Master of Desaster

Information:Diese Rezension wurde von mir im Jahr 2007 auf Basis der Xbox 360-Version verfasst. „Ein Ring sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel...

von - Gast - am: 21.08.2013

Information:
Diese Rezension wurde von mir im Jahr 2007 auf Basis der Xbox 360-Version verfasst.

„Ein Ring sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden.“

Ihr fragt euch nun sicherlich, was dieser wahrhaft geschichtsträchtige Satz aus einem der bekanntesten Fantasy-Werke unserer Zeitgeschichte hier verloren hat?
Nun, der Träger aus J.R.R. Tolkiens meisterhafter Geschichte des einen Ringes, der dunkle Herrscher Sauron, stellt die Vorlage für euren Protagonisten in Codemasters Overlord.

Dunkle Machenschaften hinter lichter Fassade

Nicht nur der Oberbösewicht, sondern viele weitere Figuren wie Halblinge, Zwerge und Elfen (im Original Hobbits, Zwerge und Elben) tauchen neben bekannten Ortschaften wie zum Beispiel einem Auenlandverschnitt in diesem Spiel auf.

Diesmal steckt ihr jedoch, wie bereits erwähnt, in der Haut des dunklen Lords und werdet nach langer Zeit des Friedens von euren Schergen wieder erweckt um erneut Angst und Schrecken im Lande zu verbreiten. Dies könnt ihr direkt praktizieren oder aber ihr wählt den Weg "hinten rum" und erledigt fleißig Aufgaben für das niedere Volk um deren Gunst für euch zu gewinnen.

Overlord stellt ein klassisches Action-Adventure aus der Third-Person Perspektive dar, angereichert mit RPG- und Strategieelementen.

Als erstes möchte ich euch kurz das Hauptmenü beschreiben:

Ihr könnt ein neues Abenteuer starten, am zuletzt gespeicherten Checkpoint das Spiel fortsetzen, die Optionen zum Spiel sowie Audio & Anzeige ganz euren persönlichen Vorlieben anpassen, den Mehrspielermodus starten oder auf heruntergeladene Inhalte zugreifen.

Das Gameplay

Einer für alle und alle auf die anderen

Als Overlord seid ihr Herr und Meister über eure Schergen. Das sind kleine Kreaturen, welche den allseits bekannten Gremlins zum verwechseln ähnlich sehen und sich für euch mit einem Grinsen im Gesicht in den Tod stürzen.

Anfangs könnt ihr nur zehn von den kleinen, fiesen Rackern mit euch nehmen, am Ende habt ihr dann bereits eine kleine Legion von 50 Schergen unter eurer Befehlsgewalt.

Mithilfe der vorhin erwähnten "Morden & Plündern"-Taste zerstören eure Schergen alles, was nicht niet und nagelfest oder bei drei auf dem Baum ist. Sie stürmen Häuser, erlegen Schafe, greifen Gegner an, zerstören Flora & Fauna und tragen alle wertvollen Dinge wie zum Beispiel Gold und Heil- sowie Manatränke zu euch.

Alle weiteren, für euch uninteressanten Objekte wie Dolche, Pfannen, Töpfe, Kürbisköpfe und vieles mehr behalten sie für sich und rüsten sich damit aus. Das ergibt mit der Zeit, sofern ihr gut auf eure Schergen aufpasst, ein herrlich bizarres Bild, wenn eine mit Kürbissen und Kochtöpfen beladene, meuternde Menge mit Ausrufen wie "Töten! Plündern! Zerstören!" los rennt um ihr böses Werk zu verrichten.

Es gibt vier Schergenrassen: die Braunen, die Roten, die Grünen und die Blauen.

Braune stehen euch von Anfang an zur Verfügung und sind solide Kämpfer, ansonsten aber ohne besondere Merkmale.

Rote werfen mit Feuerbällen um sich, können Flammen löschen und sind generell gegen Hitze jeglicher Art immun.

Giftige Gase sind für die Grünen kein Problem, sie können deren Quelle sogar still legen um euch den Weg frei zu machen. Außerdem können sich Grüne unsichtbar machen und euren Feinden mit Vorliebe in den Rücken springen.

Die Blauen letztendlich sind als einzige nicht allergisch gegen Wasser und können sich somit frei durchs kühle Nass bewegen. Außerdem, und das ist wirklich sehr nützlich, können sie andere Schergen wiederbeleben. Die größte Schwäche der Blauen ist jedoch, dass sie miserable Kämpfer sind und auch nicht sonderlich lange in Gefechten auf den Beinen bleiben.

