Ein krimineller Spaß

Wer von uns wollte denn noch nicht schon immer ein Mal ein waschechter Detektiv sein, der Fälle mit Köpfchen löst? L.A. Noire ist genau so eines...

von DanieD00 am: 21.11.2015

Wer von uns wollte denn noch nicht schon immer ein Mal ein waschechter Detektiv sein, der Fälle mit Köpfchen löst? L.A. Noire ist genau so eines der Spiele, die mich am meisten überrascht haben, auf denen ich sehnsüchtig gewartet habe und bei denen ich problemlos sagen kann: Kaufen! Und wieso ich das sage, möchte ich euch erklären, und das ihr mir danach bloß nichts verschweigt, ich finde es sowieso raus!

Los Angeles im Jahre 1947

Los Angeles ist im Jahr 1947 eine Stadt voller Glanz und Wohlstand. Doch nicht nur das, auch die Kriminalität steht an der Tagesordnung. Cole Phelps, den wir im Spiel verkörpern, arbeitet beim LAPD als Streifenpolizist, arbeitet sich aber nach und nach hoch und muss Fälle lösen, kommt aber dabei einer noch größeren Sache auf die Schliche. So arbeitet er zuerst im Verkehrsdezernat und sucht nach Verbrechern, die wegen Fahrerflucht gesucht werden, später muss er im Morddezernat einem Serienkiller auf die Schliche kommen, sucht nach Drogenbossen im Sittendezernat und muss schließlich bei der Brandbehörde nach Verbrechern jagen. Das macht die Sache schön abwechslungreich und wir fühlen uns, als würden wir wirklich die Karriereleiter erklimmen. Während der Geschichte erzählen Rückblenden aus Coles Vergangenheit die Zeit, in der er im zweiten Weltkrieg war. Die Geschichte ist gut gemacht, fährt aber erst nach einigen Fällen richtig Fahrt auf. Die Fälle am Anfang des Spiels gleichen dies aber wieder aus. Insgesamt ist die Geschichte also spannend erzählt, und davon lebt L.A. Noire auch.

Wir sind Cole Phelps, Detektiv beim LAPD. Mit ihm werden wir eine Menge Fälle lösen und Verbrecher hinter schwedische Gardinen stecken!

Der Alltag des Detektivs

Anfangs wirft uns das Spiel in das Tutorial, welches wir noch als Streifenpolizist durchleben. Sind wir damit durch, läuft das Spiel nach einem bestimmten Schema ab. Bei einem neuen Fall bekommen wir eine kurze Übersicht von unserem Vorgesetzten und fahren mit unserem Partner zum Tatort. Diesen untersuchen wir dann auf Hinweisen und befragen gegebenenfalls Augenzeugen. Bei Befragungen müssen wir unserem gegenüber gut zuhören und uns seine Mimik anschauen, um herauszufinden, ob er denn auch wirklich die Wahrheit sagt. Dazu haben wir nach der Aussage drei Möglichkeiten. Wir können ihm zustimmen, d.h. er sagt also die Wahrheit, wir können aber auch seine Aussage anzweifeln, falls uns die Beweise fehlen, wir aber dennoch glauben, das er lügt. Oder wir beschuldigen ihn, das er uns anlügt. Dann müssen wir mithilfe eines Beweises, den wir bei der Untersuchung des Tatorts gefunden haben, diese Lüge aufdecken. Nach Beendigung einer Befragung bekommen wir Erfahrungspunkte. Steigt Cole im Level auf, schaltet er neue Anzüge frei, die ihm kleine Boni geben, sowie Intuitionspunkte. Intuitionspunkte sind kleine Hilfestellungen, mit denen wir beispielsweise alle Hinweise bei einem Tatort aufdecken können. Schade ist jedoch, das es wenige Rätsel im Spiel gibt, und die, die es gibt, sind nicht immer fordernd.

