Wie lange hält der Akku eines Elektroautos? Mit diesem Gerät für 20 Euro könnt ihr es selbst auslesen

Akkus sind dafür bekannt, nicht ewig zu halten. Das sorgt vor allem bei Elektroautos für Verunsicherung - dabei lässt sich die Restkapazität einfach testen.

Wir alle kennen das vom Smartphone: Mit steigender Nutzungszeit schwächelt der Akku und verleidet bald den Spaß an dem teuren Stück Technik. Und so ein Handyakku ist ja total klein, wie schlimm muss das dann erst bei einem Elektroauto sein?

Diese und ähnliche Sorgen halten viele Nutzer vom Kauf eines gebrauchten E-Autos ab. Vor allem, da der Akku das teuerste Bauteil des gesamten Autos ist und ein Tausch mitunter teurer als die Anschaffung sein kann.

Aber sind diese Bedenken gerechtfertigt? Nicht unbedingt: Nicht nur, weil Akkus deutlich länger halten, als allgemein angenommen - auch der Zustand des Akkus muss beim Gebrauchtkauf kein potenziell teures Geheimnis bleiben. Ein kleines Bauteil für 20-30 Euro gibt Gewissheit.

Verlieren Akkus in Elektroautos wirklich so schnell an Kapazität?

Zuerst einmal eine gute Nachricht für alle, die Sorge haben, ein Elektroauto wäre nach wenigen Jahren quasi unbenutzbar, weil der Akku so schnell an Leistung verliert: Das stimmt so nicht (mehr). Viele Vorurteile stammen noch aus Zeiten, in denen die Akkutechnologie tatsächlich ein Problem war.

Die heute üblichen Lithium-Ionen-Akkus werden erst seit den 1990ern in Serie gefertigt und wurden seitdem zudem sehr stark weiterentwickelt. Natürlich sterben auch 2025 noch Li-Ionen-Akkus in Notebooks und Smartphones durch die Abnutzung beim Aufladen. Übrigens: Je schneller geladen wird, desto schlechter ist das für den Akku.

Je schneller der Akku gefüllt wird, desto schlechter für die Lebensdauer. Aber selbst bei regelmäßigen Besuchen am Schnelllader stirbt die Batterie nicht so schnell wie von vielen befürchtet. (Foto: Adobe.stock) Je schneller der Akku gefüllt wird, desto schlechter für die Lebensdauer. Aber selbst bei regelmäßigen Besuchen am Schnelllader stirbt die Batterie nicht so schnell wie von vielen befürchtet. (Foto: Adobe.stock)

Die gängigen Lithium-Ionen-Akkus vertragen etwa 1.000 vollständige Ladezyklen, was erst einmal sehr wenig klingt. Wer würde schon sein Auto wegwerfen wollen, nur weil es sich nach 1.000 Tankvorgängen nicht mehr mit Benzin befüllen lässt? Niemand, macht aber auch beim Elektroauto keiner, weil es nicht nötig ist.

Batteriemanagement sorgt für hohe Reichweiten

Vergleicht es besser mit eurer SSD: Auch SSDs haben eine begrenzte Anzahl an Schreibvorgängen, bis erste Defekte in den Flash-Bausteinen auftreten. Durch geschicktes Management beschreibt der SSD-Controller die Flash-Speicherzellen aber so, dass das Laufwerk deutlich öfter beschrieben werden kann. Ein wenig Puffer in der Kapazität ermöglicht es zudem, defekte Speicherzellen unbemerkt zu ignorieren.

Auch NAND-Speicherzellen wie sie in SSDs und USB-Sticks genutzt werden, verfügen über eine bestimmte Zyklenzahl bis sie deutlich an Leistung verlieren. Das Lastmanagement verteilt hier die Schreibvorgänge genauso wie das Elektroauto die Ladevorgänge einzelner Zellen. Auch NAND-Speicherzellen wie sie in SSDs und USB-Sticks genutzt werden, verfügen über eine bestimmte Zyklenzahl bis sie deutlich an Leistung verlieren. Das Lastmanagement verteilt hier die Schreibvorgänge genauso wie das Elektroauto die Ladevorgänge einzelner Zellen.

