Klar schlechter als Teil 1.

  Im Folgenden wird viel kritisiert, aber es sollte dabei immer im Hinterkopf behalten werden, dass Dark Souls 2 immer noch ein gutes Spiel ist, das ich...

von TGfkaTRichter am: 03.05.2014

 

Im Folgenden wird viel kritisiert, aber es sollte dabei immer im Hinterkopf behalten werden, dass Dark Souls 2 immer noch ein gutes Spiel ist, das ich zu großen Teilen gerne durchgespielt habe. Im Vergleich zum ersten Teil fällt es aber trotz einiger Detailverbesserungen so deutlich ab, das man fast von einer Enttäuschung reden kann.

Technisch verbessert, aber immer noch nicht schön

Dark Souls 2 bewegt sich technisch auf einem höheren Niveau als der katastrophale Port des ersten Teils. Zwar ist das Spiel immer noch keine Augenweide und einige Gegenden erinnern in Detailfülle und Texturqualität gar an ein PS1 Spiel, aber es läuft konstant flüssig auf 60 fps, bietet Antialiasing und eine frei regulierbare Auflösung. Auch die Maus/Tastatur Steuerung zeigt sich verbessert, ist aber einem Gamepad immer noch klar unterlegen. Das ist für mich jedoch kein Problem, da ein Spiel wie Dark Souls für ein Gamepad gemacht wurde und meine Haltung in diesem Punkt ist: Wer so ein Spiel auf dem PC spielen will, soll sich gefälligst ein Gamepad kaufen. Wer Spiele haben will, die perfekt auf die Plattform zu- und (ab)geschnitten sind, soll sich eine Konsole kaufen!

 

Wie im ersten Teil kommt der Löwenanteil des Spiels ohne Musik aus. Einen Soundtrack gibt es nur in ganz wenigen Gegenden, sowie während der Bossfights. Leider erreichen die Tracks nicht das Niveau des Vorgängers. Die meisten Bossthemes hatte zumindest ich fünf Sekunden nach dem Kampf schon wieder vergessen.

Charaktersystem: Kleine Änderungen mit großen Auswirkungen

Das Charaktersystem scheint sich auf den ersten Blick kaum von dem des Vorgängers zu unterscheiden. Wieder wählen wir am Anfang zwischen verschiedenen, relativ gewöhnlichen Klassen aus, die jedoch nur unsere Startwerte und Ausrüstung bestimmen. Danach kann jede Fähigkeit nach Belieben gesteigert werden, so dass sich aus einem Magier immer noch ein Krieger basteln lässt und umgekehrt. Dabei greift das Spiel nicht auf dieselben Attribute wie der Vorgänger zurück. Resistenz, das bei Dark Souls 1 eigentlich niemand jemals gesteigert hat, wurde entfernt. Dafür ist das Traglastlimit nicht mehr direkt an die Ausdauer gekoppelt, sondern wird jetzt durch eine separate Fähigkeit gesteigert. Außerdem erhöht jetzt jede Fähigkeit zusätzlich die HP des Helden, wenngleich auch nur um einen kleinen Anteil. Wie im Vorgänger steigern Geschicklichkeit und Stärke den Schaden betreffender Waffen, Intelligenz und Wille sorgen für den Schaden von Zaubern, bzw. Wundern, Zauberei bestimmt, wie viele Sprüche der Held benutzen kann. Außerdem können natürlich die HP auch gesondert gesteigert werden. Die größte Neuerung ist die Einführung des neuen Attributes: Anpassung. Diese Fähigkeit beeinflusst unter anderem die Geschwindigkeit, mit der Heilitems benutzt werden oder das Schild gehoben wird. Darüber hinaus hat diese Fähigkeit auch einen bis jetzt noch recht unbekannten Einfluss auf die Anzahl der Unverwundbarkeitsframes während der Ausweichrolle, womit wir beim ersten echten Problem von Dark Souls 2 wären:

Das Kampfsystem: Kleine Änderungen mit schlimmen Auswirkungen

Auf den ersten Blick scheint sich beim Kampfsystem nicht viel getan zu haben. Noch immer gibt es zwei Attacken, die Möglichkeit eine Waffe mit beiden Händen zu halten oder ein Schild zu benutzen. Darüber hinaus kann man nun auch zwei Waffen parallel benutzen. Wie im ersten Teil kann man mit leichten Schilden die Angriffe vieler Gegner kontern, während Großschilde im Gegensatz dazu auch schwere Schläge mühelos wegstecken können. Leider fühlt sich das Kampfsystem deutlich anders und deutlich schlechter als im ersten Teil an. Das Heben des Schildes und das Benutzen von Heilgegenständen dauert deutlich länger und ist deutlich träger. Das wäre kein so großes Problem, wenn das Spiel nicht auch deutlich mehr Gegnertruppen auf den Spieler loslassen würde als der Vorgänger. Dazu sind die Hitboxen nicht mehr so präzise wie in Teil 1. Während man dort eigentlich immer wusste, warum man beim Ausweichen getroffen wurde, sucht man dieses Gefühl bei Dark Souls 2 oft vergebens. Die Hitboxen gerade der Bosse haben gerne mal nichts mit der Animation des jeweiligen Angriffes zutun und es kommt zu häufig vor, dass man wegrollt, keinerlei Trefferfeedback bekommt und dennoch seine halbe Lebensenergie verloren hat. Gerade deshalb ist das Kampfsystem im Moment dem des ersten Teils deutlich unterlegen, aber damit noch nicht genug der „Verschlimmbesserungen“.

Die Bosse: Masse statt Klasse

Dark Souls 2 besitzt wesentlich mehr Bosse als der erste Teil, aber leider erreicht kaum einer von denen das Niveau der Kämpfe aus Teil 1. Neben Aufgüssen von Bossen aus Dark Souls 1 setzt das Spiel sehr gerne auf Bosse, die ihre Gefährlichkeit allein aus ihrer Masse beziehen. Ganz oft bleibt dem Spieler nichts übrig, als für gefühlte Ewigkeiten den Attacken einer Bossgruppe auszuweichen, bis sich endlich mal ein Fenster zum Angriff ergibt. Das ist nur fordernd, weil es die Geduld des Spieler auf die Probe stellt, sofern die oben beschriebenen Hitboxen den Kampf nicht künstlich abkürzen. Viele Bosse haben auch gerne kleine Hilfmobs, die den Spieler überfallen und einige Kämpfe sogar zu reinen Glücksspielen degradieren. Der Satz: Fordernd aber nie unfair, war schon bei Dark Souls 1 nicht ganz richtig, auf Dark Souls 2 trifft er ganz sicher nicht mehr zu und das gilt nicht nur für die Bosse, von denen mich nur ein einziger wirklich überzeugen konnte.

Das Leveldesign: Schwächer, beliebiger und unfairer

Bei Dark Souls 1 als auch bei Demon Souls war die Schwierigkeit Teil des Erlebnisses, bei Dark Souls 2 spielt sie allzu häufig die Hauptrolle. Viele Abschnitte sind gezielt auf schwer und nicht auf gut getrimmt. Häufig wird man von Gegnergruppen überfallen, die gerne aus allen Richtungen kommen (sowas gab es in dieser Form in Dark Souls 1 genau einmal), unzählige extrem fies positionierte Fernkämpfer malträtieren die Geduld des Spielers oder zwingen zum zähen Snipern, wobei das verbesserte Bogenschießen unglaublich nützlich ist. Dazu kommen zum Teil deutlich verstärkte Statuseffekte, einige übertrieben miese Fallen und Waffen, die deutlich schneller kaputtgehen (wobei das meistens kein Problem ist). So werden aus den fordernden Kämpfen des Vorgängers häufig kleinere Massenschlachten gegen gemein platzierte Gegner, die oft nur noch nerven.

 

Auch die Welt hat nicht mehr das stimmige Feeling des Vorgängers. Das liegt nicht nur daran, dass man sich nun von Anfang an zu jedem Leuchtfeuer teleportieren kann (von den Leuchtfeuern gibt es nun übrigens deutlich mehr), sondern in einem klar verschlechterten Weltbau. Bei Dark Souls 1 waren die Übergänge zwischen den Leveln meistens logisch und oft konnte man aus der Distanz oft schon die nächste Station sehen. Bei Dark Souls 2 tötet man in der Spitze eines Turms einen Boss, fährt dann mit dem Fahrstuhl noch weiter oben, um in einer riesigen Festung herauszukommen, die in einem Lavasee versunken ist, von dem weder vor dem Turm noch irgendwo im Turm auch nur eine Spur zu sehen war. Tatsächlich erinnert das teilweise an die Levelübergänge alter Nintendospiele, in denen nach einer Wüste direkt das Schneelevel kam, dem sich dann ein Waldlevel anschloss. Das wäre noch zu verschmerzen, wenn die Gegenden überzeugen würden, aber auch das ist allzu oft nicht der Fall. Von den vielen Gebieten, die man in Dark Souls 2 durchwandert, haben mich nur zwei überzeugt, alle anderen litten entweder unter groben Designschwächen oder waren einfach nicht besonders interessant. Ich fühlte mich sehr häufig an die Demon Ruins von Dark Souls 1 erinnert, der in meinen Augen mit Abstand schlechteste Abschnitt des Spiels.

