Samsung, Google und Apple: Viele, die sich heutzutage ein Handy mit guter Kamera kaufen wollen, denken unweigerlich an diese drei Hersteller.
Doch was ist, wenn euch »gut« nicht »gut genug« ist? Wenn ihr eine Kamera in der Hosentasche haben wollt, die Handy und Premium-Kompaktkamera in einem vereinen soll?
Dann solltet ihr unbedingt drei Modelle im Blick behalten: Vivo X200 Ultra, Honor Magic7 Pro und das Xiaomi 15 Ultra. Alle drei sind mit deutlich besserer Kamerahardware ausgestattet als die Konkurrenz aus Südkorea und den USA.
Ich habe das Xiaomi 15 Ultra seit etwa einem Monat und über 1.000 Fotos damit geschossen. Und das, was ich vermutet habe, wurde bestätigt: Das Handy besitzt eine der besten Handykameras der Welt.
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BLINDTEST: Dieses Smartphone macht die besten Fotos!
Hauptkamera: Exzellente Bildqualität dank großem Bildsensor
Das Kamerasystem vom Xiaomi 15 Ultra wurde in Zusammenarbeit mit dem deutschen Kamerahersteller Leica entwickelt.
Dementsprechend gibt es ein paar Features, die an die Messsucherkameras von Leica erinnern.
Eines davon ist die Möglichkeit zwischen verschiedenen Brennweiten zu wechseln, die bei Fotografen und Fotografinnen beliebt sind:
- 23 mm (1x)
- 28 mm (1,2x)
- 35 mm (1,5x)
- 50 mm (2,2x)
Obwohl eine solche Funktion auch bei anderen Handys unterstützt wird, ergibt sie beim Xiaomi 15 Ultra mehr Sinn, weil der Bildsensor der Hauptkamera besonders groß ist. So geht beim Umschalten auf längere Brennweiten weniger Bildqualität verloren.
Ich bin ein großer Fan der 28-mm-Brennweite und das Handy erlaubt es mir, diese als Standardeinstellung für die Hauptkamera zu wählen. Alternativ lässt sich auch 23 und 35 mm einstellen.
Warum die 50 mm-Einstellung hierfür nicht zur Verfügung steht, kann ich mir nicht erklären. Es gibt allerdings eine Übergangslösung:
In den Kamera-Einstellungen könnt ihr auswählen, dass die Kamera-App die letzten Einstellungen wiederherstellt, sobald ihr sie öffnet. Wenn ihr also zuletzt die 50-mm-Einstellung verwendet habt, dann steht sie auch beim nächsten Öffnen der Kamera wieder zur Verfügung.
Wie gut ist die Bildqualität der Hauptkamera?
Exzellent. Für die Hauptkamera kommt ein großer 1-Zoll-Typ-Sensor mit einer Auflösung von 50 Megapixeln zum Einsatz. Solche Bildsensoren werden etwa auch in Premium-Kompaktkameras wie der Canon G7X Mark 3 verbaut.
Die Blende beträgt F/1.6 und ist somit sehr lichtstark. Das sorgt unter anderem für bessere Fotos bei schlechten Lichtverhältnissen.
Der große Bildsensor in Kombination mit dem lichtstarken Objektiv ermöglicht es euch außerdem Motive freizustellen und das ganz ohne Verwendung des Porträtmodus.
Beispielbilder der Hauptkamera:
70-mm-Tele: Portait- und Makroobjektiv in einem
Das Xiaomi 15 Ultra besitzt zwei Tele-Objektive. Die 70-mm-Linse (3x) ist auf dem Papier zwar etwas weniger interessant, aber sie hat ein paar Tricks auf Lager.
- Zum einen eignet sich die 70-mm-Brennweite optimal für Portraits. Das liegt an der natürlichen Perspektive und der geringen Verzerrung, die sie bietet. Diese Brennweite ermöglicht es, das Motiv in einem schmeichelhaften Verhältnis zum Hintergrund darzustellen, wodurch Gesichtszüge in einem ausgewogenen und ansprechenden Licht erscheinen.
