Ist Afrika so leer?

Far Cry 2 habe ich vor dem ersten Teil gespielt und war daher umso überraschter, dass es an sich nichts mit seinem Vorgänger zu tun hat. Die...

von Bakefish am: 28.10.2013

Far Cry 2 habe ich vor dem ersten Teil gespielt und war daher umso überraschter, dass es an sich nichts mit seinem Vorgänger zu tun hat. Die Tropenparadiese des ersten Teils wurden nun durch die Steppen und Dschungel Ostafrikas eingetauscht, und statt Mutanten ballern wir jetzt auf Mitglieder zweier Parteien, welche sich im Bürgerkrieg befinden. Etwas auf dem Spielemarkt recht Neues, doch krankt es an der Umsetzung. Warum, erkläre ich jetzt.

Politiker im Nacken

Wie bereits oben erwähnt, leidet ein (nicht genau genannter) Staat Ostafrikas unter einem Bürgerkrieg, und wie man das halt aus Filmen und leider auch der Realität kennt, gibt es da mal wieder einen Bösewicht, der beide Seiten mit Waffen versorgt hat. Also gehen wir- von Beruf her Kopfgeldjäger, anfangs dürfen wir unseren Charakter auswählen, was auf das Spiel jedoch so gut wie keine Veränderung bewirkt- in die Tiefen Afrikas hinein. Und erleiden fünf Minuten nach Spielbeginn einen Übelkeitsanfall. Super, wir haben Malaria. Und jener Waffenhändler- Schakal genannt- sitzt mit uns in der Bude und schwingt ein paar poetische Sprüche. Und dann ist er wieder weg, wir müssen uns selbst erst mal zusammenflicken. Und so geraten wir selbst in die Wirren des Bürgerkriegs.

Klingt ganz gut, doch ist das Problem, dass die Story schon bald viel zu sehr im Hintergrund verschwimmt. Wir lernen Politiker der APR und UFLL (so heißen die beiden Parteien) kennen, sie reden mit uns, wir aber nicht mit ihnen, wir kriegen den Job (meistens irgendetwas zu zerstören oder jemanden zu töten), erledigen ihn, kriegen den neuen und immer so weiter. Handlungsmäßige Tiefe ist dabei etwas, was dem Spiel fremd bleibt- die Namen der Politiker entschwinden uns bald, das eigentliche Ziel- den Schakal zu töten- ebenfalls. Bis auf einige kleinere Wendungen im Spiel bleibt das auch so.

Was mir jedoch gut gefallen hat, ist die Gestaltung des Schakals. Auch wenn wir uns nicht oft mit ihm unterhalten, bekommen wir über eingesammelte Tonbänder etwas über sein Leben, sein Denken und Handeln mit. Auch, wenn das nur einen kleinen Teil der Geschichte ausmacht, vergebe ich daraufhin wenigstens einen kleinen Pluspunkt.

Kaputt.

Far Cry 2 hat im Gameplay einige Besonderheiten, die dem Spiel eine ordentliche Portion Realismus spendieren.

Im Spiel bezahlt man nicht mit Geld, sondern mit Diamanten, welche wir vor Missionen erhalten bzw. in überall in der Spielwelt verteilten Koffern finden. Diese Koffer finden wir durch eine Art GPS-System, welches blinkt, wenn wir in die Nähe des Koffers geraten. Bei Waffenhändlern können wir diese Diamanten gegen brandneue Waffen eintauschen sowie Verbesserungen an diesen und Fahrzeugen.

Und damit zum nächsten Punkt- Waffen verschleißen mit fortwährender Benutzung, was sich an Ladehemmungen und schlechtem Aussehen bemerkbar macht. Haben wir beim Waffenhändler eine neue Waffe erworben, können wir ein noch völlig unversehrtes Exemplar im Haus nebenan abholen- so oft wir wollen. Ein gutes System, auch wenn die Waffen teils viel zu schnell kaputt gehen.

Allgemein gibt es im Spiel eine ziemlich große Anzahl an Waffen. Wir dürfen immer eine Primär- (meistens ein Sturmgewehr oder eine Schrotflinte, für Scharfschützen auch das entsprechende Gewehr), eine Sekundär- (verschiedene Pistolen) und eine Spezialwaffe (meistens Explosivwaffen) mit uns tragen. Da sich die Waffen auch recht stark voneinander unterscheiden, kann man so das Equipment auf vielerlei Arten kombinieren. Unterstützt durch satte Explosionen, gute Sounds und vor allem dem sich sehr realistisch ausbreitenden Feuer (was öfters mal den Pyromanen in uns hervorruft) machen die Gefechte sehr viel Spaß. Vorher können wir unseren Angriff auch mithilfe eines Fernrohrs uns guter Beobachtung schon mal vorausplanen, da es auch in den Lagern auch mal etwas explosivere oder besser entflammbarere Gegenstände gibt…

Doof ist allerdings, dass es so gut wie keine Schleichwaffen gibt- auch damit zusammenhängend, dass die nicht blöde KI teils viel zu wachsam ist, verkümmert der Schleichfaktor in diesem Spiel. Meistens muss man warten, bis es nachts ist.

