Atmosphärisch und stilsicher

Rezension: „Limbo“ — Plattform: Steam

von ModuGames am: 25.07.2020

„Schwarz-weiße Farben überziehen den Bildschirm. Ein kleiner Junge erwacht in einem Wald. Seine Umgebung erkundend, begibt er sich auf eine sehr melancholische und atmosphärische Reise.“ So könnte man den Anfang von Limbo beschreiben, dem Erstlingswerk von Playdead, das im Jahr 2010 für die Xbox 360 erschien. 2011 wurde das Indie-Spiel dann auch für die übrigen Systeme veröffentlicht – und gilt seitdem als Geheimtipp.

Kreative 2D-Rätsel

Bei Limbo handelt es sich um einen 2D-Platformer. Man bewegt sich mit den Pfeiltasten und verwendet außerdem „Strg“, um etwa Gegenstände zu ziehen oder Schalter zu betätigen. Mehr Tasten werden nicht benötigt, leider lässt sich die Steuerung aber nicht direkt im Spiel anpassen. Trotz der sehr minimalistischen Aktionen, die man ausführen kann, wird das Spiel durch eine Vielzahl von Rätseln durchaus noch komplex. Limbo ist in 39 sehr kurze Kapitel unterteilt, die jeweils ein Hindernis beinhalten, das es zu bewältigen gibt. Meistens handelt es sich hierbei um Physikpuzzle, so muss man etwa oft im richtigen Moment Schilder betätigen, die die Schwerkraft umkehren. Oder man muss mithilfe von Kisten über sich nähernde Kreissägen springen. Oder man muss Druckplatten umgehen, die gefährliche Fallen auslösen. Oder, oder, oder.

Hier sieht man die Limbo-Version der berühmten Szene aus „Jäger des verlorenen Schatzes“. Von dieser Kugel sollte man sich besser nicht erwischen lassen. Zum Glück kann man sich unter diesem Felsvorsprung verstecken – die Physik macht's möglich.

Die Rätsel gestalten sich als durchaus anspruchsvoll: Sie benötigen präzises Timing und/oder eine gehörige Portion kreatives Denken. Ich selbst musste des Öfteren auf YouTube-Walkthroughs ausweichen. Nur um dann zu sehen, dass die Lösung des Problems im Grunde recht logisch war. Die Rätsel in Limbo sind meines Erachtens ziemlich fair und auch nicht so weit hergeholt wie bei vielen Genre-Kollegen. Wenn man allerdings scheitert, endet dies meist in einem brutalen Tod der Spielfigur. Hier ist alles dabei: Aufgespießt werden, zu Tode stürzen, von Kugeln durchsiebt werden etc. pp. Zum Glück wird man dann am Anfang des Rätsels wiederbelebt, eine Maximalanzahl an Versuchen gibt es nicht.

Eine kompromisslose Welt

Gerade die brutalen Bildschirmtode haben mich anfangs erstaunt, da das Spiel auf den ersten Blick recht unschuldig wirkt. Es ist komplett in schwarz-weiß gehalten, zusätzlich wird ein Effekt verwendet, der so aussieht, als spielte man auf einem alten Bildschirm. Selbst die Spielfigur ist nur eine schwarze Silhouette, mit Ausnahme der weiß glühenden Augen. Bald schon war mir jedoch klar, dass Limbo eben nicht nur ein nettes, kleines Spielchen ist, sondern vor allem von seiner düsteren Atmosphäre lebt. Versagen führt zum Tod, niemand möchte dem kleinen Jungen helfen, die Welt arbeitet gegen ihn. Dazu kommt noch, dass auch der Soundtrack und das generelle Sounddesign ebenfalls nur das absolut Nötigste auffahren. Dadurch wirkt das Spiel sehr leer, aber auf eine höchst atmosphärische, zutiefst melancholische Art.

Die Spielfigur kann nicht schwimmen und braucht ein Boot, um tiefe Gewässer zu überqueren. Hier zeigt sich auch, wie trist die Spielwelt ist, was aber enorm zur Atmosphäre beiträgt.

Viel mehr bietet Limbo dann aber auch nicht. Es gibt keine Geschichte im eigentlichen Sinn, der Junge läuft einfach immer nach rechts in der Hoffnung, eine freundliche Gestalt zu treffen. Gerade das Ende war mir persönlich zu abrupt, auch wenn Leute, die gerne interpretieren, hier ihre Freude haben werden. Das Abenteuer des Jungen war bei mir übrigens nach drei Stunden vorbei. Nett ist wiederum, dass man alle Kapitel einzeln laden kann, sobald man sie durchgespielt hat.

Fazit

Wie Sie bestimmt schon gesehen haben, vergebe ich für Limbo eine Wertung im 60er Bereich. Ich bin mir des Umstandes bewusst, dass heutzutage alles unter 70 als ziemlich schlecht angesehen wird, aber das entspricht nicht meiner persönlichen Auffassung: Der Bereich von 60-69 beschreibt meiner Meinung nach leicht überdurchschnittliche Spiele – und als solches sehe ich Limbo. Der ungewöhnliche Grafikstil, die fordernden, aber fairen Rätsel und die dichte Atmosphäre sind klare Pluspunkte. Das war es dann aber auch schon und deshalb bekommt Limbo von mir auch nur das Prädikat „ganz nett“. Warum andere Rezensenten reihenweise 80er oder 90er vergeben, erschließt sich mir nicht.

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Wertung
Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

eher schwer

Bugs:

Nein

Spielzeit:

Weniger als 5 Stunden



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