MMORPG mit unerreichtem Tiefgang

Dungeons & Dragons Online (DDO) ist anders. Anders als die Mehrzahl der aktuellen MMORPGs fordert es den Spieler, und zwar teilweise gewaltig. Dabei geht es...

von Nick2000 am: 23.09.2014

Dungeons & Dragons Online (DDO) ist anders. Anders als die Mehrzahl der aktuellen MMORPGs fordert es den Spieler, und zwar teilweise gewaltig. Dabei geht es gar nicht mal so sehr um den nicht unerheblichen Schwierigkeitsgrad, sondern vielmehr um die Komplexität des gesamten Spielsystems. Den Entwicklern ist es nämlich gelungen, ein bereits seit Urzeiten bestehendes und oft überarbeites Pen & Paper Rollenspielsystem (D&D) auf dem PC "relativ" detailgetreu umzusetzen. Zum Zeitpunkt des Release sogar noch mehr als heute. Früher gab es einfach nur eine schier unüberschaubare Flut von Feats und Skills, mit denen man einen Charakter bei jedem Levelaufstieg ausstatten konnte. Dabei wurde weder eine Vorauswahl für den Spieler getroffen, noch wurden Vorschläge unterbreitet, noch für diese Klasse unsinnige Skills ausgeblendet. Der Spieler musste sich mit dem System auseinandersetzen, um seinen Charakter nicht hoffnugslos zu verskillen. Dadurch war DDO nicht gerade massentauglich. Auch die Gamestar hat kaum eine Notiz von dem Spiel genommen, jedenfalls konnte ich keinen Test finden.

Mittlerweile ist DDO in dieser Hinsicht aber sehr gereift. Ohne viel von der Komplexität des Charaktersystems zu entfernen, haben die Entwickler ein zugänglicheres Skillsystem eingeführt. Jede Klasse besitzt nun die gängigen Skilltrees, wie man sie aus vielen MMOs kennt. Fast jede Klasse hat drei Skilltrees. Man ist aber nicht auf einen beschränkt, sondern kann seine Punkte frei verteilen. Hinzu kommt ein zusätzlicher Skilltree für jede Rasse. Daneben gibt es alle par Level auch noch extra "feats", z.B. besser mit zwei Waffen kämpfen oder mehr Zauberdurchschlagskraft usw. Das Charaktersystem ist unglaublich vielschichtig und erlaubt viele mehr oder weniger sinnige builds. Jedem Einsteiger sei daher die sehr gute ddo-wiki empfohlen. Selbst dann vergeht aber noch viel Zeit bis man alle Feinheiten erkannt hat. Wer gerne an seinem Charakter feilt, um das letzte bisschen rauszuholen, der wird mit DDO seine helle Freude haben. Es ist auch möglich, Mischklassen zu spielen, was das Ganze noch komplexer macht.

Genauso umfangreich fällt auch das Kampfsystem aus. Jeder Monstertyp hat seine eigenen Stärken und Schwächen, Resistenzen und Immunitäten usw. Wer seine Ausrüstung an die Anforderung der jeweiligen Quest anpasst, wird deutlich eher erfolgreich sein. Das Kampfsystem ist eher action-orientiert (3rd person mit manuellem Zielen) und erfordert auch häufige Stellungswechsel (insbesondere wenn man gegen Zauberkundige mit AOE-Zaubersprüchen kämpft).

DDO hat keine offene Spielwelt sondern nur "public areas" und instanzierte Quests (ähnlich wie bei Guildwars 1). Erfahrung kriegt man nur für den Abschluss einer Quest und für deas Erreichen optionaler Ziele. Monstertötungen gewähren keine Erfahrung pro Kill, aber bei der Endwertung der Quest u.U. Boni. Daneben gibt es ein Erfolgssystem für eine bestimmte Anzahl erlegter Monster eines jeden Typs (questübergreifend, z.B. 500 Skelette töten). Diese Erfolge geben auch Erfahrung oder andere Boni.

