Crysis Warhead – Psycho auf Tour

Der deutsche Entwickler Crytek schaffte es Ende 2007 mit Crysis, einen neuen Standard im Shooter-Genre zu schaffen. Die Grafik, KI und auch die Inszenierung...

von Oneal Redux am: 15.12.2009

Der deutsche Entwickler Crytek schaffte es Ende 2007 mit Crysis, einen neuen Standard im Shooter-Genre zu schaffen. Die Grafik, KI und auch die Inszenierung schafften neue Maßstäbe. Crysis bot eine umwerfende Grafik, die zwar viel voraussetzte, dafür dann aber auch eine Menge bot. Die großen, teils frei begehbaren Levels erinnerten an Far Cry und ließen einem maximale Freiheit in der Missionsgestaltung. Und zu guter Letzt der Nanosuit, der ein komplett neues Spielerlebnis präsentierte.

Ein Jahr später meldeten sich die Entwickler zurück und präsentierten mit Crysis Warhead ein alleinlauffähiges Addon zum Hauptspiel. Die Erwartungen an dieses waren hoch und wurden leider nicht ganz erfüllt. Denn obgleich die Grafik immer noch umwerfend ist, der Nanosuit wieder mit an Bord ist, fehlt Crysis Warhead doch eine Menge.

Team Raptor

In Crysis schlüpfte man noch in die Rolle des amerikanischen Elitesoldaten Nomad und kämpfte erst gegen den Nordkoreanischen General Kyong und später gegen eine riesige Armee von Aliens, die von ihm erweckt wurde. So viel zum Hauptspiel. Crysis Warhead spielt zeitgleich mit den Ereignissen rund um Nomad und lässt einen diesmal aus der Sicht von Raptor-Mitglied Psycho spielen. In Crysis konnte Psycho schon beweisen, dass er ein richtiger Draufgänger ist und keinen Kampf scheut. So setzt sich natürlich Psycho auch gerne über Befehle hinweg, nur um einen Gegner mal richtig in den Arsch treten zu können. Für reichlich Action ist also gesorgt. Diese wird dazu auch noch von der Inszenierung her gewohnt gut in Szene gesetzt. Doch bei der Geschichte selbst, haben sich die Entwickler nicht viel Mühe gegeben. Das einzige was man das ganze Spiel über macht, ist einem Container hinter herjagen, obwohl man nicht mal so recht weiß, was denn da eigentlich drin ist. Fest steht nur, die Koreaner wollen ihn haben, also wollen die Amerikaner ihn erst recht.

Urlaubsparadies

Ähnlich wie in Crysis durchstreift man zum Anfang die schöne Inselidylle und kämpft sich seinen Weg durch Horden von Nordkoreanern. Einen auf heimlich muss man allerdings nicht machen, denn auf der ganzen Insel wird schon heftig und erbittert gekämpft. Es fliegen Jets über den Himmel, Bomben- und Artillerieeinschläge sind zu hören und ab und an gibt es verzweifelte Funksprüche von Kameraden zu hören. Die Cryengine 2 zeigt sich dabei wieder von ihrer besten Seite. Wunderschöne Vegetation, dichter Dschungel, realistisches Wasser, Kleinstlebewesen wie Krebse oder Wachteln. Alles in allem, ein wunderschönes Urlaubsparadies.

Lange bleibt dies allerdings nicht so. Sobald die Aliens aus ihrem Schlaf erwacht sind, ändert sich die Inselidylle radikal. Innerhalb der Sphäre wird alles zu Eis und Schnee. Flüsse und sogar das Meer sind zugefroren. Der Dschungel ist nicht mehr grün sondern weiß. Atmosphärisch ist es wie schon im Hauptspiel eine wahre Freude. Gar gespenstisch ruhig ist es plötzlich und man findet sich in einer wahren und optisch ansehnlichen Eishölle wieder.

Halten Sie Colonel Lee auf

Dies wird ab einer gewissen Minute des Spiels die einzige Hauptaufgabe von Psycho werden. Zuvor kämpft man sich allerdings noch spektakulär durch ein paar Lager der KVA. Die Kämpfe selber sind wieder super in Szene gesetzt und arten in regelrecht spannenden Feuergefechten aus. Die KI verhält sich sehr nachvollziehbar und Intelligent. So suchen die Gegner selbständig Deckung und verstecken sich dazu auch gerne im Dickicht. Haben sie einen allerdings aus den Augen verloren, irren sie durch den Dschungel ohne erkennbare Aufgabe.

Wie man die Gegner ausschaltet, bleibt einem wieder selbst überlassen, kreative Möglichkeiten hat man genug. Zum großen Waffenarsenal was von Pistolen, Gewehren, Scharfschützengewehren und bis zur Gaußkanone reicht, gesellen sich dann noch die Fähigkeiten des Nanosuit. Hier hat man wieder wie in Crysis die Möglichkeit, über ein übersichtliches Menü die verschiedensten Fähigkeiten des Anzuges zu nutzen. So kann man sich stärker machen um Hindernisse zu überspringen oder Gegner mit einem Schlag auszuknocken, man kann ein Schild aufbauen was einen kurzfristig vor Beschuss schützt, man kann schneller werden um so Gegner auszuweichen oder vor ihnen auch mal weglaufen zu können oder man macht sich unsichtbar um so den Gegner überraschen zu können. Die Wahl liegt bei einem selbst. Auch die verschiedenen Waffen kann man noch etwas modifizieren. So kann man verschiedene Aufsätze auf- und abschrauben. Möchte man eher leise vorgehen, so benutzt man einen Schalldämpfer, möchte man eher auf weite Entfernung Gegner ausschalten, so benutzt man ein größeres Visier. Die daraus resultierenden taktischen Möglichkeiten sind enorm.

