William Seward Burroughs war einst Bankkassierer. Der Mann kannte sich nicht nur mit Zahlen aus, Rechnen war sein Job. Um sich das zu vereinfachen, erfand er sogenannte »Adding Machines«, also Addiermaschinen.
Sein erstes Patent wurde am 21. August 1888 genehmigt und markiert damit einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zum modernen Computer.
Burroughs wusste, dass das Verlangen nach Maschinen, die einem das Rechnen abnahmen, groß war. Deshalb gründete er bereits zwei Jahre vorher die American Arithmometer Company, die mit abgewandeltem Namen heute noch existiert.
Schauen wir uns die erste Adding Machine doch einmal an.
Mehr als ein Rechner
Man könnte Burroughs Addiermaschine (das originale Patent könnt ihr bei Google einsehen) für einen gewöhnlichen Rechner halten, tatsächlich steckt aber mehr dahinter.
- Über eine Volltastatur (jede Dezimalstelle hatte die Tasten 1 bis 9) wurden Zahlen eingegeben und per Hebel ausgelöst.
- Die Maschine druckte das Ergebnis auf Papier. Belege wurden somit automatisch erstellt.
- Pro Dezimalstelle rastete immer nur eine Taste ein. So ließen sich Eingabefehler vermeiden und vor dem Auslösen kontrollieren.
Die revolutionärste Entwicklung war allerdings der »Dashpot«, eine Art Dämpfer. Heute mag das völlig trivial klingen, aber der sorgte dafür, dass die Zahnräder der Maschine kontrolliert einhakten.
Bei frühen Addiermaschinen hing die Kraft der Zahnräder und Hebel davon ab, wie stark oder schnell der Benutzer den Auslösehebel zog.
- Zog man zu stark, konnte die Mechanik zu weit schnellen, Zähne überspringen und so falsche Ergebnisse liefern.
- Zog man zu schwach, lief der Mechanismus nicht vollständig durch und der Rechenvorgang blieb unvollständig.
Die ersten Modelle der Addiermaschine gingen wieder an die Firma zurück, da sie zu kompliziert zu nutzen waren (via Computer History Museum) – und wem kann man es verdenken, wenn man die vielen Zahlen sieht? Burroughs musste also zurück ans Reißbrett und die Geräte deutlich vereinfachen.
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Darum war Burroughs Addiermaschine so wichtig für den heutigen PC: Im Kern zeigte der Rechner moderne Datenverarbeitung.
Die Maschine führte standardisierte, fehlerarme arithmetische Operationen mit auditierbarer Ausgabe aus. Das ist eine direkte Vorform mechanisierter Buchhaltung, aus der Büroautomation und Computing erwuchsen.
Tatsächlich wurde aus Burroughs Firma später die Burroughs Corporation, die in den 1960er und 1970er zum großen Mainframe-Anbieter avancierte. Heute existiert das Unternehmen (nach einer Fusion 1986) als Unisys fort.
Und dann ist da noch der Name, der einem irgendwie bekannt vorkommt, oder? Das kommt daher, dass William Seward Burroughs der Großvater von William S. Burroughs ist, einem der bekanntesten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts.
Burroughs bekanntestes Werk ist Naked Lunch, das wegen Obszönität in mehreren Ländern verboten wurde. Ach ja, und eine Kurzgeschichtensammlung von 1985 heißt passenderweise »The Adding Machine«.

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