Doom in der Leser-Review - Ballerbude der 90er Jahre im Gewand der Gegenwart

Der Ego-Shooter will den Spirit der 90er Jahre mit einem Mix aus Movement und Ballerei in die Gegenwart holen. Ob ihm dieser Vorwand gelingt, werde ich im...

von g0re am: 22.07.2019

Hätte jemand nach Doom 3 gedacht, dass id irgendwann wieder den Weg der alten Schule nimmt? Ich hätte nicht damit gerechnet, geschweige denn was id mir in der ungefähr 10 Stunden langen Kampagne mitten ins Gesicht schießt. Das heißt nicht, dass id nicht auch Zugeständnisse an die Moderne abfeuert, die sind aber so gut in den Grundkontext implantiert, sowie die BFG zu Doom gehört. Dazu komme ich aber später im Test.

Story vorhanden, aber das ist das grösste Problem

In jeder Faser von Doom merkt man die Stärken von id-Software. So merkt man auch die Schwächen. Denn was id noch nie richtig konnte, waren Storys. Es ist völlig belanglos der Geschichte zu folgen, nur insofern ob ihr auf der Hölle oder dem Mars seid. So kommt man immer wieder aus dem Flow heraus, wenn eine Figur ihre Hintergründe erläutert oder man erzählt bekommt, warum dies oder das ein Fehler ist oder wer hier der Böse ist. Immerhin betragen sich diese Story-Schnipsel auf rund 20 Minuten und der Rest des Spiels beträgt sich nur auf eins: Ballern. Wenn man eine gute Story will, sollte man Wolfenstein oder Uncharted spielen, aber nicht Doom. Eigentlich kein Satz, den man extra sagen muss. 

Gutes, ehrliches Ballern

Das ist es, was id hervorragend kann. Auf alles was sich bewegt, gepflegt das Fadenkreuz halten und abdrücken. Kein großen Schnick-Schnack, keine komplexe Mechaniken und gutes Leveldesign. Seit über 20 Jahren indoktrinieren sie mit dieser Formel Spieler, sodass diese zum Maus-Pitbull werden. Dazu kommt eine leckere Auswahl an Waffen, die man schon seit Anbeginn der Doom-Ära kennt und liebt. Es ist alles dabei von der tadellosen Shotgun, über die Kettensäge, bis hin zur Big f****** Gun. Doch nicht alles ist beim alten geblieben, wie ich am Anfang des Tests erläutert habe. Jede der Standardwaffen hat zwei verschiedene Optionen um den Höllenviecher alles wegzublasen. Diese können in vier Stufen ausgebaut werden. Zu betonen wäre noch, dass man die Erweiterungen in den Leveln finden muss, so motiviert die Suche nach neuen Möglichkeiten, noch mehr Dämonengehirn zu verteilen, ungemein. So lässt man die Shotgun zu einer explosiven Macht digitieren, das Sturmgewehr lässt Miniraketen fliegen, der Raketenwerfer bekommt eine Such-Technologie spendiert und so weiter. Manche Spieler werden nur ihre Lieblingswaffen das ganze Spiel benutzen, manche werden herumexperimentieren. Manche werden sich fragen, warum zum Beispiel ein Railgun im Spiel ist, wenn doch fast kein Raum für Präzisionsfernkampf da ist. Mir hat es eine helle Freude bereit, zwischen den Waffen hin und her zu switchen und je nach Situation ordentlich viel Dämonen Viech zu zerstören. Es gibt nämlich keine klassische Deckung und Heilung passiert nicht automatisch, sondern ihr müsst Medi-Packs einsammeln. Kaum zu glauben, das man in der heutigen Zeit wieder von Medi-Packs spricht. Doch genau das sind eine der Punkte, die Doom wieder frisch und aus den 90ern wirken lassen. Ihr habt eine extrem hohe Lauf- und Bewegungsgeschwindigkeit, mit der man allem ausweicht was einem vor den Monitor kommt. Dies ist auch eine der wichtigsten Regeln in Doom: Bleibt in Bewegung. Denn die Gegner sind aggressiv zuweilen extrem, auch auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad. Also wird gerannt, geballert, gerannt, geballert bis ein Gegner genug hat und ihr ihn Stücke reißt. Kein Witz in Stücke: Willkommen bei den Glory Kills.

