Enslaved: Odyssey to the West - Der Geheimtipp unter den Geheimtipps

Durch das Buch „Die Reise nach Westen“ inspiriert und für mich persönlich ein absolutes Highlight, doch bekam es nie die Aufmerksamkeit, die es eigentlich...

von nazaam am: 14.02.2020

*zur Info: Dieser Test wurde von mir bereits am 15. Juli 2014 in einem Forum veröffentlicht und bezieht sich auf die Playstation 3 Version*

 

Drama Baby Drama!

Ein stämmiger Mann (Monkey) befindet sich in einer Gefängniskapsel an Bord eines Luftschiffes. Als er auf die gegenüberliegende Seite des Raumes schaut, sieht er eine junge Frau (Tripitaka) aus ihrer Kapsel ausbrechen. Diese, einmal frei, ignoriert ihn und macht sich stattdessen sofort an der nächstgelegenen Computerkonsole zu schaffen – was für ein Nerd! Einige Sekunden später gibt’s, wie es sich für ein Action Adventure gehört, auch schon die ersten Explosionen, welche glücklicherweise auch Monkeys Kapsel beschädigen, sodass er ebenfalls sein Glück bei der Flucht versuchen kann. Wie vorhersehbar! Ich mein, wäre ja auch schön blöd, wenn man einen der Hauptdarsteller schon in den ersten Minuten sterben lassen würde und der Game Over-Bildschirm aufploppt.

Naja, jedenfalls findet er sich nach einer rasanten Flucht auf der Außenseite der letzten Fluchtkapsel wieder, aber natürlich sitzt Frauchen schon längst drin und zündet sie ohne jegliche Skrupel mitsamt dem armen Kerl, der sich wie ein Klammeraffe an die Außenhülle klammert.

Nach kurzer Bewusstlosigkeit finden sich die beiden in den Ruinen des postapokalyptischen New Yorks wieder und da Trip die Ereignisse unglaublich leidtun, setzte sie ihm, während er noch bewusstlos war, ein goldenes Stirnband auf.

Der erfahrene Mann von heute wird natürlich sofort feststellen, dass hier etwas nicht so ganz stimmen kann und er läge mit dieser Vermutung goldrichtig!

Trip tut es, oh Wunder, natürlich überhaupt nicht Leid, weswegen das Stirnband auch kein schönes Accessoire, sondern ein Sklavenstirnband ist, mit dem sie ihm nun erhebliche Schmerzen zufügen kann, falls er mal nicht so will wie sie will. Denn Trip ist schwach und braucht jemanden, der sie auf ihrem Weg langen Weg nachhause beschützt. Im Austausch dafür bekommt Monkey seine Freiheit zurück, na klasse!

Heutzutage sind solche Zustände hauptsächlich als „Ehe“ bekannt!

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Was für ein Affe!

Das Gameplay bedient sich hauptsächlich bei Genrestandards. Es wird geklettert, gekämpft und rumgelaufen. Die Gebiete sind zwar sehr linear, aber dafür auch sehr atmosphärisch, da trotz des apokalyptischen Settings Grün und Blau die vorherrschenden Farben sind.

Gekämpft wird mit einem Stock, der sich aber auch als „Gewehr“ umfunktionieren lässt und als Gegner halten Roboter her, die immer noch ihrer Programmierung folgen, alle Menschen entweder zu versklaven oder zu eliminieren. Da Monkey aber schon versklavt wurde, wollen die Roboter hauptsächlich letzteres. Das Stirnband dient aber nicht nur als Rechtfertigung für die Geschichte, sondern besitzt auch einen spielerischen Aspekt. Entfernt sich Monkey nämlich zu weit von Trip, stirbt er. Stirbt Trip, stirbt er ebenfalls. Das ganze erinnert ein wenig an Ico und seine Beziehung zu dem Mädchen. Ihr seht, man kommt aus der Sache nicht so leicht raus, egal wie man’s dreht und so bleibt einem also nichts anderes übrig, als Trip durch die gefährliche Welt zu lotsen, wenn nötig auch gerne mal huckepack, in der Hoffnung, dass sie ihr Wort hält und uns am Ende der Reise unsere Freiheit zurückgibt.

Allerdings ist Trip nicht immer nur Ballast und kann sich unter anderem dadurch nützlich machen, Gegner abzulenken, damit Monkey sich über die Flanke an Gegner anschleichen kann. Des Weiteren kann sie im späteren Spielverlauf eine kleine Roboter-Libelle losschicken, um die Umgebung nach Minen, Robotern und Schaltern für etwaige Rätseleinlagen zu scannen.

