Wie viel Watt braucht mein Netzteil? So übertreibt ihr nicht und findet es zuverlässig heraus

Seid ihr auch unsicher, ob euer Netzteil zu schwach oder vielleicht sogar viel zu großzügig bemessen ist? Spätestens vor dem nächsten Netzteilkauf solltet ihr diesen Guide lesen.

Die Frage nach dem perfekten Netzteil ist nur mit ein bisschen Rechnen zu beantworten. Und mit ein wenig Hintergrundwissen - willkommen im Guide. (Bildquelle: be quiet! GameStar Tech) Die Frage nach dem perfekten Netzteil ist nur mit ein bisschen Rechnen zu beantworten. Und mit ein wenig Hintergrundwissen - willkommen im Guide. (Bildquelle: be quiet! / GameStar Tech)

Beim PC-Kauf dreht sich oft alles um die beste CPU, die tollste Grafikkarte und ein gut ausgestattetes Mainboard. Vielleicht noch um RAM mit adretten Taktraten und Latenzen oder eine großzügig bemessene SSD.

Aber das Netzteil? Der Stromquader mit den vielen nervigen Kabeln, die das Case so vollmüllen? Langweilig, aber wohl leider nötig.

Dabei ist das Netzteil eine der wichtigsten Komponenten für einen störungsfreien Betrieb des PCs - je hochgezüchteter eure Komponenten sind, desto wichtiger wird der passende Energielieferant. Moderne Grafikkarten und Prozessoren genehmigen sich problemlos hunderte Watt unter Last. Wie viel Leistung euer Netzteil tatsächlich braucht, findet ihr gleich heraus.

Crashkurs PC-Netzteil und Leistungsbedarf

Pauschal lässt sich die Frage nach der passenden Wattzahl natürlich nicht beantworten - da spielen einige Faktoren wie eben die restliche Hardware mit hinein. Aber einfach den Energiebedarf der PC-Bauteile heraussuchen, zusammenrechnen und dann ein Netzteil mit annähernd dieser Wattzahl kaufen ist auch nicht die richtige Taktik.

Links ein klassisches ATX-Netzteil, rechts ein Mini-Modell im SFF-Formfaktor für Mini-PCs - das rechte Netzteil bietet sogar mehr Leistung, kostet aber auch mehr. Im normalgroßen PC ist es daher unangebracht, im Mini unverzichtbar. (Bildquelle: GameStar Tech) Links ein klassisches ATX-Netzteil, rechts ein Mini-Modell im SFF-Formfaktor für Mini-PCs - das rechte Netzteil bietet sogar mehr Leistung, kostet aber auch mehr. Im normalgroßen PC ist es daher unangebracht, im Mini unverzichtbar. (Bildquelle: GameStar Tech)

Um bei Lastspitzen nicht ganz unvorbereitet zu sein, ist es sinnvoll, das Netzteil etwas größer zu dimensionieren. Aber nicht nur deshalb, es gibt noch einen weiteren relevanten Grund: Die Energieeffizienz des Netzteiles ist nicht bei jeder Auslastung ideal.

Erst einmal: Ein Netzteil zieht nicht immer so viel Watt aus der Leitung, wie auf der Packung aufgedruckt ist. Bei geringer Last, beispielsweise jetzt beim Lesen eines GameStar-Artikels, sind es oft unter 100 Watt, beim Gaming geht es dann aber schnell ans Maximum.

Die Arbeit des Netzteiles selbst frisst aber ebenfalls etwas Energie durch die Wandlung – wie viel das ist, deuten Zertifizierungen wie 80+ an. Dort wird auch in verschiedenen Lastzuständen gemessen, also bei geringer, mittlerer und hoher Last.

Wenn ihr selbst schauen wollt, was euer PC so an Strom aufnimmt, bieten sich einfach Mess-Steckdosen an. Praktisch sind auch per WLAN schaltbare Stecker, die per App den Energiefluss aufzeichnen. (Bildquelle: Revolt) Wenn ihr selbst schauen wollt, was euer PC so an Strom aufnimmt, bieten sich einfach Mess-Steckdosen an. Praktisch sind auch per WLAN schaltbare Stecker, die per App den Energiefluss aufzeichnen. (Bildquelle: Revolt)

Sollte das Netzteil gerade so für die benötigte Leistungsaufnahme ausreichen, kann euch eine Leistungsspitze der GPU aber schon wieder dem Herzinfarkt näher bringen: Auf einmal wird der Bildschirm schwarz und das Setup verdächtig leise. Daher ist es schon sinnvoll, den Stromlieferanten passend zu wählen.

Und wie viel Watt braucht mein PC-Netzteil jetzt?

Am besten helfen euch bei dieser Frage Webseiten mit Watt-Rechner. Dort gebt ihr eure Komponenten ein und erhaltet eine Annäherung an den tatsächlichen Energiebedarf des PCs und eine Netzteilempfehlung.

Einige Watt-Rechner werden von Netzteilherstellern betrieben. Es kann gut sein, dass dort etwas mehr Puffer nach oben eingeplant wird, die Hersteller verkaufen gerne bevorzugt leistungsstärkere und teurere Modelle.

