Große Multiplayer Überraschung mit Knall-Effekt

HINWEIS: Dieser Test wurde von mir 2010 für ingame.de verfasst und hier neu hochgeladen. Er bezieht sich auf die damalige Veröffentlichung und...

von AlexX2 am: 03.07.2013

HINWEIS: Dieser Test wurde von mir 2010 für ingame.de verfasst und hier neu hochgeladen. Er bezieht sich auf die damalige Veröffentlichung und berücksichtigt nicht die Battlefield- und CoD-Spiele, die seitdem erschienen sind. Die Wertung betrug urpsürnglich 85 und wurde aufgewertet auf 87, da mittlerweile die im Test erwähnten Probleme wie die Serverliste und Bugs behoben wurden.

 

Lange gehörte der Multiplayer-Olymp dem großen Battlefield 2, dicht gefolgt von Modern Warfare. Doch nach jahrelanger Monopol-Herrschaft übertrifft Dice sich selbst. Dass das neue Battlefield Bad Company 2 so ein Kracher werden würde (und das wortwörtlich), damit hat nun wirklich keiner gerechnet.

Den Vorgänger brachte Entwickler Dice nur für die Konsolen. Bad Company, welches 2008 erschien, überraschte die Fans durch einen erstmalig enthaltenen Solo-Modus, der auf einer Geschichte basiert. Der Multiplayer-Modus war eher Nebensache. Stattdessen schoss der Spieler sich durch alle möglichen Kriegsszenarien mit seinem chaotischen Trupp und durfte sich immer wieder über lustige Sprüche und schwarzen Humor freuen. Bad Company 2 gibt es nun auch erstmals für den PC und wieder hatDice eine nette Einzelspieler-Kampagne eingefügt. Eins sollte aber hier schon mal klar gestellt werden:  diese ist nur eine nette Vorspeise, die man schnell vergisst. Denn im Mehrspieler-Teil wurde diesmal ganze Arbeit geleistet. Bad Company 2 ist endlich mal wieder ein echtes Battlefield.

Chaoten gegen Terroristen

Doch erstmal ein paar Worte zur Solo-Kampagne. Schließlich waren wir voller Erwartungen, da der Vorgänger auf den Konsolen durch seinen Spielwitz richtig Laune machte. In Bad Company 2 spielen wir wieder den Helden Preston Marlowe, der mit seiner so genannten Bad Company (eine Spezialeinheit, in der die US Army ihre schlechtesten Männer beordert) mal wieder an die Arbeit muss. Das Team besteht neben Marlowe auch aus den drei weiteren, ziemlich sympathischen Figuren SeargeHaggard und Sweetwater.

Wir stoßen uns auf Arica Harbor zum nächsten Sprengsatz vor

Alle vier unterhalten den Spieler prächtig in den massig auftauchenden Zwischensequenzen (die hervorragend in Szene gesetzt sind) durch ihre Sprüche und ihren ganz eigenen Charakter. So muss der feige Sweetwater ständig nörgeln, während Searge versucht, den chaotsichen Haufen irgendwie zusammen zu halten. Tolle Figuren, tolle Zwischensequenzen. Heißt also: eine tolle Story? Gerade das kann man von Bad Company 2 nicht behaupten. So geht es im Spiel um einen russischen Fanatiker (echt?), der mit einer Superwaffe (Überraschung!) einen dritten Weltkrieg anzetteln will (ganz neu!). Und die Bad Company soll das verhindern. Auch wenn das Regal für den Story-Innovationspreis bei Dice wohl leer bleibt, wird immerhin sehr flotte Action geboten. So schießen wir uns mal ducrh Alaska, mal durch den Dschungel Südamerikas, oder räumen mit einem Buggy in der Wüste auf. Dazu wurden immer wieder nette Ideen eingebaut, wie zum Beispiel in einem Schnee-Level, wo wir uns an Feuern wärmen müssen, um nicht zu erfrieren. Ansonsten gibt es nur Shooter-Standardkost. Wir rennen von A nach B und schießen auf alles, was sich bewegt. Das ist oft deshalb so fad, weil die eher zweckmäßige KI kaum fordert. Zudem sind die eigenen Kollegen nicht wirklich eine Bereicherung. Anders als in Modern Warfare 2 stehen die hinter uns selbst nämlich nur rum und rücken erst vor, wenn wir das auch tun. Richtig ärgerlich aber ist der oft frustrierende Schwierigkeitsgrad. Die generell viel zu anspruchslosen Ballereien werden oft mit unfairen Passagen versehen. So tauchen Gegner manchmal viel zu plözlich auf und wenn dann auch noch ein Hubschrauber kommt und man einfach keinen Raketenwerfer findet, möchte man gerne mal laut losschreien. Das wäre alles nur halb so schlimm, wenn die Speicherpunkte einfach etwas logischer und fairer verteilt wären. Nach nicht einmal sieben Stunden ist es dann aber auch schon wieder vorbei. So ist der Einzelspieler-Part zwar recht kurzweilig aber letztendlich doch ein bisschen enttäuschend.

