Deutsche Adventure-Perle

Anfang der 90er hatte uns eine Schwemme von hochklassigen Adventurespielen (meist aus dem Hause LucasArts) erreicht, die unsere Herzen mit Humor und Hirn...

von - Gast - am: 21.03.2009

Anfang der 90er hatte uns eine Schwemme von hochklassigen Adventurespielen (meist aus dem Hause LucasArts) erreicht, die unsere Herzen mit Humor und Hirn eroberten. Im neuen Jahrtausend allerdings war es ruhig geworden, und die Adventures galten als aussterbendes Genre. Doch gegen Ende der ersten Dekade des 3. Jahrtausends scheinen Adventurespiele eine Renaissance zu erleben, und die besten davon kommen diesmal nicht aus den USA - nein, sie werden quasi vor unserer deutschen Haustür produziert. Und sind dabei, wie das Erstlingswerk der Realmforge Studios genannt 'Ceville', in Sachen Humor mindestens ebenbürtig.

Klein aber oho

Faeryanis gilt als Mustermärchenland, bis das Reich von dem kleinen, aber umso finstereren Ceville regiert wird. Der kleinwüchsige Herrscher unterjocht sein Volk fast nach Belieben, bis die Einwohner rebellieren und den König stürzen. Dass Basilius, sein Adjutant, Mitinitiator des Putsches ist, ärgert Ceville um so mehr, und er schwört bittere Rache.
So viel zur Einleitung des Spieles, aber wer jetzt denkt, das würde in ein bitterernstes Zweierduell ausarten, der irrt, denn 'Ceville' entpuppt sich zugleich als quietschbuntes und spaßiges Adventure.

Große Absichten

Die Spielmechanik ist so simpel wie benutzerfreundlich. Mit Linksklick benutzt man Dinge, mit Rechtsklick schaut man sie an. Dazu kann man Cutscenes und Interaktionen durch Doppelklicks verschnellern. Also bleiben wir Bedienungsmacken größtenteils verschont, was die Spielbarkeit bei Adventures allgemein sehr beeinflusst in der Regel - Bei 'Ceville' kann ich ruhigen Gewissens sagen, dass diese im Spiel ein Maximum bedeutet.
Bei den Rätseln hat Entwickler Realmforge ein tolle Symbiose aus Anfänger- und Profianspruch geschaffen, die von Anfang bis Ende den Anspruch zwar ab Akt 3 deutlich erhöht, aber stets logisch bleibt und so die Motivation im oberen Bereich behält.
Dazu ist das Spiel jederzeit speicherbar und speichert sogar automatisch alle 5 Minuten, mehr an Komfort ist wohl kaum zu erwarten!

Viel zu erzählen

Die Story von Ceville ist in den meisten Situationen schön unkitschig gehalten worden, vor allem die Charaktere haben es mit angetan. So gibt es hier Ökoelfen, lispelnde Dämonen oder auch kapitalistisch veranlagte Zwerge. Sicherlich unspektakulär, dass wir Basilius von seinen finsteren Plänen abhalten müssen, aber die Story lebt von seinen Charakteren und Dialogen und ist deswegen unterhaltsam bis zum Schluß, auch wenn das Niveau ein wenig abflacht gegen Ende.
Dabei lässt man in den Dialogen kaum ein Spiel oder einen Film aus, die die Autoren zitieren oder veralbern. Hierzu sei die exzellente Synchronisierung zu erwähnen, bekannte Stimmen wie die Synchronstimmen von Joe Pesci (einfach ein Ohrenschmaus mit seinen sarkastisch-ironischen Sprüchen), Angelina Jolie oder Doug aus 'King of Queens' sind ebenso klasse gelungen wie auch die unbekannten dieser Zunft - die Qualität ist bis auf den kleinsten Part im Spiel erstklassig.

Viel zu wenig

Technisch macht das Adventure leider nicht so viel her. Die Grafik ist altbacken, die Animationen steif und wiederholen sich oft. Dazu passen sie selten zu den gesprochenen Texten - das kenne ich heutzutage besser. Die Texturen sind simpel gehalten und teils matschig, bei den animierten Modellen hat man sich dagegen mehr Mühe gegeben.
Wider der hohen Sprecherqualität stellt sich das Sounddesign geradezu kleinwüchsig dar. Die Geräusche fallen eher rudimentär aus, viele Sounds wiederholen sich, ebenso wie die Musik, die zwar für jede Szene variiert, aber mich jetzt nicht vom Hocker gehauen hat.
Aber trotz der Kritik empfinde ich alles in sich stimmig und unterstützt die Atmosphäre sogar. Hier ist der Unterhaltungswert eben auf die 'inneren' Werte wie Story und Rätseldesign zurück zu führen, und das ist ja wohl im Adventuregenre das Wichtigste.

Große Schwester

Letztendlich bleibt ein Adventuregame, das mein Prädikat 'Besonders unterhaltsam' durch seinen Humor und die motivierenden Rätsel durchaus verdient hat. Nimmt man die technischen Mängel weg, und würden wir uns den Release 15 Jahre früher wünschen, hätte ich glatt behauptet, dass 'Ceville' eine ernst zu nehmende Konkurrenz zu LucasArts-Klassikern wie 'Sam & Max Hit the road' oder 'Day of the tentacle' gewesen wäre...

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Wertung
Pro und Kontra
  • Grafik: bunte Landschaften, Modelltexturen gut...
  • Sound: tolle Sprecher, stimmig
  • Balance: anfangs leicht, später schwieriger
  • Atmosphäre: schöne Märchenwelt, humorvoll
  • Bedienung: interaktive Elemente, Speichern, benutzerfreundlic
  • Umfang: nicht zu kurz geraten
  • Handlung: nette Story, Charaktere, Dialoge
  • Rätsel: tolles Design, logisch
  • Dialoge: herrlich sarkastisch-absurd, erstklassig vertont
  • Charaktere: durch die Bank toll, Märchen-/Spiele-Versatz
  • Grafik: ...ansonsten schlecht, detaillarm
  • Sound: wiederholt sich
  • Balance: Sprung des Schwierigkeitsgrades ab Akt 3
  • Atmosphäre: Storyschwächen gegen Ende
  • Bedienung: -
  • Umfang: -
  • Handlung: kleine Schwächen in der Geschichte
  • Rätsel: -
  • Dialoge: -
  • Charaktere: -

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

genau richtig

Bugs:

Nur sehr wenige

Spielzeit:

Mehr als 5, weniger als 10 Stunden



Kommentare(2)

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