Gar nicht mal schlechter Shooter mit exzellenter Grafik, aber Defiziten beim Gameplay.

Far Cry 2 ist nicht der Nachfolger von Far Cry, sondern ein völlig eigenständi­ges Spiel. Die beiden Spiele haben als Gemeinsamkeiten, daß es sich jeweils um...

von Moldmaker am: 29.10.2010

Far Cry 2 ist nicht der Nachfolger von Far Cry, sondern ein völlig eigenständi­ges Spiel. Die beiden Spiele haben als Gemeinsamkeiten, daß es sich jeweils um einen Ego-Shooter handelt und daß die Grafik exzellent ist. Ich habe mir FC2 zusammen mit dem „Fortune-Pack“ gekauft, welches ein zusätzliches Fahrzeug beinhaltet (den Unimog) und neue Maps für den Multiplayer (den ich nicht gespielt habe).

Es beginnt vielversprechend. Der Held, den man sich aussuchen kann (mehre­re Typen stehen zur Verfügung), landet in einem fiktiven afrikanischen Land und wird von einem einheimischen Reporter nach Pala gefahren, dem Hauptort auf der Karte, auf der man sich von nun an herumtreiben wird. Während der Fahrt sitzt man in einem offenen Jeep und kann sich mithilfe der Maus frei umsehen; andere Aktionen sind nicht möglich, während der Priester einen zu­textet. Als erstes fällt die wirklich sehr gute Grafik auf, die detailliert model­lierte Landschaft, die passende Lichtstimmung und auch der gute Sound (die deutsche Vertonung ist übrigens recht gut gelungen). An einem Posten gibt es eine Kontrolle, dann geht es rein nach Pala, wo der Fahrer uns absetzt und wir gleich mal in Ohnmacht fallen. Als wir wieder aufwachen, haben wir es mit ei­nem Kerl namens Schakal zu tun, der uns war beschimpft, uns aber freundli­cherweise am Leben läßt und schnell abhaut. Was uns niedergerungen hat, war ein Malariaanfall, und der Schakal ist derjenige, den wir töten sollen. Zu­erst einmal müssen wir aber aus der Behausung fliehen und rennen sogleich in feindliches Feuer – und schon wieder geht es ins Reich der Träume. Dann sind wir endlich wieder irgendwo wach und haben nur noch die Wahl, uns da­mit durchzuschlagen, für andere die Drecksarbeit zu machen, das heißt Auf­träge anzunehmen, die im Normalfall daraus bestehen, irgendwelche Leute umzubringen. In einem kurzen Tutorial lernen wir noch, wie man sich heilt, wie man autofährt und einen kaputten Motor repariert. Dann kriegen wir eine Kanone und müssen mit unserem ersten Auftrag losziehen.

Im Prinzip sind die Aufträge alle gleich: Fahre zu jenem Ort und bringe diesen Typen um. Der Zielort ist immer, wirklich immer, am entgegengesetzten Ende der Karte, und auf dem Weg dorthin muß man etliche Kontrollposten passie­ren, die sämtlich von feindlichen Söldnern besetzt sind, die sofort das Feuer eröffnen. Und damit haben wir auch schon die meisten Kritikpunkte des Spie­les erwähnt – leider vermiesen sie einem den Spaß am Spiel. Denn es wäre ganz leicht gewesen, aus dem Setting und den Gegebenheiten was zu machen. Beispiel: Es gibt zwei Fraktionen, und unser Held kann bei beiden anheuern. Den Lohn in Form von Diamanten (später mehr dazu) gibt es immer im vor­aus. Also gut, wir ziehen los und dann geht es nach Schema F, wie beschrie­ben. Es wäre so leicht gewesen, die Kontrollpunkte ebenfalls nach Fraktionen aufzuteilen, so daß man beispielsweise den längeren, aber sicheren Weg über die Kontrollpunkte der Fraktion nimmt, bei der man gerade angeheuert hat, oder den kürzeren über feindliche Posten mit mehr Geballer. Das wäre einfach und wirkungsvoll gewesen. Stattdessen sind überall nur Feinde, und der Weg ist immer der längste denkbare. Zudem ist es so, daß ein Posten, den man ge­rade gesäubert hat, in kürzester Zeit wieder neu besetzt ist – natürlich wieder mit Feinden, die sofort das Feuer eröffnen. Na gut, man spielt ja einen Shoo­ter...

