Mit Ezio im Herzen der Renaissance: Das beste Assassin's Creed?

Assassin's Creed 2 ist eine große Bereicherung für die Spielindustrie und eine noch einmal deutliche Verbesserung zum ebenfalls fantastischen ersten Teil. Das...

von SilasSkywalker am: 29.05.2021

Assassin's Creed 2 Review

Die Story

In Assassin's Creed wurden wir bereits in die phänomenalen philosophischen Grundpfeiler und Rahmenbedingungen der Spielwelt und dabei in die gegenwärtige Geschichte des Desmond Miles eingeleitet. Er wurde von Abstergo-Wissenschaftler Warren Vidic gefangen gehalten und dazu gezwungen mithilfe der Animusmaschine (animus lat. = Seele, Geist) die Erinnerungen seines Vorfahren Altaïr in dessen Haut nachzuerleben, um Hinweise für die gegenwärtigen Aufenthaltsorte der sogenannten Edensplitter zu kommen. Diese sind mächtige Artefakte, mit denen ihre Besitzer andere Menschen so sehr beeinflussen können, dass sie ihnen gar blind folgen. Mit Altaïr kamen wir in Assassin's Creed in Kontakt mit einem dieser Splitter, dem Edenapfel, und konnten diesen an uns nehmen. Desmond konnte derweil den Plan Vidics durchblicken und schließlich mit Vidics ehemaliger Assistentin Lucy fliehen. Genau hiermit geht es in Assassin's Creed 2 direkt weiter. Nachdem Desmond und Lucy in Sicherheit gelangen konnten, geht Ezio zurück in einen weiteren Animus, um die Geschichte eines weiteren Vorfahren nachzuerleben, der mit Edensplittern in Kontakt getreten ist. Ebenso soll Desmond weiter an seinen Assassinen-Fähigkeiten arbeiten und mithilfe der Erinnerungen durch den sogenannten Sicker-Effekt weitere erlernen. Dank des Sicker-Effekts kann Desmond in der realen Gegenwart bereits das Adlerauge verwenden – der sechste Sinn der Assassinen.
Im Florenz der Renaissance spielen wir Ezio Auditore, einen adeligen jungen Mann in der Blütephase der Stadtentwicklung. Er erscheint temperamentvoll, unschuldig und lebensfroh. Dies alles ändert sich rasant. Nach einem Plot gegen seine Familie, wird sein Vater Giovanni und seine beiden Brüder Petruccio und Federico, die wir zuvor in kurzen Quests kennenlernten, öffentlich hingerichtet. Ezio muss dies miterleben und schwört Rache an denen, die für den Mord seiner Familienmitglieder verantwortlich waren. Was sich zunächst eher klischeebedeckt liest, wird im Spiel derart hart und authentisch präsentiert, dass diese Zwischensequenz zum ersten Wendepunkt einer riesigen Gefühlsachterbahn wird und große Emotionen aufkommen, die für den Spieler als der perfekte Anfangsansporn für das Erledigen der Aufträge in Assassin's Creed 2 fungieren. Was folgt ist eine von Rache getriebene Reise, die Ezio und uns als Spieler über 20 Jahre von Ezios Heimatstadt Florenz über Moteriggioni, San Gimignano, Forli bis nach Venedig und Rom führt. Dabei spart Assassin's Creed 2 nicht an Referenzen zur großartigen Philosophie der Spielwelt und ihren Bezügen zur richtigen Welt. Ihr solltet unbedingt am Ende die Inhalte aller Kodexseiten lesen! Diese bringen dem Spieler Verbesserungen der Ausrüstung und müssen im Laufe der Geschichte gesammelt werden. Bei der Entwicklung der in den Kodexseiten erwähnten Technologien hilft ein bekanntes historisches Gesicht: Leonardo da Vinci höchstpersönlich. Wer weiß, was Leonardo da Vinci in seiner Lebenszeit so geprägt hat, kann ahnen, welcher Spaß uns durch ihn in der Geschichte zusätzlich erwartet.

