Runde Sache im Würfeluniversum

Der Achtungstitel von Toxic Games bekam 2018 einen Nachfolger - mit neuen Rätseln, neuer Story und amtlicher Technik. Also alles besser als vorher?

von TheVG am: 23.11.2019

Wer nach frischen Ideen im Spielemedium sucht, dürfte in der bei 3D-Puzzlespielen die richtige Nische gefunden haben. Einst legte Portal den Grundstein für ein neues Subgenre und fand schon bald Nachahmer, die oft mit Logikrätseln und nachvollziehbarer Verwendung von Physik Achtungspunkte erzielten.

Ein herausstechendes Beispiel war Q.U.B.E., das ich von der ersten Minute an in mein Rätselherz geschlossen hatte. Das Spiel mit den Blöcken übte eine besondere Faszination aus, krankte aber noch ein wenig an der Präsentation und wurde später um einen Directors Cut ergänzt. 2018 dann konnte Entwickler Toxic Games zeigen, ob sie von ihren Fehlern gelernt hatten, und uns gleichzeitig mit neuem Rätselstoff die Abende versüßen. Ich habe mich gerne in die neue Runde gestürzt und war zuerst über das bemerkenswerte Facelift erstaunt – die Unreal Engine 4 macht´s möglich. 

 

Vergessen wir´s einfach

Doch habe ich sogleich zu Beginn einen Grund zum Mosern gefunden. Die Story startet mit demselben Faux-Pas wie im Vorgänger. Zwar steuern wir nun eine Person mit Namen und einer angedeuteten Vergangenheit, werden aber mit Gedächtnisverlust in einem riesigen Gebilde ausgesetzt. Den hätte man auch weglassen können, denn rätselt man als Spieler selbst genug über Ursprung und Funktion des gigantischen Quaderkonstruktes. Das ist aber – gleich vorweg – der einzige Makel in der Storyschreibung, bald schon entspinnt sich trotz teils verwirrender Entwicklungen eine spannende Geschichte mit kleinen Überraschungen, und hier hat Toxic Games an den richtigen Stellschrauben gedreht, so dass wir im Verlauf gar nachdenklichen Stoff serviert bekommen.

Auch optisch wird sofort klar, dass der Entwickler einen großen Schritt nach vorne machen wollte. Die Umgebung wirkt deutlich organischer, nutzt viele Möglichkeiten, um Stimmung zu transportieren. Glanz an den Wänden, die dazu noch die Umgebung spiegeln, und das Gebilde sieht nun nicht mehr aus, als hätte es ein Roboter exakt zusammengesetzt. Überall lugen Würfel unregelmäßig heraus oder liegen der Figur im Weg. Man fühlt sich nicht mehr wie in einem Versuchslabor, sondern eher auf einer Expedition mit Unwegsamkeiten. Und ich erwische mich nicht selten dabei, dass ich etwa beim Erblicken eines Baumes oder wegen der effektvollen Beleuchtung innehalte – einfach nur um die Grafik zu bewundern. Vergessen ist der Minimalismus des Vorgängers, hier gibt es richtige Eyecatcher.

Der Sound macht ebenfalls Spaß und spricht all diejenigen an, die auf ambiente Musikstücke stehen und etwas für minimalistisch-moderne Kulissen übrig haben. Passend zu den jeweiligen Elementen wurden ausgesuchte Audios kreiert, die Sprecherqualität ist wieder sehr gut ausgefallen, wenn auch die ein oder andere Dialogzeile überarbeitet hätte werden können. Im Ganzen aber ein sehr gut präsentiertes Spiel, das sich vor den großen Titeln nicht verstecken muss, man hat sich lediglich den Aufwand mit den Cutscenes erspart. 

 

Rätselbaum

Auch bei der Levelgestaltung wurde einiges überarbeitet. Der vorherige Teil funktionierte noch nach dem Schlauchprinzip und schickte die Figur von einem Rätsel zum nächsten. Der Nachfolger wurde zumindest räumlich verändert, dass man nun ein zentrales Ziel verfolgt, nämlich eine Plattform oder wichtige Informationen via Ansteuerung von Reaktoren mit Saft zu versorgen. Dazu leitet uns das Spiel über durchschreitbare Türen in die Rätselräume, die nach erfolgreich absolvierter Arbeit Leitungen mit Energie aufladen, die wiederum die Reaktoren antreiben. Ist die Kiste schließlich am Laufen, erreicht man einen neuen Abschnitt mit neuen Rätselelementen. 

