Ein Action-Adventure-Meilenstein

Rezension: „Batman: Arkham Asylum“ (Game of the Year Edition) – Version 1.1 – Plattform: Steam

von ModuGames am: 21.10.2020

Videospielumsetzungen bekannter Superhelden-Lizenzen gelten oft (aber selten zu Unrecht) als ziemlicher Schrott. Als Eidos Interactive im Jahr 2007 ein Spiel im Batman-Universum in Auftrag gab, wurden die Rocksteady Studios als Entwickler ausgewählt, was an sich schon recht ungewöhnlich ist. Denn besagtes Studio hatte bis dato nur ein Spiel produziert – das wenig bemerkenswerte Urban Chaos: Riot Response (2006). Als das Batman-Spiel, welches den Untertitel Arkham Asylum trägt, schließlich im Jahr 2009 erschien, wurde allerdings deutlich, dass das noch ziemlich unerfahrene Entwicklungsstudio den Teufelskreis der miesen Lizenz-Verwurstungen durchbrochen hatte.

Das klingt wie ein Déjà-vu

Das Bat-Signal erleuchtet den Himmel über Gotham City. Erwartungsgemäß taucht auch der Dunkle Ritter höchstselbst bald auf, doch er befindet sich nicht auf dem Weg, um ein Verbrechen zu vereiteln. In seinem Batmobil macht er sich auf in Richtung Arkham Asylum, der Psychatrie von Gotham City. Der Einsatz ist nämlich schon vorüber – der berüchtigte Joker sitzt gefesselt in Batmans Wagen und soll nun eingekerkert werden. Doch kaum in der Irrenanstalt angekommen, ereignet sich, was jeder Fan wohl schon längst kommen gesehen hat: Der verrückte Clown bricht aus und übernimmt mit seinen Schlägern die gesamte Insel, auf der sich das Arkham Asylum befindet. Glücklicherweise ist Batman immer noch zugegen und tut sein bestes, um den Joker und die restlichen Superschurken wieder hinter Schloss und Riegel zu bringen!

„Willkommen im Irrenhaus, Batman“. Gothams charismatischster Clown lässt sich ins Arkham Asylum einliefern, nur um gleich wieder auszubrechen. Dabei verfolgt er natürlich einen größeren Plan...

Zugegeben: Außergewöhnlich klingt das erstmal nicht. Das ist allerdings kein sonderlich großes Problem, da im Batman-Universum sowieso dieselbe Geschichte alle paar Jahre mit kleinen Abwandlungen neu erzählt wird. Zum anderen schlägt Arkham Asylum gegen Ende tatsächlich eine Richtung ein, die ich so nicht erwartet hatte und im Nachfolger Arkham City noch von großer Bedeutung sein wird. Insofern muss man dem Spiel einige Punkte für erzählerischen Mut anrechnen. Doch auch abgesehen davon, ob das Spiel nun mit Konventionen bricht oder nicht, kann die Riege an Figuren überzeugen: Neben dem Superstar des Spiels, dem Joker, muss Batman noch unter anderem gegen den mysteriösen Scarecrow, den furchteinflößenden Killer Croc und Jokers Gehilfin Harley Quinn antreten, wobei ihm Commissioner James Gordon und Oracle zur Seite stehen. Batman-Kenner vermissen hier zwar einige prominente Figuren wie den Pinguin, Two-Face oder Robin, aber auch ohne diese gehören die Charaktere zu den besten Seiten des Spiels. Insgesamt schätze ich den erzählerischen Aspekt von Arkham Asylum als „gut“ ein. Die Hauptgeschichte unterhält für etwa sieben Stunden auf durchweg hohem Niveau und fast ohne nerviges Füllmaterial.