Die Schergen sind unabkömmlich für das Vorankommen, denn mithilfe des rechten Sticks könnt ihr die direkte Kontrolle über eure Horde übernehmen und diese so gezielt auf bestimmte Gegner, Objekte oder ähnliches manövrieren. Auf diese Art und Weise müsst ihr eure Schergen dann durch enge, für euch unüberwindbare Passagen hin beispielsweise an ein Zugrad schicken um ein Tor zu öffnen. Auf diese oder ähnliche Art und Weise seid ihr immer wieder darauf angewiesen einzig auf eure Schergen zu setzen und auch deren unterschiedliche Fähigkeiten geschickt miteinander zu kombinieren.

Negativ fällt jedoch auf, dass das Pathfinding der Schergen nicht ganz ausgereift wirkt. Oftmals bleiben sie irgendwo im Territorium an einer kleinen Ecke hängen und finden selbständig, trotz Rückrufs eurerseits, nicht zu euch zurück.

Soviel zu den Schergen, einem der Schlüsselelemente des gesamten Abenteuers eures Overlords. Nun zum eigentlichen Gameplay.

Ausgangspunkt eures Eroberungsfeldzugs ist euer dunkler Turm, welcher Anfangs noch mehr oder weniger in Schutt und Asche liegt. Eure Hauptaufgabe besteht darin den Turm und eure Macht wiederherzustellen und Kontrolle über die gesamte Spielwelt zu erlangen. Dabei steht es euch frei, ob ihr ein gnädiger Herrscher oder ein bitterböser Lord sein wollt.

Durch das Turmportal begebt ihr euch also in die erste Welt, das Hügelland. Dort schlachtet ihr erst einmal ein paar Schafe ab, welche sogleich kleine Seelengeister hinterlassen. Für jeden dieser Seelengeister erhaltet ihr einen weiteren Schergen auf Vorrat in eurem Turm. Dabei gibt es für alle Schergen einen eigenen Seelengeist.

Schon bald trefft ihr auf den ersten geplagten Bewohner dieses Landes. Seine Farm wird von fiesen Halblingen belagert. Nachdem ihr die Halblinge vertrieben und gleichzeitig "versehentlich" seine Farm in Schutt und Asche gelegt habt, ist er zufrieden und euch fortan wohlgesonnen.

So spinnt sich der Spielablauf auf euren Reisen fort. Von vielen Bewohnern erhaltet ihr Quests, welche teils essentiell und teils freiwilliger Natur sind.

In diesem Kontext bewegt ihr euch also durch das Hügelland und vertreibt die Halblinge, erforscht den Dunkelwald und dessen grausame Geheimnisse und die verlorenen Seelen der Elfen, das Zwergenland oder die Zombie-verseuchte Stadt Himmelsspitze.

Überall erhaltet ihr Aufgaben und nicht selten ist es vonnöten ein Gebiet zu verlassen und ein bereits bekanntes erneut zu betreten um diverse Aufgaben abschließen zu können oder bis dato unerreichbare Objekte wie Zaubersprüche, Götzen zur Erweiterung eurer Gesundheit, Mana oder Schergenanzahl sowie neue Einrichtungsgegenstände für euren Turm zu ergattern.

In nahezu jedem Gebiet wartet dabei ein Lager oder eine Stadt, bevölkert von den Menschen, auf euch. Löscht ihr die hilflosen, armen Bauern aus, so steigt auch euer Verderbtheitsgrad. Das hat natürlich unmittelbare Auswirkungen auf euer Äußeres, welches immer dunkler erscheint sowie die Lichtverhältnisse in eurem Turm.

Dieser füllt sich nach und nach mit für Goldmünzen kaufbare Gegenstände wie einen Kaiserthron, einen roten Teppich oder Chimärenstatuen. Später bekommt ihr sogar diverse Mätressen oder zehn leicht bekleidete Bedienstete, welche euren Turm sauber halten und vieles mehr!

Auf eurer Reise findet ihr zunächst das Turmherz, Quell der Energie euren bösen Macht und der eures Turmes. Später findet ihr insgesamt drei verschiedene Schmelzöfen, mithilfe derer sowie einer gewissen Anzahl an opferungswilliger Schergen ihr neue Waffen und Rüstungen anfertigen könnt oder bereits vorhandene aufwerten könnt.

Ansonsten wartet euer Turm noch mit einer Schatzkammer, einem Schlafgemach und den Verliesen auf, in welchen ihr zum einen die Nester der Schergen findet und außerdem gegen alle bisher bezwungenen Widersacher noch einmal zu Übungszwecken antreten könnt.

Langfristig gesehen bestehen eure Ziele darin euren Turm wiederherzustellen und alle sieben Helden des Landes zu finden und zu besiegen um die Vorherrschaft über alles und jeden erlangen zu können.

Die Präsentation

Soviel Liebe zum Detail und eine derartige Fülle an Objekten ist mir selten zu Augen gekommen. Hier muss ich den Jungs und Mädels der Triumph Studios aus den Niederlanden ein klares Lob aussprechen!

