Ein Rollenspiel für Metzger

Das Might and Magic Universum greift auf eine lange Serie traditionsreicher Titel zurück. Bereits in den Achtzigern spielte sich Großes in seinen Landen ab,...

von Horst_Sergio am: 30.10.2009

Das Might and Magic Universum greift auf eine lange Serie traditionsreicher Titel zurück. Bereits in den Achtzigern spielte sich Großes in seinen Landen ab, allerdings blieb die Rollenspiel Serie, die auf dutzenden Systemen mit Knallern wie Isles Of Terra beglückte nicht immer ihrem Qualitätsstandard treu. Sogar eine in den jüngeren Jahren überaus beliebte Serie an Strategie Ablegern, die den Titel mit dem Zusatz Heroes einleitete, macht bis heute die - Achtung: Brüller - Runde und brachte es bereits auf fünf Teile. Die in Frankreich beheimateten Arkane Studios verlagern dieses Universum in ein weiteres Genre: Wir dürfen handgreiflich werden.

Ein Fiesling wird kommen

Vor etwa tausend Jahren herrschte Krieg gegen die Dämonen. Sar-Elam, der Siebente Drache, ein mächtiger Zauberer schaffte es dereinst, die Dämonen in die ewigen Feuer zu verbannen und versiegelte das Tor zwischen den Welten. Doch nach tausend Jahren ist die magische Barriere am Schwinden und finstere Mächte bereiten die Ankunft der Dämonen vor. Doch gibt es laut einer Prophezeiung nur einen, der darüber bestimmt, das Übel abzuwenden oder die Welt zu verwüsten - den Dunklen Messias. Halb Mensch, halb Dämon, wird er die Überreste des siebenten Drachen an sich nehmen und über die Zukunft entscheiden.

Meister Phenrig ist ein Magier und außerdem Ziehvater und Lehrer von Sareth, den wir in diesem Spiel verkörpern. Der Beginn im Tutorial geht schon recht flott von der Hand. Unser Lehrermeister Phenrig hat gute Arbeit geleistet, dass wir als Sareth von Beginn an eine aktionsfähige Figur abgeben. So machen wir uns in einer kleineren Tempelanlage mit allen Facetten der Steuerung vertraut. Doch der Trubel geht natürlich erst richtig los, als uns Phenrig gen Steinhelm ausschickt, um Lord Menelag aufzusuchen und ihm bei der Suche nach dem Schädel der Schatten behilflich zu sein. Angenehmer Nebeneffekt: Wir sind nicht allein. Phenrig schenkt uns einen Begleiter. Xana - eine Wächterin, die mit unserem Geist verschmilzt und von nun an in unserem Kopf herumspukt. Außerdem treffen wir in Steinhelm auf Leanna, die Nichte Lord Menelag's und Leiterin der Expedition. Menelag hat nämlich den Aufenthaltsort des Schädels bereits ausfindig gemacht und wir sind natürlich herzlichst eingeladen an der Bergung teilzunehmen. Allerdings weckt es auch unangenehme Zeitgenossen auf den Plan, denn Arantir, der Anführer der Nekromanten und unserem Lehrmeister mindestens ebenbürtiger Zauberer, schreckt nicht davor zurück, mit Gewalt an den Schädel zu kommen.

Apokalyptisch

Die Geschichte hört sich zunächst vielleicht nach typischem Fantasy Gedöns mit den üblichen Verdächtigen an. Allerdings ist sie stimmig verdammt gut umgesetzt. Sareth's Reise durch Ashan packt zu jeder Sekunde, gerade auch deshalb, weil Dark Messiah kein übliches Rollenspiel Intermezzo, sondern ein handfester Action Kracher in Ego Perspektive ist. Zwar erhalten wir für erledigte Aufträge und erreichte Ziele Fertigkeitspunkte, die wir in einem kleinen und auf das Wesentliche beschränkten Talentbaum nach Herzenslust verteilen dürfen und haben ein Inventar zur Verfügung, damit wären die Rollenspiel Elemente des Spiels auch schon aufgezählt. Die Fertigkeitspunkte verteilen wir zwar nach Belieben, am sinnvollsten ist es jedoch, einer Klasse treu zu bleiben. Dark Messiah unterscheidet in fünf Klassen: Krieger, Fernkämpfer, Magier, Heiler und Assassine. Wir haben aber jederzeit die freie Wahl, wie wir uns entwickeln und müssen uns keiner Klasse unterstellen. Damit bleibt zwar immer die Gefahr, dass wir uns verskillen, allerdings kann man alle zur Verfügung stehenden Talente sinnvoll nutzen. Da wir es hier mit einem Actionspiel zu tun haben, brauchen wir keine NPCs ansteuern, wenn wir ein neues Talent erlernen möchten. Sobald wir ein paar Fertigkeitspunkte erhalten haben, können wir die Talente im Charakterbildschirm freischalten. Hier haben wir auch stets Zugriff auf unser Inventar, in dem wir allerlei Items wie Tränke, Schriftrollen, Waffen und Rüstungen horten können. Zwar ist das Inventar - wie so üblich - relativ begrenzt, da es aber keine Händler in der Welt gibt, brauchen wir uns auch nicht mit unnötigem Plunder abschleppen und können ausgediente Waffen und Rüstungen einfach über Bord werfen. Tatsächlicher Wehrmutstropfen der Bedienung sind die, zwar realistisch wirkenden Bewegungen des Helden, aber teils etwas träges Verhalten, sowie auch die etwas fummelige Menüführung, für die in Kämpfen sicherlich keine Zeit bleibt.

