Schade, dass es vorbei ist

Max und Chloe Life Is Strange ist für mich persönlich das Spiel des Jahres 2015. Das Spiel des Pariser Entwicklerstudios Dontnod handelt von Max...

von Angry_Nerd am: 26.10.2015

Max und Chloe

Life Is Strange ist für mich persönlich das Spiel des Jahres 2015. Das Spiel des Pariser Entwicklerstudios Dontnod handelt von Max Caulfield, die vor fünf Jahren aus ihrer Heimatstadt Arcadia Bay nach Seattle gezogen ist. Sie ist Fotografie begeistert und deshalb bewirbt sie sich um ein Stipendium für die Blackwell Academy und erhält dieses auch. Nach fünf Jahren zieht sie also als 18 jährige junge Frau zurück nach Arcadia Bay. In Episode eins erfährt Max, dass sie die Zeit zurückdrehen kann. Der Rest der Episode handelt von ihrem „normalen“ Alltag. Am Ende trifft Max noch auf ihre ehemalige beste Freundin Chloe. Die Geschichte nimmt so ihren Lauf. Das Spiel dreht sich im Wesentlichen um die Beziehung zwischen Chloe und Max. Als Aufhänger für die Geschichte dient Rachel Amber, die vermisste Freundin von Chloe. In den ersten beiden Episoden verläuft die Geschichte noch sehr gemächlich, spätestens mit dem Ende von Episode zwei geht es dann richtig los. Trotzdem macht das Spiel von der ersten Sekunde an Spaß und fesselt. Die Geschichte wird ab der zweiten Hälfte von Episode drei komplex, fesselnd und schockend. Es gibt einfach Storywendungen, mit denen ich überhaupt nicht gerechnet hätte. Die Art der Erzählung erinnert dann stark an den Film Butterfly Effect, nur mit Teenagern, statt Ashton Kutcher. Episode fünf ist meiner Meinung nach eine würdige letzte Episode, die dann richtig am Rad dreht, was die Komplexität der Geschichte und das Design angeht. Am Ende gibt es dann eine finale Entscheidung. Die Entscheidungen, die man während des Spieles getroffen hat, haben keinen großen Einfluss auf das Ende (außer eine Entscheidung und die Auswirkung ist dafür desto stärker).  Eines der Enden ist dann wie erwartet stark emotional und hat mich zum Weinen gebracht (auch beim zweiten Mal), das andere Ende war für mich persönlich im ersten Moment zu langweilig und nicht emotional genug. Ich habe dann ein paar Tage über beide Enden nachgedacht und finde jetzt, dass beide Enden gut sind. Das eine ist zwar im ersten Moment nicht so gut gemacht, es wirkt aber mit der Zeit und jetzt bin ich auch mit diesem zufrieden. Man hätte es trotzdem besser machen können, allerdings habe ich gelesen, dass das Budget knapp geworden ist und sie keine Zeit mehr hatten. Schade. Mir persönlich fehlt noch ein drittes Ende, das ich jetzt natürlich nicht erwähnen kann. Am Ende sind noch einige Fragen unbeantwortet. Bei einigen ist es nicht so schlimm, da kann ich selbst eine Antwort finden die mich befriedigt, es gibt aber auch Fragen bei denen ich eine Antwort vermisse, weil ich mir keinen Reim darauf machen kann.  

Schwere Wahl mit genug Zeit

Ein weiterer wesentlicher Bestandteil des Spiels sind Entscheidungen. Die Entscheidungen sind teilweise wirklich schwer und regen zum Nachdenken an. Positiv ist, dass ich unbegrenzt Zeit habe um die Entscheidungen zu treffen, außerdem haben diese auch einen großen Einfluss auf das Spiel. Es kommen Zwischensequenzen hinzu oder fallen weg und vor allem verhalten sich die Charaktere anders zu Max. Teilweise sind es minimale Auswirkungen, wenn ich z. B. meine Pflanze Lisa am Leben halte, schreibt mir meine Mutter eine andere SMS als wenn sie stirbt. Das macht Life Is Strange zu meinem Spiel, ich kann mich besser mit Max identifizieren. Ich hatte noch bei keinem Telltale Adventure oder ähnlichem Spiel solche Gewissensbisse und Schuldgefühle aufgrund meiner Entscheidungen und deren Auswirkungen wie bei Life Is Strange. Lediglich auf das Ende haben die Entscheidungen wie bereits gesagt keinen großen Einfluss, aber das stört mich nicht.