Die frei-fließende Fledermaus

Was man heutzutage in erster Linie mit der Arkham-Serie assoziiert, ist allerdings nicht unbedingt die Geschichte, sondern vor allem das Kampfsystem: Unter dem Titel „Freeflow Combat“ bekannt, werden hier Gefechte aus der Third-Person-Perspektive präsentiert, die auf einer Aneinaderreihung von Angriffen beruhen, um eine möglichst große Kombo zu erreichen. Standardmäßig greift man mit der linken Maustaste an und kontert mit der rechten. Weiterhin muss man gelegentlich mit der Leertaste ausweichen oder über Gegner springen. Das erzeugt in der Praxis tatsächlich einen hervorragenden Fluss – sogar wortwörtlich. Batman gleitet quasi von Gegner zu Gegner, sobald er eine entsprechende Kombo aufgebaut hat. Das ist nicht realistisch, aber wir reden hier ja auch über Batman: einen Typen, der Verbrecher in einem Fledermauskostüm bekämpft! Das Kampfsystem ist nicht übermäßig komplex, aber unheimlich spaßig. Allerdings muss ich anmerken, dass ich gerade das Kontern stellenweise ein wenig unpräzise fand. Das von diesem Spiel „inspirierte“ Mittelerde: Mordors Schatten (2014) kommt mir in dieser Hinsicht etwas nachvollziehbarer vor.

Wenn dieses blaue Symbol über dem Kopf eines Gegners erscheint, sollte man tunlichst blocken. Mit diesen einfachen Schlägern wird Batman aber ohne Probleme fertig.

Was die Gegnervielfalt angeht, ist Arkham Asylum grundsolide. Neben den normalen Schlägern, die man im Dutzend verprügelt, existieren z.B. auch noch mit Schockstöcken ausgerüstete Nahkämpfer oder Schützen mit Sturmgewehren. Jeder dieser Gegnertypen erfordert ein eigenes Vorgehen und der direkte Angriff ist nicht immer die beste Option. Auf dem zweiten der drei Schwierigkeitsgrade empfand ich das Spiel als angemessen schwer, auch wenn einige wenige Stellen unverhältnismäßig herausfordernd waren. Wer sich das Leben leichter machen will, schleicht vor allem durch die Level und schaltet seine Widersacher nacheinander aus, ohne dass diese etwas davon mitbekommen. So fühlt man sich auch tatsächlich wie der Dunkle Ritter! Nur die stellenweise etwas schwammige Steuerung stört das Vergnügen gelegentlich, etwa beim Klettern.

Der Techno-Batman

Batman verlässt sich natürlich nicht nur auf seine Kampfkünste, sondern führt auch ein respektables Arsenal an Ausrüstung mit sich. Mit seinem Baterang betäubt er Gegner im Kampf, mit seinem kryptographischen Sequenzer hackt er Terminals und mit seinem Batclaw kann er sich schnell auf erhöhte Positionen begeben. Mein Favorit ist allerdings das Explosivgel, mit dem man gezielt bestimmte Strukturen in die Luft jagen kann. Denn die Welt ist stellenweise interaktiv, so gibt es strukturell schwache Wände, die Batman durchbrechen kann, oder Lüftungsschächte, die sich wunderbar zur ungesehenen Fortbewegung eignen. Es macht wirklich Spaß, Gegner mithilfe der Welt und mit seinen Gadgets auszutricksen. Allerdings muss ich sagen, dass vor allem Batmans Ausrüstung in Arkham Asylum noch nicht so überzeugend ist wie in den späteren Teilen. Sich mit dem Greifhaken an Gebäuden hochzuziehen, funktioniert z.B. nur mittelprächtig.

So sieht die Detektivansicht aus. Gegner, die mit Gewehren bewaffnet sind, werden rot angezeigt. Die Kollegen unter dieser strukturellen Schwäche werden gleich ihr blaues Batwunder erleben. 