- Zum anderen kann das 70-mm-Tele besonders nahe Motive scharf stellen. So ermöglicht es euch, beeindruckende Makro-Aufnahmen zu schießen.
Wie gut ist die Bildqualität mit den 70-mm-Tele-Objektiven?
Überraschend gut, obwohl ein kleiner 1/2.51-Zoll-Bildsensor zum Einsatz kommt. Die Auflösung beträgt 50 Megapixel und die Blende F/1.8.
Solltet ihr mit diesem Objektiv Portraits aufnehmen wollen, müsst ihr den Portraitmodus aktivieren, wenn ihr eure Motive vom Hintergrund freistellen möchtet. Für eine natürliche Freistellung ist der Bildsensor einfach zu klein.
Am besten glänzt diese Kamera bei den Makro-Aufnahmen. Die Fotos zeigen viele Details, die man mit dem bloßen Auge kaum gesehen hätte.
Beispielbilder der 70-mm-Tele-Kamera:
14-mm-Ultraweitwinkel: Scharf bis in die Ränder
Ein Ultraweitwinkel sollte bei keinem Handy heute fehlen. Ihr könnt damit nicht nur beeindruckende Landschaftsaufnahmen machen, sondern auch kreative Perspektiven bei Innen- und Architektur-Fotos ermöglichen.
Beim Xiaomi 15 Ultra kommt dafür ein recht kleiner 1/2.76-Zoll-Sensor und ein Objektiv mit F/2.2-Blende zum Einsatz. Der Sensor hat auch eine Auflösung von 50 Megapixel. Von allen vier Kameras handelt es sich hierbei um die schwächste – aber schlecht ist sie nicht.
Wie gut ist die Bildqualität bei Ultraweitwinkel-Fotos?
Bei guten Lichtverhältnissen liefert die Ultraweitwinkel-Kamera Fotos in sehr guter Qualität ab. Das Objektiv ist bis zu den Rändern hin scharf. Wenn euch jedoch weniger Licht zur Verfügung steht, gehen Details durch die Rauschreduzierung verloren. Da habe ich dann lieber zur Hauptkamera umgeschaltet.
Beispielbilder der Ultraweitwinkel-Kamera:
100-mm-Tele: Besser als die Hauptkamera von vielen Handys
Dieses Objektiv (4,3x) benutze ich fast genauso häufig wie die Hauptkamera. Der optische Zoom reicht bis 100 mm, kann aber dank der extrem hohen Auflösung von 200 Megapixeln auf 400 mm mit geringem Qualitätsverlust erweitert werden.
Der Bildsensor ist 1/1.4-Zoll groß und somit größer als die Hauptkameras von vielen anderen Smartphones (etwa das Samsung Galaxy S25 mit 1/1.56-Zoll-Sensor).
Die Blende ist mit F/2.6 zwar etwas kleiner als die der anderen Kameras, aber immer noch groß genug, um eure Motive vom Hintergrund freistellen zu können.
Wie gut ist die Bildqualität mit dem 100-mm-Tele-Objektiv?
Herausragend. Diese Kamera hat mich sogar mehr überrascht als die Hauptkamera. Die Bildqualität ist bis zur 100-mm-Einstellung hervorragend.
Bei 200 mm (8,6x) ist nur ein sehr geringer Qualitätsverlust bemerkbar. Bei 400 mm (17,2x) merkt man schon eher, dass es sich um einen digitalen KI-Zoom handelt, aber die Qualität ist immer noch bemerkenswert. Ich nutze diese Einstellung gerne, um Vögel zu fotografieren.
Der Autofokus arbeitet zügig und zuverlässig. Nur bei Motiven, die sich etwa hinter Ästen verstecken, bekommt er Schwierigkeiten. Der Bildstabilisator ist äußerst effektiv. Selbst bei 400 mm konnte ich ruhig aus der Hand fotografieren.