Laufen und Reden

Das Gameplay ist nicht sonderlich komplex. Es besteht meistens daraus, in einem Gebiet rumzugehen und sich Sachen anzuschauen oder mit den NPCs zu reden. Bei den Dialogen muss man manchmal auch in der Zeit zurückreisen, um dann in den Dialogen mit zuvor erworbenem Wissen zu punkten. Es gibt auch Rätsel, diese sind allerdings sehr einfach. Die Zeitreisemechanik wird dabei die ganze Zeit gut im Spiel eingebunden. Lediglich in Episode fünf geht man fasst nur von Dialog zu Dialog um die Geschichte aufzuklären, da schließe ich mich der Meinung an, dass eine sechste Episode sinnvoll gewesen wäre. Die Spieldauer ist auch gut: für meinen ersten Spieldurchlauf habe ich knapp 21 Stunden gebraucht, bei meinem zweiten knapp 16 Stunden.

Design und Technik

Life Is Strange hat ein wunderschönes Design, es sieht einfach schön und stimmig aus. Es gibt Stellen, da hätte man mit einem höheren Budget ein schöneres Spiel erzeugen können, z. B. ist das Wasser hässlich und die Personen haben keine richtigen Fingernägel. Die Charaktere sind auch gut animiert und detailliert, die Animationen sind flüssig. Lediglich bei den Gesichtern gibt es Grund zu meckern. Seit dem letzten Update sind die Lippen und der Text zwar meistens synchron, die Gesichter aber sind zu grob und staksig animiert. Ich brauche keine Gesichter wie in L.A. Noir um zufrieden zu sein und Gefühle erkennen zu können aber in Life Is Strange ist es störend. Der Soundtrack passt perfekt zum Spiel und unterstreicht immer gut die aktuelle Situation. Ich mag diese Art Musik (laut Internet ist das Indie-Folk) eigentlich nicht aber bei Life Is Strange fand ich sie schön. Technisch gesehen läuft das Spiel auf meinem Mittelklassecomputer auf höchsten Einstellungen flüssig bei 60 FPS, es müsste demnach auch auf schlechterer Hardware problemlos laufen. Mich stört lediglich, dass es auch vorgerenderte Zwischensequenzen gibt, diese aber nur mit 30 FPS laufen (verdammte Konsolen). Es gibt leider keine deutsche Synchronisation, ich habe aber lieber eine sehr gute englische Synchronisation als eine schlechte deutsche. Es gibt auch keine deutschen Bildschirmtexte, was aber meiner Meinung nach kein Problem ist, da erstens man das Spiel auch mit mittelmäßigen Englischkenntnissen problemlos spielen kann und zweitens es eine deutsche Fanübersetzung gibt, die sehr gut sein soll.

Fazit

Life Is Strange ist eins der besten Spiele der letzten Jahre. Die Geschichte ist gut geschrieben und hat unerwartete Wendungen. Es ist schön zu sehen, wie sich das Verhältnis zwischen Max und Chloe entwickelt. Das Spiel schafft es, ohne viel Gewalt, Action, schwierigen Rätseln oder Kletterpassagen, sondern nur mit erkunden, reden und leichten Rätseln ein schönes, spannendes und unterhaltendes Spiel zu erschaffen. Anders als bei den Telltale Spielen gibt es keine Quicktime-Events und ich habe alle Zeit der Welt meine Entscheidungen zu treffen. Ich empfehle Life Is Strange jedem, der die Telltale Spiele mag, der Dontnods erstes Spiel Remember Me mag, denn beide Spiele sind sich ähnlicher als es auf den ersten Blick scheint, und jedem, dem eine starke Story in einem Spiel wichtig ist. Ich freue mich jetzt auf eine eventuelle zweite Staffel, die vielleicht schon in der Produktion ist. Diese soll allerdings andere Hauptfiguren haben, wo ich mich frage, ob das angenommen wird, da für mich zu Life Is Strange Max und Chloe gehören.  Ansonsten können wir uns schon mal auf Dontnods nächstes Spiel Vampyr (RPG) freuen.

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Wertung
Pro und Kontra
  • Story mit Wendungen
  • Stimmige Atmosphäre durch Soundtrack und Spielwelt
  • Grafikstil
  • Technisch nicht sehr Anspruchsvoll
  • Entscheidungen, die was bewirken
  • Interpretationsfreiraum
  • der Teilweise zu groß ist
  • Gesichter
  • Eines von zwei Enden
  • Nicht lokalisiert

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

genau richtig

Bugs:

Nur sehr wenige

Spielzeit:

Mehr als 40, weniger als 100 Stunden



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