Komplexität mit Leerlauf

Wem Diablo 3 zu abgespeckt war kommt bei Path of Exile eventuell auf seine Kosten...

von Armageddon2021 am: 13.04.2021

Das wahre Diablo 3?

Path of Exile kommt - im Gegensatz zu Diablo 3 - sehr billig daher: es ist vollkommen kostenlos! Finanziert wird es lediglich durch Mikrotransaktionen, die aber alle nur kosmetischer Natur sind. Logisch dass man da den Entwickler doch etwas "spendet", ein nettes Rüstungsskin für 25 Euro habe ich mir gekauft, dann hat man schon mal kein schlechtes Gewissen das Spiel vollkommen kostenlos zu spielen.

Wem Diablo 3 zu knallbunt und zu seicht war kann aufatmen: Path of Exile ist das was sich Fans als Nachfolger zu Diablo 2 ersehnt hatten: POE ist düster und komplex. Für manche sogar etwas zu komplex. Sage und schreibe 1325 passive Skills stehen zur Verfügung, ein Verskillen ist hier definitiv möglich und davor seien Einsteiger auch gewarnt. Eine "Respec" Option gibt es nicht per se, sondern nur als Belohnung für bestimmte Missionen, dann auch nur für maximal 2 Skill Punkte. So kommen haupsächlich Fortgeschrittene und Profis voll auf ihre Kosten, Anfänger sollten sich da doch lieber erstmal an Diablo 3 oder den Torchlight Spielen halten.

Wie erwähnt ist die Welt von POE im schönen Dark Fantasy Theme gehalten: dunkle Wälder, düstere Katakomben und Experimente an menschlichen Opfern sorgen für die nötige Atmosphäre und bescheren ein besseres Diablo Feeling als es der 3. Teil der Originalserie tat. So weit zum Guten...

 

Rumlatschfrust

Das Problem bei diesen Diablo-Klonen ist das "Feature" der zufällig generierten Karten. Dadurch sollen die Level immer ein neues Layout haben bei jedem Durchgang. So die Theorie. In der Praxis sieht es aber so aus: während in Grim Dawn die Spielwelt von Hand generiert wurde und dadurch wie ein echter Schauplatz wirkt mit vielen kleinen Details (Häuser mit Funktion, realitätsnahes Dorfdesign) sind die Levels in POE und D3 einfach riesige Labyrinthe, die sich in alle Himmelsrichtungen verzweigen und meist in Sackgassen enden, bis man den einen, richtigen Levelausgang gefunden hat. Die Levels bestehen aus Vorsatzstücken die einfach nur zusammengefügt werden, und das merkt man.

Hervorragendes Leveldesign such man vergebens. Stattdessen wandert man durch künstlich gestreckte Riesenlevel, die so niemals existieren würden. Es gibt immer mal wieder die bekannten Schnellreiseportale, aber wenn man bei einem Bosskampf stirbt hat man doch einen sehr weiten Fussweg vor sich. Verlässt man das Spiel werden die Levels wieder "zurückgesetzt" das heisst Levellayout und Gegner sind wieder neu.

 

Wenig Innovation

Sowohl die Benutzeroberfläche als auch das Gameplay dürften bekannt sein: gesteuert wird mit der Maus, klickt man auf eine leere Fläche bedeutet das "gehe hierhin", klickt man auf einen Feind wird angegriffen, usw. Auch die Benutzeroberfläche wurde 1 zu 1 von Diablo übernommen: es gibt zwei Kugeln, eine rote für Lebensenergie und eine blaue für Mana (sogar die Bezeichung wurde übernommen). In der mitte befinden sich die aktiven Skills die durch die Tasten Q, W, E, R und T aktiviert werden, alle drei Mausknöpfe lassen sich ebenfalls frei belegen.

Sinn des Spiels ist hauptsächlich das Erlegen von ganzen Monsterhorden und das einsammeln von Beute, die sich nach den üblichen Farben nach Qualität unterscheidet, ebenso trifft man auf farblich gekennzeichnete Elite Monster die mehr Resistenzen haben, mehr austeilen und einstecken können.

Neu ist lediglich der umfangreiche Skillbaum, alles andere ist eine schon fast dreiste Kopie von Diablo, was in den Genre eigentlich schon Gang und Gebe ist.

Etwas besser wurden die Boss-Kämpfe angegangen: hier ist oft Taktik nötig und man sollte möglichst eine alternative Angriffsmöglichkeit haben, denn wenn man primär auf Feuerschaden setzt und der Gegner gegen Feuer immun ist sieht man ganz schnell ganz alt aus. Wie schon erwähnt sollte man seinen Build vorher planen, Fehler zu korrigieren ist nicht wirklich eine gute Option: oft bleibt nur ein Neustart. Auch das hat Grim Dawn besser gelöst: man kann Skill zurückbuchen, dies wird zwar immer teurer, aber es ist definitiv einfacher als in Path of Exile.

 

Fazit

Mir persönlich gefällt Grim Dawn wesentlich besser als Path of Exile (und Diablo 2 und 3). Die geringere Komplexität bei den Builds nehme ich gerne in Kauf, bekomme dafür eine "echte" Spielwelt die deutlich realistischer dargestellt wird und sich weniger "gestreckt" anfühlt. Zahlreiche Minibosse, Bosse, Elitegegner und Loot locken auch hier. Die Skills sind übersichtlicher, und wer es komplizierter haben möchte darf sich freuen, denn die Konstellationen dürften Path of Exile Puristen einigermassen zufrieden stellen.

Path of Exile leidet zudem unter der selben Krankheit wie alle Diablo-Klone: es wird schnell langweilig. Wem die endlose Loot-Spirale nicht als einzige Motivation ausreicht wird sich schnell an der schönen Grafik sattgesehen haben und die ersten Ermüdungserscheinungen erleiden.

Aber Dank des Free-to-Play-Modells ist es zumindest keine Anschaffung die mit Geld verbunden ist und somit kein Fehlkauf.

Jetzt eigenen Artikel veröffentlichen

Schreib Deinen eigenen Artikel auf GameStar und tausche Dich mit anderen Lesern aus.

Eigenen Artikel schreiben

Wertung
Pro und Kontra
  • düstere Atmosphäre
  • sehr komplexe Builds möglich dank 1325 Skills
  • kostenloses Free-to-Play Modell
  • Mikrotransaktionen nur kosmetischer Natur, kein Pay-to-Win
  • Ständig neue Inhalte dank "Seasons"
  • wenig Innovation
  • "aufgeblähte" Riesendungeons, "gestreckte" Spielzeit
  • Leveldesign
  • schnell repetitiv, Beutehatz muss als Motivation ausreichen

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

genau richtig

Bugs:

Nein

Spielzeit:

Mehr als 40, weniger als 100 Stunden



Kommentare(0)

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.