Gelungenes Reboot des Shooter-Klassikers

Eins vorweg: Alle bisher erschienenen Doom-Teile waren primär fantastische Singleplayer-Spiele. Ein Multiplayer war entweder sehr dürftig oder gar...

von BanditBloodwyn am: 02.06.2016

Eins vorweg: Alle bisher erschienenen Doom-Teile waren primär fantastische Singleplayer-Spiele. Ein Multiplayer war entweder sehr dürftig oder gar nicht vorhanden. Daher ist mir dieser im neuen Doom ziemlich egal. Ich habe ihn bisher nur in der Open-Beta gespielt. Und da ich begeisterter Unreal Tournament-Spieler bin, empfand ich den Multiplayer von Doom viel zu langsam, anspruchslos; einfach langweilig. Diese Review behandelt also ausschließlich die Singleplayer-Kampagne.

Story? Wofür denn?

Wenn man über die hier erzählte Geschichte sprechen will, ist man schnell fertig. Mal wieder ist ein Experiment, das die Höllenenergie für die Menschen nutzbar machen sollte, schief gegangen und Horden von Dämonen überrennen die Marsstation des UAC-Konzerns. Damit ist die Exposition komplett. Im Laufe der Story wird noch ein Tor zur Hölle selbst geöffnet, die man dann auch betritt. Mehr braucht man nicht zu vorzustellen. Auch die Charaktere, die man entweder persönlich, oder in Hologrammen trifft, sind blass und auf das nötigste beschränkt.

Viel mehr als diese kurzen Hologrammnachrichten bekommt man nicht geboten

Spieler, die eine eine Story brauchen, um motiviert zu sein eine Kampagne durchzuspielen, stehen also auf verlorenem Posten. Da haben sogar Call of Duty oder Battlefield besseres geboten.
Wer die alten Teile kennt und liebt wird damit aber kein Problem haben, da Doom noch nie eine tolle Geschichte erzählt hat. Es ging schon immer um das reine Gameplay. Und das war in den Originals grandios (Doom 3 mal ausgenommen). Doom 2016 schafft dieses Kunststück mit erstaunlicher Leichtigkeit.

Brutal und brachial. Herrlich!

Gleich zu Beginn wird man (nach einer kurzen Cutscene) ins Spiel geworfen. Sehr schnell trifft man auf die ersten, recht einfachen Gegner; sofort wird klar, worum es hier geht: laute, schnelle und kompromisslose Ballerei. Wie einleitend beschrieben wird sich auf das reine Gameplay konzentriert. Aufgrund der vernachlässigbaren Story wird man nur selten durch Zwischensequenzen aufgehalten; der Spielfluss wird immer aufrecht gehalten. Wenn einem das Spiel dann doch mal etwas zeigen will, ist es schnell damit fertig und man kann weiterspielen.

Wichtig für Spiele dieses Genres sind dessen Kerndisziplinen: Movement, Gunplay, Trefferfeedback, Abwechslung im Waffen- und Gegnerdesign und gutes Leveldesign. In allen diesen Disziplinen schafft es Doom, die meisten heutigen Genrevertreter hinter sich zu lassen. Im Vergleich ist das Waffenhandling sehr angenehm direkt von der Komplexität her angemessen komplex. Das heißt nicht unnötig überladen und dennoch abwechslungsreich genug, dass es nicht immer das selbe ist. Jede Waffe hat ihre Daseinsberechtigung und ist für die jeweiligen taktischen Situationen oder den Vorlieben des Spielers nützlich. Keine ist überflüssig. Mich persönlich hat der gelegentliche Monitionsmangel ein bisschen gestört. Ja, das sorgt für Anspruch, der heutzutage viel zu selten geworden ist, kommt aber dem Spielfluss etwas in die Quere. Doch wenn man taktisch klug vorgeht (also sich nicht unbedingt in die Massen stürzt und kleinere Gegner aus sicherer Entfernung ausschaltet), kann man diese Schwierigkeit in Grenzen halten.

Das Trefferfeedback könnte ein wenig besser sein (man schaue sich das ansonsten eher mäßige Rage an), ist aber wesentlich besser als in anderen Shootern und gibt dem Spieler immer genug Info darüber, wie stark die benutzte Waffe ist und wie viel sie am Gegner ausrichtet. Besonders schick ist die Tatsache, dass getroffene Feinde bei Beschuss immer blutiger und matschiger werden.

Los! Mach hinne!

Das Movement trägt ebenfalls zum Spielfluss bei. Es ist nicht so flott wie im Original, was ein bisschen schade ist, ist aber schnell genug. Gott sei Dank orientiert es sich nicht an dem Shooter-Einheitsbrei von heute, sondern geht mehr in die Richtung der Arena-Shooter. Spätestens dann, wenn man die Doppelsprung-Stiefel bekommt, ist man erstaunlich frei in seiner Bewegung und erreicht Orte, die man sonst niemals erreichen würde. Dass man sich nun auch an Kanten hochziehen kann, trägt ebenfalls dazu bei. Es baut sich gefühlt ein Bewegungsmomentum auf. Mit all dem kann man Gegner so ausmanövrieren, dass man ihren Angriffen gut ausweichen kann und ihnen teilweise in den Rücken fallen kann, was ein befriedigendes "damit hast du nicht gerechnet!"-Gefühl auslöst. Wenn man so seine Feinde auseinander nimmt ist das weitaus befriedigender, als ständig hinter Deckungen zu hocken, hin und wieder kurz darauf aufzutauchen und die immer gleichen Soldaten wegzuschießen.

