Outward ist großartig, aber nicht für jeden.

Knüppelharte RPG´s erfreuen sich seit den Souls Spielen großer Beliebtheit. Outward versucht sich hier einzureihen. Hier sind aber nicht nur die Kämpfe schwer,...

von freebirdmk am: 09.04.2019

Bei Outward gibt es etwas ganz interessantes zu beobachten, was auch hier auf Gamestar oft passiert. Die professionellen Bewertungen und die Meinungen vieler Spieler gehen weit auseinander. Im Reddit von Outward machen sich die User deswegen einen Spaß daraus, Reviews des Spiels zu zerlegen und die Redakteure zu kritisieren. Wobei es zugegeben tatsächlich ein paar Tests aus dem englischsprachigen Raum gibt, bei denen ich den Eindruck habe, der Tester kann das Spiel nicht wirklich gespielt haben. In einem Test war zu lesen, das Spiel habe kaum Dungeons und die Dungeons, die es gibt, bestünden nur aus zwei Räumen. Das ist einfach quatsch und um das zu merken reichen drei Spielstunden.

Aber Outward ist ein gutes Beispiel für Spiele, die sehr schnell eine sehr enthusiastische Community gewinnen. Ein Tester aber, der das Spiel möglichst objektiv bewerten soll, wird Outward niemals eine 90 oder 80 geben können. Dafür ist es zu verbuggt. Dafür ist die Technik zu mittelmäßig, die Story zu rudimentär, die Charaktere zu eindimensional und die Kämpfe zu unpräzise. Und dafür ist auch der Preis von etwa 40 Euro zu hoch. Outward schreit förmlich Early Access, ist aber ein 1.0-Release. Es ist auch kein Indietitel sondern hat einen Publisher. Wenn man diese Kriterien anlegt, ist das Spiel eigentlich ein ziemlich unfertiger Release.

Und trotzdem ist das Spiel großartig – aber eben nur wenn man mit den Konzepten etwas anfangen kann. Survival ist in Outward nicht nur ein Feature, es ist das wesentliche Spielelement. Es gibt so viele Items die zum Überleben nötig sind. Gerade am Anfang wird man immer wieder in seine Basis zurückrennen müssen, weil man etwas vergessen hat. Die Kämpfe sind knüppelhart, lassen aber das präzise Trefferfeedback eines Dark Souls vermissen. Man verliert nicht nur aus eigenem Unvermögen heraus, sondern allzu oft auch wegen der unpräzisen Steuerung. Die Kamera verrutscht öfter, wenn man einen Gegner anvisiert und nahe an ihm steht. Pfeile bleiben in unsichtbaren Texturen stecken. Ein Bug macht Bögen gleich komplett unbenutzbar (ich habe dazu noch keinen Fix gefunden – vielleicht gibt es einen).

(Ab hier minimale Spoiler – nicht zur Story aber zu einer Location aus dem ersten Gebiet)

Und dann gibt es wieder solche Momente: Perfekt vorbereitet breche ich mit meinem Charakter auf. Mein Ziel ist ein Ort, den ich schon öfter ausgekundschaftet habe, aber es bisher nicht gewagt habe, zu betreten. Auf dem Weg gerate ich in einen Kampf mit Banditen. Ich gewinne, bin aber schwer verwundet und muss erst einmal rasten. Während der Rast bricht der Winter ein (Outward hat, zumindest in einem Gebiet, Jahreszeiten). Ich bin eigentlich nicht für die Kälte gerüstet. Glücklicherweise hat aber einer der getöteten Banditen eine Wollmütze. So bin ich vorerst vor der Kälte geschützt, gleichzeitig aber schlechter gepanzert. Ich ziehe weiter, verirre mich aber, da das Spiel zwar eine Karte, aber keinen Marker für die eigene Figur hat. Wieder gerate ich in mehrere Kämpfe gegen Banditen und Monster. Immer ist es knapp, immer gewinne ich mit letzter Kraft. Mein Inventar füllt sich und ich muss überlegen ob ich weiterziehe oder die Reise abbreche. Ich ziehe weiter. Schließlich erreiche ich mein Ziel. Ich erklimme einen Berg, spähe um jede Ecke um nicht von Feinden überrascht zu werden. Das geht drei oder vier Minuten so, ohne dass etwas passiert. Ich erreiche den Gipfel. Kein Gegner in Sicht. Ich schleiche um den Gipfel herum und wage mich schließlich hin – zu der großen Kiste, in der ich auf Loot hoffe. Ich öffne die Kiste und plötzlich bricht hinter mir ein riesiges Insektenwesen aus dem Boden. Der Kampf ist lang und hart aber ich gehe als Sieger vom Feld. Ich finde Beute, die zwar nicht annähernd so wertvoll ist wie in anderen RPG´s. Trotzdem fühlt sich der Sieg größer an als irgendein Sieg in Skyrim oder Witcher 3.

Das ist Outward. Es braucht lange bis man sich so sicher im Game fühlt, dass man nicht vor jedem Gegner Angst hat. Aber mit der Zeit wird man mutiger. Man plant Abenteuer. Natürlich gibt es auch eine Hauptquest mit drei verschiedenen Handlungssträngen und einige wenige Nebenquests – aber das Spiel drängt sie einem nicht auf. Man besteht Abenteuer und plant noch Größere. Die Welt bietet interessante Locations, die zum Erkunden einladen. Die Grafik ist objektiv betrachtet aus dem letzten Jahrzehnt, an manchen Stellen aber trotzdem wunderschön (es gibt aber auch wirklich hässliche Ecken in der Spielwelt). Outward schafft Belohnungserlebnisse, die wenige Spiele bieten. Nicht in Form von XP oder Items, sondern in Form von Geschichten und in letzter Sekunde gewonnen kämpfen. Für Fans von Gothic oder Elex ist Outward in jedem Fall einen Blick wert. Warum es so oft mit Dark Souls verglichen wird, erschließt sich mir nicht wirklich. Die einzige wirkliche Gemeinsamkeit ist das ausdauerbasierte Kampfsystem. 40 Euro sind happig – das Spiel wäre im Early Access besser aufgehoben gewesen. Drei oder vier Monate mehr Entwicklungszeit hätten gut getan. Aber es ist gut spielbar, ich persönlich hatte keine gamebreaking Bugs (Im Steamforum gibt es aber viele Spieler, die große Probleme mit Bugs haben). Mein größter Kritikpunkt ist, dass es bisher keinen Modsupport gibt. Damit hätte das Spiel die Chance, das nächste Mount and Blade, Rimworld oder auch Skyrim zu werden.

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Wertung
Pro und Kontra
  • Die Welt ist lebendig und abwechslungsreich
  • Survival passt perfekt ins Spiel und fühlt sich realistisch an
  • Spieler erlebt eigene Geschichten
  • Man kann sich in der Welt wirklich verlieren
  • Die Kämpfe machen Spaß (trotz mangelndem Trefferfeedback und kniffliger Steuerung)
  • Charakter kann individuell ausgebaut werden, die Klassen spielen sich unterschiedlich
  • Die Grafik ist veraltet
  • Bugs und Glitches
  • NPC´s sind kaum animiert
  • Balancing - manche Skills sind weitgehen nutzlos
  • Unvollständige und schwache Sprachausgabe
  • Performanceprobleme
  • Kein Modsupport (Keine Ahnung was sich die Entwickler dabei gedacht haben)

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

eher schwer

Bugs:

Häufiger, unregelmäßig

Spielzeit:

Mehr als 20, weniger als 40 Stunden



Kommentare(2)

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