Gloryfizierung in der Hölle

Als ich die Glory Kills das erste Mal auf der E3 im Trailer sah, dachte ich das es nur Extra-Gore ohne großen Inhalt wäre. Auch hab ich mich gefragt, ob dieses Feature einen nicht aus dem Spielfluss reißen würde. Doch ich habe mich geirrt. Neben der Funktion, das man sich wie der Gott im Höllenreich fühlt und besonders brutal die Dämonen in die Einzelteile zerpflückt, hat es den spielerischen Faktor der Heilung. So geben die Glory Kills einen taktischen Kniff und man geht dadurch wesentlich aggressiver vor, um im richtigen Moment den Gegner zu erledigen und die Heilung mitzunehmen. Der Ablauf der Mechaniken ist meiner Meinung nach die große Kunst die id so fantastisch beherrscht. Derzeit fällt mir kein Shooter ein, der es so problemlos schafft zwischen Angriffslust und tadellosen Movement den Spagat zu ziehen und das bei höllischen Tempo. Er erlaubt es einem immer in Bewegung zu bleiben und weiterzumachen, bis sich auf dem Bildschirm nichts mehr rührt. Auch die taktische Wahl der Waffen macht einen grundlegenden Teil des Spiels aus. So ist die Kettensäge und die BFG 9000 eine Bereicherung für das Gameplay. Die BFG ist eine Smartbomb in heiklen Situationen, man hat nicht mehr als drei Schuss zu Verfügung, man muss Auflade Items finden, aber wenn ein Schuss trifft ist erstmal Ruhe. Die Kettensäge ist auch effizient, aber nur sehr begrenzt verfügbar. Wenige Punkte Sprit und je größer der Gegner der über den Monitor flattert, desto mehr kostet einen den Instant-Kill. Die taktische Komponente dabei, die Säge verwandelt nach einem sehr expliziten Kill Dämonen in Munition. Diese Idee fügt sich so super in das Gameplay mit ein, dass ich in jedem Shooter eine Kettensäge will, die Gegner in Munition verpulvert.  

Kompetentes Leveldesign und viel zu erkunden

Das Pacing aus Erkundung und Kampf ist von id gut gewählt worden. Wenn man in den Arealen herumstreunert um noch Collectables oder Upgrade-Punkte abzustauben, hat man weitestgehend Ruhe. Vorausgesetzt man hat den Kampf in dem Areal schon beendet. Kommt man in ein neues Gebiet und hört die Worte "Sperre eingeleitet" oder findet ein Dämonenherz vor, weiß man jetzt wird es scheppern. Bei den Herzen fordern euch mehrere Wellen aus Gegnern heraus. Diese sind auch auf den leichteren Schwierigkeitsgraden gut fordernd, aber nie unfair. Das ganze steigert sich im Spielverlauf und wird immer wieder getoppt, bis man die Verkündung des Ende der Sperre hört oder das Herz verschwindet. Zeit um Luft zu nehmen und auf die Suche nach Heilung und Munition zu gehen, um bereit für die nächste Runde zu sein. Die Levels sind schön abwechslungsreich und befördern euch zwischen Mars und Hölle. Einige werden sich vielleicht an den Klischees der Kreativität in der Hölle stören, mir hat sie schöne Areale und viel Freiraum zur Bewegung gegeben. An jeder Ecke gibt es was zu entdecken oder herauszufinden, wenn ihr Spaß daran habt sucht jede Ecke ab. Ihr werdet Upgrades, Collectables und alte Doom-Level finden. Natürlich könnt ihr dies auch getrost liegen lassen und einfach nur Backenfutter verteilen, die Wahl liegt bei euch. Die Kampagne ist sicher auch nicht zu kurz. Ich habe ungefähr 10 Stunden in der Hölle und dem Mars verbracht und wenn man noch jeden Winkel absuchen will, ist man gut und gerne um die 12 Stunden beschäftigt. Der Spaß und die weiteren Modi die im Spiel enthalten sind, sollten aber allein schon für einen Kauf rechtfertigen. Womit ich jetzt zudem doch enttäuschenden Multiplayer-Part komme.

