Alternative Betriebssysteme sind ein Nischenthema. Weltweit wird der Markt von Android und iOS dominiert – und damit von den Silicon-Valley-Konzernen Google und Apple.
Wenn es um Apps geht, könnt ihr eure Abhängigkeit von Google verringern, etwa indem ihr euch eine passende Alternative zu Google Maps sucht. Und auch wenn es um Browser geht, lohnt es sich, über den Tellerrand von Chrome zu blicken.
Wenn es aber um das Betriebssystem eurer Smartphones geht, macht es euch die Hardware vieler Hersteller schwierig, weg von Android zu kommen.
Für Entwickler, die alternative Betriebssysteme verwenden wollen, sind Xiaomi-Handys hier interessant. Warum das so ist – und warum es auch mit Modellen des chinesischen Herstellers zunehmend schwierig wird, Google den Rücken zu kehren, erfahrt ihr hier.
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Die Smartphone-Sackgasse 2025: Wenn Gefühl Innovation verdrängt
Warum Xiaomi-Handys für Custom-ROMs so beliebt waren
Um ein alternatives Betriebssystem, auf Englisch auch »Custom ROM« genannt, zu installieren, braucht ihr zuerst einmal einen offenen Bootloader.
Das ist der Bootmanager eures Smartphones. Er ist quasi das Tor zur Software und entscheidet, welches Betriebssystem beim Start eures Handys geladen wird. Standardmäßig ist dieser Bootloader vom Hersteller gesperrt, um zu verhindern, dass Nutzer das offizielle System durch eine alternative Software ersetzen.
Genau hier trennt sich die Spreu vom Weizen: Während Apple das Entsperren komplett verbietet, machen es die meisten Android-Hersteller möglich. Allerdings gibt es auch hier große Unterschiede, wie einfach dieser Prozess ist.
Bei Xiaomi dauert das mehrere Tage, wie das Online-Portal PiunikaWeb aufzeigt, aber es ist möglich. In Kombination mit weiteren Stärken von Xiaomi wurden die Handys des chinesischen Herstellers in der Entwickler-Szene so beliebt:
- Preis-Leistungs-Verhältnis: Xiaomi sticht häufig durch ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis heraus – wie etwa mit dem Poco F7. Für Nutzer, die die vorinstallierte Software ohnehin ersetzen wollen, ist das eine entscheidende Überlegung. Sie erhalten leistungsstarke Hardware zu einem vergleichsweise günstigen Preis, ohne Abstriche bei der Geschwindigkeit oder den Kernkomponenten machen zu müssen.
- Beliebtheit in der Entwickler-Community: Die hohe Verkaufszahl und die damit verbundene große Nutzerbasis machen Xiaomi-Geräte attraktiv für Entwickler. Auf XDA Forums, einer Seite für Android-Entwickler und -Enthusiasten, finden sich etwa für viele Xiaomi-Modelle eine Vielzahl von Einträgen.
Das wohl beste Beispiel für diesen Trend: Das Poco F1 – ein sieben Jahre altes Modell – wird auf XDA Forums bis heute regelmäßig mit Updates von der Community versorgt und hat unter den Xiaomi-Modellen mit Abstand die meisten Foren-Einträge.
Custom-ROMs installieren wird auch bei Xiaomi schwieriger
Doch der Trend verblasst. Und die Gründe dafür liegen zuerst einmal bei Xiaomi selbst:
- HyperOS: Mit der Einführung von HyperOS hat Xiaomi den Bootloader-Unlock in seinem Heimatland China deutlich restriktiver gestaltet – so berichtet Android Police bereits 2023. Nutzer müssen mindestens Level-5-Mitglied im offiziellen Xiaomi-Forum sein, um überhaupt einen Antrag stellen zu können. Die Freischaltung ist nur ein Jahr gültig und auf drei Geräte pro Jahr begrenzt. Außerdem erhalten Geräte mit entsperrtem Bootloader keine HyperOS-OTA-Updates mehr.
- Weitere Verschärfungen: Laut der Plattform Gizmochina gelten seit Anfang 2025 zumindest in China noch strengere Regeln: Pro Xiaomi-Account darf nur noch ein Gerät pro Jahr entsperrt werden. Die Genehmigung muss innerhalb von 14 Tagen genutzt werden, sonst verfällt sie. Zudem muss der gesamte Unlock-Prozess, inklusive Bindung, Antrag und Entsperrung, auf demselben Gerät durchgeführt werden.
Bisher gelten die strengen Restriktionen nur für den chinesischen Markt. Dennoch zeichnet sich ein Trend ab, der das Verwenden von Custom-ROMs erschwert – nicht nur bei Xiaomi.
Ein allgemeiner Trend zeichnet sich ab
Xiaomi ist aber längst nicht der einzige Hersteller, der das Installieren von Custom-ROMs sukzessive erschwert:
- Samsung: Wie die Branchenseite Schmidtis Blog berichtet, blockiert Samsung seit der Einführung von One UI 8 das Entsperren des Bootloaders auf den hauseigenen Galaxy-Smartphones.
- Google: Auch Google macht den Moddern das Leben seit Android 16 schwerer: Laut TechTimes hat Google absichtlich die Device Trees – eine Art Bauanleitung für die Hardware – aus dem Android Open Source Project (AOSP) entfernt. Ohne die ist es für Entwickler extrem kompliziert, das System an die Hardware der Pixel-Reihe anzupassen. Das bedeutet, dass nach dem Ende des offiziellen 7-Jahres-Supports wohl keine weiteren Custom ROMs mehr für Pixel-Handys verfügbar sein werden.
Ganz grundsätzlich gilt jedoch: Bevor ihr euch aufmacht, ein alternatives Betriebssystem auf euer Handy zu spielen, solltet ihr euch intensiv mit der Materie beschäftigen. Denn trotz der vergleichsweise einfachen Installation auf Handys wie dem Pixel, bleibt das »De-Googling« ein riskantes Unterfangen:
- Verlust der freiwilligen Garantie: Bei den meisten Herstellern verliert ihr die freiwillige Garantie auf das Gerät, sobald ihr den Bootloader entsperrt und das Betriebssystem verändert. Die gesetzlich vorgeschriebene Gewährleistung bleibt euch aber erhalten.
- Das Handy wird unbrauchbar: Wenn die Schritte nicht mit äußerster Sorgfalt befolgt werden, besteht die Gefahr, dass das Handy unbrauchbar wird.
Falls ihr euch damit aber sicher fühlt, wird die Wahl der richtigen Hardware zusehends komplizierter.
Was meint ihr dazu? Benutzt ihr auch ein alternatives Betriebssystem und legt euch deswegen vielleicht sogar ein bestimmtes Smartphone zu? Wenn ja, welches? Wo seht ihr die Schwierigkeiten? Schreibt und eure Erfahrungen in die Kommentare!

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