Sniper - Stealth und Rambo zugleich

Machen Sie ich klein und hässlich! Ein beliebter Spruch in der Bundeswehr mit dem Hintergedanken dass man als Soldat unbemerkt bleiben soll. Dies gilt auch für...

von schludi am: 15.07.2010

Machen Sie ich klein und hässlich! Ein beliebter Spruch in der Bundeswehr mit dem Hintergedanken dass man als Soldat unbemerkt bleiben soll. Dies gilt auch für Sniper: Ghost Warrior. Denn bei diesem Spiel handelt es sich laut Verpackung um einen Stealth-Shooter. Doch ist auf der DVD auch wirklich das, was die Verpackung verspricht?

The first impression

Willkommen im Dschungel Sgt. Ihr Name...Name? Ja den Namen des Protagonisten können Sie getrost vergessen. Er ist sympatisch, durchtrainiert und Spezialist unter den Scharfschützen, also beste Voraussetzungen um jedem gut in Erinnerung zu bleiben. In der Story von Sniper bleibt er trotzdem belanglos. Wen es interessiert: Sgt. Tyler Wales.
Schon im Tutorium sieht der Spieler die detailreich gestaltete Umgebung. Bereits hier sticht die liebe zum Detail der Grafik ins Auge, welche sich wirklich sehen lassen kann. Um diese in voller Pracht genießen zu können müssen die Einstellungen auf Anschlag gedreht werden. Doch dies sollte dank niedriger Hardwareanforderungen kein Problem darstellen. Einzig die verpixelten Schatten hätten besser ausschauen können.
Um die ebenfalls aus der Verpackung angepriesene 'Stealth-Shooter-Simulation' spielen zu können, sollten Sie der härtesten Schwierigkeitsgrad wählen. Alle anderen Schwieringeitsgrade werden dem Wort 'Simulation' nicht gerecht, das es sich, dank zahlreicher Hilfen, wie ein ganz normaler Shooter spielt.
Folglich sollte jeder der Sniper: Ghost Warrior kauft diesen Soiel auch auf der höchsten Schwierigkeitsstufe durchspielen.