Kolossal

Der große spielerische Vorzug aus der Mischung von Action und Rollenspiel ist, selbst für passionierte Schwertschwinger oder Bogenschützen, das Einbinden der Magie. So bietet uns das gut ausgeknobelte Leveldesign genug Möglichkeiten, unsere Gegner kreativ zu beseitigen. Wir können zum Beispiel Feuerfallen legen, entfernte Gegner mit einem Pfeil auf uns aufmerksam machen und so in die Falle hineinlocken. Wir können aber auch den Boden unter ihren Füßen gefrieren lassen, damit sie sich schön auf die Nase legen und wir mit dem Schwert leichteres Spiel haben. Der Assassine hat bevorzugt die Möglichkeit unbemerkt zerstörbare Objekte wie Statuen oder ganze Wände auf die Gegner hereinbrechen zu lassen, aber auch die anderen Klassen können diese Objekte in Schutt und Asche legen, allerdings mit weniger Effizienz. Sollte das aber alles nicht helfen, stoßen wir sie in die Stachelfallen, die allerorts platziert sind. Jedes wählbare Talent hat durchaus Wirkung, am Leichtesten hat man es in den Kämpfen aber doch, wenn man seiner eingeschlagenen Marschrichtung treu bleibt, denn nur so kann man die mächtigsten Attacken oder Zauber freischalten. So sind aber auch die, zwar im klassischen Fantasy Stil gehaltenen, aber extrem gut in Szene gesetzten Gegner in ihren Stärken und Schwächen unterschiedlich. Die Orks beispielsweise sind in Nahkämpfen erstklassige Kontrahenten und können verdammt viel einstecken. Die Goblins stecken zwar weniger ein, sind dafür aber ganz schön flink. Und einem Brocken wie dem Zyklopen begegnen wir besser gar nicht erst im Nahkampf, sondern setzen ihm mit dem Bogen zu. Anderes Viehzeugs wie Spinnen oder Zombies machen keinen Halt davor, uns vergiften zu wollen und Kreaturen wie die Ghoule pfeifen erstmal auf unser Hokuspokus.

Erzähl doch mal

Dark Messiah wartet mit einer erstklassigen und überaus morbiden Atmosphäre auf, die in jeder Situation stimmig eingefangen ist und mitzureißen weiß, wie kaum ein anderer Titel dieser Machart. Auch wenn die Story an sich vielleicht nicht mit den Rollenspiel Vorbildern mithält, da zu wenig tiefgreifender Background vorherrscht, so ist sie in dutzenden Ingame Videos und mit Tonnen von Script Ereignissen für ein Actionspiel geradezu perfekt erzählt. Stets auf die Wirkung bedacht, rutschen wir von einer neuen und fordernden Situation in die nächste. In den einzelnen Abschnitten gibt es genug Wendungen, die uns auf Trab halten dürften. Wenn wir im Tempel in die Spinnengrube fallen erreicht das Spiel einen Gruselfaktor, der seinesgleichen sucht. Auf der Flucht vor dem Riesenwurm geraten wir gezielt in Panik und der Kampf mit dem Paokai ist einfach nur ein großartig inszeniertes Neben-Event. Hin und wieder müssen wir ein Auge auf unsere temporär zur Seite gestellte Begleiterin Leanna werfen, aber wie die Gegner verhält sie sich ihren Talenten entsprechend recht clever, sucht Deckung und heilt, wenn nötig, sich selbst und uns. So soll das sein. Dazu kommen gerade in Bezug auf Leanna stets die inneren Konflikte, die durch die betörende Xana gestreut werden. Ein Ränkespiel, das nur zu gut eingesetzt ist, hin und wieder Verwirrung zu stiften.

