Einmal fein Gehacktes bitte

Mit der Unreal-Serie hat sich Epic Entertainment einen Namen gemacht. Das lag nicht allein an dem Spiel, sondern vor allem an der Engine, die dem zu Grunde lag....

von nummer47 am: 27.07.2009

Mit der Unreal-Serie hat sich Epic Entertainment einen Namen gemacht. Das lag nicht allein an dem Spiel, sondern vor allem an der Engine, die dem zu Grunde lag. Die Unreal-Serie, die nie viel Story bot, liegt brach, aber die Engine ist in ihrer 3. Generation immer noch die gefragteste am Markt. Was die Engine richtig kann zeigte man (fast traditionell) mit einem grafisch opulentem Spiel ohne große Story … Gears of War. Macht die Grafikdemo trotzdem Spaß?

Zurück in dein Loch - Asche

14 Jahre sind vergangen seit sie kamen, die Locust. Ohne Vorwarnung kamen diese,unter der Erde lebenden Kreaturen, um Chaos und Zerstörung zu verbreiten. Der einst so schöne Planet Sera ist nun vom Krieg verwüstet und 90% der Menschheit sind vernichtet. Neue Soldaten zu finden ist hoffnungslos, also greift man notgedrungen auf Kriegsgefangene aus den eigenen Reihen zurück. Einer dieser Soldaten ist Marcus Fenix, der wegen Befehlsverweigerung zu 40 Jahren Haft verurteilt wurde. Als Spieler schlüpfen wir nun in dessen Rolle und werden zu Beginn des Spiels von unserem alten Freund Dominic Santiago (Dom) aus dem Knast geholt. Hier beginnt das Spiel – ohne Intro – ohne Hintergrundinfos. Ob wir ein Tutorial spielen wollen ist unsere Entscheidung, wer mag lässt es einfach weg. Nun beginnt der Kampf gegen die Locust, die eine menschenähnliche Statur haben.

Immer feste druff -Einbruch der Nacht

Gears of War spielt sich nicht wie ein gewohnter Epic-Shooter. Das liegt erstmal daran, dass man Marcus die ganze Zeit über die Schulter schaut. Des weiteren bringt es wenig in den Kampf zu stürmen, taktisches Vorgehen ist gefragt. Dazu kann man hinter allen möglichen Dingen in Deckung gehen. Diese Deckungsmöglichkeiten sind überall verstreut und von einer Deckung zur nächsten zu huschen geht, dank der intuitiven Steuerung, leicht von der Hand und spielt sich herrlich dynamisch. Es ist möglich aus den Deckungen heraus blind zu schießen oder auch Granaten blind in die Richtung der Gegner zu werfen. Zielt man mit den Granaten, landen diese punktgenau, denn eine blaue Wurflinie zeigt, wo die Granate landen wird.
Unser Kumpel Dom ist das komplette Spiel über an unserer Seite und unterstützt uns recht gut im Kampf. Geht er zu Boden haben wir die Möglichkeit ihm wieder auf die Beine zu helfen. Bei uns sieht die Sache da schon anders aus, aber je nach gewähltem Schwierigkeitsgrad stecken wir mehr oder weniger Schüsse ein. Ein rotes Zahnradsymbol (das GoW-Zeichen) in der Bildschirmmitte informiert uns in den Kämpfen dabei über unseren Gesundheitszustand. Bleiben wir in Deckung heilen wir uns automatisch und das (Warn-)Symbol verschwindet wieder.
Sollte uns ein Gegner zu sehr auf die Pelle rücken, können wir auch einen Nahkampfangriff starten. Diese sind – vor allem mit der Hauptwaffe, dem Lancer – nicht nur für die Gegner absolut tödlich. Tödlich ist auch die Dunkelheit im 2. Akt des Spiels, in dem die Kyrill ihren großen Auftritt haben. Diese scheinen direkt aus dem Film Pitch Black entnommen zu sein, da sie genauso lichtscheu, aber auch genauso tödlich sind wie die Monster aus dem Film.

Leitstelle, hier Delta - Bauch der Bestie

Die Atmosphäre des Spiels schwankt immer ein wenig, aber zum Glück nicht von gut zu schlecht. Sondern von packend inszeniert zu zum Schreien komisch. Die Kameraführung in den Zwischensequenzen hat Hollywoodcharakter, denn hier scheint der Regisseur mit der Handkamera immer mittendrin zu sein. Das fängt die bedrohliche Atmosphäre des Spiels sehr gut ein. Die muskelbepacken Soldaten im Spiel wirken stark überzeichnet, was vor allem an den deutschen Sprechern liegt. So bekommt das Spiel einen gewissen Trash-Charakter verpasst, da deren Gespräche untereinander und Kommentare zum Spielgeschehen oftmals zum Schmunzeln anregen.