Multiplayer? ist dabei, aber nicht gehaltvoll

Ich hatte kurze Zeit Spaß im Multiplayer, aber leider nur für ein paar Stunden. Danach stellt sich doch schnell Ernüchterung und Routine ein. Vielleicht wird der ein oder andere die Spielmodi und die Dämonenkräfte begrüßen, diese sind auch alle dabei und recht spaßig, aber nach dem kontrollierten Chaos der Kampagne-Kämpfe spielt sich das ganze schon ein wenig öde. Ich frage mich immer noch warum es Loadouts in einem Spiel wie Doom gibt, vor allem werden sie mit der Zeit nicht besser. Warum hat man nicht wie im Solo-Modus alles dabei, um für mehr Chaos sorgen zu können. Die Anzahl der Maps ist auch nicht bemerkenswert, 9 Stück an der Anzahl, und leider nur solide designet. Irgendwie bekam ich das Gefühl nicht los, das der Multiplayer ein aktueller Shooter mit einer kleinen Injektion Old-School ist. Wer ein Multiplayer in einem id-Gewand will, schaut besser in Quake Champions rein. In Doom Snapmap hingegen können sich alle Kreativ-Wütigen austoben und die perfekte Map bauen. Ich selber haben den Editor, der sehr viele Freiheiten ermöglicht, nicht selbst ausprobiert und werde dies auch nicht tun, aber ich habe großen Spaß auch heute noch, die kreativen Ergüsse der Community zu bestaunen und mit Freunden darauf zu ballern. Es gibt Solo-Karten, Retro-Doom-Maps, Koop-Karten und vieles mehr. Für die Langzeitmotivation ist dies eine super Ergänzung.

Technikgerüst ist famos

Wie es sich für ein id-Spiel gehört und man ja auch in der Vergangenheit gehört hat, muss man den Sound loben. Es schallert, es piept, es donnert, es kracht. Was ein Battlefield immer wieder grandios hinbekommt, hat id mit ihrem Werk jetzt auch gezeigt. Solltet ihr über ein Subwoofer oder ähnliches verfügen, sei euch gesagt, stellt euch auf Polizei-besuche ein, die Nachbarn werden euch hassen. Über den grandiosen Metal-Soundtrack sei nur so viel gesagt, er wird perfekt in die Action eingebunden und treibt euch im Gefecht an, als würden Slayer hinter euch ein Solo spielen während ihr ballert. Zu den Ladezeiten kann ich sagen, dass sie auf dem PC nicht der Rede wert sind. Ich habe die PC und die Xbox One X Version gespielt und auf der Xbox One X ladet das Spiel doch enorm lang, dass kann extrem nervig sein, gerade wenn man öfters abkratzt. Die Grafik läuft in 60 Frames oder mehr auf dem PC und die Texturen und das Design der Gegner ist eine schöne Überarbeitung und zeigt wie ein Reboot heutzutage gestaltet werden soll. Das allgemein Design der Maps ist sicherlich eine Geschmacksfrage, einige finden sie toll, einige öde. Wie ich oben schon beschrieben habe, gehöre ich zu den ersteren. 

 

 

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Wertung
Pro und Kontra
  • -grandiose Mischung aus Erkunden, Movement und Ballern
  • -viele unterschiedliche Waffen
  • -Kettensäge und BFG 9000 dienen zum taktieren während der Gefechte
  • -Soundkulisse und Soundtrack haben ordentlich Wumms
  • -vier Schwierigkeitsgrade
  • -gute Symbiose der alten und neuen Schule der Shooter
  • -Doom Snapmap
  • -Multiplayer Modus ist eher nettes Beiwerk
  • -Ladezeiten auf den Konsolen teils enorm
  • -Story ist uninspiriert und stört im Ablauf

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

genau richtig

Bugs:

Nein

Spielzeit:

Mehr als 10, weniger als 20 Stunden



Kommentare(1)

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