Das Leveldesign

Der große Kritikpunkt zum Leveldesign im Vorgängerspiel war, dass die Aufträge und Missionen zu repetitiv waren und kaum bis keine Abwechslung boten. Man hatte Aussichtspunkte zu erklimmen, musste Leuten in Gefahr helfen, Lauschmissionen erfüllen, Taschendiebstähle begehen und verdächtige Personen verhören. All das macht Assassin's Creed 2 um einiges besser. So gut wie alle Missionen und Quests wurden in die Geschichte mit einem Zweck eingefügt, der entweder Ezio und Desmond voranbringt, die Geschichte voranbringt, das Setting erweitert oder den Spieler mit Informationen versorgt. Eine Abwechslung der Missionstypen ist dabei stets gegeben, während ein paar zusätzliche Quests freiwillig angeboten werden. Dabei besteht zwar keine große Auswahl der Missionszeitpunkte, aber das ist auch nicht notwendig, da Ezio stringent zu seinem Ziel kommen möchte, das schwer genug zu erreichen ist. So gut wie jeder Tötungsauftrag, um einen der Beteiligten des Mordes an Ezios Familie auszuschalten, verlangt nach anderen Herangehensweise. Besonders blieb mir diesbezüglich ein Auftrag zur Karnevalszeit in Venedig in Erinnerung. Dieser ist nicht nur durch das abwechslungsreiche Setting visuell beeindruckend, sondern bietet in der Durchführung höchst unterhaltsame neue Aufgaben, bei denen Ezio u. a. auch seinen Charme zeigen muss.

Die Atmosphäre

Bahnbrechend für Assassin's Creed war das Klettern und Bewegen auf den Türmen und Dächern der Städte. Diese in Spielen in der Form meines Wissens nach neue Art der Fortbewegung hebt Assassin's Creed 2 auf ein komplett neues Level mit vielfältigen neuen Klettermöglichkeiten, einem unglaublichen Freiheitsgefühl überall hinzukommen, wo man möchte (besonders auf den großen Gebäuden der Städte), und einer neuen Möglichkeit, neue Höhen in sensationeller Flüssigkeit und Schnelligkeit zu erklimmen. Es ist diesmal ein noch viel größeres Erlebnis zu wechselnden Tag- und Nachtzeiten die traumhaften Architekturmeisterwerke der Renaissance zu besteigen und die Aussicht von den Spitzen auf die graphisch wunderschönen, detailreichen und unfassbar authentisch ausschauenden Städte mit tollen Weiten hinter die Stadtmauern im Horizont zu genießen. Allein das schafft immer und immer wieder eine atemberaubende Spielatmosphäre, die den Spieler tief in das Herz der Renaissance einlädt und dort festhält. Ich habe teilweise Stunden verbracht, Aussichtspunkte und andere Orte zu erklimmen, um die Aussichten zu genießen. Da ich die meisten Städte des Spiels auch in echt kenne, hat mich dies jedes Mal aufs Neue dorthin nostalgisch zurückversetzt.
Wenn es ein Spiel geben würde, in das ich als unsichtbarer Beobachter hineinteleportiert werden und eintauchen könnte, dann wäre Assassin's Creed 2 einer der allerersten Titel, die mir für dieses Erlebnis einfallen würde. Die Städte sind in ihrer authentischen Präsentation für Erkundungstouren abseits der Missionen ein riesiger Spaß. Dabei finden wir vertraute Gebäude wieder, die heute immer noch existieren und Millionen von Besuchern anlocken (u. a. Das sogenannte Toskana-Manhattan in San Gimignano, die Cattedrale Metropolitana di Santa Maria del Fiore in Florenz, die Engelsburg in Rom, der Dogenpalast am Piazza San Marco in Venedig usw.). Zu vielen Gebäuden gibt es im Spiel Informationen zur Baugeschichte und weiteren Hintergründen und Entwicklungen, die oft mit einem herrlichen ironischen Unterton versehen wurden. Eine besonders mystische Atmosphäre bieten zudem die verschiedenen Assassinengräber und Templerverstecke, die man erkunden kann, um auf Schatzsuche zu gehen.
Die Atmosphäre wird stets passend durch den fantastischen Musik-Score unterlegt. In den Assassinengräbern erwartet uns langsame, dunkle, mysteriöse Musik mit langen hohen Noten. In Verfolgungsjagden und Klettermissionen gibt es rasante, hektische Musik, die den Abenteuergeist weiter aus dem Spieler herauskitzelt. Und dann gibt es Ezio's Theme. Zu diesem Lied möchte ich lediglich schreiben, dass es zu den besten musikalischen Stücken gehört, die im Rahmen vom Videospielen je komponiert wurden. Es fängt die Atmosphäre des Spiels perfekt ein und verschafft genau den Gefühlsmix aus Epik, Nostalgie, Spannung und vielem mehr, den das Spiel braucht, um zeitlos zu sein.