Gameplay

Die Tastaturbefehle gehen super von der Hand bzw. von der Maus. Die Einstiegsphase geht dementsprechend schnell.
Wir nähern uns unserem ersten Gegner, unser Scharfschützengewehr MSG 90 im Anschlag, drücken ab und erleben den Flug der Kugel aus dem Gewehrlauf bis in den Kopf des Soldaten in Zeitlupe mit der Bullet Cam.
Schaut verdammt cool aus, aber irgendwoher kenne ich diesen Effekt doch schon. Erfahrenen Spielern wird sofort ein indiziertes Spiel und dessen Nachfolger Max Payne 2 einfallen. Doch obwohl das Prinzip geklaut ist schaut es hier vielleicht sogar noch einen Tick besser aus und bereichert auf alle Fälle das Spielgeschehen um viele Inszenierungen, denn die Kammerafahrt erlebt man selbst wenn der gleiche Gegner nach erneutem Laden ein weiteres mal ausgeschaltet wird, oft aus verschiedenen Blickwinkeln. Klar dass gegen Ende, welches auf dem härtesten Schwierigkeitsgrad nach ca. 8 Stunden errreicht wird, die Bullet Cam an Reiz verliert, aber im Momment sind wir ja noch am Anfang:-)
Je weiter die Gegner entfernt sind und je stärker der Wind geht oder das Ziel sich bewegt desto genauer muss man den Flug der Kugel berechnen. Dass das Wetter Einfluss auf die Flugbahn hat kann man sehr leicht in dem Level 'Steal from under their noses part II' nachvollziehen. Gleich zu Beginn des Levels weht ein sehr starker Wind und wenn man noch vor erreichen des Camps aus Spaß versucht der Leutnant vor seinen Männern auszuknipsen wird man erstens merken dass sehr wohl auf den scharfen Wind geachten werden muss und zweitens dass die Soldaten des getöteten Leutnants wenn man nicht sofort in Deckung hechtet, so schnell und Präzise zurückschießen, dass innerhalb weniger Sekunden das virtuelle Leben von Sgt. Wales verblichen ist.
Des weiteren wird jeder der schon einmal auf 200 Meter geschossen hat bestätigen können, dass sehr leichte bist fast gar keine Winde, welche in den meisten Leveln des Spieles vorhanden sind, nicht oder so gering in die Flugbahn eingerechnet werden müssen, dass dieser Parameter vernachlässigt werden kann.
Was lernen wir daraus? Die Gamestar Redaktion liegt mit seinem Urteil, dass das Wetter keine Rolle spiele im Unrecht.
So schalten wir einen Gegner nach dem anderen aus. Dabei ist es immer das selbe Prinzip: Wer zuerst kommt mahlt zuerst. Oder in dem Fall auf das Spiel bezogen: Wer zuerst schießt überlebt. Denn wenn man von einem oder mehreren Gegnern gesehen wird verbleibt oft nur wenig Zeit um entweder sich wieder zu verstecken oder die Gegner schnell mit gezielten Schüssen zu erledigen. Dabei kommt die Möglichkeit von Luftanhalten sehr zu Hilfe. Während Sgt. Tyler Walles seinen Atem kontrolliert vergeht die Zeit in Zeitlupe. So können wir problemlos drei Gegner hintereinander ausschalten ohne dass diese auch nur einen einzigen Schuss abgeben könne. Daber verkommt Sniper: Ghost Warrior oft mehr zu Rambo als es einem lieb ist, da spielerisches Vorgehen auf diese Art und Weise sehr einfach und relativ untödlich ist.
Das selbe Rambo Gefühl hat man in den einzelnen Missionen in denen wir ein Sturmgewehr in die Hand gedrückt bekommen oder vor dem Feind fliehen müssen. Ein Sniper, der unter Beschuss mehrerer Gegner kurz aus der Deckung geht um diese auszuknipsen ist kein Stealth-Sniper sondern eher ein taktisch vorgehender Krieger im Gefecht.
So das erste Magazin hätten wir verschossen und wollen nachladen. Doch irgenwas fehlt. Des Verschluss der Gewehres ist trotz des leergeschossenen Gewehres nicht hinten geblieben. Genauso unrealistisch ist das Nachladen von halbleeren Magazinen. Der Protagonist zieht einfach das Magazin aus dem Gewehr, schmeißt dieses fröhlich ums Eck, hat zur gleichen Sekunden ein neues bereit und trotzdem werden nur so viele Patronen abgezogen, wie zum Auffüllen des Gewehres benötigt worden wären.
Da wir aber dem Papst kein Ehebett verkaufen wollen, sollte man sich in Sniper: Ghost Warrior nicht über diese kleinen Details aufregen.

bad: omniscient enemies

Viel größere Probleme verbergen sich im Leveldesign und in der KI.
Oft und vor allem bei den Missionen in denen man als Sniper entdeckt wurde sind die gegnerischen Kämpfer auf einmal allwissend. Nicht einmal Deckung hält diese davon ab geziehlte Schüsse über die halbe Karte hinweg abzugeben, welche gröstenteils auch noch schmerzlich treffen.
Ein schönes Experiment ist oftmals auch in bestimmten sehr engen, schlauchartigen Levelabschnitten rückwärts zu gehen. Dabei kann man mit eigenem Auge beobachten wie Ihnen das Programm die Gegner durch einen Trigger ausgelöst in den Rücken beamen will. So etwas sollte eigentlich schon seit den Zeiten von Far Cry der spielerischen Vergangenheit angehören.
Dass die Levels teilweise durch unsichtbare Wände begrenzt werden dürfte heutzutage auch schon fast museums-charakter haben.
Aber lassen wir uns nicht durch diese Details den kompletten Spielspaß verderben sondern lasst uns die als Motivation gedachten Secrets suchen. Diese Secrets sind kleine Notebooks die in den Leveln, meist in Hütten und Häusern der feindlichen Armee, versteckt sind. Allerdings konnte ich die Sinnhaftigkeit dieser Secrets nicht nachvollziehen, da auf diesen Notebooks stets nur kurze, sehr unaussagekräftige und belanglose Zeilen geschrieben stehen, die den Spieler normalerweise nicht allzusehr interessieren dürften. Etwas mehr Inhalt, z.B. Hinweise aus versteckte Waffenlager oder lustige Briefwechsel wie es andere Spiele wie Doom 3 erfolgreich vormachen, hätten auch Sniper: Ghost Warrior gut getan. Folglich fallen die Secrets für mich in die Ketegorie: Gut gedacht doch schlecht gemacht.