Während die Kämpfe gegen die unterschiedlichen Robotertypen noch relativ rudimentär mit verschiedenen Angriffen (Fertigkeiten) ablaufen und die Passagen, in denen man die zwei verschiedenen Geschosstypen (Normal und Betäubung) benutzen muss rar gesät sind, setzen die sehr gut designten Kämpfe gegen die Bossgegner immer gewisse Taktiken voraus. Stumpf draufhauen führt folglich eher selten zum Erfolg.

Zum Klettern sollte man noch erwähnen, dass es unmöglich ist abzustürzen, weshalb die Kletterpassagen dazu neigen, etwas zu unterfordern. Aber was hat man von jemanden mit so einem Namen auch anderes erwartet.

Ein schlichtes Upgradesystem, mit dem man Fertigkeiten, Schild und die Gesundheit verbessern kann gibt’s übrigens zusammen mit einem wolkenähnlichem „Hoverboard“ noch gratis obendrauf.

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Philosophisch. Gefühlvoll. Wunderschön.

Doch bei Enslaved lag das Hauptaugenmerk der Entwickler ganz klar weniger auf dem Gameplay, als vielmehr auf der Geschichte und den Charaktere. Wie weiter oben schon erwähnt, lässt sich die Beziehung zwischen Trip und Monkey und ihre Entwicklung in gewisser Weise mit denen zwischen Ico und dem Mädchen, oder – um mich mal ganz weit aus dem Fenster zu lehnen – sogar mit der von Ellie und Joel aus The Last of Us vergleichen. THERE, I SAID IT!

So steckt sogar in den nebensächlichsten Unterhaltungen viel Liebe zum Detail. Kleinste Gesten wie ein simples "Danke" wirken von Grund auf ehrlich, was nicht zuletzt an der großartigen Mimik und Gestik liegt. Es entwickelt sich sehr vorsichtig eine besondere Art Dramaturgie. Verlieben sie sich eventuell sogar?

Weiterhin werden auch die Emotionen der Charaktere glaubhaft schön durch Gestik und Mimik rübergebracht, da sie von Schauspielern, wie unter anderem Andy Serkis (Monkey) höchst persönlich eingespielt wurden! In manchen Situation kann man ihnen die Gedanken förmlich aus dem Gesicht lesen, ohne dass überhaupt jemand etwas sagen muss.

Doch auch der Humor kommt nicht zu kurz, wenn Pigsy – ein Nebencharakter und alter Freund von Trip - beispielsweise wieder einmal zu einem offensichtlich vergeblichen Flirtversuch mit Trip ansetzte und Monkey ihn danach total trocken fragt, wie es denn lief. Herrlich!

Alles in allem ist die Dynamik und immer inniger werdende Beziehung des Duos die Hauptmotivation das Spiel bis zum Ende durchzuspielen. So entwickelt Monkey im Laufe der Zeit sogar einen echten Beschützerinstinkt gegenüber seinem zu Anfang vermeintlichen Peiniger. Vor allem das Ende hat’s mir persönlich sehr angetan. Ganz zu schweigen von der spitzen Musikuntermalung! "There's no death in love" *lalala*

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 Wer einen Regenbogen sehen will, muss auch den Regen in Kauf nehmen!

Ich persönlich würde Enslaved ja am liebsten eine 10 geben, da es mich über die gesamte Spieldauer von ca. 10 Stunden wirklich gefesselt hat und ich durchaus dazu bereit bin auch mal über gewisse Schwächen vollkommen hinwegzusehen. Allerdings sehe ich schon die wütende, objektive Meute mit Heugabeln und lodernden Fackeln vor meiner virtuellen Tür stehen.

Ich könnte jetzt noch etliche Zeilen über diesen genialen Titel schreiben, doch am besten erlebt ihr es einfach selbst!

Wer also auf ausgefeilte Geschichten à la The Last of Us steht und gerne Abenteuer erlebt, wird von Enslaved garantiert nicht enttäuscht werden!

 

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Wertung
Pro und Kontra
  • Atmosphäre pur
  • herausragende Dialoge und Charaktere + Mimik und Gestik
  • sehr gute Synchronisation, sowohl auf Englisch, als auch auf Deutsch!
  • perfekter Soundtrack
  • ausgezeichnetes Pacing von angenehmer Ruhe, Erkundung und Action
  • einfallsreiche Bosskämpfe
  • besonders schönes, philosophisches Ende
  • vergleichsweise leicht (u.a. die Kletterpassagen)
  • kleinere Grafikschwächen (u.a. Tearing und Framerate-Einbrüche)
  • relativ linear und kurz
  • hier und da akustische Schwächen (u.a. nicht immer Lippensynchron, schlechte Abmischung auf Deutsch)

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

genau richtig

Bugs:

Nur sehr wenige

Spielzeit:

Mehr als 10, weniger als 20 Stunden



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