Die Balance

Der Schwierigkeitsgrad ist nach wie vor sehr angemessen. Es ist nie zu schwer und nur in den Kämpfen durch die Kontertaktik ggf. manchen Spielern zu leicht. Diese ist zwar nicht mehr ganz so stark wie im Teil davor, aber nach wie vor im richtigen Zeitpunkt ein sofortiger Erfolg. Nichtsdestotrotz vermitteln die Kämpfe ein tolles unterhaltsames Action-Gefühl mit sehr wenigen Bugs. Wie für Assassin's Creed üblich agiert die AI allerdings weiterhin individuell. Sie sprechen sich nicht ab, haben zurückhaltende Angriffsmuster und nur selten greifen zwei Gegner gleichzeitig an. Je mehr man im Spiel mit gegnerischen Einheiten kämpft, desto höher ist das neu eingeführte Aufmerksamkeitslevel. Die Wachen werden aufmerksamer und man wird häufiger in Kämpfe vermittelt. Dem kann der Spieler durch Bestechungen oder Abreißen von Ausschreibungsblättern entgegenwirken.
Die Waffenauswahl ist zufriedenstellend. Keine Waffe ragt besonders heraus; keine ist so gut, dass sie das Spiel zu einfach macht. Es gibt weiterhin Lang- und Kurzschwerter (bzw. Dolche) in kleiner Vielfalt. Das ändert sich erst mit der Ausrüstung Altaïrs, die man im Spiel freischalten kann, aber nicht auswählen muss. Eine Neuerung ist die Pistole, die für den PC meiner Ansicht nach schwierig effektiv zu steuern ist. Das Markenzeichen von Assassin's Creed bleibt auch im zweiten Teil die versteckte Klinge und das ist gut so.


Fazit

Assassin's Creed 2 ist eine große Bereicherung für die Spielindustrie und eine noch einmal deutliche Verbesserung zum ebenfalls fantastischen ersten Teil. Das Spiel führt die Geschichte sinnvoll weiter und lässt den Spieler in eine neue traumhafte Welt einsteigen mit vielen atemberaubenden Möglichkeiten und einer gefühlsvollen Geschichte rund um den meiner Meinung nach besten Charakter im Assassin's Creed Universum. Es ist lehrreich, philosophisch, emotional, spannend und vor allem spaßig. In meinen Augen ist Assassin's Creed 2 nicht nur eines der besten Spiele des Adventure-Genres, sondern ein zeitloser Videospiel-Klassiker, den ich jedem Spieler nicht nur bedingungslos empfehlen würde, sondern auch sehr ans Herz legen würde. Für mich gehört dieses Meisterwerk ganz oben zu meinen absoluten Lieblingsspielen.

 

GESAMT: 95/100 Punkte

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Wertung
Pro und Kontra
  • Emotionale Geschichte mit Gefühlsachterbahn
  • Sehr guter Protagonist
  • Philosophische Fragen
  • Gesellschaftskritisch
  • Atemberaubende Klettermöglichkeiten
  • Klettertechnik so gut wie noch nie
  • Traumhaft schöne authentische Städte
  • Graphisch sehr ansprechend
  • Eine der besten Main Themes in Videospielen überhaupt
  • Renaissance-Zeitalter Setting
  • Lehrreich
  • z. T. AI

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

genau richtig

Bugs:

Nur sehr wenige

Spielzeit:

Mehr als 40, weniger als 100 Stunden



Kommentare(1)

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