Er ist einer der ältesten Energielieferanten der Menschheit: der Wind. Was mit Windmühlen für Getreide begann, gipfelt derzeit in gigantischen Windrädern, die global die Abkehr von fossilen Energieträgern antreiben.
China hat im Feld der Anlagen zu Wasser (einmal wieder) einen neuen Rekord aufgestellt: Die Blätter sind einzeln fast so lang wie der Kölner Dom und im Durchmesser des Rotors reichen sie an die Titanic heran.
Giganten unter sich in Fernost
Der chinesische Staatskonzern CRRC hat nach eigenen Angaben ein Windrad aufgestellt, dessen Nabe (wo die Rotorblätter angebracht sind) sich in 151 Meter Höhe befindet. Der Durchmesser des Rotors beläuft sich auf 260 Meter. Die Titanic war 269 Meter lang. Der Kölner Dom ist 157 Meter hoch, was etwa 30 Meter mehr sind als ein einzelnes Blatt lang ist.
Die Leistung der Anlage beziffert CRRC mit 20 MW. Etwas bildlicher: eine Umdrehung der Anlage soll so viel Strom liefern, wie eine durchschnittliche chinesische Familie innerhalb von grob drei Tagen nutzt (via Heise).
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Stark vereinfacht, aber die Höhe der Nabe legt fest, wie stetig und kräftig der Wind über die Rotorblätter streift. Denn je höher, desto gleichmäßiger und stärker weht er. Die Länge der Blätter wiederum bestimmt, wie viel dieses Potenzials werden kann.
CRRC ist sonst eher in einem anderen Feld bekannt: Hochgeschwindigkeitszüge. Allerdings sind solche Kombinationen nicht unüblich, Beispiel Siemens. Der deutsche Traditionskonzern baut ebenfalls Windräder, Züge und vieles mehr.
Die Konkurrenz steht aber nicht auf der Stelle – sie kommt jedoch auch aus China. Der Konzern Mingyang stellte im August 2024 ebenfalls einen 20 MW-Riesen mit Rotorblättern von mindestens 260 Metern im Durchmesser auf. Jedoch lieferte der Prototyp nicht lange Strom. Aus unbekannten Gründen wurde er Angaben des Konzerns zufolge im Dezember zerstört.
Durchschnittliche Offshore-Windräder Deutschlands – neuester Zubau (via wind-energie.de):
- Leistung: 10,4 MW
- Rotordurchmesser: 186 Meter
- Nabenhöhe: 96 Meter
Zuvor hatte das ebenfalls chinesische Unternehmen Dongfang Electric Corporation die Nabe vorn: ebenfalls rund 260 Meter und 18 MW (via topagrar).
Mingyang hat aber bereits den nächsten Pfeil im Köcher in der Hand: Irgendwann 2025 soll ein Windrad aufgerichtet werden, das die Höhe des Eiffelturmes erreicht (Blatt plus Turm). Der Durchmesser des Rotors soll 310 Meter überspannen und die Leistung bei 22 MW liegen.
Das Kernproblem, dem sich weltweit Hersteller von Offshore Windrädern gegenübersehen, ist nicht die Höhe des Turmes. Auch stoßen weder die Materialien noch die Länge der Rotorblätter derzeit an eine unüberwindbare Grenze. Am ärgsten Kopfzerbrechen bereitet den Produzenten die Platzierung. Denn am liebsten hätte jeder seine Turbinen auf dem offenen Meer. Da weht am meisten Wind, deshalb heißt der neueste Trend: Schwimmend anstatt auf festen Stelzen oder Fundamenten. Aber die Entwicklungen hier stehen noch am Anfang.
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