Eine Sorge, die ich vor Release hatte war, dass die Kill-Moves (Glory-Kills) den Spielfluss zu sehr unterbrechen. Jetzt kann ich sagen: sie tun es nicht. Sie sind nicht zu lang und ausschweifend und sind tatsächlich nützlich. Ein normaler bringt ein wenig Gesundheit und manchmal etwas Monition, die Kills mit der Kettensäge bringt beides, besonders viel Monition.

Immer wieder neues

A propos "immer gleiche Soldaten": die gibt es in Doom nicht! Es gibt viele verschiedene Gegnertypen, die jeweils eine eigene Taktik zum töten erfordern. Wenn einem zum Beispiel Feinde begegnen, die sich nach vorne hin mit Energieschilden schützen, kommt das erwähnte Movement zum Einsatz. Anstatt unnötig viel Munition zu verschwenden um das Schild kaputt zuschießen, springt man am besten über sie hinweg und greift den ungeschützten Rücken an. Ähnlich anspruchsvolle Monster gibt es zuhauf (Tanks, teleportierende Dämonen, Beschwörer). Es gibt aber auch einfache, ungepanzerte Besessene, die recht wenig aushalten. Diese sind (wenn überhaupt) nur in Horden ein bisschen gefährlich. Sie sind genauso befriedigend und spaßig zu bekämpfen wie schwerere Gegner. Während bei diesen die Freude über den Sieg über den Schwierigkeitsgrad aufkommt, ist es unheimlich befriedigend, wie Butter durch die Besessenen zu pflügen. 

So wunderbar die Vielfalt der Monster ist, so weniger wird in der Gestaltung der Umgebung geboten. Es langweilt nicht wirklich, doch ein bisschen mehr wäre schön gewesen. Man läuft sehr oft durch Korridore oder über die Marsoberfläche. Durch die Hölle geht es zwar auch, aber leider die Farbgebung ist so ziemlich die selbe.

Allerdings ist dieses Problem nicht allzu gravierend. Die Level sind einfach so riesig und bieten so viele versteckte Winkel, dass es Doom-Fans wieder eine Freude ist, alles zu erkunden. Zwar ist man manchmal etwas erschlagen von der Größe und hat teilweise lange Laufwege (wenn man zum Beispiel ein Secret entdeckt, an dem man vorher vorbeigegangen ist), aber wirklich schlimm ist das nicht. 

Was diese Secrets betrifft: für mich ist es immer wieder eine helle Freude, wenn ich wieder eins gefunden habe. Manchmal ist das Finden dieser auch wichtig für das Aufrüsten des Charakters, meistens aber sind es einfach optionale Collectables, die verschiedene Skins freischalten. Es gibt auch versteckte Retro-Levels aus dem Original-Doom mit den alten Texturen, Pickup-Modellen und den Secrets von damals. Die Gegnermodelle und -Animationen werden leider durch die neuen ersetzt; naja gut. Es lohnt sich also immer nach den Verstecken zu suchen, zumal sie auch in die Wertung eingehen, die nach dem Abschließen jedes einzelnen Levels erfolgt.

Werde stark!

Zur Charakter-Entwicklung ist nicht viel zu sagen. Durch etwas versteckte Pickups und Kampfbewertungen bekommt man Waffen- und Rüstungspunkte, die man in die Verbesserung für seine Schießprügel und in unterschiedliche Buffs investieren kann.

Dazu gibt es hin und wieder Upgrades, die die Lebenspunkte, die Rüstung und den Munitionsvorrat erhöhen. Diese bekommt man aber nicht einfach so. Wer nicht danach sucht, wird keine bekommen.

Technik? Passt schon

Technisch ist Doom 2016 ein solides Spiel, dass gut aussieht und dazu noch flüssig und ohne Frame-Einbrüche läuft, was für ein solches Spiel natürlich besonders wichtig ist. 

Allerdings kommen bei mir gelegentlich CTDs vor, was vor allem immer dann sehr blöd ist, wenn der letzte Speicherpunkt schon eine Weile zurückliegt. Das macht die Tatsache, dass man nicht mehr frei speichern kann, noch ärgerlicher.

Ansonsten ist die technische Umsetzung wie gesagt ok, doch die CTDs wegzupatchen muss noch passieren!

Bitte mehr davon!

Abschließend kann ich sagen: Endlich gibt es wieder ein Spiel wie Doom, dass Shooter wieder zu dem macht, wie sie sein sollten. Ich spiele solche Spiele selten, aber so viel Spaß hatte ich in noch keinem davon! Ich kann es jedem sehr empfehlen, der Doom schon immer mochte und/oder die Shooter-Klassiker in modern und schön spielen will. Doom ist ein wahrer Shooter; dagegen sind CoD und der Battlefield-Singleplayer langweilige "Schießspiele".

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Wertung
Pro und Kontra
  • Forderndes, direktes Gameplay, dass dem Original-Doom gerecht wird
  • Movement im Vergleich zum Original positiv erweitert
  • Schwierigkeitsgrad im Vergleich zum Rest des Genres hoch, aber nie unfair
  • Komplexes Leveldesign
  • Tolle Grafik mit stabiler Framerate
  • Soundeffekte passend und druckvoll
  • Treibender und atmosphärischer Soundtrack
  • Viele und teilweise lustige Secrets und Sammlerstücke
  • Fanservice für Spieler des Originals
  • Umfangreiche Optionen zur Anpassung des Spiels auf die eigene Hardware
  • Sehr oft die selbe Farbgebung der Beleuchtung
  • Texturauflösung könnte höher sein
  • Dünne Story (was aber nicht stört)
  • Kill-Moves wiederholen sich
  • Gelegentlicher Monitionsmangel kann manchmal stören
  • Hauptmenü ziemlich unlogisch aufgebaut
  • Teilweise Crashs-to-Desktop

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

eher schwer

Bugs:

Nur sehr wenige

Spielzeit:

Mehr als 10, weniger als 20 Stunden



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