Weiterhin existiert noch ein Upgrade-System, durch das man seine Gesundheit erhöhen, neue Schlagkombinationen freischalten und seiner Ausrüstung neue Fähigkeiten verleihen kann. Die dafür benötigten Erfahrungspunkte erhält man aus den Kämpfen. Natürlich ist dieses System lange nicht so umfangreich, wie man es bei einem Rollenspiel erwarten würde, aber es funktioniert und kann motivieren – mehr will ich bei einem Action-Adventure auch gar nicht verlangen. Ansonsten ist vor allem Batmans Detektivsicht ein wichtiges Gameplay-Element. In diesem Modus nimmt er Umwelteindrücke wie Geräusche oder Düfte verstärkt wahr und kann somit seiner Arbeit besser nachgehen. Auch im Kampf ist dies enorm hilfreich, da die Detektivsicht Gegner anzeigt. Daher sollte man sich auch nicht wundern, wenn man letztendlich mehr Zeit in diesem Modus verbringt als in der normalen Sichtweise.

Das Spiel der Kompromisse

Wie ich bereits erwähnt habe, bewegt sich Batman im Spiel auf Arkham Island. Wer hier eine Open World erwartet, wird jedoch enttäuscht: Zwar ist die Oberfläche der Insel ziemlich frei begehbar, allerdings wird man die meiste Zeit in den Gebäuden und Tunneln der Einrichtung verbringen. Die Level gehen meiner Meinung nach den goldenen Mittelweg zwischen Offenheit und Linearität. Der Entdeckerdrang wird gefördert, allerdings wird der Erzählung auch nicht der Wind aus den Segeln genommen. Apropos Entdeckerdrang: Der Riddler hat in der Welt diverse Puzzle verteilt. Wer also gerne rätselt, kann Dutzende Riddler-Trophäen finden und dabei den herrlich sarkastischen Kommentaren des Schurken mit den Überlegenheitskomplexen lauschen. Ich selbst habe meistens nur die Riddlertrophäen mitgenommen, die ohne größeren Aufwand zu erreichen waren, aber ich finde es dennoch gut, dass es diese optionalen Herausforderungen gibt. Ebenso lassen sich Tonbandaufnahmen finden, die die Hintergründe der Einrichtung und der Figuren erläutern, aber für das Verstehen der Geschichte nicht notwendig sind.

Die Pflanzendame Poison Ivy hat zugeschlagen – jetzt ist Arkham Island überwuchert, was die Fortbewegung enorm erschwert. Das Spiel findet innerhalb einer Nacht statt, im Hintergrund sieht man Gotham City. 

Und was darf man grafisch von diesem Spiel erwarten? Der Stil von Arkham Asylum ist eine Mischung aus Realismus und Comic. Insgesamt sieht das Spiel zwar mehr wie ein Kinofilm aus, allerdings haben sich die Designer gerade bei der Gestaltung der Gegenspieler einige künstlerische Freiheiten genommen bzw. sich an den Comics orientiert, was aber auch vollkommen legitim ist und Arkham Asylum insgesamt eine doch sehr eigene Anmutung verleiht. Deswegen finde ich auch, dass die Grafik des Spiels verhältnismäßig gut gealtert ist, lediglich den Gestiken der Figuren und der Kameraführung sieht man das Erscheinungsjahr an. Die Sprecher sind überzeugend, dafür hätte der Soundtrack gerne etwas prominenter eingesetzt werden können.

Fazit

Arkham Asylum ist ein Spiel, das man sehr leicht mögen kann. Es besitzt nur sehr wenige bis gar keine tatsächlichen Schwächen (man könnte hier die Steuerung und die etwas veraltete Inszenierung anführen), macht aber viele Dinge gut. Die Riege an Gegenspielern kann überzeugen, das Kampfsystem und die Gadgets sind cool, auch die semi-offene Welt ist ein kluger Kompromiss zwischen Exploration und rotem Faden. Obwohl ich hier kaum Fehler finden kann, heißt das aber nicht automatisch, dass ich Arkham Asylum absolut fantastisch finde. Es ist ein grundsolides, ja sogar sehr gutes Spiel und darf sich selbst zu den einflussreichsten Titeln des ersten Jahrzehnts der 2000er zählen. Alles in allem scheint mir mehr als eine niedrige 80 allerdings nicht gerechtfertigt, dafür ist es in zu wenigen Aspekten wirklich herausragend.

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Wertung
Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

genau richtig

Bugs:

Nein

Spielzeit:

Mehr als 10, weniger als 20 Stunden



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