Bei einer Befragung hören wir unserem Gegenüber gut zu und schauen, ob er vielleicht unsicher ist. Seine Mimik verratet uns das. Hier haben wir mithilfe eines Intuitionspunkts einen der drei Auswahlmöglichkeiten verschwinden lassen. Lügt er?

Eine kriminelle Stadt

Was wären wir denn für ein Detektive, wenn wir Verbrecher nicht unter allen Umständen gefangen nehmen oder ausschalten? L.A. Noire besitzt eine gut ausgewogene Mischung aus Befragung, Tatortuntersuchung und Action-Sequenzen. Mal greift uns ein Befragter einfach an, in der Hoffnung, sich aus dem Staub machen zu können, oder wir kämpfen uns durch eine groß angelegtes Filmset, weil ein dritter unseren Täter tot sehen will. Bei Schießereien kommt das einfach geratene Kampfsystem ins Spiel, also Deckung nehmen und alles abschießen, bei Schaden einfach kurz in der Deckung ausharren. Prügeleien gibt es ebenso und Verfolgungsjagden zu Fuß, als auch mit dem Auto, welche stets spannend sind und eine Menge Spaß machen. Allerdings besteht der Großteil des Spiels aus Befragungen, Tatortuntersuchungen und Hinfahrten sowie Zurückfahrten. Die sind auch so ziemlich das einzige, was wirklich nervig sein kann. Dafür ist die Stadt selbst sehr schön anzusehen und es gibt überall was zu sehen. Allerdings können wir kleine Straßenverbrechen während den Fällen machen, welche im Grunde ausschließlich Schießereien sind, dafür aber ein bisschen Extra-Erfahrung geben.

Action-Sequenzen wie beispielsweise Schießereien sind sehr einfach geraten. Wir gehen hinter Deckung und pusten jeden Verbrecher weg, der uns selbst wegschießen will. Bei Schaden gehen wir einfach in Deckung und regenerieren unsere Gesundheit wieder.


Hab ich doch was übersehen?

Nach Beendigung eines Falls bekommen wir eine Wertung von 1 bis 5 Sternen. Auch sehen wir, wieviele Aussagen der Zeugen richtig waren und wieviele Beweise wir gefunden haben. Und da wir bei jeder richtigen Aussage neue Antworten kriegen, und eventuell sogar einen weiteren Ort zum Untersuchen, sorgt das für einen beachtlichen Wiederspielwert. Ich selber habe nähmlich einige Fälle im Verkehrsdezernat und besonders bei der Sitte nochmal erneut gespielt, um es besser zu machen. Die Sammler unter uns werden ebenso erfreut sein, wer sich nähmlich gelegentlich umschaut, der kann bis zu 95 Autos finden, von denen einige tatsächlich sehr cool sind. Ansonsten gibt es noch einige Filmrollen sowie Polizeimarken zu finden, die wir sammeln können und wir dafür ein wenig Erfahrungspunkte kriegen.

Bei einem Tatort schauen wir uns um und suchen nach Hinweisen auf den Verbrecher. Meist ist die Spurensicherung da und hat alles in ihren Augen wichtige markiert, es lohnt sich jedoch, sich mal genauer umzuschauen.

Eine wohlhabende Stadt

Was das Leveldesign angeht: Die Stadt ist einfach riesig, ich bin mir sicher, für eine Rundfahrt würdet ihr eine halbe Stunde brauchen. Allerdings sind die Fälle im Spiel recht linear. Wir wissen eigentlich immer, wo es als nächstes hingeht, und grundsätzlich haben wir auch keine Nebenmissionen, abgesehen von den Straßenverbrechen, die wir nur machen können, wenn wir in einem Polizeiwagen fahren. Die gute Story kaschiert die Linearität jedoch recht gut. Das Spiel ist repetetiv, wenn man es durchgehend spielt, da man im Prinzip nach der Besprechung zum Tatort geht, dort sich umschaut, dann eventuelle Zeugen befragen und zum nächsten Ort gehen. Deswegen würde ich selber empfehlen, einen bis zwei Fälle durchzuspiele und dann wieder eine Pause einzulegen.

