Der Krisenmythos

Crysis. Ein Computerspiel, mittlerweile stolze 6 Jahre alt und es hat einen Mythos geschaffen wie kein anderes Computerspiel. Und zwar den der Perfektion und...

von Bakefish am: 17.10.2013

Crysis. Ein Computerspiel, mittlerweile stolze 6 Jahre alt und es hat einen Mythos geschaffen wie kein anderes Computerspiel. Und zwar den der Perfektion und viel zu hohen Systemanforderungen. Noch 4 Jahre später sollte es neue Grafikkarten in die Knie zwingen. Heute scheint das Spiel (auch wegen der zwei neuen Teile) fast in Vergessenheit geraten zu sein.
Doch was macht es so perfekt? Ist es überhaupt perfekt? Ich habe es zweimal durchgespielt und würde sagen: teilweise. Für einen Shooterfan jedenfalls.

Nicht die Russen, sondern die Koreaner

Wir schreiben das Jahr 2020. Auf den fiktiven Ling-Shan-Inseln im chinesischen Meer ist ein US-amerikanisches Wissenschaftlerteam gekidnappt worden, und zwar nicht von Russen, nein, sondern von den Koreanern. Da wird schon recht schnell deutlich, dass das Spiel aus deutschem Hause stammt. Die Amis jedoch lassen das nicht unbeantwortet und schicken ein Team von Spezialsoldaten, von welchen jeder einen so genannten Nanosuit trägt, auf die Inseln. Und eine recht lange und vor allem große Reise beginnt, auf welcher das Team eine mehr als unangenehme Entdeckung macht...
Halt. Wer jetzt eine Meisterstory im Range eines Mass Effect erwartet, wird leider enttäuscht- meistens bestehen unsere Aufgaben daraus, Objekte bestimmter Art einzusammeln oder uns mit einigen Kumpels zu treffen. Die Geschichte tritt so leicht in den Hintergrund, wird jedoch glücklicherweise nicht komplett herausgelassen. Einige unerwartete Wendungen dürften während des Spiels ein ums andere Mal für ein verblüfftes „Was?“ sorgen, zumal es sogar noch einige Nebenmissionen gibt. Linearität in dem Sinne gibt es hier nicht. Warum, erkläre ich noch.

Angepasstheit durch Fischdose

Mag das Design des Nanosuits am Anfang (eventuell) noch abschrecken, liebt man ihn später umso mehr. Das hat genau genommen vier Gründe, die Anzug-Modi. Jeder hat seine eigene Funktion, welche ich mal schnell erläutere:
1.    Der Standardmodus ist der Panzermodus, mit welchem wir in der Lage sind, einige Kugeln einzustecken, ohne Schaden zu nehmen. Ein mehr als praktischer Modus, die Energie ist bei Beschuss jedoch sehr schnell aufgebraucht, daher sollte man immer in Deckung bleiben, da sich recht schnell wieder auflädt.
2.    Der zweite Modus ist der Tarnmodus, welcher den Spieler unter Energieverbrauch unsichtbar macht. Perfekt für Schleicher!
3.    Als nächstes folgt der Tempo-Modus, in welchem man sich schnell wie ein Windhund bewegt und auch schneller zuschlägt, das alles jedoch unter Energieverbrauch.
4.    Zuletzt kommt der Stärkemodus, mit welchem wir höher springen, härter zuschlagen und auch den Waffenrückstoß besser regulieren können.
 
