Ein würdiger Abschluss?

Batman: Arkham Knight stand 2015 ganz oben auf meiner  Liste. Nicht nur, weil ich ein genereller Batman-Narr bin, sondern auch, weil die Vorgänger gut...

von rolandofgilead am: 07.12.2016

Batman: Arkham Knight stand 2015 ganz oben auf meiner  Liste. Nicht nur, weil ich ein genereller Batman-Narr bin, sondern auch, weil die Vorgänger gut (Arkham Origins) bis herausragend (Arkham City) waren. Allesamt (ja, auch Origins) habe ich zweifach durchgespielt, was quasi einem Ritterschlag gleichkommt, denn das mache ich heutzutage wirklich nur noch äußerst selten. Was sollte also schiefgehen? Eine ganze Menge , wie sich herausstellen sollte. Allen voran, dass das Spiel zu seinem Release in einem Zustand war, dass ihm unrühmliche Titel wie „Worst PC-Port ever“ einbrachte, samt Verkaufstop und etlicher frustrierter Fans, mich eingeschlossen. Schließlich, im November 2016, war es dann doch soweit und ich wagte meinen neuerlichen Ausflug nach Gotham City, allerdings nicht ohne Zweifel, welche, dann leider auch nicht ganz unbegründet waren. Aber eins nach dem anderen.

Ich bin wieder hier, in meinem Revier

Von den technischen Problemen, die das Spiel noch im letzten Jahr heimgesucht hatten, konnte ich glücklicherweise nichts mehr feststellen. Ganz im Gegenteil, nach einer sehr schönen Introsequenz gleite ich butterweich, ohne jeden Ruckler, durch die Lüfte des nächtlichen Gothams, welches mittlerweile optisch eine ziemliche Wandlung gemacht hat.  Aus der tristen Stadt aus Origins ist ein bunter Spielplatz geworden, der fast an die Verfilmungen von Tim Burton aus den 90ern erinnert.  Gut so!  Und auch, wenn ich die Stadt kaum wiedererkenne, fühle ich mich sofort zuhause. Das Freeflow-Kampfsystem geht nach wie vor gut von der Hand und wurde um ein paar Gadgets und Gegnertypen erweitert. Es macht im nun vierten Teil der Serie noch immer Spaß es mit einem Duzend Schlägern gleichzeitig aufzunehmen. Das gleiche gilt auch für die Jäger-Abschnitte. Arkham Knight macht hier sogar noch einen deutlichen Sprung nach vorn, da die Areale wesentlich abwechslungsreicher gestaltet sind. Auch gibt es wieder einiges zu tun in der Stadt, abgesehen davon, dass Scarecrow alle mit Angstgas vergiften möchte und daher alle evakuiert werden mussten, meine ich natürlich. Denn die „Leblosigkeit“ der Stadt, war ja noch einer der größten Kritikpunkte an Origins. Hier merkt man ganz eindeutig, dass Rocksteady wieder am Ruder war. Auch wenn viele der Nebenaufgaben nur „getarnte“ Sammelquests sind und andere spielerisch sehr anspruchslos (Leichen untersuchen). Dafür stimmt das ganze drumherum wieder. Man merkt förmlich, dass die Entwickler sich mit der Materie auskennen. Überall finden sich mal mehr, mal weniger subtile Anspielungen, auf andere DC-Figuren oder Comic-Storylines, kann den zum Teil, urkomischen Gesprächen der Gauner lauschen oder zusehen, wie Polizeibeamter Selfies vorm Batmobil machen. Also alles bestens in Gotham City? Nein leider nicht.

