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Mit Battle Realms wagte sich Liquid Entertainement nicht nur an das für Strategiespiele unpopuläre asiatische Samurai-Szenario heran, sondern führte auch einige...

von - Gast - am: 31.01.2009

Mit Battle Realms wagte sich Liquid Entertainement nicht nur an das für Strategiespiele unpopuläre asiatische Samurai-Szenario heran, sondern führte auch einige Neuerungen in das Genre ein. Wie gut diese waren erfahren, sie im folgenden Test.

Die Qual der Wahl
Intel oder AMD? Ying oder Yang? Manchmal muss man nun mal eine Wahl treffen. Der junge Kenji, der aus seinem Clan verstoßen wurde, steht ebenfalls vor einer Entscheidung: Soll er mit den Banditen gemeinsame Sache machen, oder den armen Bauern zur Hilfe eilen. Er entscheidet sich in diesem Falle für Letzteres, mit vereinten Kräften werden die Räuber zurückgeschlagen und eine Zwischensequenz leitet in die Handlung ein. Das ist der Beginn des Japano-Strategiespiels Battle Realms.

Von Clans und Intrigen
In der Welt von BR gibt es vier mächtige Clans: Den listigen Schlangenclan, den Drachenclan, aus dem Kenji verstoßen wurde, den Wolfsclan und den Lotusclan. Die vier verscheidenen Völker unterscheiden sich fast so sehr wie die aus WarCraft III und bürgen verschieden Vor- und Nachteile. Um nicht zu viel von der Geschichte zu verraten: Es geht um ein mächtiges Artefakt, das der Lotusclan in seine Macht bringen will. So weit, so gewöhnlich. Doch die Handlung überrascht mit vielen Wendungen, Verrat und Intrigen.

Über die Hintertür
Die Story von Battle Realms lässt einem sehr viel Handlungsfreiheit, angefangen mit der Wahl zwischen 'Gut' und 'Böse'. Zumal man vor einigen Missionen auf der Landkarte über die Vorgehensweise entscheiden kann. Lieber den längeren, aber ungefährlicheren Weg, um die Gegner zu umgehen, oder den Frontalangriff wagen? Die Kampagne ist sehr umfangreich, dazu kommt noch der Gefechtsmodus (Zufallskarte). Die künstliche Intelligenz hält gut mit: Sie rückt agressiv vor und leistet sich kaum Patzer. Manchmal haben die Entwickler es aber übertrieben mit der Agressivität; schon zu Beginn mancher Missionen setzt sie den Spieler extrem unter Druck und sind dazu noch deutlich in der Überzahl. Insgesamt steigt die Lernkurve in einem recht guten Verhältnis an, dieses Bild wird aber durch die obengenannten Negativausreißer getrübt.

Bauer oder Kämpfer?
Welches Baumaterial braucht man, um ein Haus zu bauen? Natürlich, Reis und Wasser! Ach so, nicht Reis und Wasser? Doch, in BR schon. Das ist zwar unlogisch, aber es ist auch nicht logischer, Soldaten wie beispielsweise in AoE durch Gold zu erschaffen. Battle Realms geht in Sachen Einheiten ein Wagnis ein - und das gelingt.

Anders als in den meisten Echtzeitstrategiespielen werden die Streitkräfte nicht gebaut, sondern durch den Bau von Bauernhöfen erschaffen. Dann ist zu entscheiden, ob man sie lieber als Arbeiter oder als Streitkraft verwenden will. Um sie zu rekrutieren, muss man die Bauern in eines der vier Kriegsgebäude schicken und nach einer gewissen Zeit sind sie ausgebildet. Die Rekruten können aber noch in zwei andere Gebäude geschickt werden, um stärker zu werden. So entsteht durch eine Kombination von Chemiker und Bogenschütze ein Sprengstoffexperte, der sehr nützlich für Belagerungen ist.

Es bringt allerdings nicht, alle Einheiten auf Teufel-komm-raus auf die höchste Stufe auszuwerten, das alle gewissen Vorteile besitzen. Um die Kämpfer noch weiter zu verbessern, ist man gezwungen, in Schlachten Ying- bzw. Yang-Punkte zu sammeln. Dieser Kniff bewirkt, dass die Scharmützel sehr rasant hin- und herwogen und der Spieler sich nicht zu sehr auf Verteidigung verlegen kann.

In den entsprechenden Gebäuden können die Rekruten dann in Sondertechniken geschult werden (z.B. Spezialangriffe wie 'Flammenschwert', 'Schrapnellfass' und 'Betäubungsangriff'). Beim Kampf ist die Ausführung der Attacken etwas hektisch ausgefallen, ein Pausemodus würde Wunder bewirken. Die restliche Bedienung versteht sich aber von selbst und geht gut von der Hand.

Eine weitere Neuerung ist das Terrain, das sich spielerisch auswirkt, beispielsweise flattern von Einheiten aufgescheuchte Vögel lautstark davon. So kann der Gegner diese besser in den (begehbaren) Wäldern orten. Auch Höhenunterschiede wirken sich auf Schaden und Reichweite aus und Türme können mit Einheiten bemannt werden, die dann auch Boni bekommen. Pferdi können bestiegen werden und Feuer breitet sich mit dem Wind aus, was für eine Siedlung verheerende Folgen haben kann. Erst zufällige Regenschauer können das Feuer löschen und sogar das Reiswachstum fördern. Die Physik-Engine sorgt dafür, dass Gegenstände wie Felsbrocken ins rollen kommen können und somit Einheiten verletzen.
Durch schnelles Rennen könne die Krieger solcherlei Geschossen (sorgar Pfeilen) entgehen, allerdings erschöpft sich ihr Energievorrat, den sie fürs Sprinten benötigen, irgendwann.

Die äußeren Werte
Gemessen an dem heutigen optischen Ansprüchen an ein Spiel ist die Grafik natürlich nicht mehr auf der Höhe der Zeit, aber ansehen kann man sich die farbenfrohen Gefechte immer noch. Obwohl das Spiel schon einige Jahre auf dem Buckel hat, kommt das japanische Flair gut rüber, was auch an der dezent untermalenden und japanisch anmutenden Musik liegt. Auch die Sprecher verrichten ihre Arbeit sehr gewissenhaft – das trägt einen wesentlichen Teil zur guten Atmo bei. Und wenn es dann während der Mission beginnt zu gewittern und Blitze sich in die Erde bohren, dann bereut man sich nicht, dass man die Entscheidung gefällt hat, Battle Realms zu kaufen. Zumal dem Spiel hierzulande der komerzielle Erfolg verwehrt blieb, was auf das ausgefallene Szenario oder die zeitgleiche Erscheinung von Empire Earth zurückgeführt werden kann.

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Wertung
Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

eher schwer

Bugs:

Nein

Spielzeit:

Mehr als 20, weniger als 40 Stunden



Kommentare(5)

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