good: eerie silence

Sniper: Ghost Warrior hat aber auch viele gute Aspekte.
Im Allgemeinen sind die Missionen sehr abwechslungsreich ausgefallen, man jagen Sie im Dschungel mit einem Boot über einen Fluss, mal schleichen Sie sich im Mondschein in ein feindliches Camp ein anderes mal müssen Sie von einem hohen Turm aus Ihren Kameraden beschützen, welche einen Laster zu klauen wollen.
Zu Beginn macht das lautlose Ausschalten von Gegnern immens Spaß. Im weiteren Spielverlauf wünsch man sich, dass Sgt. Tyler Wales gegen Sam Fischer austauschen zu können, denn späterstens nach ein paar Stunden nerven die gelegentlichen Actioneinlagen.
Anscheinend ist den Entwickler aber gegen Ende noch einmal ein ordentlich kreativer Geistesblitz durch ihr Gehrin gejagt.
Höhepunkt des ganzen ist die bereits oben erwähnte Mission 'Steal from under their noses part II', in der einem das Spiel sogar die Option offen lässt ob man sich lieber lautlos durch das streng bewachte Camp schleicht oder in Rambo Manier durchmetzgert. Wer sich für die unauffällige Variante entscheidet bekommt per Funkspruch die Gegner, welche ein Kamerad mit seinem Fernglas erspäht hat, markiert. Aber beide Wege führen zum Ziel.
In der nachfolgende Mission 'A marksman at his best' ist das Spiel genau anders herum. Diesmal müssen Sie per Fernglas die Gegner für Ihren Kameraden suchen damit dieser selbige zielgenau erledigen kann.
Solche Missionen und einige in denen man bestimmte, zentral wichtige Personen ausschalten muss gehören zu den Highlights von Sniper: Ghost Warrior.

quintessence

Wem Sam Fischer und Hitman einen Tick zu langatmig waren und sich mehr Action und Taktik gewünsch hat der sollten sich Sniper: Ghost Warrior zulegen. Aber halt! Sollten solche Kunden nicht lieber Arma II spielen. Ja dieses Spiel sitzt wirklich zwischen den Stuhlen.
Aber jedem dem diese Mischung gefällt wird mit hochspannung in dem Missionen und schönen Videosequenzen belohnt.
Puls messen, Entfernungsanzeigen, Windstärke, alles was das Herz begehrt. Sie werden sich wie ein richtiger Stealth-Sniper fühlen.
Für diesen humanen Preis schaue ich gerne über die kleinen oder größeren Mängel des Spieles hinweg.

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Wertung
Pro und Kontra
  • Grafik: Detailreiche Vegatation, extreme Weitsicht
  • Sound: Schöne Soundkulisse
  • Balance: Anspruchsvolle Taktik (höchste Schwierigkeit)
  • Atmosphäre: Stimmungsvolle, passende Atmoshhäre
  • Bedienung: Einfacher Einstieg
  • Umfang: -
  • Leveldesign: Abwechslungsreiche Einsatzgebiete
  • KI: Treffen sehr gut
  • Waffen & Extras: Mächtige Scharfschützdengewehre
  • Handlung: Gut inszenierte Zwischensequenzen
  • Grafik: Verpixelte Schatten
  • Sound: Waffensound schwach
  • Balance: Niedrigere Schwierikteitsgrade machen keine Spaß
  • Atmosphäre: -
  • Bedienung: Nichts für Anfänger im Genere
  • Umfang: Kurze Spielzeit, Multiplayer sehr kurzweilig
  • Leveldesign: Oft Schlauchlevel
  • KI: Ist allwissend, bleibt aber dumm stehen
  • Waffen & Extras: Wenige und teilweise ähnliche Gewehre
  • Handlung: Belanglose Story und belangloser Held

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

genau richtig

Bugs:

Nur sehr wenige

Spielzeit:

Mehr als 5, weniger als 10 Stunden



Kommentare(3)

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