Invasion

Das Standard-Fußvolk der Nordkoreaner fährt zwar einiges auf um Psycho zu stoppen, doch mit der richtigen Waffe knackt man auch den letzten Panzer. Spätestens wenn die Aliens im Spiel auftauchen, wird der Schwierigkeitsgrad etwas knackiger. Ab da an gibt es auf Seiten der Nordkoreaner auch Soldaten mit Nanosuits, die dessen Fähigkeiten auch recht gut einzusetzen wissen. Diese treten auch häufiger auf, als es noch in Crysis der Fall war. Auf Alien-Seite gibt es wieder die gewohnte Gegner-Schar, die sich aus Flugaliens und den fiesen Bodenaliens zusammen setzt. Diese sind recht flink und vor allem intelligenter geworden, deshalb brauchen sie einiges mehr an Munition, bis sie gestoppt sind. Richtig große und schwere Exemplare treten natürlich auch wieder in Erscheinung.

Durch die Miene auf den Zug

Das Missionsdesign in Crysis Warhead bietet einiges an Abwechslung. Sind wir zum Anfang noch im dichten Dschungel unterwegs und schauen uns schöne Strandpromenaden an, verschlägt es uns doch recht schnell in die Eiszeit. Ab da an geht es durch die ungewöhnlichsten Orte der Insel. Angefangen mit einer Hovercraft-Verfolgungsjagd auf dem gefrorenen Meer, hin zu einer scheinbar verlassenen und halbüberfluteten Miene. Diese entpuppt sich als Dreh- und Angelpunkt für den Zugverkehr der Insel, also geht es prompt auch auf einen Zug. Hier artet es allerdings recht schnell in einem Moorhuhnspiel aus, auch wenn es recht spannend inszeniert wurde. In der letzten Sequenz schießt man sich noch den Weg über einen, nur so von Feinden wimmelnden Flugplatz, um dann live die Invasion der Aliens beobachten zu können. Doch ehe man sich versieht, wird einem der Schlussbildschirm präsentiert, denn mehr als 4-6 Stunden Spielzeit hat Crysis Warhead nicht zu bieten.

Cineastische Erzählweise

Zwischen den Missionen, bekommt man immer wieder recht schöne Videos präsentiert, die zum einen Psycho als Charakter ausbauen und zum anderen die Story voran treiben. Sah man in Crysis diese noch aus der Egoperspektive, wird man diesmal zum Zuschauen verdammt. Spannend sind die Filme allemal, doch an Inszenierung wäre noch mehr drin gewesen. So hat man manchmal das Gefühl, aus dem Spielfluss rausgerissen zu sein und sich Minutenlang das Leiden von Psycho ansehen zu müssen. Hier hatte Crysis eindeutig die bessere Wahl getroffen.

Schlusswort

Crysis Warhead ist Crysis, nur etwas weniger. Mit diesem Satz lässt sich Warhead eigentlich ganz gut beschreiben. Die Elemente die schon in Crysis toll waren und Spaß gemacht haben, kommen auch in Warhead wieder zum Einsatz. So ist die Grafik wieder einmal mit das schönste was man bisher auf dem PC finden kann, der Nanosuit schafft Spieltiefe und die Inszenierung ist toll. Doch das war es dann auch schon, denn bei der Geschichte hängt Crysis Warhead hinter Crysis zurück und auch in den Levels, die zumeist Schlauchartig einen nach vorne treiben wäre viel mehr drin gewesen. Eines der größten Mankos ist allerdings die recht geringe Spielzeit, die selbst für ein Addon viel zu gering ist.

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Wertung
Pro und Kontra
  • Grafik: Lebendige und Grafisch wunderschöne Welt Lichteffe
  • Sound: Gute Sprecher, Tolle Geräuschkulisse
  • Balance: Taktische Freiheit, Gute KI
  • Atmosphäre: Lebendige Inselwelt
  • Bedienung: Integrierte Menüs, Schnelles Waffenwechseln
  • Umfang: keine
  • Leveldesign: Abwechslungsreich
  • KI: Sehr Intelligent
  • Waffen & Extras: Nanosuit, Aufsätze für Waffen
  • Handlung: Spannend Inszeniert
  • Grafik: keine
  • Sound: keine
  • Balance: Sobald Aliens auftauchen recht schwer
  • Atmosphäre: Videos stören teils den Spielfluss, da zu langatmi
  • Bedienung: C4 Werfen etwas fummelig
  • Umfang: Nicht viel neues, gradlinig, zu kurz
  • Leveldesign: Moorhuhngeballer
  • KI: keine
  • Waffen & Extras: keine
  • Handlung: Wirkt aufgesetzt, Schluss zu offen

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

eher schwer

Bugs:

Nein

Spielzeit:

Weniger als 5 Stunden



Kommentare(3)

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