechslung – und es war damals für mich das Großartigste auf der ganzen weiten Welt.
Fast 30 Jahre später erinnere ich mich immer noch an meinen ersten Moment mit Episode 1 – Die Dunkle Bedrohung. Ich hockte bei einem Nachbarsjungen auf der Couch; er schob voller Stolz eine neue Demo-CD in seine PlayStation 1 und wir zockten stundenlang das erste Level: Obi-Wans und Qui-Gons Flucht aus dem Droidenkontrollschiff.
Ich war verzaubert. Obi-Wan. Qui-Gon. In 3D. Mit ihren Lichtschwertern gegen Kampfdroiden und Droidekas und der originale Soundtrack und, hach. Man kann an Episode 1 viel kritisieren, aber für uns Kinder damals hatte der Film einen Coolness-Faktor jenseits von Heller und Dunkler Seite.
Irgendwann staubte ich dann die Vollversion inklusive Spieleberater ab und verbrachte Stunden damit, in Tatooine rumzulaufen, mir sämtliche Ecken anzuschauen, jedes Level wieder und wieder zu spielen, wie man es nur als Kind getan hat. Wie gesagt: Aus heutiger (und auch schon aus damaliger) Sicht ein fürchterliches Lizenzspiel, aber ich werde nie den Zauber vergessen, den es mich ausgeübt hat.
Die Urbz: Sims in the City
- Release: 2004
- Genre: Lebenssimulation
Miffy Höftmann: Die Hauptteile der Sims-Reihe haben die meisten wohl auf dem PC gespielt, aber es gibt natürlich auch diverse Konsolenversionen, die oft ihren ganz eigenen Charme hatten (dazu erzählt euch Franzi weiter unten mehr).
Auf PlayStation, Xbox und Co. kamen wir früher aber auch in den Genuss zahlreicher Ableger, die sich deutlich linearer spielten als die bekannten großen Geschwister. Einer dieser Ableger war Die Urbz: Sims in the City, das bei näherer Betrachtung eher wie ein ausgeuferter Werbestunt für die Black Eyed Peas wirkte. Die Hip-Hop-Gruppe hat nämlich mehrere ihrer Hits auf Simlish vertont und Ingame-Versionen von sich selbst beigesteuert. Ich hab’s geliebt und Die Urbz damals rauf und runter gespielt.
Frei nach dem Zero-to-Hero-Prinzip startete ich im Spiel als armer Schlucker und kam in meiner Drecksbude gerade so über die Runden. Um dem großen Traum von Fame, Penthouse und einem Berg voller Moneten näherzukommen, begab ich mich in die verschiedenen Viertel einer Metropole. Dort infiltrierte ich die Subkulturen, malochte in merkwürdigen Jobs als Frettchen-Verpacker und Würstchen-Bräter und verbesserte so meinen Ruf.
Als Belohnung dafür gab’s besagte Moneten und schickere Apartments, deren Gestaltungsmöglichkeiten aber lange nicht an die eines richtigen Sims-Spiels herankamen. Genauso wenig wie die sozialen Bindungen, die ich mit meinen Mit-Urbz aufbaute. Da ging's nur darum, coole Moves zu lernen, mit denen ich wiederum vor anderen angeben konnte, um weitere coole Moves zu lernen. Schnarch.
Der Gameplay-Loop war schon damals ziemlich dröge. Im Prinzip machte man in jedem Viertel dasselbe, nur mit anderem Anstrich, während alles Tolle, das Die Sims eigentlich ausgemacht hat, ohne Rücksicht runtergedampft wurde. Als ich Die Urbz vor wenigen Jahren noch einmal anschmiss, war ich ziemlich schnell gelangweilt. Nur der Soundtrack ballert immer noch wie früher.
Unreal 2: The Awakening
PLUS-Archiv
3:29
Unreal 2: The Awakening - Test-Video
- Release: Februar 2003
- Genre: Ego-Shooter
Phil Elsner: Was war ich damals aufgeregt! Endlich bekommt die Legende, ja der beste Ego-Shooter überhaupt auf der großen weiten Welt, ein Sequel. Unreal 2 musste einfach noch so unendlich viel geiler, noch größer, noch schöner sein als Unreal. Und das war es dann auch - zumindest aus meiner damaligen Perspektive.
Ich habe Unreal 2 bestimmt fünfmal durchgespielt, jedes Mal aufs Neue fasziniert und beflügelt von meiner Fantasie. Heute weiß ich: Vieles davon entsprang meiner jugendlichen Naivität und dem schieren Willen, dass Unreal 2 einfach fantastisch sein musste. Aber in Wahrheit war der Shooter selbst nach den damaligen Maßstäben mittelmäßig, wenn überhaupt.