Im Spiel selbst gibt es nur recht wenige Waffen, der Nanosuit ist jedoch das zentrale Element, da die vier Modi etliche Spielweisen zulassen. Entweder stürmt man im Panzermodus die Basis und tötet jeden einzelnen Gegner unter viel Ka-Bumm und etlichen Kugeln, oder man schleicht sich im Tarnmodus klammheimlich hinein und klaut einfach die Gegenstände. Oder man sprintet im Tempomodus hinein und ist wieder weg, bevor auch nur einer was gemerkt hat. Oder man macht einfach alles auf einmal. Fakt ist, dass es etliche Kampfkombinationen im Spiel gibt, von welchen jede ihren reiz hat und zumindest mal ausprobiert werden sollte.
Auch wenn die Waffentypen recht rar sind, sind sie trotzdem vielfältig- im Spiel sammeln wir mit der Zeit immer mehr Aufsätze auf, welche wir beliebig auf die Waffen aufsetzen können. Einige Visiertypen, Schalldämpfer, aufsetzbare Granatwerfer, später sogar noch Brandmunition- alles geht. Und auch ziemlich witzige Kombinationen- das Visier eines Scharfschützengewehrs auf ein Sturmgewehr und dafür einen Laser ans Scharfschützengewehr? Klar- warum nicht? Jeder Spielstil ist akzeptiert.
Erfrischend ist auch, dass wir uns in mobileren Mitteln wie Autos, Lastwagen, Booten und später sogar Panzern bewegen können. Das macht vor allem sehr viel Spaß, wenn man einfach mal mit den Dingen in die feindlichen Basen hereinrasselt und die Wellblechhütten umnietet. Apropos, Freunde des Destruktiven werden an diesem Spiel sehr viel Gefallen finden, da Palmen und Hütten unter genügendem Beschuss zusammenbrechen und dem Kampfgefühl eine ordentliche Menge Realismus einhauchen. Auch die gegnerische KI ist ordentlich programmiert, Gegner arbeiten zusammen und sind trotz Nanosuit immer noch recht anspruchsvoll, da sie sich lange nicht so blöd wie in gewissen anderen Computerspielen verhalten… es sei denn, man greift sie aus der Ferne an. Dann glotzen sie blöd wie Fische.

Fett.

Das ist das Wort, mit welchem man die Level beschreiben kann. Teils kämpfen wir uns auf quadratkilometergroßen Arealen durch, um einen besseren Spielstil zu garantieren. Gepaart damit, dass diese sehr detailliert dargestellt sind und der Entdeckertrieb schon mal dafür sorgt, dass man manchmal nahezu eine Stunde lang nur erkundet, wird somit wird eine hervorragende Mischung aus offener Welt und Linearität hergestellt. Allerdings sollte man sich nicht zu weit aufs Meer hinausbegeben- tut man es, kommen die Haie…

Frischluft- ähh, was?

Crysis ist das erste Spiel, in welchem ich die Grafik mit der Atmosphäre verbinde. Die meiste Zeit des Spiels bewegen wir uns durch einen atemberaubenden Dschungel, der unglaublich dicht und realistisch gestaltet ist. Die CryEngine 2 gibt sich dabei ordentlich Mühe, das Ganze so glaubwürdig wie möglich darzustellen. Die Bäume wiegen sich im Wind, Licht wird korrekt gebrochen, das Wasser sieht herrlich aus, einige Tiere sind zu finden… das Dschungelfeeling kommt damit hervorragend zum Ausdruck. 6 Jahre nach der Veröffentlichung des Spiels sind die Grafikanforderungen mittlerweile mehr als nur moderat geworden, eine Mittelklassegrafikkarte reicht locker, um das Spiel auf Anschlag zu genießen. Sicher, es gibt schon Spiele, die besser aussehen, aber die sind auch noch lange nicht so alt wie Crysis.

Fazit

Eine etwas bessere Story als der gewöhnliche Egoshooter, der Nanosuit, dichte Dschungel, recht kluge Gegner und die tolle Grafik machen Crysis für Shooterfans sehr attraktiv. Die (fast) perfekte Wertung auf Gamestar ist jedoch unangebracht, da die kleineren Mängel in Story, KI und auch wenigen Waffen letztendlich zu stark wiegen. Trotzdem ein absolutes Muss und eine klare Kaufempfehlung!
 

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Wertung
Pro und Kontra
  • Nanosuit ist toll geamcht
  • riesige Level
  • kluge KI
  • tolle Dschungelatmosphäre
  • fantastische Grafik
  • bessere Story als herkömmlicher 08/15 Shooter...
  • ...aber noch kein Meisterwerk
  • recht wenige Waffen
  • KI (nur manchmal) zu doof

Zusätzliche Angaben

Bugs:

Nein

Spielzeit:

Mehr als 20, weniger als 40 Stunden



Kommentare(4)

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