Sam hat´s noch immer drauf

Kein Witz: Was macht ein Videospieler in den heißesten Sommertagen 2012? 10 Sekunden Bedenkzeit… Dabei ist es ganz einfach: Er holt seine Wintersachen wieder...

von Ash Evil Dead am: 21.08.2012

Kein Witz: Was macht ein Videospieler in den heißesten Sommertagen 2012? 10 Sekunden Bedenkzeit… Dabei ist es ganz einfach: Er holt seine Wintersachen wieder raus um sich abzukühlen, genauer gesagt die damals erschienene und vorerst exklusive PC-Version von Serious Sam 3: BFE.

Story oder was das sein soll

Ziemlich lange schien Sam Stone aus dem kroatischen Entwicklerhaus Croteam wie vom Erdboden verschluckt. Gründe finden sich sicherlich in der Programmierung einer neuen Grafikengine und gewissen Hürden, die sich die Macher selbst auferlegt haben. Denn Serious Sam 3: BFE, was nichts anderes bedeutet als Before First Encounter, setzt vor den Serienanfängen an und spielt sich anfangs relativ ungewohnt. Trotz allem Überfluss bemüht sich aber auch dieser Ableger wiederum eine Geschichte zu erzählen, mit völlig belanglosen Nebenfiguren, bekloppten Dialogen bzw. Monologen in noch überflüssigeren Zwischensequenzen. Sam´s Sprüche mit der markanten englischen Stimme dürfen einfach nicht fehlen. Dies alles ist vor allen Dingen eines: Mittel zum Zweck und dieser ist nichts anderes als eine kompromisslose Ballerorgie – zumindest nach dem zähen Anfangsviertel des Spiels. Denn die ersten von etwa 10 bis 12 Stunden Spielzeit - je nach gewähltem Schwierigkeitsgrad etwas mehr oder weniger - gestalten sich für die traditionelle Action nicht fast schon seriös und sind nicht zu knapp realistisch angehaucht was sowohl die Umgebungen als auch das Gegnerdesign anbelangt.

Zäher Beginn und Wendepunkt

In den verwinkelten Straßen zerstörter Häuserruinen ist sogar stellenweise vorsichtiges Vor- und Umgehen nötig um den fies platzierten Stellungen nicht in die tödlichen Salven zu laufen. Auch größere Gegnermassen lassen relativ lange auf sich warten. Das alles ändert sich mit einem Schuss aus dem Raketenwerfer während sich am Horizont die majestätischen Pyramiden erheben. Der Raketenwerfer ist zwar nur eine von 13 Waffen, dafür auch eine der durchschlagkräftigsten im Spielverlauf neben den fetten Kanonenkugeln sowie Minigun. Mit Ausnahme einer Art futuristischem Lassohandschuh finden sich aber überraschenderweise viele konventionelle Gattungen im Inventar, etwa Pistole, Vorschlaghammer, Schrotflinte oder Maschinengewehr. Schade: Das präzise Scharfschützengewehr wurde wegrationalisiert, ebenso Serious Bomb oder der witzige Papagei, ein Jetpack steht nur beim durchaus gelungenen Endkampf zur Verfügung.

Oldschool-Freuden

Fast schon zu schön um wahr zu sein für Oldschool-Shooter-Fans: Die Lebensanzeige regeneriert sich nicht automatisch, daher sind Medipacks, Rüstungen sowie Munition mehr als genügend verteilt, gegen die 15 zum Teil hartnäckigen Gegnertypen und fetten Zwischengegner aber auch so notwendig wie Dieter Bohlen´s selbstverliebtes Ego für das Niveau von RTL. Darunter finden sich sowohl bekannte Monster und Mutanten wie brüllende Kamikazebombenboxer ohne Kopf, rasende Bullen oder Skelette als auch ein paar wenige neue, beispielsweise eine schwebende Gestalt, dich sich immer wieder hin- und herteleportiert wenn sie den Spieler nicht gerade durch die Luft wirbelt. Gerade gegen Ende des Spiels finden wir uns durch den nicht Enden wollenden Strom an Widersachern nach dem Vorpreschen in die Nähe des Level-Ausgangs ziemlich schnell wieder am Anfang wieder. Jeder dieser Gegner reagiert anders auf die jeweilige Waffe, eine hohe Feuerrate ist aber später unabdingbar. Zwischenbosse verlangen sogar etwas Taktik wenn man vorher ihre Schwachpunkte ausmachen muss, etwa ein mit tödlicher Laserkraft bestücktes Raumschiff. Fans können aber beruhigt werden: Zu jedem Zeitpunkt verhalten sich die Feinde dumm wie Brot und kennen in der Regel nur eine Richtung, nämlich die von allen Seiten auf den Spieler zu.