Batmobil, taugt nicht viel

Wer hatte sich nicht schon in den Vorgängern gewünscht mit dem Batmobil durch die Stadt donnern zu können? Ich für meinen Teil auf jeden Fall, doch runzelte ich bereits bei der ersten Ankündigung dieses Features die Stirn. Das Batmobil solle nicht nur Fortbewegungsmittel sein, sondern auch per Knopfdruck zum Kampfpanzer werden. Batman im Kampfpanzer? Schien im ersten Augenblick nicht so recht zu passen, immerhin ist Batman dafür bekannt niemanden zu töten. Allerdings war ja auch der Tumbler in der Nolan-Trilogie ein Militärfahrzeug und das Batmobil aus Millers Dark Knight-Reihe auch eher ein Panzer, als ein Auto, samt Gummigeschossen. Und eben jene setzt Batman hier auch gegen Gegner ein, was zugegeben, ein bis zweimal ganz spaßig ist, ich mich danach aber dann doch erwischte, wie ich lieber aus dem Batmobil hüpfte, um den Gaunern lieber persönlich volles Pfund aufs Maul zu geben.  Nicht nur das, auch die Überbrückung einer Strecke ist über den Dächern gleitend, nicht nur spaßiger, sondern geht auch besser von der Hand. Das liegt nicht nur an der gewöhnungsbedürftigen Steuerung des Fledermausgefährts, auch an der Tatsache, dass einem immer mal wieder die unbemannten Drohnen des Arkham Knight im Wege stehen, die es dann erst einmal zu Klump zu schießen gilt. Und das ist das mit Abstand schlechteste Feature des Spiels. Na klar, die Macher haben sich bemüht, ihrem Spiel etwas vollkommen neues hinzuzufügen und bekommen hierfür eventuell noch ein Sternchen für den Versuch, denn leider machen die Kämpfe gegen die unterschiedlichen Panzer überhaupt keinen Spaß.  Und wer nach einigen Kämpfen glaubt, nerviger kann es kaum werden, der ist noch nicht bei den Panzer-Boss-Fights angekommen! Yeah!  Aber es ist doch nur eines von vielen Gameplay-Features, dann nutze ich das Batmobil eben nur, wenn ich wirklich muss, so zumindest mein naiver Plan. Denn die Entwickler haben sich offenbar gedacht, wenn sie schon ein neues Features einbauen, dann muss es auch genutzt werden. Also nutzt man das Batmobil nun nicht nur als Fortbewegungsmittel und Kampfpanzer, sondern reiße auch mittels Winde Wände ein, speise Viren in Minen, stelle Stromversorgungen wieder her und seile es sogar ab, bzw. rauf, damit ich es auch in Tunnel oder auf Dächer mitnehmen kann und bloß nicht auf die Idee komme es irgendwo stehen zulassen. Auch Batmans selbsternannter Erzfeind, der Riddler, hat nun Spaß daran allerhand Rätsel und Rennstrecken rund um das neue Fahrzeug zu tüfteln. Und auch der Arkham Knight, der sich ab der ersten Begegnung damit rühmt, Batmans Taktiken zu kennen und ihn deshalb besiegen zu können,  wirft ihm unbemannte! Panzerdrohnen entgegen, die Batman fröhlich zu Altmetall verarbeiten kann, ohne  seine Nicht-töten-Politik zu verletzen. Hätte er auf jeden seiner Drohnen einen Soldaten gesetzt, hätte Batman ziemlich dumm aus der Wäsche geguckt. Schön blöd, der Arkham Knight!

Alle schlechten Dinge sind drei

Was ist das mit Batman und dem Ende einer Trilogie? Schon bei Nolans finalem Batman-Film habe ich regelmäßig mit dem Kopf geschüttelt, aufgrund der riesigen Plotholes und ganz offensichtlich nicht wirklich zu Ende gedachten Ideen.  Ähnlich ging es mir nun bei Batman:Arkham Knight, angefangen, wie eben erwähnt, bei der Entscheidung des Arkham Knights unbemannte Drohnen zu benutzten. Was ausnahmslos dazu dient, den Einsatz des Bat-Panzers zu rechtfertigen, aber somit der Story schadet, weil es den großen bösen Widersacher recht dämlich erscheinen lässt. Und das ist ärgerlich. Immerhin war Arkham City auch erzählerisch ein Meisterwerk, das einem zum Schluss mit offenem Mund zurückgelassen hat. Davon ist dieses Spiel weit entfernt. Bitte nicht falsch verstehen. Es hat großartige Momente.  Momente an denen ich am liebsten applaudiert hätte, dennoch hat das Gesamtpaket einen faden Beigeschmack. Ohne groß zu spoilern, kann ich erwähnen, dass die Hauptstory quasi dreigeteilt ist. Man hat die Bedrohung durch Scarecrow, das Mysterium, um die Identität des Arkham Knight und eine dritte Komponente, auf die ich nicht näher eingehen möchte.  Das Geheimnis um den Arkham Knight hält einen eine Weile bei der Stange, sorgt aber gleichzeitig dafür, dass Scarecrow völlig in den Hintergrund tritt. Anfangs macht es auch noch Spaß zu spekulieren und aufgrund der tollen Twists in Arkham City, hatte ich versucht auch auf kleine Details zu achten, die mich vielleicht auf die richtige Lösung bringen würden, nur um die dann zu einem bestimmten Punkt, mit dem Vorschlaghammer ins Gesicht geschlagen zu bekommen. Sehr schade! Einzig, der dritte Part der Hauptstory weiß zu überzeugen und sorgt dafür, dass das Spiel storytechnisch keine völlige Bruchlandung hinlegt.  Lobenswert fand ich hingegen die Tatsache, dass einem das Spiel zum Schluss noch mit einer extra Sequenz belohnt, wenn es zu 100% gelöst wird.

Fazit

Das Spiel lässt mich unschlüssig zurück, es erinnert mich an all die alten Stärken der Reihe, macht zwischenzeitlich eine Menge Spaß, schießt sich dann aber mit dem Batmobil selbst ins Knie. Leider kann es auch die, nach Arkham City, hohen Erwartungen an eine runde Geschichte nicht erfüllen, wobei im Nachhinein der titelgebende Arkham Knight, der Teil war, der am wenigsten überzeugen konnte. Ich würde sogar so weit gehen, dass Batman:Arkham Knight ohne ihn und seine Drohnen ein besseres Spiel geworden wäre.  So bleibt es wohl das einzige Spiel der Reihe, das von mir keinen zweiten Durchlauf spendiert bekommt.

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Wertung
Pro und Kontra
  • coole Open-World
  • Free-Flow-Kämpfe
  • Verbesserter Jägermodus
  • Viele Comic-Referenzen
  • Teile der Hauptstory richtig stark...
  • Batmobil
  • ...andere der Teile der Hauptstory nur zum kopfschütteln

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

genau richtig

Bugs:

Nein

Spielzeit:

Mehr als 40, weniger als 100 Stunden



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