Eine negative Sache ist mir dennoch aufgefallen: Weil bei 200 und 400 mm das Bild digital vergrößert wird, werden Bildfehler wie chromatische Aberrationen und Farbsäume deutlich stärker sichtbar. Auch unruhige Muster im Bokeh, also der verschwommene Hintergrund bei Motiven, werden betont.
Beispielbilder der 100-mm-Tele-Kamera:
21-mm-Frontkamera: Großer Weitwinkel mit zufriedenstellender Qualität
Die Frontkamera besitzt einen sehr breiten Bildwinkel von 21 mm. Wenn ihr mit dem Handy Vlogs aufnehmen wollt, ist also nicht unbedingt ein verlängerter Griff notwendig. Und bei Gruppen-Selfies passen mehr Menschen auf das Bild.
Wie gut ist die Bildqualität der 21-mm-Frontkamera?
Der Bildsensor ist mit 1/3.14-Zoll sehr klein. Trotzdem wurden auf diesen 32 Megapixel gepresst. So kann die Frontkamera vom Pixel-Binning-Verfahren Gebrauch machen, wie bei den Kameras auf der Rückseite. Die Bildqualität ist somit überraschend gut, solange die Lichtverhältnisse nicht zu schlecht werden.
Beispielbilder der 21-mm-Frontkamera:
Software-Features der Kamera: ein Hauch deutscher Kameraingenieurskunst
Schnellschuss-Modus: Dieser Modus ist perfekt geeignet für Schnappschüsse und ich wünschte jedes Handy hätte ihn. Beim Drücken auf den Auslöser gibt es kaum eine Verzögerung und ihr könnt schnell mehrerer Fotos hintereinander knipsen.
Das Beste daran ist aber die Vorschauanzeige, die an das Sucherbild von Leica Messsucherkameras erinnert.
Es werden sogenannte Frame-Lines eingeblendet, die euch anzeigen, was auf eurem fertigen Foto abgebildet wird. Zusätzlich seht ihr einen kleinen Teil außerhalb der Frame-Lines. Das erlaubt es euch zu sehen, ob Motive in euer Bild hineinlaufen oder nicht.
Außerdem erlaubt euch dieser Modus, zwischen beliebten Brennweiten zu wechseln. Wie als würdet ihr bei einer Systemkamera Objektive wechseln – nur auf Knopfdruck.
- 28 mm
- 35 mm
- 50 mm
- 75 mm
- 90 mm
- 135 mm
All diese Brennweiten sind besonders beliebt bei Leica-Fotografen.
Leica-Bildprofile: Das Xiaomi 15 Ultra verfügt über einige Farbfilter, die in Zusammenarbeit mit Leica entwickelt wurden:
- Leica Authentic (mattere Farbtöne mit leichter Vignette)
- Leica Vibrant (farbenfroh)
- Leica BW (Schwarz und Weiß)
- Leica BW HC (Schwarz und Weiß mit hohem Kontrast)
- Leica Sepia (warmes Schwarz und Weiß)
- Leica Blau (kühles Schwarz und Weiß)
Besonders beeindruckt hat mich das Leica BW HC-Profil. Die Schwarz-Weiß-Fotos wirken richtig dramatisch und ich muss sie nur sehr selten nachbearbeiten.
Für Farbfotos habe ich gerne Leica Authentic verwendet. Die leichte Vignette an den Bildrändern gefällt mir gut und die Farben wirken natürlicher als mit dem Leica Vibrant-Profil.
Pro-Modus: Im Pro-Modus vom Xiaomi 15 Ultra könnt ihr Fotos im RAW-Format aufnehmen. Dabei lässt sich auch auswählen, ob ihr die Fotos in voller Auflösung abspeichern wollt.
Mit dem 100-mm-Tele ist es also möglich, 200-Megapixel-RAW-Dateien aufzunehmen. Darüber hinaus könnt ihr eure Kameraeinstellungen in Profilen abspeichern und jederzeit auf Knopfdruck abrufen.
