Eigentlich unverschämt

Lucius III schließt die Saga endlich ab

von D3nn15_M_10 am: 02.02.2020

Was mit Teil 1 geschaffen wurde hat eine Ära mitgeprägt, wahrlich eine Indie Perle dieser Zeit. Teil 2 konnte dann aber die Wenigsten so richtig überzeugen und nun also das Finale. Teil 1 ist gleichzeitig Fluch und Segen für jene Nachfolger, für die die Messlatte letztlich einfach viel zu hoch war. Andererseits aber schafft es die Reihe bis zum Schluss, das Gefühl aus vergangenen Tagen zu transportieren. Lucius III ist ein perfektes Beispiel dafür, mit wie wenig man sich manchmal zufrieden geben kann, wenn man mal begeistert von einem Universum war und das Finale trotz aller Widrigkeiten genießen kann. Das Rise of Skywalker der Spiele.


Des Teufels Sohn 
Ein Screenshot von Lucius III
Von: Angel Castiel


Unverzeihliche Fehler
Objektiv betrachtet ist Lucius III ein grauenhaft unfertiges, trashiges Spiel. Erstmal ein paar technische Negativaspekte, die mir besonders aufgefallen sind:

-Umgebungssound immer unrealistisch nah
-Personen grüßen einander durch die Wände
-Wechsel von Lichtverhältnissen verläuft nicht reibungslos
-Deutsche Übersetzung fehlt teilweise einfach, obwohl das schon vor 2 Jahren hätte gefixt werden sollen
-Die Map ist zu groß und leer, um Schnellreisen zu umgehen. Der Weg von Ziel zu Ziel ist uninteressant
-Charaktere sind undynamisch, wirken eher wie Dekoration
-sehr schlechte Performance, Gebäude laden einfach zu spät
-zu viele Überblendungen, es entsteht kein Spielfluss
-Die Umgebung sieht im Gesamten sehr trashy aus

Nur wenige Spiele können sich das erlauben, oft ist eine fehlende Basis schon Grund genug, auszusteigen. Eigentlich unverzeihlich, was man hier angeboten bekommt. Noch ein unfertiger Lucius Teil. Irgendwo auch dumm, wenn man bedenkt, dass Lucius II gerade deshalb so hart kritisiert wurde. Normalerweise lernt man ja aus so einer Nummer. Was auch immer der Grund für die Entwickler ist, die Spiele voreilig zu veröffentlichen, Respekt vor der Fangemeinde sieht anders aus.

Anfreunden geht anders 
Ein Screenshot von Lucius III
Von: Angel Castiel
 

Auch inhaltlich ist man gefühlt an der Grenze des Erlaubten. Was diese Reihe immer ausgemacht hat, sind Lucius Hinrichtungen. Die sind aber teilweise zu unkreativ und vorhersehbar. Es ist nicht mehr das Highlight im Spiel, was fatal ist, wenn man bedenkt, wo die Saga herkommt.

Dazu gibt es einige nicht auserzählte Nebenkriegsschauplätze bei den Bewohnern der Gemeinde. Hier bin ich mir aber unsicher, ob ich das dem Spiel ankreiden soll, denn nicht alles muss eben immer auserzählt werden, die Fantasie erzählt manchmal die bessere Geschichte.

Gefühlt ein Guilty Pleasure
Nichtsdestotrotz konnte ich dem Spiel für seine Fehler einfach nie böse sein. Vielleicht liegt es daran, dass ich nach der heftigen Kritik Lucius III komplett ohne Erwartungen erleben durfte. Und doch gibt es Dinge, die Lucius III einfach gut macht und schafft es mit einfachsten Mitteln, dass ich beim Spielen durchweg gut unterhalten wurde.

Mit Teil III kommt auch wieder mehr das Lucius Gefühl zurück, generell ist es irgendwie auch eine Renaissance dessen, was Teil 1 mal war. Klar, in deutlicher Abschwächung, aber doch vertraut. Man hat wieder einen klaren Auftrag, das Tempo der Story ist rasant, der rote Faden ist deutlich erkennbar.
Das alles spiegelt sich in Lucius Questbuch wieder, die Lucius-typischen Notizen sind funny, das navigieren durch das Tagebuch generell ist interessant, weil alle Informationen subjektiv wiedergegeben werden, es liest sich dadurch einfach sehr gut.

Symbolisch 
Ein Screenshot von Lucius III
Von: Angel Castiel
 

Lucius ist ein spannender Charakter, da aufgrund seines Wesens die kindische und naive Art wegfällt, dadurch fällt es leicht, sich mit ihm zu identifizieren und er hat etwas mysteriöses an sich, da niemand außer McGuffin so richtig weiß, was es mit ihm auf sich hat. Er trägt dieses Spiel wie es nichts anderes könnte. Lucius ist ebendieser Grund, warum mir dieses Spiel so viel Freude bereitet hat. Ich kann aber auch jeden verstehen, dem das letztlich nicht ausreicht.

Wem das nicht ausreicht, der kann noch nach Strohhalmen greifen
+Sammelobjekte füllen Orte mit zumindest etwas Sinn
+Creepy Nebencharaktere
+Die Umgebung hat doch ihren Charme, es macht Spaß, die Orte zu durchsuchen
+Vater-Sohn Beziehung zu McGuffin
+Auto-Speicherung
+Gebäude und Orte sind ansehnlich
+Erweiterte Movements (an Klippen hängen, sprinten, springen)
+Die Musik ist wahrlich bereichernd und untermalt Situationen gekonnt
+Dialoge und Monologe sind angenehm

Gemessen an dem was es ist, nämlich ein Finale, ist der Abschluss der Saga durchaus gelungen. Die Geschichte wird schön zu Ende erzählt, hier greifen Anspielungen und Flashbacks aus den vorigen Teilen gut ineinander und es entsteht ein Abschiedsgefühl. Das Spiel ist voll der Nostalgie und versäumt es gleichzeitig nicht, zum Ende hin ein spannendes Finale zu erzählen, das muss man dem Spiel einfach anrechnen. Dazu kann man Lucius Ende selbst wählen, man hat Entscheidungsfreiheit und kann sich seine eigene Logik schaffen. A surprise, to be sure, but a welcome one.

Was man nicht vergessen sollte
Mir ist klar, dass Lucius III für sich alleine gestellt kein gutes Spiel ist. Im Kontext dieser Geschichte ist es aber ein solides Finale, dass nach Teil 2 auch einfach nötig war. Mit viel Begeisterung und Nostalgie kann man durchaus Gefallen an Lucius III finden. Empfehlen würde ich es grundsätzlich nicht, davon abraten aber auch nicht. Es ist letztlich ein Risiko, ob man sich dieser Herausforderung stellen will.

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Wertung
Pro und Kontra
  • Hauptprotagonist Lucius
  • Musik bereichert die Atmosphäre
  • Gefühl der Nostalgie
  • Gebäude sind ansehnlich
  • Umgebungssound unrealistisch
  • Bugs
  • Map zu groß und leer
  • Charaktere undynamisch
  • trashy Grafik

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

zu leicht

Bugs:

Oft, regelmäßig

Spielzeit:

Weniger als 5 Stunden



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