Battlefield ist zurück

Doch auf der Packung steht ja Battlefield. Und was wäre ein Battlefield ohne einen Multiplayer-Modus? Der ist bei Bad Company 2 das wahre Herzstück. Denn Dice hat hier alles mit reingesteckt, was Battlefield auszeichnet, wenn auch etwas rund erneuert.  So ist Bad Company 2 kompakter als Battlefield 2. Die Karten sind kleiner, es gibt weniger Taktik-Gefummel (der Commander-Modus wurde gestrichen) und Jets gibt es auch nicht mehr. Hört sich nach einem echten Rückschritt an, stellt sich in der Praxis aber als pure Bereicherung herraus. So müssen nicht gleich immer 60 Spieler auf dem Server sein, damit überhaupt etwas los ist. Das ist sowieso nicht mehr möglich. Die maximale Spielerzahl ist auf 32 begrenzt. Das Ergebnis der Diät: flottere und dynamischere Schlachten auf engerem Raum. So sind weniger Rumlaufen und mehr Action angesagt. Leider bezieht sich das Abspeckprogramm auch auf den Umfang des Spiels: Es gibt nur vier Spiel-Modi und auch nicht allzu viele Karten.

Die Umgebung ist in Bad Company 2 komplett zerstörbar

Was Bad Company 2 so auszeichnet, ist sein Spielprinzip. Erfolg ist nur mit Teamplay möglich. Reines Durchrennen und „Alles abschießen“ ist hier absolut zum Scheitern verurteilt. Die Spieler werden alle in Squads eingeteilt. Das sind kleine Vierer-Gruppen, die mit- und untereinander agieren müssen, um den Sieg zu erringen. Im Modus Squad Deathmatch allerdings treten alle Squads gegeneinander an. Schon bei dem Zusammenstellen der Squads entfaltet Bad Company 2 seinen „Team-Reiz“. Eine reine Sniper-Squad oder lieber eine mischen mit allen drum und dran? Denn jeder Spieler hat wie schon in Battlefield 2 auch die Wahl auf vier verschiedene Klassen. Diese unterscheiden sich in Sturmsoldat (klassischer Stürmer, der zudem Munitionskisten verteilt), Pionier (repariert Fahrzeuge und kann Panzer zerstören), Medic (heilt und wiederbelebt Team-Mitglieder) und Aufklärer (klassischer Sniper, der Mörseranschläge anordnen kann).

 

Ein anderer Spieler fährt, wir schießen - das bekannte Battlefield-PrinzipKeine Klasse wirkt dabei depalziert oder gar nutzlos. Im Gegenteil. Sie sind alle im Team nötig. Denn ohne eine gute Zusammenstellung hat man keinen Erfolg. Ein perfektes Beispiel: Im Eroberungs-Modus (klassisches Flaggen einnehmen wie in Battlefield 2) wollen wir eine Flagge einnehmen. Die wird aber zahlreich bewacht. Also fahren wir mit einem Panzer hin, flankiert von zwei Sturmsoldaten. Hinter uns läuft ein Pionier, der das Gefährt permanent repariert. Die zwei Sturmsoldaten werden bei Bedarf vom Medic wiederbelebt und verteilen untereinander Munitionskisten. Mit dem Panzer äschern wir die Gegner ordentlich ein. Der Sniper schaltet von seiner sicheren Deckung lästige gegnerische Pioniere aus. So sollte jeder Angriffszug ungefähr ablaufen. Denn Kooperation ist das A und O im Spiel.

Damit sich auch jeder so schön uneigennützig verhält, hat Dice ein geniales Belohnungssystem eingeführt. Ähnlich wie inModern Warfare erhalten wir für Abschüsse Erfahrungspunkte, die uns im Rang aufsteigen lassen und neue Waffen und Upgrades bringen. Aber nicht nur für Abschüsse werden wir belohnt. Bad Company 2 weiß fast jede Aktion zu schätzen. Egal ob, Munitionskisten verteilen, Wiederbeleben, Abschüsse vorbereiten, Kameraden retten, Flaggen einnehmen oder Fahrzeuge reparieren – für alles hagelt es Punkte. Nur zu Beginn dauert es ein wenig, bis man Erfolge feiert, da man anfangs sehr oft den Bildschirmtod erlebt. Nach ein paar Stunden aber packt uns die Motivation.