Alles wirkt wie aus einem Guss und unwahrscheinlich lebendig! Schmetterlinge, Pusteblumen, Staubpartikel, unter eurer Last zur Seite brechende Weizenfelder und Gräser, dichte Wälder, satte Büsche und wunderschöne Lichteffekte erfreuen das Auge.

Wo viel Licht ist fällt bekanntlich aber auch Schatten:

es wird weitesgehend, aber nicht ausnahmslos, auf Eyecatcher wie beispielsweise Bump-Mapping oder Pixel Shader verzichtet. Der eigentlich gute Gesamteindruck wird zudem ein wenig durch die öfters auftretenden Slowdowns, den teils extrem hölzernen Animationen und nicht zuletzt durch den manchmal deutlich sichtbaren Grafikaufbau am Horizont geschmälert.

Die Musik ist thematisch passend, wird allerdings eher spärlich eingesetzt. Insgesamt wirkt sie aber sehr atmosphärisch und wird an den richtigen Stellen eingesetzt.

Zu den Soundeffekten ist zu sagen, dass auch sie gut gemacht worden sind (Die Laufgeräusche des Overlords oder das Horn zum Ruf der Schergen sind einfach hörenswert) und ihren Zweck erfüllen.

Negativ ist aber an dieser Stelle zu erwähnen, dass durch einen Bug willkürlich hin und wieder die Soundeffekte und Sprachausgabe komplett ausgesetzt haben.

Mehrspieler

Der Mehrspielermodus bietet grundsätzlich zwei verschiedene Modi – Versus und Co-op.

Im Versusmodus stehen euch zwei verschiedene Varianten selbigens zur Verfügung.

Der Overlord, welcher die meisten Punkte am Ende des Matches erreicht hat, gewinnt im Modus "Slaughter". Punkte sammeln könnt ihr durch das Töten von Gegnern und natürlich indem ihr den gegnerischen Overlord niederstreckt. Das Spiel endet nachdem eine bestimmte Punktzahl erreicht wurde oder das Zeitlimit verstrichen ist.

Versus-Modus Nummer 2, "Pillage", setzt den teilnehmenden Overlords zum Ziel soviel Gold wie möglich zu sammeln. Das könnt ihr durch erlegen von Gegnern, ausrauben von Häusern, einsammeln von Turmobjekten oder dem Umlegen eines gegnerischen Overlords erreichen. Wer zuerst den vordefinierten Goldwert erreicht, hat gewonnen. Andernfalls gewinnt derjenige, der nach Ablauf des Zeitlimits das meiste Gold sein Eigen nennen kann.

Der Co-op Modus lässt euch leider nicht, wie manche vielleicht schon gehofft hatten, das komplette Abenteuer miteinander bestreiten, sondern ihr kämpft lediglich zu zweit mit euren individuellen Overlords auf diversen Survival-Maps um ein möglichst langes Überleben.

Sonst bietet der Mehrspielermodus Ranglistenmatches für den Versus-Modus sowie die Möglichkeit über die Schnelle Suche in ein laufendes Spiel einzusteigen oder ein eigenes Spiel zu erstellen.

Nach der Wahl eines Spielmodus landet ihr übrigens zunächst in der Lobby, welche euch den Fortschritt der laufenden Sessions sowie aller verbundenen Spieler anzeigt. Hier könnt ihr schließlich in ein euren Suchkriterien entsprechendes Spiel einsteigen oder mit anderen Spielern kommunizieren.

Fazit

Alle Action-Adventure Fans mit Hang zu RPG- und Strategielementen bekommen mit Overlord ein detailverliebtes Abenteuer, welches einen so schnell nicht mehr los lässt.

Den durch die Demo und diverse Previews geschürten hohen Erwartungen hält Overlord aber leider nicht stand. Zum einen ist die Technik nicht ganz auf der Höhe der Zeit und fällt negativ durch Slowdowns und Popups auf, zum anderen stören Bugs wie aussetzende Soundeffekte oder das Pathfinding der Schergen, welches teils stark zu wünschen übrig lässt.

Wer über diese kleinen Makel hinwegsehen kann bekommt jedoch eine herrlich erfrischende Parodie auf die Herr der Ringe-Trilogie welche sogar Sauron ob soviel Boshaftigkeit vor Neid erblassen lassen würde.

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Wertung
Pro und Kontra
  • geniale Parodie auf Herr der Ringe
  • unglaublich detailverliebte Präsentation
  • RPG- und Strategieelemente
  • Pathfinding lässt zu Wünschen übrig
  • technisch ein wenig unausgereift

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

eher schwer

Bugs:

Nur sehr wenige

Spielzeit:

Mehr als 10, weniger als 20 Stunden



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