"Nihil Verum Omnia Licita" - Zwischen Glauben, Zugehörigkeit, Entscheidung und Verständnis

Assassin's Creed führte Spieler im Jahr 2007 in eine alternative Welt ein, die durch den geheimnisvollen Kampf zwischen Templern und Assassinen charakterisiert...

von SilasSkywalker am: 30.05.2020

Assassin's Creed führte Spieler im Jahr 2007 in eine alternative Welt ein, die durch den geheimnisvollen Kampf zwischen Templern und Assassinen charakterisiert wird. 'Assassin's Creed' bedeutet 'Credo des Assassinen' und thematisiert kritisch in philosophischer Art und Weise unseren Glauben, unsere Zugehörigkeiten, unsere Vorstellungen, unsere Weltanschauungen und unser Verständnis von Gerechtigkeit und Freiheit in Relation mit gesellschaftlichen, systematischen und gedanklichen Strukturen.

Philosophisch interessant zu diskutieren hinsichtlich der Kritik am Glauben in Bezug auf Glaubenskonflikte und freie Entscheidung gegenüber der Darstellung des Assassinenordens im Spiel ist das Paradoxon im Motto der Assassinen "Nicht ist wahr, alles ist erlaubt", welche die Freiheit alles zu tun auf die gleiche Stufe der Kritik stellt wie die Aktion als Teil des Glaubens hinsichtlich der Manipulation, um die Kalamität dieser Frage zu unterstreichen. So mancher wird dadurch noch unbewusst zum Nietzsche-Fan.

Im Spiel spielen wir Altair, einen ehemaligen Assassinenmeister, der sich in Mitten von Glaubenskonflikten, Zugehörigkeiten und Geheimnissen um die gestochen scharf ausschauenden Städte Masyaf, Akkon, Damaskus und Jerusalem zur Zeit des Dritten Kreuzzuges diese Frage stellen muss, seitdem er gegen das Credo verstoßen hat und zum Novizen degradiert wurde. Wir müssen mit ihm Meuchelmorde ausführen, Personen belauschen und können dabei - bewusst entschieden von den Machern des Spiels - inmitten der Konfliktzone außerhalb der eigenen Macht über Rettung von Bürgern und der Länge des Aufenthalts in den Städten keine wirklich eigenen Entscheidungen treffen, sodass auch wir als Spieler die gleichen Fragen wie Altair gestellt bekommen, während wir mit ihm diese Auftragsmorde ausführen. Als Ruhephasen sind dabei Erklimmungen von hohen Aussichtstürmen zur Freischaltung neuer Gebiete implementiert.

Wir lernen gemeinsam mit Altair Fragmente der Geheimnisse um uns herum kennen, wollen Antworten auf unsere Fragen, und finden letztendlich eher mehr Fragen als Antworten, eher Unfreiheit als Freiheit, können zwischen den Zeilen jedoch diverse Widersprüche rund um die einleitend genannten Oberthemen entdecken. Genau das macht Assassin's Creed erzählerisch letztendlich zu einem Meisterwerk, wenn auch auf Kosten des Spielgefühls durch die wahrgenommene Monotonie der Aufgabengestaltung. Diesbezüglich hätten andere Typen von Nebenaufgaben nicht geschadet, die weitere Fragmente der Geheimnisse liefern.

Doch unsere Aufgaben als Altair sind lediglich Illusionen, ein Thema, welches im Spiel noch weiter in Bezug auf die Entstehung der Welt, Glauben, Götter und göttliche Taten behandelt werden wird, denn es sind Erinnerungen von Desmond Miles' Vorfahren. Desmond ist der Charakter, den wir in der Gegenwart spielen, wo der geheimnisvolle Konflikt zwischen Templer und Assassinen weitergeht. Mithilfe des Animus kann die Templerorganisation ABSTERGO Desmond jene Erinnerungen durchleben lassen, weswegen er letztendlich der Fokalisierer des Wahrgenommenen ist und Altair zu einer leeren Hülle wird, was das oben aufgeführte Gefühl der Unfreiheit verstärkt und somit zur paradoxen philosophischen Frage, die Assassin's Creed aufstellt, weiterführend beiträgt.

Assassin's Creed ist damit der erste Schritt zu einer nun großen Spielereihe, der uns gelungen mit vielen Fragen in das Universum der Templer und Assassinen einleitet, das Interesse in die Philosophie weckt (wenn auch unbewusst), und gelungene Gesellschafts- und Systemkritik äußert. Taucht ein und erlebt diese interessante Odyssee selbst!

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Wertung
Pro und Kontra
  • Mehrgliedrige Erzählstruktur mit interessanten historischen Interpretationen
  • Gesellschaftskritik
  • Parkour über die Dächer Damaskus', Jerusalems und Akkons
  • Graphisch für 2007 beeindruckend
  • Konzeption der Städte
  • Atmosphäre
  • Monotonie der Nebenaufgaben nicht für jeden geeignet
  • Mit der Tastatur kommen Ungenauigkeiten in der Steuerung

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

genau richtig

Bugs:

Nur sehr wenige

Spielzeit:

Mehr als 20, weniger als 40 Stunden



Kommentare(2)

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