Der logische Aufbau der Welt hält auch bei den Rätseln Stand, und so sind wir mitunter nicht mehr gezwungen, einen Resetknopf zu drücken, um die Aufgaben neu zu starten. Das Rätseldesign kann jederzeit durchprobiert und auf die jeweilige Wirkung untersucht werden, außerdem hat man den Part mit den drehbaren Wänden ausgelassen, was mir persönlich am meisten Kopfzerbrechen bereitet hatte. Q.U.B.E. 2 beinhaltet nun eindeutig ausgewiesene Blankoflächen, die mit Hilfe unseres Anzugs beliebig mit farbigen Würfeln/Farbflächen belegt werden können. Die bekannten Würfel und Balken sind wieder vertreten, nur die gelbe Variante hat man ausgespart. Der blaue Quader ist eine Sprungplattform, mit grünen erzeugt man einen einzelnen Würfel, und der rote lässt sich auf dreifache Länge ziehen. Wer den ersten Teil kennt, weiß diese auch gleich einzusetzen. Wer sich hier neu hineinrätselt, wird sich nicht abgehängt fühlen, da die Effekte durch die Maustasten schnell erlernbar sind, auch ohne Tutorial dürfte man schnell die Mechanik durchschauen. Durch die neuen Ideen ist es nun noch spaßiger, die Effekte auszuprobieren – einen eingeölten Würfel durch die Gegend zu schubsen oder zu sehen, welche Auswirkung der Magnetismus auf Umgebung und Steine hat, ist noch ein ganz anderes Niveau wie im Vorgänger.

Die Lernkurve ist dabei stets fair gehalten, wenn auch schnell ansteigend. Man merkt, dass hier viele und vielseitige Ideen implementiert werden wollen; wer logische Rätsel mag und schnell durch hat, bekommt auch schon bald neue Elemente hinzu und wird angemessen gefordert sein. Diese reichen nun über bewegliche Wandelemente, Magnete oder den Einsatz von Öl und Feuer werten die Aufgaben gegenüber Teil eins deutlich auf. Da stellten sich mir so viele Aha-Effekte ein, dass man stets motiviert bleibt und in der „Nur-noch-ein-Raum“-Spirale gefangen sein kann. Je nach Auffassungsgabe wird man somit fünf bis zehn Spielstunden beschäftigt sein, und das ist für ein Indiespiel sehr ordentlich.

 

Exklusives Kopfkino

Um nochmals zur Präsentation zurückzukehren – lässt man die Rätsel ausgeklammert, könnte es passieren, dass dem ein oder anderen Spieler die Story und Umgebungen zu abstrakt erscheinen mögen. Das Science Fiction-Setting mit teils grotesken Erklärungsversuchen kann man auch als Zubrot auffassen, da kann man auch die Dialoge im Kopf ausblenden und einfach nur die Optik schön finden.

 

Man spürt durch und durch, dass dem Indie-Faktor sehr viel Raum gegeben wird. Hier präsentiert sich ein bestimmter Stil mit einer Meta-Geschichte, die zum Nachdenken anregt. Das Spiel ist also eine Kopferfahrung und gleichzeitig Hirntraining mit Anspruch, das sich in fast jedem Punkt vom Vorgänger abheben kann. Wem Puzzles liegen, wird mit Q.U.B.E. 2 seine helle Freude haben, die Einsteigerfreundlichkeit lädt zum Ausprobieren ein. Somit hat Toxic Games das erreicht, was das Puzzlespiel-Genre braucht – neue Ideen verwirklicht, auch innerhalb einer Spielemarke, dass man sich schon auf die nächsten Releases freuen darf.

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Wertung
Pro und Kontra
  • Organischer wirkende Umgebung
  • Teils tolle Effekte
  • Soundkulisse und Sprecher
  • Auch für Anfänger geeignet
  • Vielseitige Rätselelemente
  • Ursache-und-Wirkung-Prinzip funktioniert fast immer
  • Sehr ordentlicher Spielumfang
  • Interessante Geschichte
  • Engine nicht ausgereizt
  • Etwas starre Präsentation
  • Leichte Storyschwächen

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

genau richtig

Bugs:

Nein

Spielzeit:

Mehr als 5, weniger als 10 Stunden



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