Genau das passiert auch in Akkus, nur mit Akkuzellen statt Flashspeicher. Und so liegt der sogenannte State of Health (SoH) eines modernen Autoakkus oft bei über 90 Prozent, auch wenn bereits gut 100.000 Kilometer gefahren wurden. Auf die Strecke kommt es aber ohnehin weniger an, als auf die Ladegeschwindigkeit - Fastcharging lässt Akkus deutlich schneller altern.

Wie kann ich den State of Health des Akkus auslesen?

Und genau das ist das Problem beim Gebrauchtkauf: Niemand außer dem Vorbesitzer weiß, wie gut mit dem Akku umgegangen wurde. Aber es gibt gute Nachrichten: Für eine erste Einschätzung des Akkus reicht es bereits, dem Auto-Innenleben mit einem simplen Dongle auf die Pelle zu rücken.

Seit 2003 gibt es eine europaweite Pflicht, dass jedes neue Auto (auch Verbrenner) eine Schnittstelle zur Diagnose bieten muss, die nach dem OBD2-Standard aufgebaut ist. So könnt ihr einen beliebigen OBD2-Dongle erwerben, er wird in die Schnittstelle im Auto passen.

Der OBD2-Anschluss findet sich oft im Fußraum, dem Handschuhfach oder im Kofferraumbereich des Autos. Der Port ist seit 2003 bei Neuwagen vorgeschrieben und ein älteres Elektroauto würden wir euch eh nicht raten. Der OBD2-Anschluss findet sich oft im Fußraum, dem Handschuhfach oder im Kofferraumbereich des Autos. Der Port ist seit 2003 bei Neuwagen vorgeschrieben und ein älteres Elektroauto würden wir euch eh nicht raten.

Die meisten Adapter sind mit Bluetooth und/oder WLAN ausgestattet, sodass sich die gelieferten Daten per Smartphone-App auslesen lassen. Das funktioniert auch unabhängig von der Antriebsart und liefert viele Informationen über Leistung, Temperatur und vieles mehr.

Ladeplanung und Batteriestatus des Autos per App auf dem Smartphone

Sehr informativ ist etwa die App Car Scanner, die vor allem viele für Elektrofahrzeuge relevante Daten bietet. Wer eine optisch etwas ansprechendere Auswertung sucht, kann sich die App TouchScan anschauen.

Die Daten des OBD-Dongles lassen sich auch in Routenplaner wie ABRP integrieren (dort nur in der kostenpflichtigen Version) um eine Ladeplanung zu realisieren, auch wenn das Auto so etwas selbst nicht bietet. Die Daten des OBD-Dongles lassen sich auch in Routenplaner wie ABRP integrieren (dort nur in der kostenpflichtigen Version) um eine Ladeplanung zu realisieren, auch wenn das Auto so etwas selbst nicht bietet.

In Verbindung mit dem Routenplaner ABRP (A Better Routeplanner) lässt sich anhand dieser Daten auch eine Navigation sinnvoller Ladeplanung erstellen - sehr praktisch, wenn diese Option bei eurem E-Auto erst in teureren Ausstattungsvarianten angeboten wird. ABRP verlangt für die OBD2-Integration mit Ladeplanung allerdings ein kostenpflichtiges Abo und bietet dann trotzdem nur den Komfort einer Windows-3.11-Anwendung.

Was OBD2-Adapter und App leisten:

  • Live-Fahrzeugdaten
  • Fehlerdiagnose nach genormten Fehlercodes
  • Auslesen der Akkudaten wie Füllstand und Restleistung
  • Je nach App: Ladeplanung für die Route

Das bedeuten die Daten des OBD2-Adapters

Car-Scanner und co zeigen eine unübersichtliche Masse verschiedener Daten rund um Motor und Akku an, relevant für die Akkugesundheit ist aber der Punkt State of Health (SoH). Hier wird in Prozent die Degradation des Akkus angezeigt, steht dort also beispielsweise 98 Prozent, ist euer Energiespender noch sehr frisch und wird voraussichtlich noch über 100.000 Kilometer Fahrstrecke erlauben.

Car Scanner zeigt mit dem spröden Charme antiker DOS-Anwendungen unzählige Daten des Autos an. Car Scanner zeigt mit dem spröden Charme antiker DOS-Anwendungen unzählige Daten des Autos an.

Kritischer wird es bei Werten unter 80 Prozent, üblicherweise ist so ein SoH aber erst nach sehr intensiver Nutzung erreicht, meist durch den Ausfall einzelner Akkuzellen. Diese lassen sich übrigens in einigen Werkstätten sogar einzeln und damit vergleichsweise günstig tauschen.