Im Spiel heilen wir uns mit Spritzen, da sich unsere Gesundheit immer nur zu einem gewissen Teil wiederauflädt. Fällt sie unter ein kritisches Maß, vollführt unser Charakter eine sehr schöne Animation, bei welcher er sich Kugeln und Splitter eigenhändig aus beliebigen Körperstellen herauszieht oder ausgekugelte Gelenke wieder einrenkt. Zur Not haben wir immer noch einen Kumpel, welcher uns- im Falle zu vieler Kugeln- in Sicherheit bringt und so noch einmal eine zweite Chance gibt. Ein recht witziges System.

Auch Fahrzeuge stehen uns zur Verfügung. Autos, Jeeps, Boote und sogar Paraglider stehen zur Verfügung. Diese hängen jedoch mit einer der größten Schwächen des Spiels zusammen- dem Missionsdesign. An sich gibt es vier Missionstypen- entweder die Hauptmissionen, Missionen, in welchen wir Medizin gegen unsere Malaria besorgen müssen, eine bestimmte Person töten oder eine Waffenlieferung im Auftrage des Händlers zerstören müssen. Letztendlich läuft das bei jeder Mission auf dieselbe Struktur aus- fahre mit dem Auto von Ort A nach B, töte Person C und fahre wieder zurück. Und da auf so gut wie jedem Weg irgendwann ein Lager voller böser Männer kommt, die dich alle als Feind sehen, musst du ergo auch noch Person D, E und F gleich mit in die virtuelle Hölle schicken. Anfangs mag das auch wegen der coolen Kämpfe Spaß machen, doch da die Gegner irgendwann alle nachspawnen, nervt das auf die Dauer ziemlich und zieht das Spiel unnötig in die Länge. Die einzige Alternative dazu ist, zu Fuß diese Lager zu umgehen. Was lange dauert. Dafür wird dann gerne mal dem Entdeckertrieb freien Lauf gelassen, was auch durch die immer wechselnde Spielwelt einigermaßen Spaß macht. Für die, die Zeit haben.

Willkommen im ärmsten aller Kontinente

Auch hier verbinde ich Grafik und Atmosphäre miteinander. Das Spiel wirkt sehr realistisch, was Physik, Pflanzen und vor allem Feuer betrifft. Auch die schöne Weitsicht bzw. die immer wieder wechselnden Areale- mal Wüste, mal Savanne, mal Regenwald oder See machen das Spiel zum optischen Genuss und lassen Afrika aufleben. Leider gibt es im Spiel viel zu wenige Tiere, die die Welt auch wirklich füllen, denn abseits der kleinen Dörfer oder Fabriken sind wir (ausgenommen von Banditen) alleine. Auch wird das Elend, wie es in Afrika in sehr starker Form vorkommt, kaum wirklich gezeigt. Der Bürgerkrieg? Wo ist Bürgerkrieg, wenn niemand da ist, der sich groß bekriegen könnte? Zwar wird im Spiel immer wieder gesagt, dass ein riesiger Haufen an Menschen ausgewandert ist, doch die Leere, die im Spiel vorliegt, ist einfach nicht normal. Schade!

Fazit

Ich will nicht sagen, dass Far Cry 2 ein schlechtes Spiel ist. Doch es macht auch nichts richtig gut- am besten sieht man dies an der Story. Auf der einen Seite locken die gute KI und satte Action sowie gute Physik in den Kämpfen, doch auf der anderen Seite vergrämt die sehr seichte Story und oberflächlich-leere Atmosphäre. Wer will, kann zumindest einen Blick in das Spiel werfen, doch einmal durchgespielt, legt man es dann meistens auch wieder etwas tiefer in das Regal zurück. Das hätte auch besser gehen könne, Ubisoft!

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Wertung
Pro und Kontra
  • satte Action
  • recht realistisch (beispielsweise Waffenverschleiß)
  • gute KI
  • witziges Heilungssystem
  • große Spielwelt
  • schicke Grafik
  • ...allerdings sehr detailarm
  • seichte Story
  • afrikanische Atmosphäre kommt nicht richtig durch

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

genau richtig

Bugs:

Nur sehr wenige

Spielzeit:

Mehr als 20, weniger als 40 Stunden



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