Ist es noch ein Final Fantasy?

Final Fantasy war für mich immer ein Garant für große Rollenspiele. Teil 12 hat das geändert, auch wenn ich es im Nachhinein nicht mehr so schlecht finde, wie...

von BSchäfer am: 12.08.2019

Es war mal wieder soweit. Ich habe mir ein Spiel vorgenommen, das ich schon vor etlichen Jahren an- aber nie zu Ende gespielt habe. Ich rede von Final Fantasy XII, das seitdem in meiner Favoritenliste eher schlecht wegkommt. Ich hatte mir damals, als die PS2 in ihren letzten Zügen lag, eine Slim-Variante davon für kleines Geld geholt und dazu die etwa 6-8 Titel, die auf der Konsole für mich spannend waren. Dabei, frisch erschienen, besagtes FFXII. Nachdem ich seit Teil 4 ein absoluter Fan der Reihe bin, Teil 6 als gottgleich verehre und auch Teil 7 und 8 ihren Platz in meinem Herzen gefunden hatten... Teil 9 aber aussetzen musste, mangels PS1, dafür aber eine geliehene PS2 mit FFX auch dieses zu mir kam... war ich sehr neugierig auf den neuen Teil der Superserie Final Fantasy. Lange Rede, ich habe es etwa 15-20 Stunden gespielt, bis nach Archadis und dann erst mal beiseite gelegt. Ich wurde nicht warm mit den Charakteren, die Story war mir zu beliebig und na ja, es hat mich einfach nicht mitgenommen.

Mit Zodiac Age kam dann eine überarbeitete Fassung raus, auch auf dem PC, der PS4 und der Switch. Die Gelegenheit, dem Spiel eine zweite Chance zu geben, zumal angeblich ja einiges überarbeitet wurde in Zodiac Age. Nun habe ich es heute beendet und als kleines vorab-Fazit: Es ist nicht das schlechteste Final Fantasy, aber auch weit weg vom besten.

Ganz grob geht es um Krieg, wer hätte das gedacht? Dieser "tobt" zwischen dem Imperium und fast allen anderen Ländern in Ivalice. Der Dieb Vaan gerät dabei unfreiwillig zwischen die Fronten, ebenso seine Freundin Penelo und der heimliche Hauptcharakter des Spiels, der Luftpirat Balthier. Zusammen mit der Prinzessin Ashe, dem mutmaßlichen Königsmörder Basch und Balthiers Partnerin Fran, versuchen sie, den Vernichtungsfeldzug des Imperators zu verhindern.

Ivalice ist groß gehalten. Wie schon im Vorgänger FFX (den Online-Teil klammere ich mal an der Stelle aus) gibt es allerdings keine Oberwelt, sondern eine zusammenhängende Welt aus mehreren Handlungsorten. Es gibt also keinen Wechsel mehr von Oberwelt zu Ort, sondern alles ist dasselbe. Das ist sehr gut gelöst und man kann sich - nachdem man einen Teleport-Kristall in der jeweiligen Gegend entdeckt hat - schnell hin und her teleportieren. Alternativ kann man auch per Luftschiff reisen, von Terminal zu Terminal, was letztlich auf dasselbe rausläuft. An diversen Orten in dieser zusammenhängenden Welt gibt es Höhlen und Tempel zu entdecken, die sich daraufhin erforschen lassen. Sehr schön finde ich hier den Gothic-Effekt, ich nenne ihn einfach mal so. Man kann relativ früh im Spiel zu bockschweren Gegnern und Bossen kommen und sich an diesen die Zähne ausbeißen. Und das tut man auch regelmäßig. Man betritt eine Höhle und die dortigen Mobs wischen erst mal den Boden mit einem auf. Man kehrt später zurück und versucht es wieder, bekommt aber wieder eine Packung. Irgendwann klappt es dann aber doch... süße Siege, wenn sie denn gelingen. Der negative Part dazu ist die starke Randomisierung, die gerade solche Tempel und Höhlen betrifft. Randomisierung heißt hier: Sehr viele Schätze, die sich entdecken lassen, haben nur eine prozentuale Chance, auch tatsächlich in den Kisten zu sein. Das ist manchmal unglaublich frustrierend, wenn man sich beispielsweise durch die Totenstadt gekämpft hat, auf dem Zahnfleisch in den letzten Winkel kriecht und dann eine geheimnisvolle Kiste öffnet und es begrüßt einen "50 Gil erhalten" oder "Einen Rostklumpen erhalten". Bissstellen in Controller und Fingern sind die Folge. Natürlich sind die Schätze, so sie denn enthalten sind, dann gleich viel wertvoller, aber dass man gefühlt zu 80% wirklichen Mist bekommt, stört wahnsinnig. Man hat nicht die Lust, einen Ort x-mal zu durchschreiten, um eine prozentuale Chance zu haben, dass zum einen eine Kiste überhaupt erst erscheint und dann nochmal eine Chance auszuwürfeln, dass darin auch das gewünschte Item ist.