 

Man verstehe mich bitte nicht falsch. Viele der Abschnitte sind immer noch atmosphärisch und der Nervenkitzel beim Betreten eines neuen Gebietes ist immer noch da, aber das Niveau des Vorgängers wird einfach so gut wie nie erreicht. Wie bei den Bosskämpfen habe ich auch hier das Gefühl, dass sich From Software nicht an den besten, sondern an den schlechtesten Teilen des Vorgängers orientiert hat und mehr darauf geachtet wurde, ein schweres anstelle eines guten Spiels zu machen.

Die Handlung: Häh?

Dark Souls war nie ein Handlungsmonster. Wer epische Dialoge ala Bioware oder ein Journal, das haarklein erklärt, was gerade passiert, erwartet, ist hier an der falschen Adresse. Dark Souls 2 übertreibt es jedoch ein wenig. Bei Dark Souls 1 wusste man immerhin so halbwegs, was man zutun hatte und warum. Wer die wirklichen Hintergründe verstehen wollte, musste die Itembeschreibungen genau lesen und eventuell mehrere Spieldurchläufe starten. Auch bei Dark Souls 2 verstecken sich viele Informationen in den Beschreibungen der Items, nur leider helfen die einem nicht dabei, zu verstehen, was gerade vorgeht. Ich muss vier große Seelen sammeln, okay, warum? Bin ich der neue Regent? Netter Gedanke, warum? Diese Infos erhält man in den ersten Spielminuten und sie werden nie geklärt. Ich hätte nicht gedacht, dass Dark Souls 2 die kryptische Story des Vorgängers negativ übertreffen könnte, aber From Software hat es wirklich geschafft.

Viele Detailverbesserungen

Aber es ist nicht alles schlechter an Dark Souls 2. In vielen Details zeigt es sich verbessert. Neben der schon genannten Technik überzeugen vor allem Verbesserungen in der Benutzerführung. Man kann nun Leitern schnell hochklettern und vor allem die Möglichkeit items wie Seelen nun zu mehreren zu benutzen ist hochwillkommen. Auch das Warpsystem oder die von Spielbeginn verfügbare bodenlose Kiste erhöhen den Komfort und die Qualität des Spiels. Auch ist es nun möglich mit Zaubern manuell zu zielen und auch das Bogenschießen zeigt sich klar verbessert. Im Gegenzug dazu muss man nun immer zum ersten Leuchtfeuer zurück, um den Charakter zu leveln. Eine völlig hirnrissige Entscheidung, die dank der kurzen Ladezeiten auf dem PC aber erträglich bleibt.

Noch viel mehr

Es gäbe noch so viel mehr zu sagen: Das verschlimmbesserte Schmiedesystem, das miese Ende, die nicht gehaltenen Versprechen der Trailer oder das in diesem Moment noch recht unsauber wirkende Covenantsystem, aber irgendwann ist einfach auch genug und es wird Zeit, zum

Fazit

zu kommen. Trotz all dieser Kritikpunkte ist Dark Souls 2 immer noch ein gutes Spiel und Fans des Vorgängers werden sicher viel Spaß damit haben. Dennoch gehen fast alle Änderungen nach hinten los und das grandiose Spielgefühl des Vorgängers wird so gut wie nie erreicht. Zu viele Stellen fühlen sich aufgesetzt schwer an, zu viele Bosse wirken uninspiriert und die Handlung ist einfach zu unlogisch. Das Kampfsytem bleibt trotz der Schwierigkeiten aber immer noch gut und wenn es funktioniert ist es sogar super und der Umfang des Titels ist beeindruckend. Darüber hinaus wurde das New Game + interessanter gestaltet. Für Liebhaber des Vorgängers bleibt Dark Souls 2 ein Pflichtkauf. Allen anderen würde ich empfehlen, zuerst Dark Souls 1 zu kaufen. Das ist zum einen besser und zum anderen ist zu diesem Zeitpunkt immer noch nicht sicher, ob man es noch lange auf dem PC spielen kann.

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Wertung
Pro und Kontra
  • Beachtlicher Umfang
  • Technisch verbessert
  • Viele Items und Waffen
  • Schnellreise vom Start weg
  • Viele Gegnertypen
  • Oft grandiose Atmosphäre
  • Viele Detailverbesserungen
  • Immer noch tolles Kampfsystem
  • Immer noch einzigartig
  • Technisch immer noch veraltet
  • Probleme mit den Hitboxen
  • Bosskämpfe setzen auf Masse statt Klasse
  • Trefferfeedback fehlt häufig
  • Kryptische Handlung
  • Oft aufgesetzt schwierig und gelegentlich unfair
  • Absurde Levelübergänge

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

eher schwer

Bugs:

Nur sehr wenige

Spielzeit:

Mehr als 40, weniger als 100 Stunden



Kommentare(12)

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