Es gibt Safehouses, in denen man speichern kann, aber die PC-Version bietet (im Gegensatz zur Konsolenversion) auch die Möglichkeit, per Knopfdruck frei zu speichern – sehr angenehm. Die Safehouses muß man sich auch samt und sonders freikämpfen, was aber nicht so anspruchsvoll ist. Die Kämpfe sind al­lerdings generell nicht alle einfach. Die KI ist nicht schlecht, sucht selbständig Deckung und trifft schon fast zu gut, vor allem mit Granatwerfern. Unser Held kann sich die Projektile mit einer Kombizange in geschmacklich zweifelhaften Animationen aus dem Gliedern herausoperieren; er kann sich Verbände anle­gen und Spritzen reinjagen. Das alles steigert die Gesundheit. Es gibt an vie­len Stellen Medikits und auch Munition zu finden; beides auch in den Waffen­läden. Es gibt sogar ein Buddy-System. In Mike's Bar (übrigens lernt man Mike niemals kennen) hängen immer ein paar Typen rum, die dasselbe tun wie man selbst, und bei denen kann man sich Nebenmissionen abholen. Dafür helfen einem die Leute dann, wenn man in Schwierigkeiten kommt – und man kann ihnen auch helfen, wenn sie in Schwierigkeiten kommen. Das ist gut ge­macht, wie ich finde.

Immerhin: Die Landschaften sind abwechslungsreich, der dynamische Tag- und Nacht-Wechsel sieht phantastisch aus und die Auswahl der Waffen ist um­fangreich. Als Spannungselement sind die Waffen auch unzuverlässig; gute Wummen gibt es in den Waffenläden nur gegen reichlich Diamanten, die über­all in der Gegend in Koffern versteckt sind. Jedes Fahrzeug und der Held selbst hat praktischerweise einen Diamantendetektor, der mit einem blinken­den Lämpchen anzeigt, daß man sich ganz in der Nähe eines Diamanten befin­den muß – den gilt es dann zu finden. Ein hübscher Einfall, aber auf Dauer ist die Diamantensucherei eher ermüdend. Ein weiteres Spielelement ist die Ma­laria, die man nur mit Tabletten bekämpfen kann, die man wiederum nur er­hält, wenn man für den Priester Botengänge übernimmt; man muß Pässe zu Flüchtlingen bringen, die einem dann als Gegenleistung die Pillen geben. Das ist übrigens die einzige Gelegenheit, Zivilisten zu sehen. In der Umgebung trifft man sonst nur auf Feinde. Die Malaria-Pillen muß man immer dann ein­werfen, wenn der Bildschirm sich gelb färbt und der Held schwächelt. Sind die Pillen aufgebraucht, sollte man sich schnell wieder zum Priester begeben, sonst stirbt unser Held gar qualvoll und man muß den letzten Speicherstand laden. Die Malaria nervt zwar, ist aber doch ein gut integriertes Spannungs­element. Leider gibt es nur sehr wenige Tiere. Manchmal sieht man ein paar Zebras, aber viel mehr ist da nicht. Was hätten ein paar Löwen hergemacht, die ja auch hätten angreifen können! Das wäre eine echte Bereicherung gewe­sen.

Nach viel Kritik muß ich auch lobend erwähnen, daß FC2 letzten Endes tat­sächlich eine Geschichte erzählt, denn wir müssen ja den Schakal zur Strecke bringen. Es gibt sogar zwei unterschiedliche Enden, die ich persönlich als ganz gelungen empfinde. Allerdings ist der Zynismus des Spieles wirklich enorm; Stichwort Freunde-System.

Noch ein Hinweis: Für mich war es nützlich, bei meinem Quad-Core zwei der vier physischen Rechenkerne im BIOS zu deaktivieren. Dann läuft FC2 wirklich absolut butterweich. Wenn alle vier Kerne aktiv sind, kämpft das Spiel immer wieder mit kleinen, aber nervtötenden Rucklern.

Mein persönliches Fazit: Far Cry 2 ist ein gar nicht mal so schlechter Shooter mit exzellenter Grafik, dessen Gameplay ohne viel Mühe deutlich zu verbes­sern gewesen wäre – die Spielidee jedenfalls ist einigermaßen originell, wobei man auch hier viele Möglichkeiten ignoriert hat, die für ein richtig gutes Spiel durchaus zur Verfügung standen.

Mm.

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Wertung
Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

genau richtig

Bugs:

Nein

Spielzeit:

Mehr als 40, weniger als 100 Stunden



Kommentare(11)

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