Einer der Höhepunkte von DDO ist mit Sicherheit das Crafting. Man kann für jeden Ausrüstungsplatz selbst Equipment herstellen und den Gegenständen Wunschfähigkeiten geben. Jeder Gegenstand kann eine Qualitätsstufe (z.B. +3) und zwei Attribute bekommen. Diese Attribute können z.B. schadenserhöhend wirken oder besondere Skills verleihen oder Charakterwerte steigern. Alles in allem ist es das beste und umfangreichste crafting, was ich in einem MMORPG bislang gesehen habe.

Das derzeitige Maximallevel ist 28. Das hört sich erstmal wenig an, jeder Level hat aber 4 Ränge. Insgesamt kommt man dann auf 112 Level, wobei man nur bis 80 normal levelt, alles darüber sind sogenannte epische Level, in denen dann ein komplett neues Charaktersystem zum Einsatz kommt. Hatte ich schon gesagt, dass DDO recht komplex ausfällt?

Hat man das Maximallevel erreicht, kann man entweder das "normale" Endgame betreiben (mit Raids und besonderen Challenges für Ruf und epische Ausrüstung) oder man kann sich entschliessen, mit seinem Charakter eine Reinkarnation durchzuführen. Danach beginnt der Charakter wieder auf Level 1 und benötigt mehr Erfahrung für jedes Level, profitiert aber von verbesserten Ausgangsattributen und sogenannten "past lives feats", die abhängig von der Klasse des früheren Lebens weitere Boni geben. Mit jeder Reinkarnation verstärken sich die Boni (jede Klasse bis 3 mal stackbar). Mit genügend Geduld kriegt man dann sehr mächtige Charaktere hin.

PVP gibt es mit Ausnahme belangloser Tavernenkämpfe nicht.

DDO ist free to play mit optionalem VIP-Status (Abonnement, 9,99 $ pro Monat) und Echtgeld-Shop, in dem es neben diversem kosmetischen Schnickschnack auch wertesteigernde Gegenstände gibt. Alles was dort käuflich zu erwerben ist, kann man aber auch erspielen. F2P-Spieler haben aber (anfangs) einige Einschränkungen, z.B. beim Inventar oder auch bei der Questschwierigkeit. Quests können nämlich auf verschiedenen Schwierigkeitsgraden gespielt werden (höhere Schwierigkeit = mehr Erfahrung und bessere Beute). F2P-Spieler können Quests aber nur auf normaler Schwierigkeit starten und müssen sich daher von VIPs auf höhere Schwierigkeitsgrade einladen lassen. Lassen F2P-Spieler ihren Charekter aber reinkanieren, darf mit jeder Reinkarnation auch ein höher Schwierigkeitsgrad gewählt werden. Auch so lässt sich also mit etwas Geduld alles auch ohne Echtgeld freispielen (selbst Inventarplätze).

Zur Technik: Die Grafik ist altbacken, aber atmosphärisch. Zaubereffekte stechen positiv hervor. Der Sound ist Durchschnitt. Wegen der Technik spielt man DDO aber ohnehin nicht.

Fazit: DDO ist ein MMORPG für Tüftler, denen die gängigen Platzhirsche (WOW, Guildwars, usw) zu "casual" sind. Es erfordert viel Einarbeitung und kann einen gerade am Anfang mit seiner Komplexität erschlagen. Wer aber Geduld und den Willen zur Beschäftigung mit dem Charaktersystem mitbringt, wird reich belohnt.

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Wertung
Pro und Kontra
  • Sehr detailliertes Charaktersystem
  • Gutes "Endgame" durch Reinkarnation
  • Große Klassen- und Rassenvielfalt
  • Umfangreiches Crafting
  • Einsteiger werden abgeschreckt
  • Grafik veraltet
  • Kein PVP

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

eher schwer

Bugs:

Nein

Spielzeit:

Mehr als 100 Stunden



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