Ein Spiel der "alten" Schule

Diesmal nicht im Keller Ich gehöre durch mein fortgeschrittenes Alter tatsächlich noch zu den Spielern, die langhaarig und Heavy Metal hörend im...

von - Gast - am: 17.03.2014

Diesmal nicht im Keller

Ich gehöre durch mein fortgeschrittenes Alter tatsächlich noch zu den Spielern, die langhaarig und Heavy Metal hörend im Keller zusammen hockten, um dort mit Papier, Bleistift und ein paar Würfeln bewaffnet angestrengt versuchten, in ihrer Fantasie eine Welt zu erschaffen. Pen & Paper vom Feinsten. Mein damaliger "Street-Sam" war legendär, und deswegen habe ich eine ganz eigene Beziehung zum Thema "Shadowrun".

Wäre ich nicht 39 Jahre alt, könnte man mich auch einen Fanboy nennen. Auf der anderen Seite bin ich bekannt für meine nüchterne Art, die Dinge zu betrachten. Und mit einer Mischung aus diesen beiden "extremen" Positionen mache ich mich nun daran, eine Rezension zu "Shadowrun Returns" für Euch zu schreiben.

Technisch altbacken

Es interessiert mich im Allgemeinen recht wenig, ob ein Spiel ein Budget von 12 Milliarden Euro hat oder von einem Nerd in der Garage programmiert wird - ich orientiere mich an Fakten. Und faktisch sieht das Spiel einfach nicht gut aus. 2013 muss ich von einem Spiel einfach mehr erwarten dürfen - leider wird auch ein echter Fan hier nicht behaupten können, dass das schon "in Ordnung" geht. 

Die Iso-Ansicht ist zweckmäßig, es gibt ein paar witzige Details - viel mehr ist da leider nicht

Soundtechnisch tut sich auch nicht viel. Die Geräuschkulisse hält das Niveau der Grafik. Es ist nicht furchtbar, aber auch nicht toll. Man kann damit leben. Sprachausgabe ist nicht vorhanden, was ich schade finde. Der Elektro-Soundtrack geht in Ordnung, wenn man auf sowas steht kann man es vermutlich sogar toll finden.

Atmosphäre vorhanden? Gameplay, Umfang usw.

Ich würde sagen JA. Es ist ein echtes Shadowrun-Spiel. Wie zu erwarten rennt man in Echtzeit durch die Gegend, kommt es zum Kampf, schaltet das Spiel in den Rundenmodus. Die Kämpfe gehen in Ordnung, fallen mir allerdings bis auf wenige Ausnahmen einfach zu leicht aus. Anlass zur Kritik gibt auch der viel zu lineare Verlauf der Story - Rumlaufen und Entdecken ist nicht. Hier steckt wohl der größte Kritikpunkt des Spiels: Shadowrunner wollen ihre Welt erkunden und sich vorarbeiten...an der Hand nehmen und von Punkt zu Punkt führen lassen will man sich eher nicht als Fan von Shadowrun.

Spaß hatte ich mit dem Spiel aber trotzdem. Erstens mag ich die Welt, in der das Ganze angelegt ist. Zweitens besitze ich als alter P&P-Shadowrunner die nötige Fantasie, fehlende Elemente per Kopf hinzuzufügen. Und drittens ist das Spiel günstig zu bekommen - für den Preis ist Umfang und Qualität wirklich in Ordnung.

Die Story ist typisch für das Shadowrun-Universum. Man sucht sich seine Rasse und seine Klasse aus und wird in die Spielwelt geworfen. Dort begegnet man zwielichtigen Gestalten, die einem in der Geschichte voran treiben.

Für Leute, die Shadowrun überhaupt nicht kennen, erkläre ich gern kurz das Setting.
Die "Magie" ist zurückgekehrt in die Welt, und mit ihr andere Rassen wir Elfen, Orks und Zwerge. Diese leben in der Zukunft zusammen mit den Menschen und sind ganz normaler Teil der Gesellschaft. Wie in "Deus Ex" spielt das Ganze in einer nicht allzu fernen Zukunft, in der große Konzerne die Welt beherrschen. Es ist also eine relativ interessante Mischung aus altem Fantasy und modernem SciFi - muss man mögen.

Im Spiel löst man im Auftrag eines Toten - den man zu Beginn noch lebendig antrifft und mit dem man eine Mission erledigt - einen Mordfall bzw. eine Serie von Morden.

Dabei legt man sich mit den erwähnten Konzernen, der Polizei, Kultisten und Gangs an - irgendwelche Monster und Gen-Viecher sind natürlich auch mit von der Partie.

Nebenbei verbessert man noch seine Ausrüstung, leistet sich bionische Upgrades und Implantate oder heuert Runner an, die einen in den Missionen begleiten.

Die Nebenquests wirken leider aufgesetzt und ergeben teilweise einfach keinen Sinn. Dadurch ist die Wiederspielbarkeit im Grunde nicht vorhanden. Wenn man durch ist, ist man durch. Dafür sind die Dialoge wirklich klasse - vorausgesetzt, man kann Englisch. Auch das fehlende freie Speichern ist ein Punkt, den man erwähnen muss. Wieso das so gemacht wurde, entzieht sich komplett meinem Verständnis.

Die K.I. ist leider ziemlich doof und rennt gern mal ins offene Messer. Ausgleichen tut der Computergegner dies eigentlich nur durch die schiere Masse an Feinden - wirklich herausfordernd ist es dadurch aber auch nicht.

Wer soll das denn spielen?

Fans von Shadowrun werden schon aufgrund fehlender Alternativen einen tiefen Blick auf diese Kickstarter-Produktion werfen. Alle anderen können das auch tun, vor allem wenn sie rundenbasierte Kämpfe mögen. Außer Xcom ist in diese Richtung ja nicht wirklich viel geboten, Heroes of Might and Magic und Disciples schlagen einfach in eine andere Kerbe.

Ist man ein alter Shadowrunner und hat wie ich eine fast schon emotionale Bindung zur Spielwelt, darf man gern noch 5 Punkte auf meine Wertung drauf packen. Alle anderen sollten einen genaueren Blick werfen, für Casual Gamer ohne Bezug zu Shadowrun ist das Spiel vermutlich uninteressant, weil es technisch zu überholt und spielerisch einfach zu linear ist.

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Wertung
Pro und Kontra
  • Für Fans von Shadowrun absolut interessant
  • Story ist nachvollziehbar
  • liebevoll mit kleinen Details gemacht
  • günstiger Preis
  • Technisch völlig überholt
  • Linearer Verlauf nervt
  • Nebenquests sinnlos
  • Wiederspielbarkeit tendiert gegen 0

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

eher leicht

Bugs:

Nein

Spielzeit:

Mehr als 10, weniger als 20 Stunden



Kommentare(2)

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