Ein altes Eisen ist noch lange kein kaltes.

Palmen. Sonne. Glasklares Wasser. Böse Söldner und Mutanten. Ähh, was? Tja, wer denkt, dass Far Cry ein ganz normaler Tropenausflug wird, denkt...

von Bakefish am: 22.10.2013

Palmen. Sonne. Glasklares Wasser. Böse Söldner und Mutanten. Ähh, was? Tja, wer denkt, dass Far Cry ein ganz normaler Tropenausflug wird, denkt wahrscheinlich auch, dass Bioshock im Weltall spielt. Mag dieses Spiel schon bald zehn Jahre alt werden, ist es noch lange nicht abgeschrieben. Tatsächlich macht Far Cry einige Dinge so ordentlich, dass sich so mancher modernerer Egoshooter sich davon mal was leihen könnte. Was genau und warum, erkläre ich jetzt.

Gestrandet

Was genau vor dem eigentlichen Einsetzen des Spiels passiert, wird nur recht unklar dargestellt: Wir spielen Jack Carver, Exmarine im Ruhestand, der auf irgendwelchen Südseeinseln eigentlich nur seinen Frieden haben will und ab und zu mal Touristen durch die Gewässer schippert. Als er die Forscherin Valerie auf eine der vielen Inseln bringt, wird sein Boot abgeschossen und versenkt. Und nun muss er sich mithilfe eines mysteriösen „Doyle“. Der ihm warum auch immer behilflich ist, durchschlagen, um wieder zu entkommen- und stößt prompt auf einige schmutzige Machenschaften des mysteriösen Doktor Krieger…

Recht schnell wird deutlich, dass die Story nicht das zentrale Element des Spiels darstellt. Insgesamt gibt es halt nur diese vier Hauptcharaktere- Jack, der mit der typischen „Was-soll-das-wieso-mache-ich-das-ich-werde-doch-nicht-mal-dafür-bezahlt“-Manier herangeht, Valerie, die das ganze Spiel über konstant im bauchfreien Survial-Outfit (und an einer Stelle sogar nur in Unterwäsche)zu sehen ist, Dr. Krieger, welcher (zumindest in der englischen Sprachausgabe) einen merkwürdig deutsch klingenden Akzent aufweist, und Doyle, über den man bis zum Ende so gut wie nichts zu wissen bekommt, außer, dass er hilft. Wie gesagt, von Far Cry kann man keine gute Geschichte erwarten, es ist vielmehr so, dass man ja irgendeinen Grund zum Ballern braucht. Und den gibt es dafür reichlich.

Welcome to the Islands… and Dschungel… und Meer…

Das, was Far Cry besonders macht, ist das, was es damals zum Release besonders gemacht hat. Es mit der heutigen Shootermasse zu vergleichen, ist trotzdem unangebracht. Denn es gibt viele Dinge, die dem Spiel eine ordentliche Portion Spaß hereinwürgen.

Zuallererst dürfte die Größe der Level auffallen- teilweise dauert es mehr als eine ganze Stunde, um vom einen Ende zum anderen zu laufen. Diese Level wiederum sind mit allen möglichen Details versehen- Söldnercamps, einzelne Hütten, anderes sehenswertes. Kombiniert mit der unglaublichen Dichte des Spiels weckt das gerne mal den Entdeckerdrang in uns und lässt uns nicht stur der Markierung auf dem Kompass folgen.

Diejenigen, welche das Laufen zu langsam bzw. zu langweilig finden, dürfen sich an frei herumstehenden Autos bzw. frei herumschwimmenden Botten bedienen, so lassen sich die Level ein ganzes Stück flotter überqueren. Sind die Fahrzeuge besetzt? Dann werft die Insassen heraus und schnappt euch ihre Gefährte!

Aber was rede ich vom Fahren, wenn das Zentrum des Spiels im Schießen liegt? Die Actioneinlagen sind Crytek jedenfalls voll gelungen. Im Spiel können wir bis zu vier verschieden Waffen tragen, dabei sind alle möglichen Typen an Wummen mit dabei. Starten wir mit einer lausigen kleinen Pistole, erlangen wir schon bald Sturmgewehre, Schrotflinten, ein Scharfschützengewehr mit bis zum 24-fachem Zoom (!!!) und auch einen Raketenwerfer. Dabei gilt, dass schwerere Waffen uns langsamer laufen lassen.