Das Notizbuch ist eines unserer wichtigsten Werkzeuge. Mit diesem können wir bestimmen, wo wir als nächstes hinwollen, unseren Rang einsehen, oder Fragen an Zeugen oder Tätern stellen. Auch können wir dort erhaltene Beweise einsehen.

Eine glänzende Stadt

L.A. Noire sieht für sein Alter immer noch bis heute recht schick aus. Objekte sind knackscharf detailliert und die Gesichter, die per Motion-Capturing aufgenommen wurden, sehen gut aus, was auch für das Spiel nötig ist. Dafür lädt die Welt oft erst später in der Ferne, was ich schade finde. Der Soundtrack ist mir besonders in Erinnerung geblieben, gerade bei den ruhigen Fahrten und den Schießereien. Die Chraktere sprechen allesamt Englisch, sind dafür aber hervorragend synchronisiert. Auch ist das Spiel sehr atmosphärisch, da die Straßen belebt sind und immer mal was zu sehen ist. Ich weiß noch, das ich während der Fahrt gesehen habe, das jemand einen Unfall gebaut und der Hydrant kaputt ging, was dann für eine Wasserfontäne sorgte. Zum Spielen wird ein Rockstar-Social Club Konto benötigt, was bei mir für Probleme sorgte, da ein Patch nicht richtig geladen werden konnte. Mittlerweile soll das behoben sein, ich bin mir jedoch nicht ganz sicher. Die Steuerung ist mit Maus und Tastatur recht fummelig geraten, manchmal steuert sich Cole wie ein Panzer. Wer also einen Controller hat, sollte diesen für L.A. Noire benutzen. Die KI der Gegner ist in Schlägereien recht abwechslungsreich und verhält sich oft schlau. Bei Schießereien nehmen einige Deckung, viele der bösen Buben bleiben jedoch einfach stehen und lassen sich recht leicht abschießen.

L.A. Noire ist atmosphärisch. Es ist viel in den Straßen los, man nehme den einfachen Schuhputzer, der nur etwas Kleingeld verdienen möchte.


Fazit

L.A. Noire ist wohl eines der Spiele, die mir nicht mehr aus dem Gedächtnis verschwinden werden. Bei diesem Spiel fühlt man sich auch stundenlang nach dem Spielen noch wie ein richtiger Detektiv, wenn man mal einen Fall mit allen verfügbaren Hinweisen und ausschließlich richtigen Aussagen abgeschlossen hat. Wer schon immer mal ein richtig gutes Krimispiel spielen wollte, der hat mit L.A. Noire sein Eldorado gefunden. Und da das Spiel nicht mehr viel Geld kostet und dafür über 20 Stunden Spielzeit bietet, kann man ohne schlechtes Gewissen zuschlagen.

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Wertung
Pro und Kontra
  • Handlung: Interessante Fälle
  • Handlung: Rückblenden aus Coles Vergangenheit
  • Gameplay: Befragungen sind nie zu schwer und nie zu leicht
  • Gameplay: Schießereien und Verfolgungsjagden lockern auf
  • Gameplay: Teils fordernde Fälle
  • Gameplay: Partner hilft, wenn wir nicht weiterwissen
  • Technik: Hübsches Grafikgerüst
  • Technik: Stimmige Musik
  • Technik: Gute englische Sprecher
  • KI: Verbrecher verhalten sich in Schlägereien oft schlau...
  • Gameplay: Lange Fahrten nerven
  • Technik: Anfängliche Social-Club Probleme
  • Technik: Objekte in der Ferne laden etwas später
  • KI: ... aber sind in Schießereien recht dähmlich
  • Steuerung: Fummelig mit Maus und Tastatur

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

genau richtig

Bugs:

Nur sehr wenige

Spielzeit:

Mehr als 20, weniger als 40 Stunden



Kommentare(3)

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