Anfangs noch zu Zweit unterwegs, gesellen sich schnell weitere Gefährten zu uns. Der Dauernörgler Baird und der ehemalige großschnäutzige Trashball-Spieler Augustus Cole, früher bekannt als Cole-Train. Über diese 3 – Dom zählt ja auch dazu – haben wir später auch das Kommando. 3 Befehle (Angriff, Sammeln, Waffenruhe) können wir den Teamkameraden geben und diese führen sie auch meist zufrieden stellend aus. Hin und wieder kam es leider zu Totalaussetzern der KI-Kollegen. Da stand KI dann wohl eher für „keine Intelligenz“. Anders sind da die Gegner, die die Deckungen taktisch geschickt ausnutzen.

Kontrollpunktterror - Der lange Weg nach Hause

Die dünne Story des Spiels wird in 5 Akten erzählt von denen jeder seinen eigenen optischen Stil hat. In diesen Akten setzt uns das Spiel ab und an einen Zwischengegner vor, den man nur mit der richtigen Taktik oder der richtigen Waffe töten kann. So gibt es blinde Berserker, die einen aber hören und riechen können. Sie stürmen – Achtung Wortspiel – blindlings auf uns zu und wer nicht rechtzeitig ausweicht muss vom letzten, der fair verteilten, Kontrollpunkte einen neuen Versuch starten, denn selber speichern darf man nicht.
Die angesprochene Waffe ist der Hammer der Morgenröte, der an die Ionenkanone aus C&C erinnert. Das restliche Waffenarsenal des Spiels ist recht überschaubar. Pistolen, Maschinengewehre, Schrotflinte, Scharfschützengewehr, Raketenwerfer und ein Bogen mit explosiven Spitzen stehen für die Kämpfe zur Verfügung.
Durch ein Tonsignal weiß man übrigens immer, wann der Kampf vorbei ist, also alle Gegner besiegt sind. Nun heißt es Munition auffrischen und dann beginnt der ganze Spaß wieder von vorne. Das ganze erinnert fast an das Serious Sam Konzept - in einer Arena alle töten und auf zum nächsten Kampf. Durch den leichten taktischen Anspruch sind die Kämpfe hier aber abwechslungsreicher und werden auch durch unser Geschick beim aktiven Nachladen beeinflusst. Lädt Marcus nämlich seine Waffe nach, huscht ein kleiner Strich einen Balken entlang, der sich unter unserer Munitionsanzeige befindet. Drücken wir nun im richtigen Moment - eine kleine Markierung auf dem Balken hilft uns - wiederholt auf die Nachladen-Taste, geht das Nachladen schneller und wir richten mit den Waffen auch mehr Schaden an. Drückt man jedoch zu früh oder zu spät, flucht Marcus und das Nachladen dauert entschieden länger.

Durch diese hohle Gasse muss er kommen - Verzweiflung

Der Weg durch die schicken und abwechslungsreichen Abschnitte ist fest vorgeschrieben. Hin und wieder können wir uns zwar für einen linken oder rechten Weg entscheiden, aber diese alternativen Routen, in denen sich das Team aufteilt, sind nie länger als 5 Minuten. Das Marcus nicht springen kann fällt kaum auf, da man es eh nie muss. Per Leertaste setzte man dafür zu einem Sprint an, der dank tief sitzender Wackelkamera, sehr dynamisch wirkt.

Das Titel holt alles aus der Unrealengine heraus und kann auch 2 Jahre nach Erscheinen optisch immer noch überzeugen. Nur hin und wieder stolpert man über niedrig aufgelöste Texturen. Die Charaktermodelle sind aber über jeden Zweifel erhaben und auch die Animationen der Figuren sind flüssig und passend.
Passend ist auch der Sound des Spiels. Die bereits erwähnten guten Sprecher, die gute Musikuntermalung aber vor allem die Waffensounds tragen viel zur Atmosphäre bei.
Bei der Inszenierung des Titels sei noch erwähnt, dass er sich klar an Erwachsene richtet. Der rote Lebenssaft fließt im Überfluss, Schädel platzen und mit dem Kettensägenbajonett des Lancers lassen sich Gegner … na ich muss wohl nicht zu sehr ins Detail gehen.

Da Dom das komplette Spiel über an unserer Seite kämpft, war es Epic im übrigen ein Leichtes einen Coop-Modus in das Spiel zu integrieren. So ist es möglich das komplette Spiel mit einem Freund zusammen durchzuspielen, entweder über ein Netzwerk oder Games for Windows-Live. Die PC-Version des Spiels ist ca. 1-1,5 Stunden länger als die XBox 360-Fassung, da man einen zusätzlichen Abschnitt in die Story eingebaut hat. So kommt man auf ca. 10 Stunden Spielzeit, in denen man blendend unterhalten wird.

Über die Hintergrundstory von Gears of War und des ganzen GoW-Universums kann man sich im Internet informieren. Wer ein wenig sucht findet interessante Details und merkt schnell, dass Epic hier viel Potenzial verschenkt hat. Trotzdem haben sie mit mit GoW gezeigt, dass sie noch gute Spiele machen können. Ohne Schnickschnack. Einfach volles Pfund auf's Maul.

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Wertung
Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

genau richtig

Bugs:

Nur sehr wenige

Spielzeit:

Mehr als 5, weniger als 10 Stunden



Kommentare(3)

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