Ein tolles Spiel, aber kein Rollenspiel

Ich habe EVE selbst eine Weile gespielt und muss sagen, es handelt sich hier um ein ganz außergewöhnliches Spiel. (Fast) alles, was man kaufen kann, wird von...

von Mage am: 07.09.2010

Ich habe EVE selbst eine Weile gespielt und muss sagen, es handelt sich hier um ein ganz außergewöhnliches Spiel. (Fast) alles, was man kaufen kann, wird von Spielern produziert, es gibt keinen Postkasten, sondern Spieler müssen die Waren mit Transportern von A nach B transportieren, es gibt eine 'echte' Marktwirtschaft und das Universum ist riesig.

Auch das PvP ist anders als bei anderen Spielen. Wenn hier eine Corporation einer anderen den Krieg erklärt, dann gibt es was zu verlieren: Stationen, die Milliarden wert sind, werden zerstört und Schiffe werden vernichtet. Das alles ist extrem spannend und weit davon entfernt, dass man in anderen Spielen nach dem Tod ein paar Sekunden lang keine Max-Werte hat.

Aber zur Spielmechanik und den Möglichkeiten hat 'lipflip' in seinem Test ja schon einiges geschrieben.

Trotz aller Faszination gibt es für mich aber auch viele Kritikpunkte, die das Spielgefühl sehr spröde machen. Schon der Begriff Rollenspiel passt meines Erachtens nicht zu EVE. Online-Handelssimulation würde es viel besser treffen. Denn die meiste Zeit verbringe ich vor Tabellen, um lohnende Geschäfte auszutüfteln, sitze vor Tabellen, um meine Schiffe zu optimieren oder fliege durch ein hübsches (aber irgendwie immer wiederkehrendes) Weltall und warte darauf, dass mein Schiff die Strecke zu einem anderen System hinter sich bringt.

Wenn man unterwegs ist, schaut man seinem eigenen Schiff aufs Heck und alle anderen sind in der Regel Radarechos auf der Karte. Die Schiffe, die man aus der Nähe sieht, hat man nach einer Weile auch alle schon mal gesehen und sie sind so austauschbar wie zwei ähnliche Socken.

In den Kämpfen wähle ich (vereinfacht gesagt) ein Ziel aus und bestimme, mit welchem Abstand ich es umkreise und mit welchen Waffen ich es beharke; es gibt keine aktive Schiffssteuerung. Sicher, man muss sehr genau aufpassen, mit wem man sich anlegt und die Kämpfe sind auch spannend, aber man kämpft halt nicht so aktiv, wie in anderen Rollenspielen.

Ein weiterer Kritikpunkt sind die Quests: Es gibt natürlich welche; die meisten sind vergleichbar mit den Tagesquests in anderen Onlinespielen. Nur gibt es in erreichbarer Entfernung meist nur einige Agenten, die welche anbieten, und die man immer wiederholt, um bei einer bestimmten Fraktion seinen Ruf zu verbessern und damit an lukrativere Quests zu kommen. So stellt sich schnell Langeweile ein und man arbeitet diese Quests nur noch mechanisch ab.

Was ich auch nicht so mochte: Hat man eine nette Corporation gefunden, spielt sich die Kommunikation im Chat oder per TS ab. Ich habe aber in der ganzen Spielzeit keine Kommunikation mit anderen Spielern außerhalb der Corporation gehabt, weil zum einen der Server für fast alle Spieler weltweit zur Verfügung steht und man somit natürlich ein Sprachproblem hat und zum anderen die anderen Spieler seelenlose Radarechos sind und man gar keine Motivation hat, andere anzusprechen. In den meisten Onlinerollenspielen ist das ganz anders.

Mein Fazit: EVE ist ein tolles Spiel, wenn man ein sich echt anfühlendes Universum erleben will. Wenn man dafür bereit ist, einige Mühen auf sich zu nehmen, entwickelt EVE eine ganz eigene Faszination. Wer aber ein Rollenspiel erwartet, sollte die Finger von EVE lassen; damit hat es nämlich aus meiner Sicht nichts zu tun.

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Wertung
Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

genau richtig

Bugs:

Nein

Spielzeit:

Mehr als 40, weniger als 100 Stunden



Kommentare(1)

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