In den 55 Stunden Spielzeit habe ich exakt eine einzige der besonderen Waffen entdeckt, und vermutlich auch nur, weil sie eine hohe Chance auf Vorhandensein hat (Masamune). Das nimmt einem immer wieder massiv die Lust, die Pfade abseits der Hauptstory auszutreten. Überhaupt Belohnungen...

Es gibt schön viele Nebenaufgaben. Ein großer Part davon ist die sogenannte Mobjagd. Dabei werden besonders starke Kreaturen zur Fahndung ausgeschrieben. Man wird zeitnah vom Centurio-Clan angeworben, diese Kreaturen zu terminieren. Werden diese besiegt, steigt man beim Clan im Rang auf und kann am Clanstand neue Dinge kaufen, außerdem winken für jeden erlegten Mob Belohnungen. Das Problem sind eben die Belohnungen. So mancher Mob ist genau so freundlich, wie es eine Kernschmelze nicht ist. Gerade die höheren Ränge ab V sind teilweise richtig übel, wenn man nicht zuvor mit enormem Grind schaut, dass man einige Stufen aufsteigt. Hat man dann nach einigen Versuchen doch mal den Mob besiegt - z.B. Gilgamesch - dann begibt man sich voller Vorfreude zum Auftraggeber, weil man eine entsprechend fette Belohnung erwartet. Viel Geld (wobei das im letzten Spieldrittel eh witzlos ist) oder eine besonders tolle Waffe. Aber, um das mal in Relation zu setzen: Eine der stärkeren kaufbaren Waffen zum Ende des Spiels ist eine Axt in Balfonheim. Die kostet ~12.000 Gil, wenn ich das noch recht weiß. Als Belohnung für den Mob Gilgamesch habe ich sage und schreibe 10.000 Gil bekommen und dazu das Schwert Exkalibert, was im Prinzip nur ein Spaß-Item mit Angriffswert 1 ist. Man fragt sich hier immer wieder, warum man das eigentlich gerade macht. "Um den Rang zu steigern, schließlich bietet dann der Clanstand neue Sachen an!", denkt man. Aber auch das Angebot des Clanstands ist ein Witz. Diverse Grünmagie-Zauber, die zwar nett sind, aber keinesfalls kriegsentscheidend. Dazu eine Handvoll Schmuckstücke, die ebenfalls bestenfalls durchschnittlich sind. Motivation für diese Tätigkeit ist irgendwann nicht mehr vorhanden. Auch hier sind Zahnabdrücke in Körperteilen und Gegenständen die unmittelbare Folge.

Von den meisten Gegnern erhält man eher nicht direkt Geld, dafür aber allerlei Hinterlassenschaften. Felle, Zähne, Steine, bunte Gummikotze, es ist alles dabei. Diese Dinge trägt man zum Händler seines Vertrauens und verkauft sie ihm. So bekommt man sein Geld für Einkäufe zusammen - es fühlt sich aber meist eher wie Pfandflaschen sammeln an. Ein bisschen was schlummert noch in Kisten und später gibt es Items, die direktes Geldverdienen durch Gegner umnieten ermöglichen. Aber dieser Verkaufskram hat noch eine weitere Spielmechanik an Bord: Die Handelswaren. Verkauft man eine bestimmte Menge von ganz bestimmten Gegenständen, werden Handelswaren freigeschaltet, die man einmalig kaufen kann. Hier können gute Waffen, Rüstungen oder andere Gegenstände enthalten sein. Die erste Spielhälfte ist hier eine hohe Motivation enthalten, bekommt man doch manchmal eine wirklich starke Waffe in die Hand oder auch mal ein richtig gutes Schmuckstück. Leider sind die wirklich guten Sachen hinter enorm komplizierten Verkaufsrezepten verborgen. Ohne umfangreiche Hilfe aus dem Internet hat man überhaupt keine Chance, eines der komplizierteren Dinge zu erhalten, wie etwa das Sonnenschwert - dessen Namen man überhaupt nur vom Lizenzbrett (kommte ich noch dazu) erfährt.. Und wenn man nach Stunden in einem neuen Gebiet und viel Zeug in den Taschen zum Händler geht, man diesem alles im Tempo einer MG-Salve verkauft, aber der Blödmann keine neue Handelsware anbietet oder bestenfalls ein Paket von 10 Phönixfedern, dann stirbt auch hier die Motivation sehr schnell ab. Überhaupt sind viele Mechaniken dieser Handelswaren so undurchsichtig, dass das System einfach auf längere Sicht keinen Spaß macht. Schade, hier wäre mehr drin gewesen, etwa mit Rezepten (im Spiel integriert!), die sich gezielt erfarmen lassen.