Multiplayer und Auffälligkeiten

In der Einzelspielerkampagne macht das alles ab dem angesprochenen Zeitpunkt eine ganze Menge Spaß, noch mehr aber online mit bis zu 15 (in Worten: fünfzehn) kooperativen Spielern. Selbst offline an einem PC ist 4-Spieler-Splitscreen-Kooperativ-Action möglich. Dann lässt Serious Sam 3: BFE seine besonders austrainierten Muskelpartien spielen wenn Kurzweiligkeit und zuweilen unübersichtliches Chaos keine Grenzen mehr kennen. Zudem haben Mehrspieler ihre wahre, unkomplizierte Freude mit den Modi Deathmatch, Beast Hunt, Survial, usw.. Leider bleibt das allgemeine Leveldesign mit seinen Spielumgebungen weitestgehend eintönig und einfallslos – selbst in ihrer brachial-sehenswerten Zerstörbarkeit. Ärgerlich ebenfalls, dass man nicht immer genau weiß wie und vor allen Dingen wo es weitergeht, was größtenteils bei irgendwelchen aufgesetzten Schalterrätseln auftritt. Den besonderen Spielwitz von Serious Sam: The 2nd Encounter erreicht das Prequel dadurch leider zu keinem Zeitpunkt. Dafür punktet der Titel traditionell mit einigen gelungenen Geheimnissen und Easter Eggs, seien es nun versteckte Gegenstände oder herumirrende Entwicklerfigürchen mit Riesenköpfen. Minuspunkte hingegen hagelt es für die überflüssigen One-Button-Kills, denn ein Knopfdruck genügt bereits für den sich ständig wiederholenden Finishing Move.

Technisches

Selbst wenn der Benchmark-Charakter der Vorgänger vernachlässigt wurde präsentiert sich der Ego-Shooter insgesamt gut, was wohl dem Umstand der vorerst geplanten PC-Exklusivität zu verdanken ist. Texturen sind gestochen scharf, Effekte größtenteils knackig und durch die individuell einstellbaren Grafikoptionen selbst auf richtig alten Computern wunderbar spielbar. Da stören auch die vereinzelt auftretenden Ladezeiten während eines Levels nicht großartig. In grafischer Hinsicht ist Serious Sam 3: BFE dadurch trotz der angeschnittenen Eintönigkeit ein gern gesehener Ausnahmetitel. Gleiches gilt für die hervorragende deutsche Textübersetzung, Soundeffekte, die präzise Steuerung mit Maus/Tastatur bzw. per Gamepad sowie treibenden Musikuntermalung trotz vereinzelter Dynamikfehler.

Das Fazit

Sam bleibt sich letztendlich doch treu. Nach einer zähen Anfangsphase ballert sich der obercoole Macho fast zur alten Höchstform auf. Der realistische Touch ist zwar ein Kulturschock und das Leveldesign vergleichsweise uninspiriert, als Gesamtpaket macht auch dieser Oldschool-Shooter eine ganze Menge Spaß.

Jetzt eigenen Artikel veröffentlichen

Schreib Deinen eigenen Artikel auf GameStar und tausche Dich mit anderen Lesern aus.

Eigenen Artikel schreiben

Wertung
Pro und Kontra
  • Grafik: sehr detailliert, viele Einstellungsmöglichkeiten
  • Sound: bekannte Soundeffekte, altbekannte Musik
  • Balance: mehrere Schwierigkeitsstufen
  • Atmosphäre: völlig abgedreht diesmal mit realistischem Touch..
  • Bedienung: präzise Steuerung, auch per Gamepad
  • Umfang: 10 bis 12 St. Solo-Spielzeit, Extras, Koop
  • Leveldesign: abwechslungsarm und ohne große Überraschungen
  • KI: Serious-Sam-Standard Verhalten
  • Waffen & Extras: spaßige Waffen mit brachialer Gewalt
  • Handlung: oberflächlich vorhanden
  • Grafik: eintönig und abwechslungsarm
  • Sound: Dynamikfehler bei der Musik
  • Balance: -
  • Atmosphäre: der Geschmackssache ist
  • Bedienung: -
  • Umfang: abwechslungsarmut
  • Leveldesign: besonders zäher Beginn
  • KI: doof, dumm & bescheuert :D
  • Waffen & Extras: einige können später getrost vernachlässigt werden
  • Handlung: bleibt weiterhin nicht die Stärke des Spiels

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

genau richtig

Bugs:

Nur sehr wenige

Spielzeit:

Mehr als 10, weniger als 20 Stunden



Kommentare(0)

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.