Rush Hour

Die größte taktische Komponente bei Bad Company 2 ist ein absolutes Novum im Multiplayer-Genre: Fast alles ist zerstörbar. Jedes Haus und jede Mauer lässt sich mit einem Granatwerfer oder einem Panzer in Schutt und Asche verwandeln. Das sieht nicht nur super aus, sondern hat spielerisch große Auswirkungen. Wo gerade ein Sniper noch sicher in seiner Deckung verschanzt war, ist im nächsten Moment ein großes Loch. Wir können uns jederzeit auch eigene Schießscharten frei machen oder auf der Karte White Pass den ganzen Wald mit dem Panzer roden und damit den Snipern ihre Tarnung nehmen. Bereits im Einzelspieler-Modus macht die Zerstörung einen Heidenspaß. Im Multiplayer-Part ist sie eine ganz neue Bereicherung für das Genre und wurde in Bad Company 2 einfach großartig umgesetzt.

Zu Beginn der Solo-Kampagne kämpfen wir noch im 2. Weltkrieg

Neben Eroberung und dem Squad-Deathmatch für zwischendurch (welches etwas zu schnell entschieden ist) gibt es noch den Rush-Modus. Dieser ist das Herzstück des Spiels, da er der Modus mit dem größtem Teamplay, dem höchsten taktischen Anspruch und den dynamischsten Gefechten ist. Im Prinzip funktioniert er wie eine Mischung aus dem Bombenspiel aus Counterstrike und dem Capture the Flag aus Far Cry. Zwei Teams kämpfen um zwei Funkstationen. Ein Team verteidigt diese, das andere greift an. Sind beide zerstört, wird die Karte größer und zwei weitere Funkstationen kommen hinzu. Das wiederholt sich ein paar Mal. Das angreifende Team hat verloren, wenn deren Tickets aufgebraucht sind. Das ist eine Anzahl von Punkten, die mit jedem gegnerischen Abschuss sinkt. Die anderen Modi verblassen etwas gegenüber dem Rush und werden seltener gespielt, da der Rush-Modus einfach das ganze Potenzial von Bad Company 2 ausschöpft. Unter ständiger Belagerung die letzte Funkstation zu verteidigen, während der Gegner nur noch 10 Tickets hat: Das ist Spannung pur und stellt jede Battlefield 2 und Modern Warfare-Partie in den Schatten. In Sachen Langzeitmotivation ist Bad Company 2also tadellos. Auch nach vielen Stunden verliert man die Lust nicht, auch da das Belohnungssystem immer neue Motivation bringt.

Die dünne Story wird in toll inszenierten Zwischensequenzen erzählt

Neben der spielerischen Seite kann auch die technische sehr überzeugen. Die Grafik ist sehr zeitgemäß und schick, wenn auch nicht so umhauend und vorallem nicht auf Crysis-Niveau. Dazu sind die Texturen etwas zu matschig und so manche Objekte zu klobig. Dafür hat das Spiel sehr hohe Hardware Anforderungen. Vor allem im Multiplayer sollte man einen kräftigen Rechner haben. Ansonsten ist das Spiel erfreulich ruckel- und vor allem lagfrei. Die Pings sind so gut wie immer schön niedrig und es gibt immer einen freien Server. Zudem kann man Freundeslisten erstellen und so mit seinen Freunden zusammen spielen. Leider gibt es aber auch ein paar kleine, aber sehr nervige technsiche Mängel. Wir vermissen eine Chat-Funktion bei der Freundesliste (generell ist Chat im Spiel ohne Teamspeak sehr umständlich). Außerdem gibt es immer wieder plötzliche Abstürze. Was absolut gar nicht geht, sind die extrem langen Wartezeiten beim Laden einer Serverliste. Das hat teilweise bis zu über fünf Minuten gedauert. Meckern kann man dagegen überhaupt nicht beim Sound. Dice hat hier die Perfektion erreicht. Bad Company 2 hat einen noch wuchtigeren und klangvolleren Sound als Modern Warfare 2. Ständig kracht es, die Bässe wummern und die Waffensounds sind voll authentisch. Bad Company 2 ist also ein hervorragendes Multiplayer Spiel geworden und wird uns noch weitere Nächte beschäftigen.

 

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Wertung
Pro und Kontra
  • Umgebung zerstörbar
  • Toller Rush Modus
  • Teamwork is nötig zum Sieg
  • Vier super ausbalancierte Klassen
  • Ständige Motivation durch Belohnungssystem
  • Großartiger Sound
  • Sehr gute Zwischensequenzen im Singleplayer
  • etwas müder Singleplayer mit dünner Story
  • KI im Singleplayer eher zweckmäßig
  • Squad Deathmatch-Partie zu schnell vorbei
  • Zu Beginn zu wenige Erfolge im Multiplayer
  • Bedienungsmacken (fehlende Chatfunktion in der Freundesliste; Rest wie Serverliste etc per Patch behoben)
  • Einige Upgrades überflüssig

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

eher schwer

Bugs:

Häufiger, unregelmäßig

Spielzeit:

Mehr als 20, weniger als 40 Stunden



Kommentare(1)

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