Sehr gut gelungen ist das Thema Musik und Vertonung allgemein. Die Sprecher sind gut gewählt und auch wenn die Musik nicht vom Großmeister Uematsu stammt, ist sie doch sehr gut geworden. Lediglich manche Untermalung stört auf längere Sicht, etwa die Musik in Rabanastre, da man hier relativ viel Zeit verbringt und die Musik irgendwann im Hinterkopf weiterdudelt, auch wenn man schon längst weiter ist. Trotzdem: Im Großen und Ganzen gibt es hier nichts zu meckern. Das Niveau war und ist hier bei Final Fantasy sehr hoch.

Auch beim Schwierigkeitsgrad gibt es nicht wirklich etwas zu kritisieren. Zwar haben manche Bosse durchaus knackige Mechaniken parat, auch wenn sich diese meist auf das massive Verteilen von Zustandsveränderungen beziehen, aber wirklich unschaffbar ist eigentlich nichts, zumindest in der Hauptkampagne. Knallschwer können erwähnte Mobjagden werden oder weitere optionale Zusatzbosse, meist in Form von sogenannten Esper, die einem nach dem Kampf als lernbare Lizenz zur Verfügung stehen. Hier variiert die Schwierigkeit sehr stark, allerdings muss man die wirklich superschweren Sachen auch relativ lange und umständlich suchen. Spielt man hauptsächlich die Story, bekommt man kaum etwas von schweren Kämpfen mit.

Ein großer Punkt der "Zodiac Age" Variante von FF12 waren die veränderten Lizenzbretter. Kurz zum Verständnis: Im "alten" FF12 gab es ein Lizenzbrett für jeden, immer dasselbe. Von Kämpfen erhält man Lizenzpunkte, die man auf dem Brett investieren kann. So gibt es Lizenzen, die die HP erhöhen, die Magie verstärken oder das Tragen von bestimmten Waffen und Rüstungen ermöglichen. Im alten FF12 konnte so jeder Charakter alles erlernen. Im neuen gibt es Charakterklassen. Jäger, Brecher, Paladin, Maschinist, Weißmagier, Schwarzmagier usw., jeder mit einem anderen Lizenzbrett. So kann man seine Mitstreiter mit bestimmten Klassen ausstatten und spezialisieren - gut, das konnte man beim alten auch schon, indem man erst mal gezielt Lizenzen freispielte. Aber jetzt ist es etwas spezieller. Gegen später wird noch eine Lizenz aktiviert, die ein zweites Lizenzbrett für jeden ermöglicht. Diese Klassenkombinationen machen dann die eigentliche Stärke des Systems aus, zumindest in der Theorie. So lassen sich Weißmagier, die schwere Rüstung tragen erzeugen oder auch starke Nahkämpfer, die mit schwarzer Magie kämpfen. Warum ich aber nicht einen Weißmagier bauen kann, der sehr viel stärker ist als einer mit einer anderen Klasse kombinierten, ist zumindest ein bisschen schade.