Fruchtig, frisch

Wie mit dem Rollenspiel Universum als Grundgerüst für die Geschichte setzen die Macher der Arkane Studios auch bei der Technik auf Bewährtes. Die Source Engine aus Half Life 2 wurde hier kräftig aufpoliert und bietet eine superbe Grundlage, um das großartige Leveldesign mit einer Mischung aus knalligen und detaillierten Texturen zu übersähen. Dazu kommt eine schicke Beleuchtung der Levels, die vor allem von ihrer dunkleren und morbiden Seite profitiert. Da haben die verfallenen Levelbauten wie die Tempelanlagen optisch natürlich einen mächtigen Anteil, ebenso wie auch der Sound. Auch wenn man meinen könnte, die Entwickler setzen technisch auf Nummer sicher, so muss man sagen: Sie quetschen der Engine die bestmögliche Grafik heraus und reichern die Level mit grandios animiertem Gegnerpack an. Die Orks sind endlich mal harte Nahkämpfer und keine drollige Mischung aus Mensch und Wildschwein. Die unangenehme Schattenseite der Engine ist, dass wir sowohl auf bewegte Vegetation in der Welt, wie auch auf dynamische Beleuchtung und Tageszeiten verzichten müssen, was mittlerweile nunmal zum Standard in Sachen Grafik gehört. Dennoch hat Dark Messiah von seinem optischen Reiz auch nach drei Jahren nicht allzu viel eingebüßt. Auch die auf Spannung setzenden Musikstücke und selbst die deutschen Sprecher gefallen und passen sich gut ins Geschehen ein.

Zu guter Letzt...

...bleibt nicht viel zu sagen außer: Spielerisch macht Dark Messiah so ziemlich alles richtig und auch seine technische Seite ist durchaus überzeugend. Zwar ist der ganz große Grafikprotz seit der Veröffentlichung vor nunmehr drei Jahren etwas verflogen, aber es macht immer noch viel Spaß, Sareth auf seinen Wegen zu begleiten. Die Areale bieten reichlich spielerische Abwechslung und Raum für mörderisch coole Experimente. Erzählerisch wie atmosphärisch gehört Dark Messiah in die Riege moderner Spieleklassiker. Allerdings ist Dark Messiah auch eines: Ein Spiel für Erwachsene. Obwohl in der deutschen Version allzu drastische Aktionen wie das Enthaupten der Gegner oder das Abtrennen derer Gliedmaßen entfernt wurden, fließt trotzdem noch literweise Blut in den harten Schwertkämpfen. An Spannung verlieren die Kämpfe trotz der Kürzungen aber gottlob nicht. Etwas ärgerlich ist im Vorfeld noch die Installation, die, sofern der Internetzugang da ist, automatisch über Steam ablaufen möchte, was aber nicht vonnöten ist! Dies bedeutet lediglich - lange warten für nichts, denn wir sind nicht gezwungen den Weg über Steam zu gehen.

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Wertung
Pro und Kontra
  • Grafik: Texturen, Gegnerdesign und Animationen
  • Sound: stimmungsvolle, bedrückende Klänge, gute Sprecher
  • Balance: Gegner mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen
  • Atmosphäre: düstere RPG Romantik trifft auf harte Action
  • Bedienung: funktioniert im großen und ganzen
  • Umfang: abwechslungsreiche Kapitel, Preis/Leistung stimmt
  • Leveldesign: Umgebung nutz- und teils zerstörbar, Secrets
  • KI: Begleiter hilfreich, im Nahkampf aggressiv-schlaue
  • Waffen & Extras: guter Waffen- und Itemfundus, spezielle Waffen
  • Handlung: packende, finstere und derbe Weltuntergangsmär
  • Grafik: leicht angestaubt
  • Sound: -
  • Balance: Anspruch schwankt selten
  • Atmosphäre: Fantasywelt ist Geschmackssache
  • Bedienung: etwas fummeliges Menü, Held einen Tick zu langsam
  • Umfang: Etwas mehr schadet nie
  • Leveldesign: -
  • KI: ...im Fernkampf eher nur irritierte Gegner
  • Waffen & Extras: stark auf die Klasseneinteilung bezogen
  • Handlung: lediglich etwas fades Mythengewirr

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

genau richtig

Bugs:

Nur sehr wenige

Spielzeit:

Mehr als 10, weniger als 20 Stunden



Kommentare(11)

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