Video: 8K und 30 FPS mit allen vier Kameras
Auch beim Aufnehmen von Videos hat mich das Xiaomi 15 Ultra beeindruckt. Mit allen vier Kameras könnt ihr mit einer maximalen Auflösung von 8K und 30 FPS aufnehmen.
| 0,6x | 1x | 3x | 4,3x | |
|---|---|---|---|---|
| 720p30 | ✓ | ✓ | ✓ | ✓ |
| 1080p30 | ✓ | ✓ | ✓ | ✓ |
| 1080p60 | ✓ | ✓ | ✓ | ✓ |
| 4K30 | ✓ | ✓ | ✓ | ✓ |
| 4K60 | ✓ | ✓ | ✓ | ✓ |
| 4K120 | x | ✓ | x | ✓ |
| 8K30 | ✓ | ✓ | ✓ | ✓ |
Es können auch Zeitlupen-Aufnahmen in 1080p-Auflösung aufgenommen werden. Dazu stehen die folgenden Bildwiederholraten zur Verfügung:
- 120 FPS
- 240 FPS
- 480 FPS
- 960 FPS (nur ein Bruchteil einer Sekunde)
- 1920 FPS (nur ein Bruchteil einer Sekunde)
Was mir bei der Kamera des Xiaomi 15 Ultra nicht gefallen hat
Insgesamt hat mich die Kamera des Handys sehr überzeugt, aber sie ist nicht perfekt.
- Der Autofokus stellt manchmal auf Dinge im Vordergrund scharf, obwohl in der Vorschau das richtige Motiv erkannt wurde.
- Das Bokeh wirkt bei einigen Fotos sehr unruhig und ablenkend.
- Das 100-mm-Tele-Zoom hat bei Fotos mit hohen Lichtkontrasten Probleme mit chromatischen Aberrationen.
- Es gibt keinen physischen Zwei-Stufen-Auslöser, wie beim Sony Xperia 1 VI. Für so ein Feature muss der optionale Kameragriff für etwa 200 Euro gekauft werden. Diesen habe ich nicht getestet.
- Ab und zu werden nicht meine gemerkten Einstellungen wiederhergestellt, nachdem ich die Kamera-App geschlossen habe.
- Es gibt keine Möglichkeit, den Auslöseton komplett abzuschalten, ohne das Handy dafür auf Lautlos stellen zu müssen.
Mein Fazit nach über 1.000 Fotos
Das Xiaomi 15 Ultra ist eines der besten Kamerahandys, die ihr euch heute kaufen könnt. Ich bin äußerst beeindruckt von der Bildqualität und den gebotenen Features. Es ist, als hätte ich eine Kompaktkamera mit einem Brennweitenbereich von 14 bis 400 mm. So etwas hätte ich mir vor einigen Jahren nie vorstellen können.
Dazu kommen die schönen Leica-Filter, die mich sehr an die Film-Simulation-Filter von Fujifilm-Kameras erinnern. Die fertigen JPEGs sind äußerst schön und nur sehr selten muss ich Fotos im RAW-Format schießen, um sie hinterher selbst zu bearbeiten.
Wenn ihr euch ein Handy kaufen wollt und euch ein großer Zoom und eine gute Bildqualität wichtig, dann kann ich euch das Xiaomi 15 Ultra wärmstens empfehlen.
Der Preis ist zwar happig, aber wenn man bedenkt, dass hier eine Premium-Kompaktkamera in einem High-End-Smartphone steckt, dann erscheint mir die Investition durchaus gerechtfertigt.
Und was ist mit dem Rest des Handys? Das verrate ich euch in einem gesonderten Test. Dort werde ich auf Akkulaufzeit, Bildschirmqualität und mehr eingehen. Habt ihr Fragen zum Handy? Dann stellt sie mir gerne in den Kommentaren!

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