Den Onboard-Diagnose-Port für den OBD2-Dongle findet ihr bei den meisten Autos im Fahrer-Fußraum, im Zweifel gibt die Anleitung des Autos gute Hinweise. Wir haben oben im Artikel einen etwas teureren, aber dafür sehr kurzen Adapter verlinkt, da Größe tatsächlich einen Unterschied machen kann: An einem längeren Dongle stießen wir immer wieder mit dem Bein daran.

Akkutraining vor dem Auslesen des State of Health

Um einen wirklich aussagekräftigen Wert zu erzeugen, solltet ihr nach dem Einstecken des OBD2-Dongles das Auto auf einen niedrigen Ladezustand von unter 10 Prozent herunterfahren und es dann wieder voll aufladen. Bei LFP-Akkus kann es sogar sinnvoll sein, diesen Vorgang zu wiederholen und dann am besten bei vollem Akku zu messen.

Ein kurzer Adapter wie der hier genutzte stört auch dann nicht, wenn er dauerhaft eingesteckt bleibt. Wenn ihr nur ab und zu Daten auslesen wollt und der Dongle danach entfernt wird, könnt ihr auch ein günstigeres Modell wählen. Ein kurzer Adapter wie der hier genutzte stört auch dann nicht, wenn er dauerhaft eingesteckt bleibt. Wenn ihr nur ab und zu Daten auslesen wollt und der Dongle danach entfernt wird, könnt ihr auch ein günstigeres Modell wählen.

Plant ihr also den Kauf eines gebrauchten Elektroautos mit LFP-Akku, kann es sinnvoll sein, einen solchen etwas aufwändigeren Test mit dem Verkäufer abzusprechen. Gute Nachrichten: LFP-Akkus bieten eine deutlich höhere Zyklenfestigkeit, halten also meist länger durch als Lithium-Ionen-Akkus. Ist ein solcher Li-Ionen-Akku verbaut, reicht üblicherweise eine kleine Probefahrt mit eingestecktem Dongle, um zumindest eine Annäherung an den tatsächlichen Akkuzustand zu bekommen. Ein voller Ladezyklus dazwischen kann aber die Werte deutlich verbessern.

Noch genauere Messungen bieten Werkstätte, die sich der Elektromobilität nicht verweigern. Ein Akku-Test vor Ort kostet allerdings üblicherweise mehr als ein OBD2-Dongle. Wir würden raten: Liefern die Dongle-Daten Grund zur Vorsicht aufgrund zu stark von der Erwartung abweichender SoH-Anzeigen (egal ob positiv oder negativ), würden wir einen kostenpflichtigen Test zusätzlich empfehlen.

Die Form und Kontaktbelegung des OBD2-Adapters ist genormt, trotzdem wackeln einige Dongles mehr im Port herum als andere. Hier hilft nur ausprobieren oder nach Erfahrungsberichten mit dem eigenen Auto suchen. Die Form und Kontaktbelegung des OBD2-Adapters ist genormt, trotzdem wackeln einige Dongles mehr im Port herum als andere. Hier hilft nur ausprobieren oder nach Erfahrungsberichten mit dem eigenen Auto suchen.

Fazit: Ein echt praktisches Stück Hardware muss nicht teuer sein

Die Investition in einen unscheinbaren OBD2-Dongle kann sich lohnen: Ihr bekommt deutlich mehr Informationen über die vom Auto ausgelesenen und erzeugten Daten als mit den meisten Onboard-Systemen. Beim Kauf eines gebrauchten Elektroautos ist ein Hinweis auf die verbleibende Batteriehaltbarkeit ein wichtiger Entscheidungsgrund für oder gegen einen Kauf.

Auch wenn die Akkutechnologie in den letzten Jahren deutlich vorangeschritten ist und viele Hersteller bereits problemlos sieben und mehr Jahre Garantie auf ihre Akkus geben, wäre ein vorzeitiger Defekt bei einem Gebrauchtwagen ein oft teurer Spaß. Aber verlasst euch nicht zu sehr auf die selbst ausgelesenen Daten, bei größeren Investitionen und/oder einem generell schlechten Gefühl solltet ihr besser eine Werkstatt mit einem länger dauernden Akku-Test beauftragen, sofern möglich.

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