Eine kafkaeske Satire. Mein Indie-Highlight!

Stanley Parable Wer die Stanley Parable spielt, wird sich sicherlich nicht nur einmal verwundert am Kopf kratzen und fragen, was er da gerade erlebt hat. Denn...

von Sir Davren am: 23.12.2013

Stanley Parable

Wer die Stanley Parable spielt, wird sich sicherlich nicht nur einmal verwundert am Kopf kratzen und fragen, was er da gerade erlebt hat. Denn dieses Programm als Spiel zu bezeichnen, ist schon beinahe eine Falsch-Aussage. Denn die Stanley Parable erzählt viel mehr eine Geschichte, dessen Handlungsverlauf stark von unseren Interaktionen abhängig ist. Warum dieses „Spiel“ trotz der kurzen Spielzeit und den sehr eingeschränkten Interaktionsmöglichkeiten dennoch eine klare Kaufempfehlung ist, schildere ich in diesem Test.

Stanley

Der Protagonist Stanley könnte direkt aus einem Roman Kafkas entstammen, sodass ich ihn im Test nur noch als S. bezeichnen werde, da dessen Interaktionen zu den kafkaesken Handlungen eines Herrn K. aus „Der Prozess“ stark ähneln. Dieser sitzt nämlich Tag ein, Tag aus bei seiner Arbeit vor dem PC und drückt auf die Tasten, die ihm der Computer vorgibt. Diese stumpfsinnige Aktivität tut er jahrelang, ohne dies auch nur ansatzweise zu hinterfragen.

Als S. sich jedoch plötzlich alleine im Büro befindet, und alle seine Kollegen und Vorgesetzten spurlos verschwunden sind, erhebt er sich zum ersten Mal von seinem Büro-Sessel und macht sich auf den Weg zum Besprechungszimmer. Warum? Das gibt der Erzähler des Spiels vor, welcher beinahe jede Interaktion von S. kommentiert und dessen Gedanken beschreibt. Denn S. ist das ganze Spiel über stumm.

Was machst du?

Nachdem wir die ersten Büro Räume durchquert haben, findet sich S. vor zwei offenen Türen wieder. Der Erzähler erklärt, dass S. die linke Tür nehmen will, da man über diesen Weg zum Besprechungszimmer kommt. Ob wir das tun? Das steht uns komplett frei, müssen aber mit den entsprechenden Konsequenzen rechnen.

Spielt man das Spiel zum ersten Mal und kommt bis zu jener Stelle, so kann einem the Stanley Parable beinahe ernsthaft erscheinen. Jedoch merkt man schnell: Die darin erzählten Geschichten sind reine Satire. Folgen wir wie einem braven Schaf dem Weg oder widersetzen uns dem Willen des Erzählers?

Das wir in the Stanley Parable absurden Situationen begegnen, ist Teil dessen Geschichte. So finden wir uns an einer Stelle plötzlich in einem Raum wieder, auf dem ein Baby-Foto auf einem Karton geklebt ist, der sich auf ein Feuer-Inferno zubewegt. Vor uns befindet sich ein Knopf, dessen Betätigung die Maschine wieder zurücksetzt und sich das Bild abermals zum Feuer bewegt. Somit sind wir gezwungen, irgendwann aufzugeben. Wie der Sprecher auf unsere Interaktion reagiert, verrate ich indes jedoch nicht. 

So nimmt the Stanley Parable nicht nur sich selber nicht Ernst, sondern lässt den Spieler teilweise auch kurzzeitig in andere Spielwelten eintauchen, die vom Erzähler in die Mangel genommen werden.

Auch nimmt das Spiel die heiß begehrten Errungenschaften auf die Schippe. So gibt es eine Errungenschaft, die wir anscheinend einfach erhalten können, indem wir fünfmal auf eine bestimmte Tür klopfen. Jedoch erweist sich jene Aufgabe als doch komplexer, da uns der Sprecher eine Errungenschaft doch nicht wegen so einer Lappalie geben will.

Ach, und übrigens: Man kann nicht Springen.

Fazit:

Fakt ist: The Stanley Parable ist Satire, die zum Nachdenken anregen soll und uns nahezu im Sekundentakt mit absurden Situationen bombardiert. Durch den hervorragenden Sprecher, der uns oft ein fettes Grinsen ins Gesicht zaubert, werden wir innerhalb der etwa 2 Stunden langen Spielzeit sehr gut unterhalten. Kein Vergleich also zu einem langweiligen „Dear Esther“.
Ein wichtiger Hinweis ist jedoch noch zu geben: Für alle, die des Englisch nicht mächtig sind, kann ich einen Kauf nur abraten. Das Spiel hat keine Übersetzung erhalten, sodass das Spiel mit mangelnden oder nicht vorhandenen Sprachkenntnissen bei Weitem nicht so viel Spaß machen wird.

Ein kleiner Nachtrag zur Bewertung:

Da für mich the Stanley Parable de facto kein richtiges Spiel ist, fällt mir eine Bewertung in dem Sinne schwer und hätte folglich auf eine Bewertung verzichtet. Da GameStar eine solche jedoch zwingend vorschreibt, vergleiche ich dieses Spiel nicht mit AAA-Titeln, sondern den Unterhaltungswert mit ähnlichen Indie-Titeln. Somit auch die definitiv berechtigten 90 Prozent.

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Wertung
Pro und Kontra
  • Hervorragende Sprecher
  • Absurder, aber stimmiger Humor
  • Sprecher kommentiert jede Spielweise
  • Nimmt unterschiedliche Spiele aufs Korn
  • Sehr schnell durchgespielt
  • Oft wiederholende Objekte
  • Setzt gute Englisch-Kenntnisse heraus

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

genau richtig

Bugs:

Nein

Spielzeit:

Weniger als 5 Stunden



Kommentare(3)

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