Apropos Geschwindigkeit- Far Cry weist einen Ausdauerbalken auf, welcher sich leert, wenn wir sprinten, tauchen oder die Luft beim Zielen anhalten und mit der Zeit wieder auflädt. Eine schöne Sache!

Auch abhängig vom jeweiligen Levelaufbau können wir uns den Gegnern mit den unterschiedlichsten Taktiken stellen. Eine besondere Hilfe ist dabei das Fernglas, mit welchem wir Feinde „scannen“ und so im Kompass eintragen. Eine Leiste gibt uns zudem die feindliche Aufmerksamkeit an. Anschließend können wir ganz von selbst entscheiden, wie wir uns um die bösen, bösen Söldner kümmern. Klammheimlich hereinschleichen? Geht klar. Mit dem Sturmgewehr im Anschlag alles umnieten? Geht klar- auf den niedrigeren Schwierigkeitsgraden. Auf „Veteran“ oder gar „Realistisch“ ist das Spiel bockschwer. Mit dem Scharfschützengewehr aus einem halben Kilometer Entfernung jedem einzelnen Gegner das Licht ausknipsen? Geht klar! Hier weist sich die einzige Schwachstelle der KI auf- die Gegner, welche sich ansonsten sehr klug verhalten, stehen dann doof wie 3 Meter Feldweg in der Gegend. Fühlt sich da nicht jemand an Crysis erinnert?

Haben wir das erste Drittel des Spiels hinter uns, bekommen wir es bald mit den Mutanten zu tun- und diese Gesellen sind echt übel drauf. Selbst die kleineren fressen Kugeln wie Garfield seine Lasagne, und von den richtig schweren will ich gar nicht erst reden. Kombiniert damit, dass sie teils echt üble Attacken beherrschen, kann das Ganze schon mal gerne für Frust sorgen. Glücklicherweise gibt es immer mal wieder ruhigere Level, in denen man entspannt aufatmen kann.

Ach ja, und es gibt keine Gesundheitsregeneration, nur Medipacks!

Was ich dem Spiel jedoch negativ ankreide, ist, dass man nicht frei speichern kann, dies macht das Spiel automatisch an bestimmten Punkten. So kann es mal gut und gerne sein, dass eine Viertelstunde Erkunden für die Katz ist, wenn man kurz darauf abgeschossen wird.

Wo sind die Strandmädchen?

Far Cry bietet eine wunderschöne Tropenatmosphäre, der paradiesische Teint wird dabei schon fast übertrieben- Palmen sind sattgrün und wiegen im Wind hin und her, türkisblaues Wasser schwappt an den Stränden und dazwischen das fröhliche Gezwitscher der Vögel. Doch die Tatsache, dass wir es eher mit der Hölle als mit dem Himmel zu tun haben, macht diese Atmosphäre zumindest teilweise zunichte. Aber zum Glück nur teilweise. Manchmal mag man sich dabei ertappen, einfach nur da zu stehen und die Aussicht zu genießen- warum denn sonst arbeitet man auch in der Südsee?

Leider weichen zum Ende des Spiels hin die grünen Dschungel immer mehr den stark verzweigten Bunkeranlagen. Diese sind nicht so detailreich dargestellt und können mit der Zeit langweilig werden, da man manchmal mehrere Level am Stück in diesen verbringt.

8-Bit-Palmen. Nun ja, nicht ganz.

Technisch ist das Spiel ergraut, doch für die damalige Zeit war die Grafik herrlich mit anzusehen, mitunter ist sie es heute noch. Die erste Version der CryEngine gibt sich viel Mühe, Vegetation, Wasser, Physik und Partikel hübsch aussehen zu lassen. Dafür, dass das Spiel von 2004 ist, sieht es echt gut aus.

Fazit

Mag das Spiel auch alt sein, die ewig lange Spielzeit, kluge KI, große Waffenvielfalt und Dschungelatmosphäre machen es die wenigen Euros wert, mal hineinzuschnuppern. Trotz kleiner Mängel daher eine klare Kaufempfehlung!

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Wertung
Pro und Kontra
  • ewig lange Spielzeit
  • kluge Gegner
  • wunderbare Urlaubsatmosphäre-teilweise
  • viele Waffen
  • viele Taktiken möglich
  • hübsche Grafik (für die damalige Zeit)
  • kein freies Speichern
  • Story recht dünn
  • teilweise frustrierend harte Stellen (auch auf niedrigeren Schwierigkeitsgraden)

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

eher schwer

Bugs:

Nein

Spielzeit:

Mehr als 10, weniger als 20 Stunden



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