Die Level waren linear und deutlich einfallsloser als die des glorreichen Vorgängers. Die Charaktere waren flach und klischeehaft. Die Dialoge aufgesetzt und dröge. Die Story war mau und knüpfte kaum an Teil 1 an. Die Konkurrenz war meilenweit voraus – es gab ja bereits No One Lives Forever 2, Medal of Honor, Red Faction oder RtCW. Aus heutiger Sicht muss ich daher zugeben: Diesen Nachfolger hätte keiner so richtig gebraucht. Und die Marke hätte Besseres verdient gehabt.
Diablo
PLUS
23:24
Diablo zum ersten Mal gespielt: Den Butcher sehen und sterben
- Release: November 1997
- Genre: Action-RPG
Dennis Zirkler: Als Kind fand ich Diablo 1 beeindruckend und unheimlich zugleich. Schon Tristram fühlte sich nicht wirklich sicher an, aber sobald es dann in die Kathedrale ging, konnte hinter jeder Tür etwas lauern. Spätestens die Begegnung mit dem Butcher dürfte dann eine ganze Generation geprägt haben.
Die Atmosphäre funktioniert heute natürlich immer noch erstaunlich gut. Sounddesign, Musik und die düstere Umgebung haben nichts von ihrer Wirkung verloren. Doch das eigentliche Spiel … Puh. Ich finde es wahnsinnig träge. Allein, dass ich nicht rennen kann, nimmt mir jede Motivation, das Ganze heute noch einmal herauszukramen.
Die Sims 2 (Nintendo DS)
- Release: September 2004
- Genre: Lebenssimulation
Franzi Hammerschmidt: Ich habe mit den Sims-Spielen normalerweise nichts am Hut, aber Die Sims 2 ist damals irgendwie auf meinem Nintendo DS gelandet. Dabei habe ich versucht, ein abgeranztes Hotel wieder auf Vordermann zu bringen, wurde zwischendurch von Aliens entführt, habe mit Tieren gequatscht und die illegalen Machenschaften meiner Gäste beobachtet.
Was das Spiel so besonders macht: Die düstere Atmosphäre, die ein bisschen an Fallout erinnert. Mein neues Luxushotel liegt nämlich mitten in der Wüste, und weit und breit ist nichts zu sehen. Wenn ich jetzt darüber nachdenke, habe ich eigentlich keine Ahnung, wie meine Besucher überhaupt zum Hotel gekommen sind oder warum sie sich ausgerechnet mein Etablissement ausgesucht haben.
Alles an The Sims 2 ist komisch. Die Geschichte, die Figuren und die Sachen, die einfach aus heiterem Himmel passieren. Aber genau das fand ich damals so toll.
Die Touchscreen-Steuerung des DS kommt jedoch direkt aus der Hölle und würde so manchen Spieler heute wohl um den Verstand bringen. Die skurrile Story inklusive Alien- und Roboter-Invasionen ist auch eher ein Fiebertraum als eine wirklich emotionale und spannende Geschichte. Über die körnige Grafik rede ich an dieser Stelle besser nicht …
Mittlerweile können wohl nur noch Menschen etwas mit dem Spiel anfangen, die damit eine ganz bestimmte Ära in ihrem Leben verbinden – so wie ich.
All diese Spiele beschäftigen uns bis heute. Das lest ihr auch in den Kolumnen unserer Kolleginnen und Kollegen, die wir euch in der obigen Box verlinkt haben.
Jetzt aber zu euch: Kennt ihr das auch? Erinnert ihr euch gern an ein ganz bestimmtes Spiel zurück, das euch heute sicher nicht mehr so begeistern würde? Egal, wie bekannt oder wie alt es ist, verratet uns in den Kommentaren, zu welchen Titeln ihr auch ambivalente Gefühle hegt.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Dein Kommentar wurde nicht gespeichert. Dies kann folgende Ursachen haben:
1. Der Kommentar ist länger als 4000 Zeichen.
2. Du hast versucht, einen Kommentar innerhalb der 10-Sekunden-Schreibsperre zu senden.
3. Dein Kommentar wurde als Spam identifiziert. Bitte beachte unsere Richtlinien zum Erstellen von Kommentaren.
4. Du verfügst nicht über die nötigen Schreibrechte bzw. wurdest gebannt.
Bei Fragen oder Problemen nutze bitte das Kontakt-Formular.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Nur angemeldete Plus-Mitglieder können Plus-Inhalte kommentieren und bewerten.