Ganz grob den Energiebedarf der Komponenten überschlagen könnt ihr natürlich auch selbst, hier ein paar Wattangaben der PC-Grundkomponenten (unter voller Last, teils nur für kurze Zeit):

  • CPU - AMD Ryzen 7 9800X3D: 162 Watt
  • CPU- Intel Core Ultra 7 285K: 250 Watt
  • GPU - AMD Radeon RX 9070 XT: 305 Watt
  • GPU - Nvidia RTX 5070 Ti: 300 Watt
  • GPU - Nvidia RTX 5090: 575 Watt
  • Mainboard: Je nach Ausstattung 20-100 Watt
  • SSD - M.2 PCIe Gen4: ca. 10 Watt
  • SSD - M.2 PCIe Gen5: ca. 20 Watt
  • RAM - 2x16 GByte DDR5: je nach Takt 6-10 Watt
  • USB - zwischen 2 und 100 Watt

Rechnet am Ende noch einmal 20 % auf den Maximalwert rauf, damit ihr nicht nur etwas Puffer habt, sondern der PC auch unter voller Last nicht am Limit des Netzteiles läuft. Das sorgt nicht nur für weniger böse Überraschungen, sondern auch für eine höhere Effizienz des Netzteiles, das sich bei 80 % Last wohler fühlt als bei 100 %.

Das liebgewonnene Netzteil aus dem 2015er-PC geht doch noch! Ja, das mag sein aber ob es auch für moderne PC-Bauteile ausgelegt ist und auch in Stresssituationen zuverlässig arbeitet? (Bildquelle: Arlt) Das liebgewonnene Netzteil aus dem 2015er-PC geht doch noch! Ja, das mag sein aber ob es auch für moderne PC-Bauteile ausgelegt ist und auch in Stresssituationen zuverlässig arbeitet? (Bildquelle: Arlt)

Ein System mit AMD Ryzen 7 als CPU, 32 Gigabyte RAM, einer oder zwei M.2-SSD(s) und einer GPU der gehobenen Mittelklasse wie der RTX 4070 Super kommt mit einer Handvoll angesteckter und ebenfalls Strom benötigender USB-Geräte auf 350-400 Watt. Wir würden daher zu einem Netzteil mit 550-600 Watt greifen für besagten Puffer und mehr Effizienz.

Steckt statt der 4000er-RTX eine RTX 5090 im System, dürft ihr aber gerne 200-300 Watt raufrechnen und schon ergeben Kilowatt-Netzteile wieder Sinn.

Wir haben auch komplette PC-Bauvorschläge inklusive passendem Netzteil für euch zusammengestellt und aktualisieren diese wöchentlich:

Ausnahmefall Overclocking

All die Watt berechnenden Webseiten scheitern allerdings, wenn ihr beschließt, eure Komponenten stark zu übertakten. Hier solltet ihr einen satten Puffer einrechnen, um nicht beim persönlichen Rekordversuch ein Winseln vom Netzteil zu hören, bevor der Bildschirm schwarz wird.

Glücklicherweise bieten aber auch gegenteilige Ansätze mehr Leistung, versucht es doch einmal mit Undervolting - auch das kann Mehrleistung bringen und spart zudem noch Strom.

Eine RTX 5090 beeindruckt mit ihrer Leistung, das erkauft ihr euch aber mit einem exorbitanten Stromverbrauch von bis zu 575 Watt unter Last. Bei OC wird es eher mehr. (Bildquelle: Nvidia) Eine RTX 5090 beeindruckt mit ihrer Leistung, das erkauft ihr euch aber mit einem exorbitanten Stromverbrauch von bis zu 575 Watt unter Last. Bei OC wird es eher mehr. (Bildquelle: Nvidia)

Es kommt nicht nur auf die Watt an

Eine kleine Falle gibt es noch, auch wenn das Problem früher stärker ausgeprägt war: Die aufgedruckten Wattzahlen sagen noch nicht alles über die tatsächliche Leistungsfähigkeit aus.

Die meisten modernen PC-Komponenten benötigen ihren Strom aus der 12-Volt-Schiene des Netzteiles, einige wenige bedienen sich bei 3,3 Volt oder 5 Volt. Aktuelle Netzteile tragen dem Rechnung, indem sie fast ihre gesamte Leistung über +12V bereitstellen.

Ältere Netzteile hingegen bedienen auch 3,3 und 5 Volt recht kräftig, sodass für die wichtige 12V-Leitung weniger Watt zur Verfügung stehen. Zudem sind ältere Netzteile nicht so gut auf die Spannungsbedürfnisse von 2025er-Hardware ausgelegt.

Überlegt es euch daher doppelt, ob ihr das treue, aber antike Netzteil noch in einen weiteren PC umzieht. Auch wenn es vor 15 Jahren absolutes High End war und eine verblüffend große Wattzahl auf dem Typenschild steht.

Übrigens: Auch besonders preiswerten Netzteilen ohne aussprechbaren Markennamen würden wir eher misstrauen. Ich hatte selbst schon einige dieser vermeintlichen Schnäppchen in der Hand und mehr als eines davon ist unter hoher Last (aber noch im Rahmen der Spezifikation) mit hübschen Partikel- und Raucheffekten aus dem Leben geschieden.

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