Der Nachteil dieses Systems ist, dass es irgendwann witzlos wird. Ständig schaltet man Lizenzen frei für Dinge, die man entweder noch nicht hat (Waffen, Schmuck, Zauber) oder auch gar nie haben wird (weil sie nur zufällig irgendwo mal erscheinen können). Man weiß immer wieder gar nicht, was man da eigentlich gerade freischaltet, tut es aber trotzdem, weil man etwas anderes freischalten will, das irgendwo weiter hinten erst verfügbar wird. Zudem hat man irgendwann Lizenzpunkte im Übermaß und die sammeln sich halt weiter an, weil man nichts mehr damit anfangen kann - bei mir war es zur Spielmitte etwa so weit, dass nichts mehr freischaltbar war. Eine sinnvolle Mechanik, die überschüssige LP in was Sinnvolles umwandelt, wäre hier bitter nötig gewesen. Stattdessen ist DAS Feature der Zodiac Age Version im letzten Spieldrittel völlig überflüssig.

Der letzte Kritikpunkt ist gleichzeitig auch der größte: Die Story. Es ist halt Krieg und es soll noch Schlimmeres verhindert werden. Allerdings fühlt sich das ganze Spiel nie wirklich so an, als wäre man am Rande eines enormen Krieges. Erst in den allerletzten Spielstunden tut sich überhaupt was in die Richtung. Bis dahin werden allerlei Bedrohungskulissen aufgefahren und abgebaut, aber so richtig überzeugend fühlt sich das leider nie an. Dazu ist der Charakter Vaan samt Penelo irgendwie völlig belanglos. Durch den Mord an seinem Bruder wird er irgendwie mit einbezogen und seine Freundin macht halt mit, weil sich das so gehört, aber auch hier fehlt es an einem überzeugenden Argument, warum er an vorderster Front mitmischt. Das trifft zum Glück nicht auf die anderen vier zu, sonst wäre alles erst wirklich furchtbar. Zwar wird versucht, hier und da noch etwas philosophisches einfließen zu lassen, aber auch das wirkt nicht immer überzeugend, meist eher aufgesetzt. Am Ende des Spiels hatte ich den Eindruck, der Weg war wohl das Ziel, aber man fühlte nicht so richtig, dass etwas grundübles aus der Welt verbannt wurde - so wie man es bei Final Fantasy eigentlich gewohnt ist.


Der Switch-Port ist sehr gelungen und ich mag diese Konsole einfach, technisch unterscheidet sie sich von der PC-Version nur dadurch, dass die Texturen etwas niedriger aufgelöst sind. Grafisch sind die Versionen für den PC und die PS4 also nochmal ein bisschen besser, man merkt dem Spiel dennoch sein Alter an. Bugs waren nicht feststellbar, etwas, was noch aus den älteren Konsolentagen stammt. Es gab sie sicherlich, aber man muss sie vermutlich mit der Lupe suchen. Gut, das Grundspiel ist jetzt auch schon über 12 Jahre alt, aber dennoch ist das ein Punkt den man ruhig erwähnen darf.

Insgesamt war mein zweiter Anlauf bei dem Spiel dennoch kein völliger Fehlgriff. Es ist lange nicht so schlecht, wie ich dachte, doch auch lange nicht so gut, wie ich hoffte. Insgesamt markierte aber Teil 12 einen Bruch in der Final Fantasy Reihe, von der sich die Serie seitdem nicht mehr erholt hat. Teil 13 habe ich nach knapp 20 Stunden völlig entnervt aufgegeben (und habe keinerlei Ambitionen noch einen Anlauf zu wagen) und bei Teil 15 hat es nicht mal für 20 Stunden gereicht. Schon bei Teil 12, aber erst recht für die nachfolgenden muss man wohl in Richtung SquareEnix sagen: Schuster, bleib bei deinen Leisten. Mir war es jetzt aber wichtig, dieses nicht durchgespielte Spiel doch noch zu einem Ende zu bringen und damit zu wissen, worum es überhaupt geht. Dementsprechend enttäuscht war ich dann vom Ende bzw. auch dem Weg dorthin, weil die Story einfach... lieblos wirkt. Es ist nicht völlig unspielbar und kacke, aber es hätte so viel mehr sein können, wenn man auch die Details zu Ende gedacht hätte.

 

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Wertung
Pro und Kontra
  • - Viel zu entdecken
  • - Große Welt
  • - Viele Nebenaufgaben
  • - Vertonung
  • - Die Story
  • - Viel zu viel Zufallsfaktor
  • - Lizenzbretter

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

genau richtig

Bugs:

Nein

Spielzeit:

Mehr als 40, weniger als 100 Stunden



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